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Wahl.Qual: Politikern Löcher in Bäuche fragen…

totalwahl

totalwahl…ist wie Hamster nach Karnassos tragen, wie ein altes griechisches Sprichwort sagt. Die Hoffnung, dass Crowdsourcing einen Dialog zwischen „denen da oben“ und dem gemeinen Fußvolk installiert, verreckt qualvoll zuletzt, aber nachhaltig [1. Wie etwa der weitere Fortgang der Grünen Crowdsourcing-Plakataktion zeigt: es geht ja überhaupt nicht um „professionellen“ Look, sondern einfach nur um die Signalwirkung. Ob ein ge-photo-shoppter Van der Bellen mit Allerweltsslogan tatsächlich die Grünen hochkatapultiert, ist mehr als fraglich. Ohnehin schiene es mir in diesem Wahlkampf sehr empfehlenswert, sich etwas aus dem Fenster zu lehnen, statt bloß auf „bewährte“ Strategien zu setzen: alles andere als ein großer Zuwachs wäre – let’s face it – Totalversagen. Da sind saugeile Plakate dabei, aber was hat die Abstimmung in einem Standard-Advertorial verloren? Warum können User keine Kommentare zu den Plakaten verfassen? Zuerst Web 2.0, dann halbgar: that doesn’t sparkle with me.]. Dieser unkommunikativen Ödnis wollen Markus Kienast und Georg SC-Hütz mit ihrer diese Woche gestarteten Plattform Wahltotal.at Abhilfe schaffen: jeder wissbegierige Wähler kann Videofragen aufnehmen, hochladen und hoffen, dass einer der angesprochenen Politiker im Idealfall sogar antwortet.

Gelauncht wurde Wahltotal am Montag, die ots-Presseaussendung über die Plattform gehörte zu den meistgelesenen Nachrichten des Tages – kein Wunder, denn die Idee ist simpel, schnell kommunizierbar und bietet einen ungefilterten, direkten Kommunikationskanal, der wesentlich undröger daherkommt als die symbolischen Diskussions-Schlagabtäusche im Fernsehen:

Ab heute kann sich jeder einfach und kostenlos mit seinen Anliegen direkt an die österreichischen Politiker wenden. Einfach Videos mit deinen Fragen aufnehmen (z. B. mit deiner Digital-Kamera) und auf WahlTotal.at hochladen. Mit ausreichend Votes von deinen Freunden und der Community kannst du deiner Frage genug Gewicht verschaffen, dass unsere Politiker nicht umhin kommen, sie zu beantworten.

Ich bin gespannt, ob Wahltotal genug Impact entwickelt – das sieht Max recht ähnlich.

Spreading: den Virus füttern

wahlvideoIch hab gestern mal testweise eine Frage aufgenommen und hochgeladen, allerdings scheint’s mit dem Dreier-Firefox noch zu haken, mit dem Internet Explorer ließ sich die Datei dann allerdings hochschieben und veröffentlichen. Über solche technischen Startproblemchen mag man hinwegsehen – allerdings fehlen mir einige Features, welche die Betreiber in ihrem eigenen Interesse hoffentlich noch nachreichen.

Dass sich User, die ein Video hochladen wollen, registrieren müssen, halte ich für hochgradig sinnvoll – schon allein deshalb, damit Videos später wieder gelöscht bzw. Beschreibungen bearbeitet werden können. Wahltotal verlangt allerdings auch fürs Kommentieren und sogar fürs Voten ein Log-In. Bei den Kommentaren sollte ein Captcha ausreichen, die Votes würde ich über ein Cookie mit Tagesgültigkeit überprüfen [2. Die IP-Methode hätte den Nachteil, dass nach der ersten Stimme aus einem Subnetz, z.B. einem Büro, das nach außen hin eine IP verwendet, alle anderen User im selben Netzwerk nicht mehr wählen könnten.]. Wenn sich jemand die Mühe machen möchte, mehrere Browser zu verwenden bzw. den Cookie-Cache zu löschen, dann geschieht auch kein Unheil: und mit einer Stimme pro Tag könnte man einerseits einen zeitlichen Verlauf der „drängendsten“ Fragen anzeigen und andererseits für mehr Returning Visitors sorgen.

Ebenfalls extrem schmerzlich vermisse ich eine Embed-Funktion fürs Video. Ich weiß nicht, ob der eingesetzte Flow-Player diese mitbringt, aber gerade bei einer vorwiegend viral vermarkteten Plattform muss man Blogosphäre und Co. reichlich füttern.

2 comments
Neologism
Neologism

Nette Idee sollte es in Deutschland auch geben, mir ist jedenfalls nichts vergleichbares bekannt. Allerdings besteht durch die Voting Option díe Gefahr, das nur Schwachsinnige Fragen gepusht werden. Das wäre sehr Schade...

ritchie
ritchie

Ja, da hast du recht - die Gefahr besteht natürlich, mal sehen, wie sich das ganze weiterentwickelt. Die ersten Antworten sind übrigens schon eingetrudelt.