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Wie frei sind Österreichs Medien wirklich?

24.09.2008, geschrieben von , 1 Kommentar

illu zensur 1222098744 Wie frei sind Österreichs Medien wirklich?Die öster­rei­chi­sche Journalisten Ute Fuith hat etli­chen Kollegen und mir ein paar kon­krete Fragen zum “unab­hän­gi­gen” in geschickt. Natürlich sehe ich mich nicht pri­mär als Journalist, son­dern als Blogger — ich hab zwar am Aufbau diver­ser Online-Redaktionen mit­ge­ar­bei­tet und ver­diene als freier Journalist seit über 10 Jahren kein äußerst beschei­dene “Anerkennungshonorare”, ver­füge also durch­wegs über rudi­men­täre Primär-Erfahrungen in der öster­rei­chi­schen Profi-Schreiberlings-Szene. Dass beim Bloggen jeg­li­che externe Zwänge weg­fal­len, gefällt mir natür­lich beson­ders gut: die ein­zige Schere befin­det sich in *mei­nem* Kopf, und die lässt sich gut ver­bie­gen und an die jewei­li­gen Bedürfnisse anpas­sen. Und ich habe nie einen Hehl dar­aus gemacht, dass ich daten­schmutz über­haupt nicht als auf­klä­re­ri­sches, son­dern als rein kom­mer­zi­el­les Projekt betrachte und betreibe — für mich per­sön­lich stellt sich also die Frage nach exter­ner Einflussnahme nur sehr begrenzt. Dennoch habe ich mich sehr über die Fragen gefreut und bin schon gespannt auf den resul­tie­ren­den Artikel.

Ute Fuith: Wie frei sind Öster­reichs Medien wirklich?

rit­chie: Ich denke, es gibt keine wirk­lich “freien” Medien: mit ökono­mi­schen Sachzwängen ist jedes (semi)professionelle Medium kon­fron­tiert, poli­ti­sche Einflussnahmen (nicht sel­ten über par­tei­nahe Anteilseigner) ste­hen wohl auf der Tagesordnung. Informell und in gesel­li­ger Runde weiß fast jeder lang­jäh­rige Journalist hoch­in­ter­es­sante Geschichten zu erzäh­len — doch ich ver­mute mal ganz stark, dass die han­deln­den Personen ihre Agreements weit­ge­hend münd­lich tref­fen und kon­krete Recherchen wenig Anhaltspunkte und stich­hal­tige Beweise fän­den. So etwas wie aus­ge­wo­gene Berichterstattung kann mei­ner Meinung nach nur eine gewisse Vielfalt von Standpunkten gewähr­leis­ten: der Medienkonsument muss sich sozu­sa­gen aus ver­schie­de­nen “Biases” sei­nen per­sön­li­chen Mittelwert bil­den. Nicht nur auf­grund der ver­hält­nis­mä­ßig gerin­gen Einwohnerzahl hat Öster­reich in die­sem Bereich aller­dings tat­säch­lich einige Kuriositäten auf­zu­wei­sen: ange­fan­gen von einem äußerst halb­her­zi­gen imple­men­tier­ten dua­len System im elek­tro­ni­schen Bereich bis hin zur weit­rei­chen­den Dominanz eines ein­zi­gen Printmediums.

?: Welche Tabuthemen gibt es?

!: Tabus ändern sich im Lauf der Zeit — aus Konsumenten-Sicht aller­dings habe ich den Eindruck, dass im diese Tabus direkt und unüber­seh­bar mit der jewei­li­gen Regierungskoalition zusam­men­hän­gen, was sich in lächerlich-überdeutlicher Art und Weise an der Personalpolitik abzeich­net: der Legende eines vor­geb­lich “objek­ti­ven” Staatsfunks ist dies sicher­lich nicht gerade förderlich.

?: Haben Sie in Ihrer jour­na­lis­ti­schen Karriere jemals inhalt­li­che Einschränkungen erlebt, wenn ja welche?

!: Keine dras­ti­schen — ich war aller­dings zu kei­nem Zeitpunkt mei­ner beruf­li­chen Laufbahn Vollzeit-Journalist, son­dern habe immer nur als freier Autor gear­bei­tet; da kann man die Aufträge ent­spre­chend aus­wäh­len und auch mal die Ablehnung eines Textes ver­kraf­ten. Vor rund zehn Jahren wollte ich für die Kulturredaktion einen Bericht über Graffiti schrei­ben (damals waren gerade drei Sprayer zu sehr hohen Geldstrafen ver­ur­teilt wor­den); ich bekam zuerst das ok und einen Tag spä­ter die Ergänzung: “Graffiti muss aber schon nega­tiv und als Sachbeschädigung dar­ge­stellt wer­den.” Den betref­fen­den Bericht habe ich nicht geschrie­ben. In der poli­ti­schen Berichterstattung ist das Problem sicher­lich viru­len­ter, in die­sem Bereich war ich aller­dings nie redak­tio­nell tätig.

?: Sind Ihnen Fälle vor­aus­ei­len­den Gehorsams in Punkto Inhalt bekannt? Welche?

!: Ich denke, die Grenzen zwi­schen vor­aus­ei­len­dem Gehorsam und der Einhaltung der Blattlinie sind flie­ßende; man spricht ja häu­fig von der “”. Ich kenne keine kon­kre­ten Fälle, schreibe aber selbst Texte über das­selbe Thema bei­spiels­weise für mein Blog recht anders als etwa für eine Tageszeitung; das hat aller­dings mehr mit for­mel­len als mit inhalt­li­chen Kriterien zu tun. Im Kulturjournalismus tritt die­ses Problem aller­dings, behaupte ich mal, sel­te­ner auf als in ande­ren Genres.

?: Wurden Ihre Artikel jemals so umge­schrie­ben, dass sie sie nicht wie­der­er­kannt haben? Oder ken­nen Sie Fälle, wo das pas­siert ist?

!: Es gab eine rela­tiv irre­le­vante Geschichte, bei der ein Festivalbericht, den ich über Holzstock geschrie­ben hatte, einen mei­ner Meinung nach etwas sexis­ti­schen Titel, den ich so nie gewählt hätte, bekam. Ganze Artikel wur­den jedoch nie der­art umge­schrie­ben. Ich erwarte mir zumin­dest eine “Feedbackschleife”; auch wenn das auk­to­riale Prinzip ein Relikt der Vor– sein mag, soviel Professionalität und Respekt, gege­be­nen­falls noch­mal nach­zu­fra­gen, erwarte ich mir auf jeden Fall. Bei jenen Medien, für die ich regel­mä­ßig tätig bin oder war, hab ich in die­ser Hinsicht aller­dings durch­wegs posi­tive Erfahrungen gemacht.

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Bisher haben meine Lieblingsleser 1 Kommentar zu "Wie frei sind Österreichs Medien wirklich?" geschrieben.

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  • martinwaiss Identicon Icon

    Als ein “Ost-Block-Kind” kann ich nur sagen, daß die Meinungsäußerungsfreiheit in Ö her­vor­ra­gend ist, immer­hin kann ich schon auf 10 Jahre zurück­bli­cken und das schlimmste was hier einem m.E.n. pas­sie­ren kann, ist daß man halt nicht “gepublis­hed” wird — so what — mit Internet sind die “cons­trains” um eige­ner Publisher zu wer­den prak­tisch auf Null gesun­ken, man muss es nur wahrnehmen.

    Klar, kann man die Reichweite, Bedeutung und Einfluss eines Standards, ORFs oder Presse sel­ten mit einem Blog aus­glei­chen, aber es steht einem trotz­dem prak­tisch Nichts im Weg, um die “eigene Wahrheit” an die Öffent­lich­keit zu brin­gen, wenn’s hart auf hart kommt…

    Was das “Informations-Trends(-Pushing)”, die von den (auch öffentlich-staatlichen) Medien, resp. Nachrichtenagenturen betrie­ben wird, halte ich eigent­lich für gar nicht soooo falsch, da man lei­der immer wie­der auf Mitmenschen trifft, die nicht bis vier zäh­len kön­nen und die­sen muss man halt “den Weg zum Glück” ein­fach zei­gen und vorgeben.

    Alle ande­ren wis­sen ja, daß man sich wich­tige Infos nicht nur aus einer — am bes­ten gleich der überall-gebotenen Quelle (sprich ‘Heute’, ‘Öster­reich’, ‘Krone’, etc.) — holt, son­dern daß man nach­schauen und ver­glei­chen muss, wenn man einen Schritt “hin­ter die Bühne” wagen will …

    Anyway, schon alleine die Tatsache, daß wir uns hier frei dar­über aus­tau­schen kön­nen ist sehr erfreu­lich, dem ist nicht über­all auf der Welt gleich so…

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