Trainerei: Gruppendynamik und Gendersensibilisierung

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TrainereiVor kurzem habe ich die Verwendung des Binnen-I auf datenschmutz zur Diskussion gestellt und seine Verwendung aufgrund des großteils negativen Feedbacks beendet. Meine Bloggerkollegen Irene, Markus und Peter von der Trainerei haben im Bereich der Gendersensibilisierung einiges an Erfahrung. Grund genug, mich mit der Trainerei zu treffen und mir anzuhören, was die Experten so zum ungeliebten Binnen-I zu sagen haben – und bei der Gelegenheit auch gleich mal nachzufragen, was die Trainerei denn eigentlich so treibt.

datenschmutz: Was ist denn eure Erfahrung mit Splitting, Binnen-I und Co. in eurer Arbeit?

Trainerei: Das ist vom Kontext abhängig. Einige AuftraggeberInnen finden es sehr wichtig und bestehen auf gendersensiblen Formulierungen, einige kommen im Zuge eines Trainings zum ersten Mal mit dem Thema in Berührung. Wirklich egal ist es aber sehr selten, da Splitting praktisch immer polarisiert. Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, gendersensibel zu sprechen und zu schreiben. Uns geht es in einschlägigen Trainings ja nicht darum, jemanden zu bekehren oder zu missionieren, sondern Argumente und Fakten zu präsentieren, andere Sichtweisen vorzustellen bzw. Erfahrungen zu ermöglichen, die blinde Flecken aufzeigen. Was die einzelnen SeminarteilnehmerInnen damit tun, bleibt in ihrer Selbstverantwortung. In dieser ganzen Binnen-I Debatte bleiben leider andere Punkte, die zum gendersensiblen Umgang miteinander gehören, vollkommen unterbelichtet.

?: Was wären diese Punkte?

Trainer!: Nicht nur bei der Sprache hängen bleiben, sondern sich die eigene Rolle, das eigene Agieren und folglich die unterschiedlichen Handlungsweisen anzusehen; Strategien zu entwickeln, um diese Unterschiede nicht zu werten, sondern in den eigenen Handlungen mitzudenken. Es geht um Bewusstseinsbildung, und da sind Gut-Böse-Schemata der falsche Ansatz. Im Idealfall können nach einem Seminar die Unterschiede wahrgenommen und als Ressourcen anerkannt und genutzt werden.

?: Was heißt das jetzt für mich als Blogger?

!: Du kannst es natürlich halten, wie du willst. Das ist ja das schöne am Bloggen, dass du deine eigenen Regeln aufstellen kannst und an kein Redaktionsstatut gebunden bist. [[Anm.: das datenschmutz Redaktionsstatut ist äußerst streng! :mrgreen] Aber Wirklichkeit wird über Sprache konstruiert, und wer in der Sprache nicht vorkommt, spielt auch weniger Rolle in der kollektiven Wirklichkeit. Das hat Markus in dem Video, das du auch verlinkt hast, deutlich gezeigt.

?: In welcher Situation wende ich mich mit Coaching-Wünschen an euch? Was sind eure Empfehlungen?

!: Immer mehr Aufgaben im beruflichen Alltag werden in Gruppen oder Teams erledigt. Diese funktionieren am besten, wenn alle vorhandenen Ressourcen bekannt sind, eingebracht und genutzt werden können. Ressourcen umfassen nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern auch ein Verständnis der eigenen Position und der damit verbundenen Zuschreibungen. Dabei spielt Gender eine noch oft unterschätzte Rolle. Unsere Seminare sind immer auf die Bedürfnisse unserer AuftraggeberInnen zugeschnitten. Es macht verständlicherweise einen Unterschied, ob wir es mit einer Schulklasse, Studierenden, einer KMU, NGOs oder einem Großunternehmen zu tun haben. Prinzipiell geht es uns darum herauszufinden, was die thematischen Knackpunkte und die Erwartungen der AuftraggeberInnen sind. Wir verwenden keine Seminarkonzepte von der Stange, sondern entwickeln individuelle Trainings je nach Bedürfnislage. Ob wir dabei auf Kreativmethoden, spielerische Übungen oder auf klassische Wissensvermittlung setzen. hängt genauso von der Gruppe wie der Dauer des Seminars ab.

?: Ihr macht aber nicht nur Genderkompetenz-Seminare. Wer auf eure Website schaut, findet da noch eine Reihe anderer Seminarthemen wie Leitungs- und Führungskompetenz, Moderationstechniken, Projektmanagement und einige andere.

!: Dadurch, dass wir zu neunt sind, ergibt sich eine Vielzahl unterschiedlicher Kompetenzen, Schwerpunkte und wissenschaftlicher Zugänge. Die Kombination daraus führt zu einem breiten Spektrum an Seminaren, sowohl thematisch als auch methodisch.

?: Neun Personen sind ganz schön viele – ist das ganze organisatorisch sehr aufwändig? Als EPU wünscht man sich ja manchmal Austausch und Diskussion, aber gleich neun Leute?

!: Hinter den Kulissen kann schon mal länger diskutiert werden 😉 Im Endeffekt entscheiden die AuftraggeberInnen, wen sie kontaktieren. Zu AuftraggeberInnen gibt es immer eine Ansprechperson, die die Projektverantwortung trägt. Diese Person führt das Vorgespräch, stellt das ideale Team zusammen und kümmert sich um den reibungslosen Ablauf.

?: And now to something completely different: Im April gab es eine phatte Party im Nelsons. Ist so etwas wieder geplant?

!: Sicherlich. Unser einjähriges Bestehen werden wir jedenfalls feiern.

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