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Browser-Krieg: Von Chrome und anderen Übergangsmetallen

05.09.2008, geschrieben von , 4 Kommentare

smallchrome Browser Krieg: Von Chrome und anderen Übergangsmetallen launcht einen neuen Browser — aber die Begeisterung ist längst nicht mehr so unge­teilt, wie sie einst war. Als alter Sack kann ich mich noch gut erin­nern, wie damals 1830 die Rede war vom Microsoft-Anti-Monopol Prozess und man schon befürch­tete, M$ schi­cke sich an, die Netzwelt zu erobern. O tem­pora o mores! M$ maßte sich damals an, sei­nen ID mit Windows zu bun­deln, was die Kartellwächter auf den Plan rief. Aber das war ja alles Kinderkram im Vergleich zu Big G’s World Domination Plans, und eines darf man nie ver­ges­sen: als Eric Schmidt mal gefragt wurde, wie “Don’t be evil” eigent­lich in der Praxis defi­niert wird, lau­tete die Antwort: “Evil is what Larry Page and Sergej Brin think is evil.“[1. nach­zu­le­sen im Buch Die Googlefalle] Dabei gibt’s sogar einen Comic über die Vorteile von  — aus dem stammt übri­gens auch neben­ste­hen­der “Remix”.

Ist Chrome giftig?

Chemiker ord­nen das silbrig-metallische Chrom im Periodensystem der Elemente der Gruppe der Überg­angs­me­talle zu. Im indus­tri­el­len Einsatz spielt Cr, so die Kurzbezeichnung, vor allem in der Lackherstellung eine beträcht­li­che Rolle — kar­zi­no­gene phy­sio­lo­gi­sche Auswirkungen der sta­bils­ten Form CR3 wer­den der­zeit noch unter­sucht, CR(VI) dage­gen wurde sogar in “Erin Brokovich” dis­ku­tiert, wie die Wikipedia weiß:

Metallisches Chrom und Chrom(III)-Verbindungen sind gewöhn­lich nicht gesund­heits­schä­di­gend. Oral auf­ge­nom­mene Chrom(VI)-Verbindungen sind im Gegensatz dazu als äußerst gif­tig ein­zu­stu­fen. Die letale Dosis ent­spricht einem hal­ben Teelöffel. Chrom(VI)-Verbindungen sind seit lan­gem als krebs­er­re­gend bekannt. Sie wer­den unter ande­rem in Kühlsystemen als Korrosionsschutzmittel ver­wen­det. Die meis­ten Chrom(VI)-Verbindungen ver­ur­sa­chen Irritationen an Augen, Haut und Schleimhäuten. Chronischer Kontakt mit Chrom(VI)-Verbindungen kann bei unter­las­se­ner Behandlung zu blei­ben­den Augenschäden führen.

Was sagen die Erbauer des Internet G3.0 selbst dazu? Googles Statement zur Notwendigkeit der Datenübertragung ist, wie Eric Cartman so schön sagen würde, ganz ein­fach Bullcrap:

Immerhin: Der Suchmaschinen-Gigant ver­schweigt den Daten-Transfer nicht, son­dern weist wäh­rend der Installation sogar aus­drück­lich dar­auf hin. Die Daten wür­den – laut Google-eigenen Angaben – unter ande­rem für Suchfunktionen im Programm benö­tigt. Nur so werde es mög­lich, ein­ge­tippte Begriffe direkt in Internet-Adressen umzuwandeln.

Oder wie lässt sich sonst erklä­ren, dass bei­spiels­weise das Live Search Plugin die glei­che Funktion beherrscht, ohne dass man pro Blog einen spe­zi­el­len Browser instal­lie­ren muss… dass bei Google noch nie­mand was von Access-Hierarchien und Ajax gehört hat, darf wohl als unwahr­schein­lich gelten.

Anonym sur­fen: unmög­lich mit Chrome

Die Qualität der gewon­nen Daten dürfte aller­dings in der Tat stei­gen: denn Google erfasst mit sei­nem neuen Browser nicht zuletzt einen beträcht­li­chen Teil jener User, die Google nut­zen, ohne ein­ge­loggt zu sein — die Surfgewohnheiten des rest­li­chen Kundenstocks kennt man ohne­hin zur Genüge. Chrome umgeht mit der ein­deu­ti­gen ID-Nummer, die jeder Browser zuge­wie­sen wird, sämt­li­che Mechanismen, die man der­zeit nut­zen kann, um eini­ger­ma­ßen uner­kannt zu sur­fen: gelöschte Cookies und über Proxys umge­bo­ge­nen IDs kann man sich mit Chrome spa­ren — immer­hin tele­fo­niert der Browser ganz ohne läs­ti­gen Usereinfluss nach Hause und hat in Deutschland sofort den Spitznamen “Schäuble Browser” bekom­men. Das hält aber nur wenige User von der Benutzung ab: bereits kurze Zeit nach dem Start konnte sich Chrome in der Clicky 30-Tages-Statistik nach IE, FF und Safari auf Platz vier vorschieben:

chromestats Browser Krieg: Von Chrome und anderen Übergangsmetallen

Mein Hauptbedenken gilt aber kei­nes­wegs dem  — hier sind, grob ver­ein­fa­chend aus­ge­drückt, im Fall von Google das Floß nicht nur abge­trie­ben, son­dern längst am Wasserfall zer­schellt. Außerdem dürfte es in punkto Privacy auf den ers­ten Blick sehr schwie­rig wer­den, Matt Cutts’ Argument zu wider­spre­chen: jeder Verschwörungstheoretiker ist ein­ge­la­den, einen Blick in den offe­nen Source Code des Browsers zu wer­fen — ob sich die OS-Policy in der Praxis als Feigenblatt her­aus­stellt, muss erst die Zukunft zei­gen. Details über die tat­säch­lich ans Headquarter geschick­ten Daten kennt das daten­schutz­blog.

Tu felix Google nube

An per­so­nen­be­zo­ge­nen Tracking-Daten haben Regierungen in der Tat mehr Interesse als Suchmaschinenbetreiber. Google rich­tet sich mit Chrome pri­mär das idea­len Adsense-Biotop ein, wie am Finblog nach­zu­le­sen ist — wer wei­ter­hin selb­stän­dig im Netz arbei­ten möchte und so wie ich nur Nachteile darin sieht, Google als ein­zi­gen und exklu­si­ven “Businesspartner” zu haben. Und daher mache ich eine Ausnahme und schreibe in die­sem Posting über eine , die nie­mals den Weg auf meine PCs fin­den wird. Wer immer noch zwei­felt, dem rate ich, einen Blick auf die Sieben Gründe, Chrome nicht zu ver­wen­den zu werfen.

Ich bin mit Firefox 3 zwar nicht völ­lig zufrie­den, aber Browsen ohne Statuszeile und SEO-Tools geht gar nicht — mein Desktop bleibt Chromefrei.[2. Ich will die Trolle ja nicht noch zusätz­lich mit dem Aussterben bedro­hen.] Einer der sich aller­dings garan­tiert freuen wird, ist wohl Panacea: ich würde drauf wet­ten, dass sein Label “Position Chrome” in den letz­ten Tagen einige zusätz­li­che Hits bekom­men hat…

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Bisher haben meine Lieblingsleser 4 Kommentare zu "Browser-Krieg: Von Chrome und anderen Übergangsmetallen" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Luca Identicon Icon

    Wie wäre es mit einem Fork, bei dem die ID tages­be­zo­gen gewech­selt wer­den. Soll hei­ßen bekommt jeden Tag Daten von “einem” Browser, der ein paar hun­dert Stunden gesurft hat. Alternativ kann man das ganze Zeug auch ganz raus­lö­schen. Aber ich bin ja kein Programmierer. Vielleicht auch gefakte Daten. Die Ideen wären ja da, jetzt muss sie nur noch jemand umsetzen.

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 6. September 2008 um 9:40

    Ich bin gespannt, ob sich da Forks bil­den… in der Praxis stell ich mir das recht schwie­rig vor mit der Weiterentwicklung.

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  • Francis Drake Identicon Icon

    Konsequent bist Du. Erst Adsense/Analytics ver­ban­nen, dann auf Chrome frei­wil­lig ver­zich­ten (immer­hin das kom­mende Web-OS). Nicht übel :)
    Bezgl. Firefox: Warte mal ab auf die neue JavaScript Engine, das wird auch noch­mal wesent­lich schnel­ler alles. Ausserdem tut sich auch auf jquery Ebene immer wie­der was.

    Ich bin btw. auch immer noch bei FF3, *aber* ich halte Chrome für sehr sehr inter­es­sant und viel­ver­spre­chend, grade im Hinblick auf den kom­men­den Wegfall von Windows/Office durch den Einsatz von Chrome/Gears/Docs. Und ich werde der­weil einen Teufel tun und mich die­sen neuen Entwicklungen verschliessen.

    Hast Du Dir schon de WP/Gears Geschichte ange­se­hen? Will mir das für Drupal mal genauer anse­hen in den nächs­ten Wochen.

    Piratengruss,

    Francis :grin:

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 6. September 2008 um 9:41

    WP/Gears hab ich mir ange­schaut, aller­dings bringt das echt nur was bei GPRS Verbindung, ansons­ten lädt das Backend bei mir auch stan­dard­mä­ßig sehr schnell.

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