Gewinnspiel: 3x Stichwortgeberinnen – von konservativem Feminismus

maodelic

stichwortgeberinnenFrage an Radio Eriwan: Was ist konservativer Feminismus? Antwort: wenn Alt-Bundeskanzler Kohl Alice Schwarzer Rosen schickt. Contradictio in adjecto? Nein, sagen die Herausgeber der „Stichwortgeberinnen“: Carmen Wappel, Peter Danich, Dietmar Halper und Christian Sebastian Moser haben 14 Frauen aus Politik und Wirtschaft portraitiert. Das Buch erschien in der edition noir, hat aber trotzdem einen grünen Umschlag – Verwirrung allenthalben, die sich aber schnell klärt, wenn man einen Blick auf die Portraits von Angela Merkel, Maria Schaumayer, Schester Maria Restituta oder Ursula Plassnik wirft: es handelt sich um eine Art ideologischen Leitfaden zur ÖVP-Frauenpolitik. „Alice Schwarzer ist eine konservative Feministin, liberal-konservativer Feminismus steht für gute Manieren und ökonomische Selbstermächtigung“ – ich freue mich schon sehr auf Diskussionsbeiträge zu dieser Story! Von Mao habe ich drei Exemplare zum Verlosen bekommen und ich habe mit ihm ein Interview geführt, das genausogut in der Emma erscheinen könnte :mrgreen:

Stichwortgeberinnen gewinnen

Achtung, hochverehrte junge Leserin: falls Sie bislang ziellos durchs Leben irrten, dann dürfen Sie sich dieses Gewinnspiel keineswegs entgehen lassen:

In 14 Portraits werden eroflgreiche Frauen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kirche und den neuen sozailen Bewegungen vorgestellt. Die Stichwortgeberinnen zeigen jungen Frauen positive und visionäre Rollenmodelle. Das Buch will junge Frauen ermutigen, eigenständige Karriern. einzuschlagen – Vorbilder gibt es dank der Stichwortgeberinnen ab jetzt genug. Die Lebensläufe der Stichwortgeberinnen belegen eindrucksvoll, dass konservativer Feminismus mehr als nur ein Schlagwort ist.

Wer gewinnen möchte, teilt dies via Kommentar mit – es gelten dieselben Teilnahmebedingungen wie immer, sprich: wer das Gewinnspiel ankündigt (Blog, soup, Tumblr, Twitter…) und/oder datenschmutz-Fan auf Facebook wird und mich dies im Kommentar wissen lässt, erhält ein Extra-Los, das Gewinnspiel endet am 7. September.

Interview mit Christian Sebastian Moser

„Ich würde Alice Schwarzer als konservative Feministin bezeichnen“, sagt Christian Moser im Interview. Ob die Gründerin der Emma dem wohl zustimmen würde? Mehr knackige Aussagen zum Thema Frauen, Rap und der ganze Rest im folgenden Interview – ohne Maulkorb und dritten Boden: denn in Zeiten wie diesen muss man über jeden Beitrag zur Wahlorientierung froh sein…

ritchie: Dem Projekt, eine konservative Textsammlung feministischer Lebensentwürfe zusammen zu stellen, wohnt eine gewisse Schizophrenie inne – etwa vergleichbar mit einer Onthologie über die Rolle psychoaktive Drogen in völlig abstinenten Religionsgemeinschaften. Und zwar deshalb, weil Feminismus – zumindest im nicht biologischen Sinne – ein ganz klar links-ideologisches Konzept darstellt, was auch der Klappentext fast rechtfertigend gesteht: „Die Lebensläufe der Stichwortgeberinnen belegen eindrucksvoll, dass konservativer Feminismus mehr als nur ein Schlagwort ist.“ Warum der plötzliche Versuch einer Umdeutung? Die ÖVP steht doch für traditionelle Mann-Frauen-Rollen, die mit dem Konzept des Feminismus völlig unvereinbar sind? Kann man sich denn auf gar keine unverrückbaren Positionen im politischen Spektrum mehr verlassen?

Christian Moser: Also wenn ich mir Bruno Kreiskys Begründung zur Ablehnung von Hertha Firnberg vergegenwärtige, wäre es mir neu, dass Feminismus etwas linkes ist. Machotum und Sexismus sind nicht links oder rechts, sondern Persönlichkeitsdefizite. Wenn Feminismus für Zwangsquoten und von Steuergeldern alimentiertes Moralisieren steht, ist er sicher links. Wenn Feminismus für ökonomische Selbstermächtigung, Höflichkeit und gute Manieren steht, ist er mit Sicherheit bürgerlich liberalkonservativ.

Christian Moser mit Monika Posch, Generalsekretärin ÖVP-Frauen.

In einer Gesellschaft ohne Traditionen kann konservativer Feminismus nicht mehr heißen, untergegangenen Weltbildern nachzutrauern. Bei einer Frauenerwerbsquote von über 70 Prozent und Scheidungsquoten von mehr als 50 Prozent gibt es keine traditionelles Mann-Frau-Rollenbild mehr, schon seit den Siebziger des letzten Jahrtausends nicht. Im Unterschied zu damals kommen Familien ja auch nicht mehr mit einem Einkommen aus. Der nächste Schritt heißt jetzt, Vater-Sein in der Gesellschaft als sexy und erstrebenswert zu verankern. Brad Pitt hat da einiges an Pionierarbeit geleistet. Frau von der Leyen hat sicher recht: Es ist eine Witz, dass Frauen und Männer sich noch immer für Karriere oder Kinder entscheiden müssen. Kinder und Karriere als natürliche Symbiose und Einheit zu begreifen ist das Kernanliegen eines konservativen Feminismus.

?: „Das Buch will junge Frauen ermutigen, eigenständige Karrieren einzuschlagen – Vorbilder gibt’s dank der Stichwortgeberinnen jetzt genug“, sagt der Klappentext. War das vorher anders? Oder anders gefragt: was unterscheidet die ÖVP-Vorbildnerinnen von den Heldinnen der Arbeiterklasse?

!: Zur besseren Illustration möchte ich das mit einem Vergleich aus der Rapwelt verdeutlichen: Bürgerliche Frauen argumentieren wie Kit Kat oder Missy Elliot über ökonomische Selbstermächtigung und die Schönheit, eine Frau zu sein, grüne Frauen rappen wie Lady Bitch Ray und Texta ohne Flow und rein akademisch von oben herab und haben keine Ahnung, wie der Alltag der meisten Menschen aussieht und sozialdemokratischer Feminismus klingt wohl am ehesten wie Mieze Medusa : immer leicht neben dem Takt. [AdB – Anmerkung des Bloggers: Ich distanziere mich hiermit deutlich von der Aussage, dass Lady Bitch Ray keinen Flow hat.]

Sybille Hamann
Sybille Hamann, Journalistin, bei der Buchpräsentation

Konservativer Feminismus hat ja auch was mit Style, Ästhetik, Mode, Weiblickeit und ökonomischer Selbstermächtigung zu tun. Es ist seit jeher ein konservatives Anliegen, dass mehr Frauen als selbständige Karrieren machen. Und wenn eine Dame gerne High Heels trägt, ist das nicht sofort eine strukturelle Ausbeutung. Linker Feminismus hat für mich immer was mit Blockwärtermentalität und Sinnesfeindlichkeit zu tun. Und was noch erschwerend hinzukommt: Linke Feministinnen argumentieren meistens mit Steuergeldern alimentiert (wie viele linke Feministinnen gibt es, die in der Privatwirtschaft ihr geld verdienen?) und mit moralischem Impetus, auf der richtigen Seite zu stehen. An diesem hohepriesterlichen Moralingeseier wird die Welt sicher nicht genesen. Für bürgerliche Feministinnen sind hingegen getting paid und ökonomische Selbstermächtigung zentrale Kategorien. Quoten sind aus konservativer Sicht leistungsfeindlich, wir betrachten Frauen nicht als extra förderungswürdig.

?: Elisabeth Noelle-Neummann, die du im Buch protraitiert hast, kennen wir beide aus dem Studium der Kommunikationswissenschaft. Die Erfinderin der „Schweigespirale“ war für mich immer eine der überzeugtesten Anhängerinnen einer „objektiven“ Wissenschaft, die eine konstruktivistische Weltsicht sicherlich scharf verurteilt hätte. Am Ende des Kapitels folgen einige ihrer Zitate, die für mich – pardon, Frau Noelle-Neumann – fast nach Satire klingen wie „Die Demoskopie kann schreiben, was sie will, sie ändert doch nichts an den Realitäten“ oder „Aussagen über alle sind nicht Aussagen über jeden“. Warum hast du gerade sie ausgewählt als Rollenmodell für kontemporäre junge Kommunikationswissenschaftlerinnen? Wäre da eine Sherry Turkle, die sich mit komplexen Gender-Konstruktionen in Medien auseinander setzt, nicht ein lohnenderes Studienobjekt gewesen?

Maria Schaumayer
Maria Schaumayer bei der Buchpräsentation

!: Noelle-Neumann hab ich vor allem wegen ihrer herausragenden Entrepreneurskills ausgewählt. Sie hat ja ihre erste Firma in einer Garage gegründet. Was Frau Neumann darüber hinaus interessant macht, sprichst du mit deiner Frage an: in ihrem Werk und in ihren Büchern ist sie meist eben nicht straight objektivistisch, sondern lappt immer wieder mal ins Esoterisch-Metaphysische ab. Sie weiß eben genau, dass sich die soziale Wirklichkeit nicht a la Comte rein mit Positivismus deuten lässt, eine so verstandene Sozialwissenschaft artet meist in wenig ergiebiger Materialhuberei aus. Das Transzendente und Irreale sind ja zentrale Kategorien für das konservative Weltbild, die Reduktion auf materialistische Kategorien ist ja eine Reductio ab absurdum aus dem linken Theorielabor, die viel Leid und Totalitarismus in die welt gebracht hat.

?: Das knappe Vorwort suggeriert, dass die allfällige Benachteiligung von Frauen einzig und allein auf das bisherige Fehlen von Rollen-Vorbildern zurück zu führen sein. Wie haben nicht-konservative Feministinnen bisher auf das Buch reagiert?

!: Im Standard und im Deutschlandfunk gab es recht positives Feedback. Ich hoffe, dass es noch weitere inhaltliche Auseindersetzung geben wird.

?: Siehst du Alice Schwarzer auch als konservative Feministin?

!: Klar würde ich Alice Schwarzer als konservative Feministin bezeichnen: sie tritt für Entscheidungsfreiheit ein und für den freien Willen, nein zu sagen. Mit ihrem entschiedenen Eintreten gegen Pornographie vertritt sie zudem eine genuin konservative Position.

?: Du sagst oben weiter, dass High Heels nicht gleich strukturelle Ausbeutung bedeuten müssen. Wie geht das mit einem generellen Porno-Verbot zusammen? Denkst du, dass Michaela Schaffrath oder Dolly Buster strukturell ausgebeutet wurden? Oder anders gefragt: gibt es außer moralischen Gründen noch andere, um Pornographie abzulehnen, sofern es sich bei allen Beteiligten um „consenting Adults“ handelt?

!: Schwierige Frage nach den consenting Adults. Pornographie, die Frauen freiwillig machen bzw. als emanzipatorisch sehen, halte ich selbst schon für einen patriarchalen Mythos bzw. männliches Wunschdenken. Sex zu verkaufen ist einfach kein ethisch nachhaltiges Investment, ähnlich wie der liberale Konservative an der Börse keine Waffenfabrikanten handelt, wird er auch versuchen, Pornographie nicht zu konsumieren und zu fördern. Das heißt, dass jeder Mann/Frau in seinem Umfeld versuchen sollte, aktiv gegen Pornographie einzutreten.

8 comments
Jana
Jana

Ja, Königin, ja!

ritchie
ritchie

Gewinnspiel beendet So, fast übersehen :mrgreen: Gewonnen haben Silke und Jana, herzlichen Glückwunsch!

Silke
Silke

Ich finde es gut, dass so viele verschiedene Frauen einbezogen wurden. Es bleibt eben nicht bei der üblichen Frauen Marketing Masche, bei der Frauen, sobald sie ein gewisses Auftreten haben, als Feministinnen betitelt, eigentlich sogar beschimpft werden. Hier ist erkennbar, dass es nur meine Meinung, die ich mir auch durch konsumgoettinnen.de nur hab bestätigen lassen, sich festigen wird und richtig ist: Frauen können eben viel mehr als nur schön aussehen.

Linux Michel
Linux Michel

Der Feminismus ist in dem Moment gescheitert wo er die Idee die dahinter Stand verraten hat. Ziel war gleiche rechte in der Gesellschaft für Mann und Frau ... nur ist es heute immer noch ganz normal das Frauen schlechter für den selben Job bezahlt werden ... als Mann kann ich da nicht verstehen das Frau Schwarzer sich feiern läst oder Angela Merkel nur annähernd in die Richtung gerückt wird da sie zu 100% in einer Männer Gesellschaft agiert und diese auch fördert.

Jana
Jana

(oh, alles noch so leer hier...) Wenn das Konstrukt "konservativer Feminismus" dazu beiträgt, ein wenig von der Pauschaldiskreditierung des Feminismus abzubauen, dann kann das ja nur gut sein. Davon abgesehen ist eine Einvernehmung von links wie von rechts im allgemeinen wenig brauchbar für den Feminismus selbst - hätte Angela Merkel sich offensiv als Feministin geriert, hätte Deutschland immer noch keine Kanzlerin (und obwohl ich nie CDU wählen würde, wünsche ich mir, dass sie Kanzlerin bleibt schon allein deswegen). Feminismus funktioniert am besten dann, wenn er sich selbst nicht thematisiert* - das allein ist Anzeichen genug, dass Feminismus notwendig ist wie eh un je. *) Das ist übrigens auch noch ein nachgereichter Grund gegen das Binnen-I: Das Ostentative des Binnen-Is ist das, was es mir verdächtig macht. Außerdem ist es schon immer das Willfährigste aller Feigenblätter gewesen. Lang lebe stattdessen die Verwendung deS Femininum als unmarkierte Form!

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  1. […] Trigger für diese Anekdote ist übrigens ein Gewinnspiel auf Datenschmutz: Drei Exemplare von “Stichwortgeberinnen. 14 Portäts erfolgreicher Frauen in Politik und Wirts…, dazu gibt es ein Interview mit einem der Herausgeber zum Thema “konservativer […]