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Ö1 [Ö1 Netzkultur Kolumne] Das Schlagwort “Software as a Service” lässt mitterlweile nicht mehr nur IT-Verantwortliche aufhorchen: war das bislang primär Informations- und Kommunikationsmedium, so soll das Netz künftig auch gleich als und zentraler Dokumentenspeicher dienen. Im Taumel der Euphorie wird dabei leicht vergessen, dass weite Teile der Spielregeln bereits von einer einzigen Firma definiert und auch exekutiert werden.

Alles wiederholt sich - auch in der IT verlaufen viele Entwicklungen zyklisch. In den späten60er und 70er Jahren zentralisierte man mittels Mainframes (”Großrechnern”) die verfügbare Rechenleistung, die einzelnen User saßen an vergleichsweise simplen Terminals und teilten sich die Leistung einer gemeinsamen CPU. Der Arbeitsplatzrechner fungierte dabei als bloßes Terminal zur Ein- und Ausgabe: das Grafiksignal wurde vom Zentralrechner an den Bildschirm, die Maus- und Tastaturkommandos von diesem zurück an den “Server” geschickt. Die eigentlichen Programme, etwa die Textverarbeitung, liefen nicht am lokalen Rechner, sondern am zentralen Mainframe.

Einige Jahre später standen die ersten Home Computer in den Läden, der Rest ist Geschichte: seit dem 286er übertrumpft jede Prozessorgeneration ihre Vorgänger, alle zwei Jahre verdoppelt sich laut Moore’s Law die verfügbare Prozessorleistung. Moderne Home PCs werden bald den Stromhunger einer Großfamilien-Waschmaschine erreicht haben, und Software zeigen sich immer Ressourcen-hungriger. In den letzten drei Jahren ist allerdings eine deutliche Trendwende erkennbar: sogenannte “Thin Clients”, also relativ leistungsschwache Rechner, feiern unter anderem in Form der “Netbooks” ihr Comeback.

Diese Rechner beschränken sich im Wesentlichen auf eine stabile Umgebung für einen Webbrowser. Zusätzliche Software, etwa Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, aber auch Bildbearbeiten erfolgen nicht primär am lokalen Rechner, sondern mit Hilfe von Online Services wie Google Docs. Die zentrale Dokumentenspeicherung erlaubt einen Zugriff auf die eigenen Dateien von jedem Rechner mit , Probleme mit Kompatibilität und Softwareinstallationen könnten der Vergangenheit angehören. Neue Webtechnologien ermöglichen es, komplexe Applikationen im Browser abzubilden, der damit zu einer Art Netz- wird. Dominiert wird der Markt derzeit von Google, und mit der Veröffentlichung des hauseigenen Browsers “” kommt der Suchmaschinenriese seiner Vision der lückenlosen Vewertungskette ein großes Stück näher.

Spielernaturen werden auch zukünftig nicht ums das Aufrüsten ihrer Grafikkarten herumkommen. Wer seinen Rechner in erster Linie als Arbeitsknecht ansieht, spart mit den beschriebenen -Lösungen allerdings elegant den üblichen Nebenjob als Systemadministrator - mit “Software als Service” verwandelt sich das Netz vom Informationsmedium zur gigantischen Großrechenanlage und die “Thin Clients” feiern ihr Comeback. Geblieben ist dabei freilich nur der Name: so ein verfügt über mehr CPU-Leistung als eine Großrechenanlage anno 1970.


Kommentare zu "SaaS - Das Internet als Großcomputer":

 


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