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Gewinnspiel: 3x Stichwortgeberinnen — von konservativem Feminismus

01.09.2008, geschrieben von Ritchie Blogfried Pettauer, 8 Kommentare

stichwortgeberinnenFrage an Radio Eriwan: Was ist kon­ser­va­ti­ver Feminismus? Antwort: wenn Alt-Bundeskanzler Kohl Rosen schickt. Contradictio in adjecto? Nein, sagen die Herausgeber der “Stichwortgeberinnen”: Carmen Wappel, Peter Danich, Dietmar Halper und Christian Sebastian Moser haben 14 Frauen aus Politik und Wirtschaft por­trai­tiert. Das Buch erschien in der edi­tion noir, hat aber trotz­dem einen grü­nen Umschlag —  allent­hal­ben, die sich aber schnell klärt, wenn man einen Blick auf die Portraits von Angela Merkel, Maria Schaumayer, Schester Maria Restituta oder Ursula Plassnik wirft: es han­delt sich um eine Art ideo­lo­gi­schen Leitfaden zur ÖVP-Frauenpolitik. “ ist eine kon­ser­va­tive Feministin, liberal-konservativer Feminismus steht für gute Manieren und ökono­mi­sche Selbstermächtigung” — ich freue mich schon sehr auf Diskussionsbeiträge zu die­ser Story! Von Mao habe ich drei Exemplare zum Verlosen bekom­men und ich habe mit ihm ein geführt, das genau­so­gut in der Emma erschei­nen könnte :mrgreen:

Stichwortgeberinnen gewin­nen

Achtung, hoch­ver­ehrte junge Leserin: falls Sie bis­lang ziel­los durchs Leben irr­ten, dann dür­fen Sie sich die­ses Gewinnspiel kei­nes­wegs ent­ge­hen lassen:

In 14 Portraits wer­den erof­lg­rei­che Frauen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kirche und den neuen sozai­len Bewegungen vor­ge­stellt. Die Stichwortgeberinnen zei­gen jun­gen Frauen posi­tive und visio­näre Rollenmodelle. Das Buch will junge Frauen ermu­ti­gen, eigen­stän­dige Karriern. ein­zu­schla­gen — Vorbilder gibt es dank der Stichwortgeberinnen ab jetzt genug. Die Lebensläufe der Stichwortgeberinnen bele­gen ein­drucks­voll, dass kon­ser­va­ti­ver Feminismus mehr als nur ein Schlagwort ist.

Wer gewin­nen möchte, teilt dies via Kommentar mit — es gel­ten die­sel­ben Teilnahmebedingungen wie immer, sprich: wer das Gewinnspiel ankün­digt (Blog, soup, Tumblr, Twitter…) und/oder datenschmutz-Fan auf Facebook wird und mich dies im Kommentar wis­sen lässt, erhält ein Extra-Los, das Gewinnspiel endet am 7. September.

mit Christian Sebastian Moser

“Ich würde als kon­ser­va­tive Feministin bezeich­nen”, sagt Christian Moser im . Ob die Gründerin der Emma dem wohl zustim­men würde? Mehr kna­ckige Aussagen zum Thema Frauen, Rap und der ganze Rest im fol­gen­den  — ohne Maulkorb und drit­ten Boden: denn in Zeiten wie die­sen muss man über jeden Beitrag zur Wahlorientierung froh sein…

rit­chie: Dem Projekt, eine kon­ser­va­tive Textsammlung femi­nis­ti­scher Lebensentwürfe zusam­men zu stel­len, wohnt eine gewisse Schizophrenie inne — etwa ver­gleich­bar mit einer Onthologie über die Rolle psy­cho­ak­tive Drogen in völ­lig absti­nen­ten Religionsgemeinschaften. Und zwar des­halb, weil Feminismus — zumin­dest im nicht bio­lo­gi­schen Sinne — ein ganz klar links-ideologisches Konzept dar­stellt, was auch der Klappentext fast recht­fer­ti­gend gesteht: “Die Lebensläufe der Stichwortgeberinnen bele­gen ein­drucks­voll, dass kon­ser­va­ti­ver Feminismus mehr als nur ein Schlagwort ist.” Warum der plötz­li­che Versuch einer Umdeutung? Die ÖVP steht doch für tra­di­tio­nelle Mann-Frauen-Rollen, die mit dem Konzept des Feminismus völ­lig unver­ein­bar sind? Kann man sich denn auf gar keine unver­rück­ba­ren Positionen im poli­ti­schen Spektrum mehr verlassen?

Christian Moser: Also wenn ich mir Bruno Kreiskys Begründung zur Ablehnung von Hertha Firnberg ver­ge­gen­wär­tige, wäre es mir neu, dass Feminismus etwas lin­kes ist. Machotum und Sexismus sind nicht links oder rechts, son­dern Persönlichkeitsdefizite. Wenn Feminismus für Zwangsquoten und von Steuergeldern ali­men­tier­tes Moralisieren steht, ist er sicher links. Wenn Feminismus für ökono­mi­sche Selbstermächtigung, Höflichkeit und gute Manieren steht, ist er mit Sicherheit bür­ger­lich liberalkonservativ.

maodelic Gewinnspiel: 3x Stichwortgeberinnen   von konservativem Feminismus
Christian Moser mit Monika Posch, Generalsekretärin ÖVP-Frauen.

In einer Gesellschaft ohne Traditionen kann kon­ser­va­ti­ver Feminismus nicht mehr hei­ßen, unter­ge­gan­ge­nen Weltbildern nach­zu­trau­ern. Bei einer Frauenerwerbsquote von über 70 Prozent und Scheidungsquoten von mehr als 50 Prozent gibt es keine tra­di­tio­nel­les Mann-Frau-Rollenbild mehr, schon seit den Siebziger des letz­ten Jahrtausends nicht. Im Unterschied zu damals kom­men Familien ja auch nicht mehr mit einem aus. Der nächste Schritt heißt jetzt, Vater-Sein in der Gesellschaft als sexy und erstre­bens­wert zu ver­an­kern. Brad Pitt hat da eini­ges an Pionierarbeit geleis­tet. Frau von der Leyen hat sicher recht: Es ist eine Witz, dass Frauen und Männer sich noch immer für Karriere oder Kinder ent­schei­den müs­sen. Kinder und Karriere als natür­li­che Symbiose und Einheit zu begrei­fen ist das Kernanliegen eines kon­ser­va­ti­ven Feminismus.

?: “Das Buch will junge Frauen ermu­ti­gen, eigen­stän­dige Karrieren ein­zu­schla­gen — Vorbilder gibt’s dank der Stichwortgeberinnen jetzt genug”, sagt der Klappentext. War das vor­her anders? Oder anders gefragt: was unter­schei­det die ÖVP-Vorbildnerinnen von den Heldinnen der Arbeiterklasse?

!: Zur bes­se­ren Illustration möchte ich das mit einem aus der Rapwelt ver­deut­li­chen: Bürgerliche Frauen argu­men­tie­ren wie Kit Kat oder Missy Elliot über ökono­mi­sche Selbstermächtigung und die Schönheit, eine Frau zu sein, grüne Frauen rap­pen wie Lady Bitch Ray und Texta ohne Flow und rein aka­de­misch von oben herab und haben keine Ahnung, wie der Alltag der meis­ten Menschen aus­sieht und sozi­al­de­mo­kra­ti­scher Feminismus klingt wohl am ehes­ten wie Mieze Medusa : immer leicht neben dem Takt. [AdB — Anmerkung des Bloggers: Ich dis­tan­ziere mich hier­mit deut­lich von der Aussage, dass Lady Bitch Ray kei­nen Flow hat.]

Sybille Hamann
Sybille Hamann, Journalistin, bei der Buchpräsentation

Konservativer Feminismus hat ja auch was mit Style, Ästhe­tik, Mode, Weiblickeit und ökono­mi­scher Selbstermächtigung zu tun. Es ist seit jeher ein kon­ser­va­ti­ves Anliegen, dass mehr Frauen als selb­stän­dige Karrieren machen. Und wenn eine Dame gerne High Heels trägt, ist das nicht sofort eine struk­tu­relle Ausbeutung. Linker Feminismus hat für mich immer was mit Blockwärtermentalität und Sinnesfeindlichkeit zu tun. Und was noch erschwe­rend hin­zu­kommt: Linke Feministinnen argu­men­tie­ren meis­tens mit Steuergeldern ali­men­tiert (wie viele linke Feministinnen gibt es, die in der Privatwirtschaft ihr geld ver­die­nen?) und mit mora­li­schem Impetus, auf der rich­ti­gen Seite zu ste­hen. An die­sem hohe­pries­ter­li­chen Moralingeseier wird die Welt sicher nicht gene­sen. Für bür­ger­li­che Feministinnen sind hin­ge­gen get­ting paid und ökono­mi­sche Selbstermächtigung zen­trale Kategorien. Quoten sind aus kon­ser­va­ti­ver Sicht leis­tungs­feind­lich, wir betrach­ten Frauen nicht als extra förderungswürdig.

?: Elisabeth Noelle-Neummann, die du im Buch pro­trai­tiert hast, ken­nen wir beide aus dem Studium der Kommunikationswissenschaft. Die Erfinderin der “Schweigespirale” war für mich immer eine der über­zeug­tes­ten Anhängerinnen einer “objek­ti­ven” Wissenschaft, die eine kon­struk­ti­vis­ti­sche Weltsicht sicher­lich scharf ver­ur­teilt hätte. Am Ende des Kapitels fol­gen einige ihrer Zitate, die für mich — par­don, Frau Noelle-Neumann — fast nach Satire klin­gen wie “Die Demoskopie kann schrei­ben, was sie will, sie ändert doch nichts an den Realitäten” oder “Aussagen über alle sind nicht Aussagen über jeden”. Warum hast du gerade sie aus­ge­wählt als Rollenmodell für kon­tem­po­räre junge Kommunikationswissenschaftlerinnen? Wäre da eine Sherry Turkle, die sich mit kom­ple­xen Gender-Konstruktionen in Medien aus­ein­an­der setzt, nicht ein loh­nen­de­res Studienobjekt gewesen?

Maria Schaumayer
Maria Schaumayer bei der Buchpräsentation

!: Noelle-Neumann hab ich vor allem wegen ihrer her­aus­ra­gen­den Entrepreneurskills aus­ge­wählt. Sie hat ja ihre erste Firma in einer Garage gegrün­det. Was Frau Neumann dar­über hin­aus inter­es­sant macht, sprichst du mit dei­ner Frage an: in ihrem Werk und in ihren Büchern ist sie meist eben nicht strai­ght objek­ti­vis­tisch, son­dern lappt immer wie­der mal ins Esoterisch-Metaphysische ab. Sie weiß eben genau, dass sich die soziale Wirklichkeit nicht a la Comte rein mit Positivismus deu­ten lässt, eine so ver­stan­dene Sozialwissenschaft artet meist in wenig ergie­bi­ger Materialhuberei aus. Das Transzendente und Irreale sind ja zen­trale Kategorien für das kon­ser­va­tive Weltbild, die Reduktion auf mate­ria­lis­ti­sche Kategorien ist ja eine Reductio ab absur­dum aus dem lin­ken Theorielabor, die viel Leid und Totalitarismus in die welt gebracht hat.

?: Das knappe Vorwort sug­ge­riert, dass die all­fäl­lige Benachteiligung von Frauen ein­zig und allein auf das bis­he­rige Fehlen von Rollen-Vorbildern zurück zu füh­ren sein. Wie haben nicht-konservative Feministinnen bis­her auf das Buch reagiert?

!: Im Standard und im Deutschlandfunk gab es recht posi­ti­ves Feedback. Ich hoffe, dass es noch wei­tere inhalt­li­che Auseindersetzung geben wird.

?: Siehst du auch als kon­ser­va­tive Feministin?

!: Klar würde ich als kon­ser­va­tive Feministin bezeich­nen: sie tritt für Entscheidungsfreiheit ein und für den freien Willen, nein zu sagen. Mit ihrem ent­schie­de­nen Eintreten gegen ver­tritt sie zudem eine genuin kon­ser­va­tive Position.

?: Du sagst oben wei­ter, dass High Heels nicht gleich struk­tu­relle Ausbeutung bedeu­ten müs­sen. Wie geht das mit einem gene­rel­len Porno-Verbot zusam­men? Denkst du, dass Michaela Schaffrath oder Dolly Buster struk­tu­rell aus­ge­beu­tet wur­den? Oder anders gefragt: gibt es außer mora­li­schen Gründen noch andere, um abzu­leh­nen, sofern es sich bei allen Beteiligten um “consen­ting Adults” handelt?

!: Schwierige Frage nach den consen­ting Adults. , die Frauen frei­wil­lig machen bzw. als eman­zi­pa­to­risch sehen, halte ich selbst schon für einen patri­ar­cha­len Mythos bzw. männ­li­ches Wunschdenken. Sex zu ver­kau­fen ist ein­fach kein ethisch nach­hal­ti­ges Investment, ähnlich wie der libe­rale Konservative an der Börse keine Waffenfabrikanten han­delt, wird er auch ver­su­chen, nicht zu kon­su­mie­ren und zu för­dern. Das heißt, dass jeder Mann/Frau in sei­nem Umfeld ver­su­chen sollte, aktiv gegen einzutreten.

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Bisher haben meine Lieblingsleser 8 Kommentare zu "Gewinnspiel: 3x Stichwortgeberinnen — von konservativem Feminismus" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Jana Identicon Icon

    (oh, alles noch so leer hier…)
    Wenn das Konstrukt “kon­ser­va­ti­ver Feminismus” dazu bei­trägt, ein wenig von der Pauschaldiskreditierung des Feminismus abzu­bauen, dann kann das ja nur gut sein. Davon abge­se­hen ist eine Einvernehmung von links wie von rechts im all­ge­mei­nen wenig brauch­bar für den Feminismus selbst — hätte Angela Merkel sich offen­siv als Feministin geriert, hätte Deutschland immer noch keine Kanzlerin (und obwohl ich nie CDU wäh­len würde, wün­sche ich mir, dass sie Kanzlerin bleibt schon allein des­we­gen). Feminismus funk­tio­niert am bes­ten dann, wenn er sich selbst nicht thematisiert* — das allein ist Anzeichen genug, dass Feminismus not­wen­dig ist wie eh un je.
    *) Das ist übri­gens auch noch ein nach­ge­reich­ter Grund gegen das Binnen-I: Das Ostentative des Binnen-Is ist das, was es mir ver­däch­tig macht. Außerdem ist es schon immer das Willfährigste aller Feigenblätter gewe­sen. Lang lebe statt­des­sen die Verwendung deS Femininum als unmar­kierte Form!

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    ritchie Identicon Icon

    Ach, das wird ja lang­wei­lig! Ich kann dir bei denen Kommentaren immer nur voll und ganz zustimmen :mrgreen:

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  • Linux Michel Identicon Icon

    Der Feminismus ist in dem Moment geschei­tert wo er die Idee die dahin­ter Stand ver­ra­ten hat. Ziel war glei­che rechte in der Gesellschaft für Mann und Frau … nur ist es heute immer noch ganz nor­mal das Frauen schlech­ter für den sel­ben Job bezahlt wer­den … als Mann kann ich da nicht ver­ste­hen das Frau Schwarzer sich fei­ern läst oder Angela Merkel nur annä­hernd in die Richtung gerückt wird da sie zu 100% in einer Männer Gesellschaft agiert und diese auch fördert.

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  • Silke Identicon Icon

    Ich finde es gut, dass so viele ver­schie­dene Frauen ein­be­zo­gen wur­den. Es bleibt eben nicht bei der übli­chen Frauen Marketing Masche, bei der Frauen, sobald sie ein gewis­ses Auftreten haben, als Feministinnen beti­telt, eigent­lich sogar beschimpft wer­den.
    Hier ist erkenn­bar, dass es nur meine Meinung, die ich mir auch durch konsumgoettinnen.de nur hab bestä­ti­gen las­sen, sich fes­ti­gen wird und rich­tig ist: Frauen kön­nen eben viel mehr als nur schön aussehen.

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  • ritchie Identicon Icon

    Gewinnspiel been­det

    So, fast über­se­hen :mrgreen: Gewonnen haben Silke und Jana, herz­li­chen Glückwunsch!

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  • Jana Identicon Icon

    Ja, Königin, ja!

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  • Christain@Glitter Graphics Identicon Icon

    Das ist ja so lang… :grin: es ist ziem­lich interesant!

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    ritchie Identicon Icon

    Es kommt eben doch auf die Länge an :twisted:

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