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Gastbeitrag: Alles was glänzt ist Chrome

29.10.2008, geschrieben von , 11 Kommentare

krom 1225228575 Gastbeitrag: Alles was glänzt ist ChromeDer fol­gende Gastbeitrag von Walter Ritter stammt aus der aktu­el­len Ausgabe von the gap. Der Autor hat ihn mir zur Verfügung gestellt und ich denke, dass diese Über­le­gun­gen zu Googles –Browser für daten­schmutz Leser sehr inter­es­sant sind.
prä­sen­tiert einen eige­nen Browser. Der macht das Datensammeln noch ein­fa­cher für das Unternehmen. Mit dem neuen Streich in Richtung Absicherung sei­ner Hegemonialstellung läu­tet der Internetkonzern auch einen Kulturwandel in der Szene ein. David Ayers von osAl­li­ance hat for­mal wenig vor­zu­wer­fen. Ethik steht ohne­hin auf einem ande­ren Blatt Papier.

Die Geschichte von Google ist immer auch eine Geschichte von Paradigmenwechseln. Der erste und sub­stan­zi­ellste Wechsel fand in der Online Werbung statt. Weg von blin­ken­den Bannern, die nach Reichweiten ver­rech­net wur­den, hin zu kon­text­be­zo­ge­nen Texteinschaltungen mit einer Abrechnung nach Klicks. Neuer Paradigmenwechsel: Nun schickt sich der mani­sche Datensammler an, auch die Open Source Szene für sich zu instrumentalisieren.

Von ande­ren Browserherstellern wurde Chrome recht posi­tiv auf­ge­nom­men. Sowohl Opera als auch Mozilla freuen sich über den neuen Mitbewerber, der den Wettbewerb ankur­belt und mit­hel­fen wird, Microsofts Marktdominanz in dem Bereich zurück­zu­drän­gen. Vor allem das Geschwindigkeitsversprechen im Umgang mit Java-Scripts wird inten­siv dis­ku­tiert. Der Rest der Software ist eine Weiterentwicklung bekann­ter Ideen, wie sie von Firefox, Opera und Safari bekannt sind. So far, so good.

Das Bestreben, einen eige­nen Browser zu for­cie­ren, folgt bei Google kla­rer­weise kei­nen altru­is­ti­schen Motiven. Chrome ver­bes­sert die Möglichkeiten, benut­zer­spe­zi­fi­sche Daten zu sam­meln und der Werbewirtschaft für bares Geld zur Verfügung zu stel­len. Sogar das deut­sche Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik hat eine Empfehlung aus­ge­spro­chen, Chrome in der aktu­el­len Version höchs­tens zu Testzwecken zu ver­wen­den. Ganz ehr­lich: Niemand, der sich mit Google schon näher aus­ein­an­der gesetzt hat, hätte von Chrome ande­res erwar­tet. Selbst wenn das Über­mit­teln von Daten an zen­trale Server irgendwo in den Untiefen des Menüs deak­ti­vier­bar ist: Jede Installation hat eine ein­deu­tige Identifikations-Nummer und kann poten­zi­ell mit ande­ren Benutzer-Daten ver­knüpft werden.

Die Souveränität von Anwendern und Entwicklern

dannya 1225228623 Gastbeitrag: Alles was glänzt ist Chrome
David Ayers ist Vorstandsmitglied der osAl­li­ance und im öster­rei­chi­schen Kernteam der Freien Software Foundation Europe.

David Ayers ist als Unternehmer und Mitglied der Free Software Foundation alles andere als ein idea­lis­ti­scher Träumer. Er hat abso­lut nichts gegen die Kommerzialisierung von Open Source Software ein­zu­wen­den. Ein Grundprinzip ist ihm aber wich­tig: “Ethisch ist, wenn der Anwender Herr über sei­nen Rechner ist und seine Souveränität gewahrt bleibt.” Selbiges sollte auch für die Beiträge von Entwicklern zu einem Open Source Projekt gel­ten. Und da gibt es bei Chrome und dem dahin­ter lie­gen­den Open Source Projekt Chromium einige Kritikpunkte, auch wenn for­mal allen Kriterien eine Open Source Lizensierung Genüge getan ist. Zum einen: Das EULA (End User Licensing Agreement) von Chrome sprach einige Zeit im Gegensatz zu den voll­mun­di­gen Ankündigungen Googles davon, dass es nicht gestat­tet sei, den “ der Software oder Teile davon zu kopie­ren und zu ver­än­dern”. Da ist ein Fehler pas­siert, sagt Google. Auch hier greife die BSD Open Source Lizenz, die für das Chromium Projekt gilt. Zum ande­ren: Die BSD Lizenz sieht kein Copyleft vor. Damit kön­nen zwar Teile der Software bzw. des Codes in andere Software-Projekte ein­ge­bracht wer­den, aber diese müs­sen nicht wie­der als Open Source zur Verfügung gestellt wer­den. Copyleft-Lizenzen hin­ge­gen stel­len sicher, dass auch wei­tere Projekte die­sen Code als Open Source weiter-lizensien. Google hat sich damit die Möglichkeit einer pro­prie­tä­ren Weiterentwickung von Chrome-Komponenten gesichert.

Natürlich ist es für talen­tierte Entwickler reiz­voll, an einem Projekt wie Chromium mit­zu­ar­bei­ten, das pro­fes­sio­nell betrie­ben wird und gut finan­ziert ist. Was bleibt, ist aller­dings das Unbehagen, dass dahin­ter ein bru­ta­les Interesse steht, das Produkt zum Sammeln von Daten ein­zu­set­zen und dass letzt­lich die Idee einer freien Software– geschickt instru­men­ta­li­siert wird, um ein Geschäftsmodell durch­zu­set­zen, das die Souveränität der Anwender untergräbt.

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Bisher haben meine Lieblingsleser 11 Kommentare zu "Gastbeitrag: Alles was glänzt ist Chrome" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Aufschnürer Identicon Icon

    Ganz genau das ist es — ein wei­te­res Instrument zum Sammeln von Daten. Mehr nicht. Der Markt benö­tigt kei­nen wei­te­ren Mitstreiter. Mit Internet Explorer, Firefox, Opera & Co. ist schon alles abge­deckt. Wer Chrome ein­setzt ist sel­ber schuld…

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  • Eol Ruin Identicon Icon

    Naja. Man (zumin­dest die Programmierer) kann sich ja sei­nen eige­nen Chromium bauen (gibt soweit ich weiß schon ein “sichere” Version).

    Unter der Haube macht so ein “neuer” Browser schon Sinn. Endlich mal Altlasten ent­sor­gen an denen andere Browser schon seit 10 Jahren knabbern.

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  • Patrick Identicon Icon

    Mal abge­se­hen von der Skepsis bleibe ich sowieso bei Firefox! Ich könnte auf einige Plugins gar nicht mehr ver­zich­ten, aus­pro­biert wer­den musste Chrome aber natür­lich trotzdem^^

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  • Aufschnürer Identicon Icon

    Naja, neuer Browser hin oder her — aber bitte nicht von Google! Das wäre ja so als würde man eine von Schäuble bereit gestellte Software für die Passwort-Verwaltung einsetzen.

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 29. Oktober 2008 um 23:31

    Hehe… der Vergleich trifft’s hervorragend.

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  • Eol Ruin Identicon Icon

    Irgendwie erin­nert mich das Google-Bashing ein bischen an da M$ Bashing so um das Jahr 2000 rum.

    Alle haben über Windows geme­ckert (so Monopol & so) aber KEINER den ich kenne hat Konsequenzen gezo­gen, also zB. Linux oder Apple verwendet …

    Was wohl los wäre wenn Google mal seine Datacenter für hmm… sagen wir mal eine Woche oder so abschal­tet (kön­nen Sie sich ima­ge­mä­ßig nicht leisten …).

    Wie heisst so schön: “Im Internet ist jede Konkurrenz NUR EINEN KLICK entfernt …”

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 30. Oktober 2008 um 10:16

    Da hast du einer­seits recht, was die breite Masse betrifft. Aber fast jeder, der mit Online-Marketing Geld ver­dient, ver­zich­tet mitt­ler­weile aus guten Gründen dan­kend auf die teu­ren “free Services” von Google. Das Bundeling des IE mit Windows hat mich sei­ner­zeit ehr­lich­ge­sagt nicht beson­ders gestört — man hatte ja die freie Wahl, es gab Netscape, Opera… bei Google ist das lei­der nicht so, zumin­dest was die Suche betrifft. Klar könnte man selbst eine andere Suchmaschine ver­wen­den, aber das ändert nix dran, dass der Großteil der suchen­den User über Big G den Weg zur gewünsch­ten Seite fin­det — und das ist ein Problem, dem man nicht indi­vi­du­ell begeg­nen kann.

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    Eol Identicon Icon
    Eol antwortete am 30. Oktober 2008 um 11:50

    Bin ja sooooooo dank­bar das ich “nur” Programmierer bin ;)

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  • Skulldriver Identicon Icon
    Skulldriver sagte am 30. Oktober 2008 um 18:17

    Was ich das schlimmste an Chrome finde ist, das er mir Musikvideos die ein­deu­tig vom Vertreiber sel­ber (in mei­nem fall, Nickelback — Rockstar / ins inter­net gela­den von Roadrunnnerrecords dem Vertreiber und Lizenzhalter)
    hoch­ge­la­den wur­den nicht abge­spielt wer­den. Chrome sagt mir also was ich sehen darf und was nich, und das ist für mich eine Unverschämtheit!

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 3. November 2008 um 22:48

    Wenigsten hat man am Browsermarkt noch die Wahl — das ist ja wirk­lich absurd… “do no evil” heißt also für Google, die Rechte der Major Labels zu schüt­zen… ver­kehrte Welt!

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  • Mario Identicon Icon

    Ich hatte von Anfang an Bedenken bezlg. Datenschutz. Als dann das Ministerium davor gewarnt hat, wurde ich nur noch bestätigt.

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