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Podiumsdiskussion: Haben freie Medien Zukunft?

17.09.2008, geschrieben von , 6 Kommentare
18. September 2008
18:45bis20:10

medienverband 1221662809 Podiumsdiskussion: Haben freie Medien Zukunft?Diesen Donnerstag fin­det in den Räumlichkeiten von GLOBAL 2000 (Neustiftgasse 36, 1070 Wien) eine zum Thema Haben freie Medien Zukunft? statt. Auslösemoment ist die Einstellung des Jugendmagazins CHiLLi.cc. Veranstaltet wird die Talkrunde vom öster­rei­chi­schen Medienverband, Martin Aschauer hat mich in die illus­tre Runde ein­ge­la­den — und ich freu mich schon drauf, am Donnerstag ein paar alte Bekannte und Usual Suspects zu treffen.

Ab 18:45 dis­ku­tie­ren in den Räumlichkeiten von GLOBAL 2000 Freie Medien und Politikerinnen gemein­sam den Stellenwert, die Probleme und vor allem die Zukunft der Freien Medien. Es spre­chen u.a.:

  • ()
  • ( und Mediensprecherin der Grünen Wiens)
  • Martin Aschauer (Öster­rei­chi­scher Medienverband und Freies Magazin)
  • (Datenschmutz)
  • Alexander Dechant (Resident)
  • Barbara Novak (SPÖ-Gemeinderätin)
  • Susanne Hanger (Öster­rei­chi­sche Jugendpresse)
  • Thomas Weber (the gap — Moderation)

Meine 5 Cents zur freien Medienszene

daten­schmutz zähle ich kei­nes­wegs zur freien Medienszene: mein Blog ist ein strikt kom­mer­zi­el­les Produkt und zugleich meine Firmen-Homepage — zwei­fel­los sind man­che der Infos, die ich hier ver­öf­fent­li­che, für meine Leser trotz­dem oder gerade des­we­gen uner­hört nütz­lich, aber ds ist ein 1-Mann-Betrieb, und ich habe bis­lang (finan­zi­ell und indi­rekt) so sehr von mei­ner Bloggerei pro­fi­tiert, dass ich unter kei­nen Umständen eine aus öffent­li­cher Hand für diese Homepage anneh­men würde. [Nur um keine Missverständnisse auf­kom­men zu las­sen: Werbe– und Kooperationspartner sind natür­lich herz­lich will­kom­men! :mrgreen:] Aber als ehe­ma­li­ges Mitglied des gap–Gründungsteams und reger Partizipant an diver­sen nicht-kommerziellen Medienprojekten kenne ich die Probleme, Ansprüche, Hoffnungen und Chancen ganz gut aus eige­ner Erfahrung.

Weiters bin ich als wirt­schafts­li­be­ral ein­ge­stell­ter Kleinunternehmer natür­lich der Meinung, dass es grund­sätz­lich eher zu viele als zu wenige Fördertöpfe gibt: Geld, das der Staat ver­gibt, zah­len schließ­lich im Vorfeld (und gar nicht so sel­ten auch im Nachhinein) alle Steuerzahler, und eine noch hef­ti­gere Anhebung mei­nes Steuersatzes steht nicht auf mei­ner Wunschliste. Trotzdem bin ich davon über­zeugt, dass soge­nann­ten Freie Medien nicht nur Bereich von Meinungsfreiheit und publi­zis­ti­scher Vielfalt einen wesent­li­chen Beitrag leis­ten, son­dern dass diese Medien auch und vor allem Jungjournalisten, PR-Menschen und Marketeers ein Ausbildungsbiotop bie­ten, das sich im spä­te­ren “rich­ti­gen” Berufsleben als immens nütz­lich erweist.

Die Relation sollte man auch nicht aus den Augen ver­lie­ren, denn hier wird nicht über Milliarden ver­han­delt, son­dern über rela­tiv beschei­dene Zuschüsse für Druckkosten und . In einem Land, in dem (abge­se­hen von Kraftsaftl– und ande­ren weit­ge­hend unnüt­zen Marketing-Postillen) Journalisten-Honorare auf Schneeräumungs-Niveau dahin düm­peln, wird die Arbeitszeit meist ohne­hin frei­wil­lig und unbe­zahlt inves­tiert. Die Gelder, über die hier gespro­chen wird, sol­len also ein­zig und allein der Aufrechterhaltung des Betriebs die­nen. Und hier kommt ein wei­te­rer Faktor ins Spiel, der das Land der Wein-Seligen von grö­ße­ren Nachbarn unter­schei­det, näm­lich die soge­nann­ten “Economies of Scale”: wenn etwa die poten­ti­elle Zielgruppe für ein Nischenprodukt bei 3% der Gesamtbevölkerung liegt und davon 5% besag­tes Produkt auch tat­säch­lich kon­su­mie­ren, ergibt das in Deutschland 123.000 Personen, in aber grade mal 12.450.[1. gerech­net mit 82 bzw. 8,3 Mio. Einwohnern] Da die Werbeeinahmen und damit auch die “Lebensfähigkeit” von Medienprodukten mit zuneh­men­der Konsumentenzahl aber nicht linear, son­dern expo­nen­ti­ell stei­gen, ste­hen die län­ger­fris­ti­gen Chancen für *jedes* Nischenprodukt hier­zu­lande wirk­lich denk­bar schlecht. Das mag übri­gens ein Mitgrund sein, warum sich noch keine ernst­haft zur Etablierung eines dua­len Systems im Rundfunkbereich durch­rin­gen konnte — und wenn, wie der­zeit Usus, große Teiles des Kulturförderungsbeitrags zur Altstadterhaltung ein­ge­setzt wer­den, dann zeigt dies ohne­hin deut­lich, dass eine viel­fäl­tige Medienszene Politikern höchs­tens bei Podiumsdiskussionen ein Anliegen ist. Würde mich natür­lich freuen, den einen oder ande­ren ds-Leser am Donnerstagabend bei der Podiumsdiskussion zu treffen.

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Update: Fotos von der Podiumsdiskussion

Ich hab vom Podiums aus einige Pix geschos­sen — und dass ich die Diskussion vor­zei­tig ver­las­sen habe, sollte kei­nes­falls Desinteresse demons­trie­ren frog6 Podiumsdiskussion: Haben freie Medien Zukunft? Aber ich wollte Cynthias fan­tas­ti­sches Koriander-Hühnchen kei­nes­falls war­ten lassen!

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Bisher haben meine Lieblingsleser 6 Kommentare zu "Podiumsdiskussion: Haben freie Medien Zukunft?" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • rip Identicon Icon

    Sehr feine Diskussion, bin aber ver­hin­dert. Einzig von CHiLLi.cc ist lei­der nie­mand dort… :neutral:

    +2cent: Alternativmedienförderung ist wegen oben genann­ter Gründe IMHO drin­gend nötig; andere Modelle wie Steuervergünstigungen durch Kultursponsoring gibts ja in Öster­reich nicht…

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  • rip Identicon Icon

    Ohai, János Fehérvár von CHiLLi.cc war doch dort. Habe was ver­säumt, die Diskussion soll recht lei­den­schaft­lich gewe­sen sein :grin: Ray hat Fotos gemacht: http://photobasis.net/podiumsd.….en-zukunft

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  • Andreas Klinger Identicon Icon

    hi rit­chie

    war ne gute dis­kus­sion — wenn sie auch imho zu unstruk­tu­riert abge­lau­fen ist und imho wich­tige dif­fe­ren­zie­run­gen der the­ma­ti­ken am anfang gefa­ellt hat

    was sind freie medien, was sind nicht kom­mer­zi­elle medien, wer sieht es als sei­nen tag job, wer als kul­tur­be­stre­bung, wer ist ein­fach nur naiv

    dinge die ich mir als her­aus­ge­ber von einem nicht kom­mer­zi­el­len kul­tur medium wuen­schen wuerde:

    * gefo­er­derte rechts­schutz­ver­si­che­rung
    * gefo­er­derte raten bei aume
    * indi­rekte druck­kos­ten foer­de­rung (es reicht wenn die dru­cke­rei leichte vor­teile durch der­ar­tige auf­traege hat)
    * gefo­er­derte geteilte redak­ti­ons­raeume (1)
    * regel­ma­es­sige medien-barcamps
    * guens­tige soft­ware lizen­zen ver­gleich­bar wie fuer stu­den­ten — das argu­ment bzgl oss ist imho gut gemeint aber lei­der welt­fremd
    * klei­nere direkte foer­de­run­gen in form von koope­ra­tio­nen, anzei­gen oder kulturfoerderungsinitiativen

    (1) ein metalab der medien, ein pool an gegen­sei­ti­gen feed­back, ein semi-professionelles umfeld wel­ches pro­fes­sio­nel­les arbei­ten ermo­eglicht, eine prak­ti­kums und job platt­form fuer jung­jour­na­lis­ten, eine moeglich­keit fuer die pra­xis zur theo­rie des stu­di­ums, eine moeglich­keti dass min­der­hei­ten (volk, kul­tur, gehalt, etc) ihre anlie­gen vor­bei­brin­gen koen­nen und viel­leicht media­les gehoer fin­den, etc etc

    sind das sachen die man auch ohne inter­ven­tion staat und co errei­chen koennte — klar aber ist nicht genau hier­fuer kul­tur­fo­er­de­rung da? klei­nig­kei­ten zu ermo­egli­chen die zu gros­sem fueh­ren koennen

    bei­spiel resi­dent:
    wir ste­cken eigent­lich jeden extra ver­dien­ten euro wie­der ins mag und finan­zie­ren uns nur durch anzei­gen und kei­nem euro foer­de­rung — wir reden hier ca 40 redak­teu­ren und von einem 80 sei­ti­gen heft mit 120g papier inkl einer mixcd die sonst um 15 – 20 eur im laden zu kau­fen waere.
    von gesamt­kos­ten von nahezu 10k per aus­gabe und das alles neben beruf und stu­dium der redak­teure
    das ganze fuer eine ziel­gruppe die in öster­reich eine der aktivs­ten musik jugend­kul­tu­ren ist und den­noch unter jeg­li­chem sons­ti­gen medien radar lebt

    meine mei­nung zu foer­de­run­gen: unsere anzei­gen­preise koen­nen wir an seit jahr­zehn­ten eta­blier­ten medien mes­sen — wel­che vom staat gefo­er­dert werden

    der anspruch den das heft hat ist musik jugend und kul­tur zu foer­dern — und nicht einen guten tag-job abzu­ge­ben (den wunsch haben wir lange aufgegeben)

    waere es mit weni­ger auf­wand oder kos­ten mach­bar? klar
    eine thea­ter truppe kann ihre per­for­mance via video auf­neh­men und diese ver­tei­len, anstatt live auf­zu­tre­ten
    geht es bei kul­tur um kos­ten erspar­niss — imho nein

    vor einem jahr haette es mir ansich schon gereicht wenn das mag fuer sich als kul­tur foer­de­rung aner­kannt wird.
    heute ist es mir reich­lich egal was das sys­tem um das objekt von dem objekt denkt

    fuer kom­mende gene­ra­tio­nen an maga­zi­nen feh­len platt­for­men, ver­net­zungs­mo­eglich­kei­ten und kleine sys­tem­fein­schliffe — ich per­so­en­lich hoffe dass der grund­ge­danke vom medi­en­ver­band — erfah­rungs­aus­tausch und den strang zum gemein­sa­men zie­hen finden — funktioniert

    hun­derte kleine “ste­hen” die sel­ben pro­bleme durch oder schei­tern an ihnen anstatt von­ein­an­der zu ler­nen und die pro­bleme im vor­feld zu umge­hen — wie siehst du das?

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  • ritchie Identicon Icon
    ritchie sagte am 21. September 2008 um 16:42

    Grundsätzlich klingt das natür­lich alles sehr ver­nünf­tig, aber wie du rich­tig schreibst, liegt der erste Knackpunkt schon mal bei der Definition von “freien Medien”.

    the gap (und resi­dent genauso) sind doch Mags, die von einem Haufen Musikfreaks gemacht wer­den, die gerne auf Konzerte, Parties etc. gehen und drü­ber schrei­ben. Ob Britpopper oder Drum-and-Basser unter– oder ober­halb des Wahrnehmungsradars lie­gen, ist doch voll­kom­men egal: ich seh da ein­fach kei­nen “gesell­schaft­li­chen Mehrwert”: ich freu mich, wenn’s sol­che Medien gibt, aber aus inhalt­li­chen Gründen halte ich jeg­li­che Förderung für unge­recht­fer­tigt. Imho han­delt sich’s um ein Hobby, wobei halt das gap solange durch­ge­hal­ten hat, dass mitt­ler­weile eine gewisse ökono­mi­sche Relevanz wohl nicht ganz abzu­spre­chen ist, aber das sehe ich eher als Zeitfrage an.

    Du schreibst:

    das ganze fuer eine ziel­gruppe die in öster­reich eine der aktivs­ten musik jugend­kul­tu­ren ist und den­noch unter jeg­li­chem sons­ti­gen medien radar lebt

    Ja und? Laute Technomusik auf 180bpm mit viel Bass, so what? It’s a party. Ich erlaub mir nur, so pole­misch zu sein, weil da lang genug sel­ber in der Szene mit drin gehan­gen bin. Und wenn’s eine so aktive Jugendkultur ist, dann gibt’s letzt­end­lich eh genug Kunden.

    Strukturelle Förderungen fände ich trotz­dem sinn­voll, weil man die Vielfalt ja för­dern will: gerade die indi­rekte Druck-Kosten-Förderung ist da sicher­lich inter­es­sant, wobei es dann sehr schnell schwie­rig wird mit der Grenzziehung zwi­schen WK und Förderinstituten: letzt­end­lich ver­sucht die Wirtschaftskammer ja auch, über geeig­nete Rahmenbedingungen Betriebsgründungen zu erleich­tern. Die ande­ren Punkte sind sicher­lich sehr sinn­voll und wären über­dies sehr ein­fach umzusetzen.

    Das Medien-Metalab sehe ich ähnlich wie das “Verstaatlichungsproblem”: in der Theorie eine sexy Idee, aber prak­to­ma­tisch schwie­rig. Die Leute, die “freie Medien” machen, sind mei­ner Erfahrung nach eher über­zeugte Einzelkämpfer, die meist ihre Kollegen für recht unfä­hig halte und vice versa. Ich denke nicht, dass das an-einem-Strang zie­hen da wirk­lich funk­tio­nie­ren würde, wär aber natür­lich einen Versuch wert.

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    Andreas Klinger Identicon Icon

    gut hier haben wir schein­bar sehr unter­schied­li­che mei­nun­gen
    fuer mich gehoe­ren maga­zine wie the gap (und am ande­ren ende resi­dent) zur kul­tu­rel­len viel­fallt unse­res lan­des — abge­se­hen davon dass sie zusätz­lich sehr viel andere kul­tu­relle viel­fallt unterstützen

    die ökono­mi­sche frage hat imho nichts mit zeit zu tun son­dern nur mit aufwand/zeit und grund­sätz­li­chen fra­gen der posi­tio­nie­rung
    und fuer mich schnei­det sich das blatt kla­rer­weise sobald jemand ver­sucht von sei­ner arbeit zu leben — dann kommt er fuer mich kla­rer­weise in wirt­schaft­li­che umfelde
    solange er nur auf seine kos­ten lebt und nur sein umfeld berei­chert soll er doch tun was er will

    mir gehts ansich nur um eines — wenn jemand dumm genug ist seine frei­zeit, ener­gie und geld in irgendeien form von kul­tu­rel­ler berei­che­rung steckt kann man mit klei­nen unter­stüt­zun­gen (und struk­tur ist mehr als geld) sehr vie­les aus die­ser begeis­te­rung herausholen

    wenn “freie medien” im durch­schnitt ein paar jahre (1 – 4) ueber­le­ben sollte man imho die leute moeglichst befa­e­hi­gen aus die­ser ener­gie etwas mehr herauszuholen

    per­so­en­lich glaube ich dass die grund­idee eine medien metal­abs funk­tio­niert — ich hab das selbe ueber geeks vorab geho­ert “warum soll­ten sie aus­ser haus gehen”

    lg andi

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 21. September 2008 um 22:41

    Nein, da sind unsere Meinungen gar nicht so unter­schied­lich… hast du übri­gens den Bericht im Standard gesehen?

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