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Ich habe bei Google gekündigt

kuendigung

KündigungJa ich weiß, es war ’ne geile Zeit, doch es tut mir leid – es ist vorbei. Die letzten drei Jahre waren spannend, voller Höhen und Tiefen: klar hat es seine Vorteile, für den Marktführer zu arbeiten; man wünscht sich vielleicht ab und an mal, was Neues auszuprobieren, aber die Konkurrenzklauseln sind da recht streng. Und natürlich hat Big G einen ausgezeichneten Ruf als Arbeitgeber, keine Frage. Jeder, dem ich von meiner bevorstehenden Kündigung erzählt hab, meinte, ich soll mir das gut überlegen – denn eigentlich gäbe es gar keine Alternative.

Im Google Headquarter werden den Angestellten die Hemden gewaschen und gebügelt, in der Firmenkantine gibt’s keine Fertigfraß und generell sind immer alle sehr fröhlich, gut gelaunt und eine große Familie. Okay, davon hatte ich als Außendienstmitarbeiter relativ wenig: wenn man in Österreich ein kleines Rädchen bei Google ist, dann hat man nix zu melden.

Aber nun ist einfach der Zeitpunkt gekommen, wo ich mir selbst eingestehen muss, dass meine Blogging- und Online-Marketing Aktivitäten sich immer schlechter mit meinem Job bei Google vereinbaren lassen. Dass ich seit Jahren nur Basis eines Tauschhandels, dessen Bedingungen mein Arbeitgeber bestimmt, entlohnt werde, wäre ja noch das kleinere Problem: aber ein beträchtlicher Teil meiner Tätigkeit konfligiert mit meinem Arbeitsvertrag, von Geheimhaltungsvereinbarungen mal ganz zu schweigen.

Im Endeffekt bleiben mir nur zwei Möglichkeiten: entweder ich behalte meinen Job bei Google, gebe aber Big G dafür vollen Zugriff auf mein gesamtes Kundenportfolio, erkläre, wie ich Seiten im Ranking pushe, lege im Detail dar, mit welchen Methoden ich für meine Kunden Leads oder Registrierungen generiere, zeige Google mein Link-Maps, höre auf, mit meinen lukrativsten Affiliate-Partner zusammen zu arbeiten und lasse meine Werbung nur mehr von Google-Adservern ausliefern, ohne selbst irgendeinen Einfluss auf die Schaltpreise zu haben. Kurz: es stünde mir frei, Außendienstmitarbeiter der Abteilung „Datensammlung / Webmaster Research“ zu bleiben, und keine Geheimnisse mehr vor meinem Arbeitgeber zu haben. Oder ich kündige bei Google, verzichte auf sämtlichen Komfort und alle Vergünstigungen, die mit meinem Job einher gehen, und konzentriere mich ganz auf meine übrigen Einkommensquellen.

Glauben Sie mir, ich habe lange darüber nachgedacht – und bin zu dem Schluss gekommen, dass unser Vertrag von Anfang für mich nicht besonders günstig war. Also habe ich am Montag endlich getan, was ich schon vor einem Jahr hätte tun sollen und Google Analytics endlich rausgeworfen hier. Kundenseiten, die ich betreue, tracke ich ohnehin seit langem nur mehr Clicky. Aber da gibt’s keinerlei Hard Feelings: vermutlich haben wir beide ausreichend voneinander profitiert und es wird höchste Zeit, dass sich unsere Wege endlich trennen: Ciao, Analytics. Beim freiwilligen kollaborativen Forschungsprogramm der Neigungsgruppe Internet aka Google Webmaster Tools werde ich allerdings weiterhin teilnehmen.

Wer mehr zu diesem Thema lesen will, dem empfehle ich diesen brillianten Artikel von John Andrews: jeder SEO sollte diesen Text nicht nur unbedingt bis zum Ende lesen, sondern sich fragen, ob ein weißer Hut vor jeglicher Unbill schützt… [via Andreas Roth]


Fotocredits: Kündigung von balzer matthias / pixelio.de

 

27 comments
Horst
Horst

Auch das Telemediengesetz in Deutschland erlaubt die Verwendung personenbezogener Daten nur dann, wenn der Seitenbesucher vorher bewusst der Datennutzung zugestimmt hat (siehe §§ 12 Abs. 1, 13 Abs. 2 TMG). Die Hinweise im Impressum, die Google sogar vorschreibt, kommen dieser Forderung in keiner Weise nach. Dem könnte man nur insofern begegnen, dass die Inhalte einer Domain geschützt werden und nur bei einer vorherigen ausdrücklichen Zustimmung des Benutzers zugänglich gemacht werden. Aber wer will das schon? :???:

Horst
Horst

Und dann kommt noch hinzu, dass Google Analytics nicht wirklich zuverlässige Daten liefert. Da greife ich lieber auf die Serverdaten zurück. Es wird in juristischen Kreisen immer noch diskutiert, ob bzw. inwiefern Google Analytics aus datenschutzrechtlicher Sicht mit inländischen Rechtsprechungen vereinbar ist.

martinwaiss.com
martinwaiss.com

@ Jab & weitere selbsternannte übereifrige Copyright-Wächter: am Anfang gab’s wahrscheinlich auch genau einen Bäcker, der Brötchen “erfunden” hat - hätten wir nur deswegen nur diesen einen Bäcker behalten dürfen und sonst sollte kein Anderer Brötchen backen dürfen?! heisst es ab sofort, daß jeder der mit Mehl und Wasser backt einfach nur noch ein (scheiterhaufenreifer) Kopierer ist?!

Jab
Jab

Rafft uebrhaupt jemand, dass dieser Beitrag ne schnoede Uebersetzung des unten angegebenen Beitrags von John ist? Mein Gott...

Georg
Georg

Ich bin irgendwie gespalten: Nutze GA und bin damit zufrieden. Außerdem habe ich keine Panik vor Google, außer dass mir das eine oder andere nicht gefällt - etwa, dass sie sehr zugeknöpft sind. Hm ...

David
David

Na dann werd ich mir Clicky auch mal anschauen... Danke für den Hinweis!

Andreas
Andreas

Sorry, dass ich jetzt ein wenig vorm Kopf stossen muss. Juicy kann "Juicy details about each individual visitor" tracken - dies ist aber nicht im Einklang mit der hier vorzufindenden Datenschutzerklärung. Nur weil man Tante Google eines auswischen möchte, bedeutet das nicht, dass man selbst die Rolle von Tante Google übernehmen soll.

Joe
Joe

Guter Artikel, toll geschrieben. Was genau stört euch denn am meisten bei Big G und Analytics? Ich hab bis dato nur gehört das die Daten von Analytics auch in die Bewertung des Pageranks miteinfließen. Gibts da Beweise für? Und was sind eurer Meinung nach die TOP3-Argumente um sich von analytics zu verabschieden? mfg Joe

Trends
Trends

Ich habe mich bei Woopra angemeldet und finde es gut. Was haltet ihr davon?

Tom
Tom

Es gibt da noch eine Alternative zu GA, ist aber momentan noch im beta Status:

Robert
Robert

Schon bei der Überschrift hatte ich den Verdacht auf einen "gespiegelten John Andrews". Gut gedacht und zu Ende geführt. Du wirst vermutlich nicht lange alleine auf der Liste der Selbstkünidger bleiben.

Jürgen
Jürgen

nett geschrieben. ich verwende clicky vorallem deswegen, weil es die downloads trackt. das kann ga nur mit manipulation der seiten.

martinwaiss.com
martinwaiss.com

Exzellentes Post. Habe mich ebenfalls für Clicky entschieden, ein "Blogger-Account" kostet echt nicht die Welt, werde aber eine Zeitlang beide Tracking Codes drinn lassen um es vergleichen zu können. Danke für den John Andrews Tipp, feines Lesen.

Trends
Trends

Nur in einem kleinen Projekt habe ich probehalber Analytics installiert. Beim Serverumzug demnächst fliegt es raus. Andere Mütter haben auch schöne Töchter ;-)

georg
georg

Hy Ritchie! Danke für den Tipp mit Clicky, scheint eine echte Alternative zu sein. Laut Leistungsmatrix ja sogar benutzerfreundlicher als GA. Auf das hab ich nur gewartet. Denke jetzt fliegt GA auch bei mir raus. Dieser Datenstaubsauger wird mir immer suspekter..

Gerald Reischl
Gerald Reischl

ritchie, eine richtige entscheidung.....demnächst ist ga auch bei mir weg...brauch noch einige details für die nächste aktualisierung des buchs, dann ciao

yaph
yaph

Ich habe GA letztes Jahr auch entfernt, nachdem ich es ein paar Monate genutzt hatte. Schon ein cooles Tool, aber den kostenlosen Preis war es mir nicht wert. Mir persönlich reicht das was AWstats aus den Server logs rausholt vollkommen und ich brauche kein zusätzliches Skript einzubinden.

Walter
Walter

Hehe, nett formuliert! Und ein Schritt in die richtige Richtung! ;-)

Aufschnürer
Aufschnürer

Zu diesem Schritt kann man dir eigentlich nur gratulieren. Auch wenn dadurch, wie du schon geschrieben hast, einige Vorzüge wegfallen. Ich denke mal, dass wirklich nur direkte Google-Angestellte, die in dem lustigen bunten Haus arbeiten, von diesem Arbeitgeber profitieren. Auf in eine neue, bessere Zukunft.

ritchie
ritchie

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es mit der Rechtslage in .at vereinbar ist. Das möchte ich meinen Lesern auch nicht zumuten, daher hab ich GA vor einigen Monaten komplett entfernt. Clicky ist sowieso *viel* besser.

ritchie
ritchie

Das ist jetzt aber nicht dein Ernst... lies den Artikel von John erstmal. Oder du hast eine sehr eigenartige Dolmetsch-Schule besucht. Und du glaubst wohl selber nicht, dass ich auf die Quelle verlinken wuerde, wenn ich irgendwem Inhalte klauen moechte?

ritchie
ritchie

Datenschutztechnisch hab ich da auch wenig Bedenken. Es geht eher um die "business intelligence" :mrgreen:

ritchie
ritchie

Kann ich uneingeschräntk empfehlen!

ritchie
ritchie

Was ist juicy? Oder meinst du eh Clicky? Natürlich werden Return Rate, OS etc. getrackt: das sind die gleichen Daten, die jeder Apache-Server standardmäßig im Log erhebt und die stehen natürlich im Einklang mit der DS: es werden ja keine personenbezogenen Daten gespeichert, alles brav anonym. Und nochmal: ich seh den Datenschutz bei Google weit weniger problematisch als die wirtschaftliche Vormachtsstellung.

ritchie
ritchie

thx :mrgreen: Mich stört hauptsächlich, dass Google mit Analytics genau weiß, welche Seiten ich betreibe, wie oft update und wie verlinke (das sind auch die Top3 Argumente). Was den PR betrifft: das ist ein Gerücht, das sich hartnäckig hält - wenn überhaupt, müsste das Ergebnis eher Einfluss auf der SERPs haben, aber das wäre für die Qualität der Suchergebnisse eher kontraproduktiv, solange nicht 99% aller Webmaster GA verwenden. Die beste Alternative ist Clicky, wenn du's einfach haben willst - ansonsten würd ich die Serverstats und ein lokales Auswertungsprogramm hernehmen. Oder eines am Server installieren, wenn du Daten in Echtzeit willst.

ritchie
ritchie

Ja, stimmt - die Serverlogs sind sowieso vollkommen unterschätzt heutzutage! :cool:

ritchie
ritchie

Ja, das glaub ich auch! Prost auf die Spy-freie Zukunft :mrgreen: