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Ich habe bei Google gekündigt

03.09.2008, geschrieben von , 27 Kommentare

kuendigung Ich habe bei Google gekündigtJa ich weiß, es war ‘ne geile Zeit, doch es tut mir leid — es ist vor­bei. Die letz­ten drei Jahre waren span­nend, vol­ler Höhen und Tiefen: klar hat es seine Vorteile, für den Marktführer zu arbei­ten; man wünscht sich viel­leicht ab und an mal, was Neues aus­zu­pro­bie­ren, aber die Konkurrenzklauseln sind da recht streng. Und natür­lich hat Big G einen aus­ge­zeich­ne­ten Ruf als Arbeitgeber, keine Frage. Jeder, dem ich von mei­ner bevor­ste­hen­den Kündigung erzählt hab, meinte, ich soll mir das gut über­le­gen — denn eigent­lich gäbe es gar keine Alternative.

Im Headquarter wer­den den Angestellten die Hemden gewa­schen und gebü­gelt, in der Firmenkantine gibt’s keine Fertigfraß und gene­rell sind immer alle sehr fröh­lich, gut gelaunt und eine große Familie. Okay, davon hatte ich als Außendienstmitarbeiter rela­tiv wenig: wenn man in Öster­reich ein klei­nes Rädchen bei ist, dann hat man nix zu melden.

Aber nun ist ein­fach der Zeitpunkt gekom­men, wo ich mir selbst ein­ge­ste­hen muss, dass meine Blogging– und Online– Aktivitäten sich immer schlech­ter mit mei­nem Job bei Google ver­ein­ba­ren las­sen. Dass ich seit Jahren nur Basis eines Tauschhandels, des­sen Bedingungen mein Arbeitgeber bestimmt, ent­lohnt werde, wäre ja noch das klei­nere Problem: aber ein beträcht­li­cher Teil mei­ner Tätigkeit kon­f­li­giert mit mei­nem Arbeitsvertrag, von Geheimhaltungsvereinbarungen mal ganz zu schweigen.

Im Endeffekt blei­ben mir nur zwei Möglichkeiten: ent­we­der ich behalte mei­nen Job bei Google, gebe aber Big G dafür vol­len Zugriff auf mein gesam­tes Kundenportfolio, erkläre, wie ich Seiten im pushe, lege im Detail dar, mit wel­chen Methoden ich für meine Kunden Leads oder Registrierungen gene­riere, zeige Google mein Link-Maps, höre auf, mit mei­nen lukra­tivs­ten Affiliate-Partner zusam­men zu arbei­ten und lasse meine Werbung nur mehr von Google-Adservern aus­lie­fern, ohne selbst irgend­ei­nen Einfluss auf die Schaltpreise zu haben. Kurz: es stünde mir frei, Außendienstmitarbeiter der Abteilung “Datensammlung / Research” zu blei­ben, und keine Geheimnisse mehr vor mei­nem Arbeitgeber zu haben. Oder ich kün­dige bei Google, ver­zichte auf sämt­li­chen Komfort und alle Vergünstigungen, die mit mei­nem Job ein­her gehen, und kon­zen­triere mich ganz auf meine übri­gen Einkommensquellen.

Glauben Sie mir, ich habe lange dar­über nach­ge­dacht — und bin zu dem Schluss gekom­men, dass unser Vertrag von Anfang für mich nicht beson­ders güns­tig war. Also habe ich am Montag end­lich getan, was ich schon vor einem Jahr hätte tun sol­len und Google Analytics end­lich raus­ge­wor­fen hier. Kundenseiten, die ich betreue, tra­cke ich ohne­hin seit lan­gem nur mehr Clicky. Aber da gibt’s kei­ner­lei Hard Feelings: ver­mut­lich haben wir beide aus­rei­chend von­ein­an­der pro­fi­tiert und es wird höchste Zeit, dass sich unsere Wege end­lich tren­nen: Ciao, Analytics. Beim frei­wil­li­gen kol­la­bo­ra­ti­ven Forschungsprogramm der Internet aka Google Webmaster Tools werde ich aller­dings wei­ter­hin teilnehmen.

Wer mehr zu die­sem Thema lesen will, dem emp­fehle ich die­sen bril­li­an­ten Artikel von John Andrews: jeder sollte die­sen Text nicht nur unbe­dingt bis zum Ende lesen, son­dern sich fra­gen, ob ein wei­ßer Hut vor jeg­li­cher Unbill schützt… [via Andreas Roth]


Fotocredits: Kündigung von bal­zer mat­thias / pixelio.de

 

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Bisher haben meine Lieblingsleser 27 Kommentare zu "Ich habe bei Google gekündigt" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Aufschnürer Identicon Icon

    Zu die­sem Schritt kann man dir eigent­lich nur gra­tu­lie­ren. Auch wenn dadurch, wie du schon geschrie­ben hast, einige Vorzüge weg­fal­len. Ich denke mal, dass wirk­lich nur direkte Google-Angestellte, die in dem lus­ti­gen bun­ten Haus arbei­ten, von die­sem Arbeitgeber pro­fi­tie­ren. Auf in eine neue, bes­sere Zukunft.

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 3. September 2008 um 13:44

    Ja, das glaub ich auch! Prost auf die Spy-freie Zukunft :mrgreen:

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  • Walter Identicon Icon

    Hehe, nett for­mu­liert! Und ein Schritt in die rich­tige Richtung! ;-)

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  • yaph Identicon Icon

    Ich habe GA letz­tes Jahr auch ent­fernt, nach­dem ich es ein paar Monate genutzt hatte. Schon ein coo­les Tool, aber den kos­ten­lo­sen Preis war es mir nicht wert. Mir per­sön­lich reicht das was AWstats aus den Server logs raus­holt voll­kom­men und ich brau­che kein zusätz­li­ches Skript einzubinden.

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 3. September 2008 um 13:46

    Ja, stimmt — die Serverlogs sind sowieso voll­kom­men unter­schätzt heutzutage! :cool:

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  • Gerald Reischl Identicon Icon

    rit­chie, eine rich­tige entscheidung.….demnächst ist ga auch bei mir weg…brauch noch einige details für die nächste aktua­li­sie­rung des buchs, dann ciao

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  • georg Identicon Icon

    Hy Ritchie!

    Danke für den Tipp mit Clicky, scheint eine echte Alternative zu sein. Laut Leistungsmatrix ja sogar benut­zer­freund­li­cher als GA.
    Auf das hab ich nur gewar­tet. Denke jetzt fliegt GA auch bei mir raus.
    Dieser Datenstaubsauger wird mir immer suspekter..

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  • Trends Identicon Icon

    Nur in einem klei­nen Projekt habe ich pro­be­hal­ber Analytics instal­liert. Beim Serverumzug dem­nächst fliegt es raus. Andere Mütter haben auch schöne Töchter ;-)

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  • martinwaiss.com Identicon Icon

    Exzellentes Post.

    Habe mich eben­falls für Clicky ent­schie­den, ein “Blogger-Account” kos­tet echt nicht die Welt, werde aber eine Zeitlang beide Tracking Codes drinn las­sen um es ver­glei­chen zu können.

    Danke für den John Andrews Tipp, fei­nes Lesen.

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  • Jürgen Identicon Icon

    nett geschrie­ben. ich ver­wende cli­cky vor­al­lem des­we­gen, weil es die down­loads trackt. das kann ga nur mit mani­pu­la­tion der seiten.

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  • Robert Identicon Icon

    Schon bei der Über­schrift hatte ich den Verdacht auf einen “gespie­gel­ten John Andrews”. Gut gedacht und zu Ende geführt.

    Du wirst ver­mut­lich nicht lange alleine auf der Liste der Selbstkünidger bleiben.

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  • Tom Identicon Icon

    Es gibt da noch eine Alternative zu GA, ist aber momen­tan noch im beta Status:

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  • Trends Identicon Icon

    Ich habe mich bei Woopra ange­mel­det und finde es gut. Was hal­tet ihr davon?

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  • Joe Identicon Icon

    Guter Artikel, toll geschrie­ben.
    Was genau stört euch denn am meis­ten bei Big G und Analytics? Ich hab bis dato nur gehört das die Daten von Analytics auch in die Bewertung des Pageranks mit­ein­flie­ßen. Gibts da Beweise für?
    Und was sind eurer Meinung nach die TOP3-Argumente um sich von ana­lytics zu verabschieden?

    mfg
    Joe

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 4. September 2008 um 17:41

    thx :mrgreen:

    Mich stört haupt­säch­lich, dass Google mit Analytics genau weiß, wel­che Seiten ich betreibe, wie oft update und wie ver­linke (das sind auch die Top3 Argumente). Was den PR betrifft: das ist ein Gerücht, das sich hart­nä­ckig hält — wenn über­haupt, müsste das Ergebnis eher Einfluss auf der SERPs haben, aber das wäre für die Qualität der Suchergebnisse eher kon­tra­pro­duk­tiv, solange nicht 99% aller Webmaster GA verwenden.

    Die beste Alternative ist Clicky, wenn du’s ein­fach haben willst — ansons­ten würd ich die Serverstats und ein loka­les Auswertungsprogramm her­neh­men. Oder eines am Server instal­lie­ren, wenn du Daten in Echtzeit willst.

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  • Andreas Identicon Icon

    Sorry, dass ich jetzt ein wenig vorm Kopf stos­sen muss.

    Juicy kann “Juicy details about each indi­vi­dual visi­tor” tra­cken — dies ist aber nicht im Einklang mit der hier vor­zu­fin­den­den Datenschutzerklärung.

    Nur weil man Tante Google eines aus­wi­schen möchte, bedeu­tet das nicht, dass man selbst die Rolle von Tante Google über­neh­men soll.

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 6. September 2008 um 9:38

    Was ist juicy? Oder meinst du eh Clicky? Natürlich wer­den Return Rate, OS etc. getrackt: das sind die glei­chen Daten, die jeder Apache-Server stan­dard­mä­ßig im Log erhebt und die ste­hen natür­lich im Einklang mit der DS: es wer­den ja keine per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten gespei­chert, alles brav anonym. Und noch­mal: ich seh den Datenschutz bei Google weit weni­ger pro­ble­ma­tisch als die wirt­schaft­li­che Vormachtsstellung.

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  • David Identicon Icon

    Na dann werd ich mir Clicky auch mal anschauen…
    Danke für den Hinweis!

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 6. September 2008 um 9:39

    Kann ich unein­ge­schräntk empfehlen!

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  • Georg Identicon Icon

    Ich bin irgend­wie gespal­ten: Nutze GA und bin damit zufrie­den. Außerdem habe ich keine Panik vor Google, außer dass mir das eine oder andere nicht gefällt — etwa, dass sie sehr zuge­knöpft sind.
    Hm …

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 9. September 2008 um 9:49

    Datenschutztechnisch hab ich da auch wenig Bedenken. Es geht eher um die “busi­ness intelligence” :mrgreen:

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  • Jab Identicon Icon

    Rafft uebrhaupt jemand, dass die­ser Beitrag ne schno­ede Uebersetzung des unten ange­ge­be­nen Beitrags von John ist?

    Mein Gott…

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 9. September 2008 um 9:51

    Das ist jetzt aber nicht dein Ernst… lies den Artikel von John erst­mal. Oder du hast eine sehr eigen­ar­tige Dolmetsch-Schule besucht.
    Und du glaubst wohl sel­ber nicht, dass ich auf die Quelle ver­lin­ken wuerde, wenn ich irgend­wem Inhalte klauen moechte?

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  • martinwaiss.com Identicon Icon

    @ Jab & wei­tere selbst­er­nannte übereif­rige Copyright-Wächter:

    am Anfang gab’s wahr­schein­lich auch genau einen Bäcker, der Brötchen “erfun­den” hat — hät­ten wir nur des­we­gen nur die­sen einen Bäcker behal­ten dür­fen und sonst sollte kein Anderer Brötchen backen dürfen?!

    heisst es ab sofort, daß jeder der mit Mehl und Wasser backt ein­fach nur noch ein (schei­ter­hau­fen­rei­fer) Kopierer ist?!

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  • Horst Identicon Icon

    Und dann kommt noch hinzu, dass Google Analytics nicht wirk­lich zuver­läs­sige Daten lie­fert. Da greife ich lie­ber auf die Serverdaten zurück.

    Es wird in juris­ti­schen Kreisen immer noch dis­ku­tiert, ob bzw. inwie­fern Google Analytics aus daten­schutz­recht­li­cher Sicht mit inlän­di­schen Rechtsprechungen ver­ein­bar ist.

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 14. Februar 2009 um 17:41

    Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass es mit der Rechtslage in .at ver­ein­bar ist. Das möchte ich mei­nen Lesern auch nicht zumu­ten, daher hab ich GA vor eini­gen Monaten kom­plett ent­fernt. Clicky ist sowieso *viel* besser.

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  • Horst Identicon Icon

    Auch das Telemediengesetz in Deutschland erlaubt die Verwendung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten nur dann, wenn der Seitenbesucher vor­her bewusst der Datennutzung zuge­stimmt hat (siehe §§ 12 Abs. 1, 13 Abs. 2 TMG).

    Die Hinweise im Impressum, die Google sogar vor­schreibt, kom­men die­ser Forderung in kei­ner Weise nach. Dem könnte man nur inso­fern begeg­nen, dass die Inhalte einer Domain geschützt wer­den und nur bei einer vor­he­ri­gen aus­drück­li­chen Zustimmung des Benutzers zugäng­lich gemacht wer­den. Aber wer will das schon? :???:

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