,

Mediaprint: Personalisierte Print-Kampagne ohne Absender

mediaprintkampagne

Mediaprint Kampagne ohne AbsenderDen nebenstehend eingescannten Flyer fand ich vor einigen Tagen in meinem Briefkasten und zwar in einem handbeschrifteten Umschlag ohne Absender. Die Rückseite des Papiers ist – blütenweiß. Sowas erregt natürlich Neugier, und ich vermute mal, dass so ziemlich jeder netzaffine User die URL mal eintippt, um zu sehen, wer hinter dieser Mailing-Aktion steckt. Umso größer war mein Erstaunen, als ich zu einer Online-Umfrage gelangte, deren Impressum verriet, dass ich mitten in eine Kampagne des Mediaprint-Verlags gestolpert war: der User beantwortet online eine Reihe von Fragen und landet schließlich bei einem 2wöchigen-Abo-Testangebot von Kronenzeitung oder Kurier. Die einzelnen Screens der Aufnahme sehen folgendermaßen aus:

mediaprintkampagne

Fast schon viral

Diese Kampagne wirft einige Fragen auf: denn soweit ich weiß, sind Werbesendungen völlig ohne Absenderkennzeichnung auf jeden Fall rechtswidrig. Bei der Online-Recherche habe ich allerdings nur eine diesbezügliche Entscheidung des deutschen LG Hamburg gefunden:

In einer aktuellen Entscheidung hat das LG Hamburg (Beschl. v. 12.9.2003 – Az.: 312 O 707/03) bestätigt, dass durch die Änderung des § 28 Abs. 4 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) bei persönlich adressierten Werbeschreiben auf das Widerspruchsrecht hingewiesen und die Adresse benannt werden muss, an die der Widerspruch geschickt werden kann.

Dies mussten in der Vergangenheit schon die Tages-Zeitungen „Handelsblatt“ (LG Düsseldorf, Beschl. v. 16.7.2003 – Az.: 12 O 217/03) und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (LG Frankfurt a.M., Beschl. v. 17.6.2003 – Az.: 2 06 O 247/03) erfahren.

Weiß da jemand genaueres in punkto österreichische Rechtslage? Die Arbeiterkammer unterscheidet zwischen der sogenannten unadressierten Werbung („an einen Haushalt“) und adressierter Werbung, konkrete Infos zur Erforderlichkeit des Absenders hab ich allerdings keine gefunden – mich interessiert einfach, ob der größte österreichische Verlag (die Krone besitzt ein .at ja (zumindest ein unterstelltes) Quasi-Tageszeitungsmonopol) sich in der Hoffnung auf eine höhere Conversion-Rate einfach über die geltende Rechtslage hinwegsetzt.

Vorteile der Kampagne für die Mediaprint

Wenn die Auswertungsapplikation sauber programmiert ist, dann erkennt der Mediaprint Verlag anhand der Fragen eine Menge Präferenzen des jeweiligen Users, denn die Seite wird ja mit der Namens-Subadresse aufgerufen. Außerdem überlebt der Brief die Postkasten-Filterung: wer einen Sticker am Postkasten mit dem Aufdruck „Ablegen von Werbematerial ist verboten“ oder dergleichen anbringt, erhält nämlich keinen Print-Spam. Außerdem bewirkt dieser Call-to-Action mit Sicherheit aus den oben geschilderten Gründen eine hohe Response- und damit vermutlich wohl auch eine überdurchschnittlich hohe Conversion Rate. Allerdings frage ich mich, wo die betreffenden Adressen herkommen und ob das Weglassen des Absenders rechtlich zulässig ist. Liebe hier mitlesende Anwälte/Juristen/Medienrechtler: darf die Mediaprint das denn? Falls ja, dann such mir Adressen aus dem Telefonbuch und verschicke in Zukunft datenschmutz-Briefe :mrgreen:

9 comments
Joe
Joe

Interessant. Erinnert mich ein bisschen an den (Mobilisierungs) Brief von der FPÖ kurz vor der Wahl vom Heinz Christian, bei dem als einziger am Briefumschlag der Absender nicht zu erkennen war...im gegensatz zu den Briefen der anderen parteien die mir auch ins haus flatterten. Wahrscheinlich rechnen die damit das sonst 70% der briefsendungen ungeöffnet in den altpapierkcontainer wandern.... joe

Jana
Jana

Was allerdings riskant ist: Deine Kampagne ist noch nicht abgeschlossen, d.h. die URl funzt nach wie vor - ich bin grad dabei, einen Kronenzeitungsabo für dich zu bestellen:)

Jana
Jana

Sehr spannend aufgezogen. Frage mich, ob die Internetadresse u.U. als Äquivalent zum Absender gelten kann.