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Wie man seine Online-Reputation in Rekordzeit ruiniert

20.11.2008, geschrieben von , 5 Kommentare

Diese habe ich für das aktu­el­len –Special Identity Management geschrie­ben.
elis 1226691932 Wie man seine Online Reputation in Rekordzeit ruiniertObwohl Echtzeitmedium, tre­ten die wah­ren Qualitäten des Netzes erst auf lange, manch­mal auf sehr lange Sicht zutage: denn dank der Versatilität digi­ta­ler Daten und per­ma­nen­ter Fortschritte in punkto Totalerfassung benimmt sich das Netz meist wie der sprich­wört­li­che Elephant: es wei­gert sich zu ver­ges­sen. Das klingt nicht nur beun­ru­hi­gend, das ist sogar äußerst ver­stö­rend, bedenkt man die Erkenntnisse der neue­ren Gehirnforschung: das Vergessen, so die Kartographen unse­res Verstandes, sei, so die Apologeten die­ser These in typisch-euphorischer Über­trei­bung, sei min­des­tens gleich, wenn nicht viel wich­ti­ger als sämt­li­che Merkfunktionen zusam­men. Nur dank der Gnade des Vergessens kann unser unru­hi­ger Affengeist, wie die Buddhisten sagen, näm­lich über­haupt die Flut der zahl­lo­sen Informationen vom Typ über­le­bens­re­le­vant bis Klatschspalte lang­fris­tig sortieren.

Man kennt das ja vom Frühjahrsputz: wenn all das alte, nutz­lose Gerümpel erst­mal im Vorraum steht, scheint es unfass­bar, dass all das Zeug jemals in das (nach wie vor voll­ge­räumte) Zimmer gepasst hat. Nicht aus­zu­den­ken, wenn jedes unwich­tige Detail sich uns für immer ein­prä­gen würde – oder wis­sen Sie noch, wel­ches Ablaufdatum auf der Milchpackung stand, die Sie vor 53 Tagen ein­ge­kauft haben?

Falls Sie Ihre Rechnung im Supermarkt mit Ihrer Club-Vorteilskarte (raten Sie mal, wel­cher der bei­den Geschäftspartner den „Vorteil“ hat) bezahlt haben, ste­hen aller­dings die Chancen gut, dass irgend­ein Warendistributions/Customer Care/Marktforschungs Software– von Datenbank sich sehr genau daran erin­nern kann, dass Sie schon wie­der die „Extra-Lang-Haltbar“ Milch wähl­ten, obwohl Sie doch sowieso jeden drit­ten Tag ein­kau­fen kom­men. Komischerweise immer wie­der Freitags in diese andere Filiale… was das wohl zu bedeu­ten hat? Zweifellos genug, als dass Ihnen Columbo 2.0 im Fall der ver­gif­te­ten Milchpackung einen vir­tu­el­len Strick draus dre­hen könnte. Und ganz genau so funk­tio­niert im Prinzip das Netz: irgend­was Belastendes lässt sich fast immer finden.

Doch bevor die Freude zu groß wird, nun die schlechte Nachricht: jeder Kriminelle braucht eine Vorgeschichte, und die will sorg­fäl­tig kon­stru­iert sein, sprich: wer erst vor weni­gen Wochen in die Internet-Siedlung frisch ein­ge­zo­gen ist, muss sich schon ein wenig anstren­gen, um seine weiße Weste rasch im Dreck zu wäl­zen. Negatives Identity Management unter­schei­det sich dabei sei­nem Wesen nach kei­nes­wegs von pan­op­ti­schen Wunsch über die Vollkontrolle nach Selbstrepräsentation. Daher auch die wich­tigste Regel: Immer den rich­ti­gen Namen und die glei­che E-Mail Adresse ver­wen­den! Das gilt bei allen Registrierungen und gene­rell über­all dort, wo man im Internet auf­ge­for­dert wird, sei­nen Namen zu hin­ter­las­sen. Stellt man (mög­li­cher­weise spä­ter) kom­pro­mit­tie­rende Bilder und/oder Videos online, so sollte man dar­auf ach­ten, eine gut indi­zierte Seite zu wäh­len und jedem poten­ti­el­len Interessenten Zugriff zu gewäh­ren. Reichliche Ausstattung aller mul­ti­me­dia­len Inhalte mit ent­spre­chen­den Meta-Informationen gehört zur Pflicht des digi­ta­len Rauhbeins, auch hier­bei muss selbst­ver­ständ­lich Regel 1 beach­tet werden.

Auch nicht schlecht: Schimpftiraden an Mailinglisten sen­den, deren Archive öffent­lich zugäng­lich sind. Oder es viel­leicht irgend­wann mal sein wer­den. Glücklich, wer über eine eigene Homepage, mög­li­cher­weise sogar mit Eigenname als Domain, ver­fügt: man muss sich ja nicht auf zwei­fel­hafte Inhalte beschrän­ken, son­dern kann bei der Gelegenheit auch gleich die eine oder andere ille­gale Software, viel­leicht mit einem Trojaner gar­niert, zur Verfügung stel­len! Der Kreativität sind dabei kaum Grenzen gesetzt, ledig­lich bei Blackhat Maßnahmen ist Vorsicht ange­bracht: schließ­lich will man ja nicht aus dem Google-Index herausfallen.

Will man das doch, dann folgt das böse Erwachen häu­fig dann, wenn man fest­stellt, dass der Content– von den Faroröer-Inseln weder auf E-Mails noch auf Anrufe an die Mehrwertnummer rea­giert. Langweilige Zeitgenossen, die mei­nen, sich in vir­tu­el­len Umgebungen genauso höf­lich und bedacht­sam gerie­ren zu müs­sen wie in der rich­ti­gen Welt, gibt es genug. Ein ech­ter Netz-Rüpel sollte daher unter allen Umständen und um jeden Preis die fol­gende Frage ver­mei­den: „Würde ich das, was ich hier gerade von mir preis­gebe, auch im Fernsehen erzählen?“ *

*Der Fast-schon-Ex-Programmintendant des ORF Lorenz hat dazu eine ein­deu­tige Meinung.

Fotocredits:
Titelbild: Elefanten Groß-Klein von Johannes-D. / pixelio.de

 

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Bisher haben meine Lieblingsleser 5 Kommentare zu "Wie man seine Online-Reputation in Rekordzeit ruiniert" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Tete de genie Identicon Icon
    Tete de genie sagte am 20. November 2008 um 11:42

    :shock: :smile: :shock:
    Etwas ver­wirrt geschrie­ben… Wars ges­tern spät? ;-)

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 20. November 2008 um 12:21

    Nein, spä­ter gar nicht — wollt’s nur recht kom­pakt halten.

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  • Werenfried Identicon Icon

    ein befreun­de­tet wer­ber hat vor kur­zem in einem lokal gekell­nert, dabei wurde er von ex-kollegen gesich­tet — jetzt heisst es in einem hart­nä­cki­gen stan­dard pos­ting, dass der abstieg wohl beschrit­ten sei… ;-)

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 24. November 2008 um 13:29

    Ach, wegen sowas würd ich mir kei­nen Kopf machen… Kellnern ist ein net­ter Job, bin auch oft genug bei diver­sen Festen hin­ter Cocktailsbars gestan­den und würd das sofort wie­der tun :mrgreen:
    In Relation zu den meis­ten öster­rei­chi­schen Werbern ist Barkeeper ja eher als Aufstieg zu sehen :twisted:

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    Werenfried Identicon Icon

    blöd nur, dass er gerade wegen eines geschäfts­füh­rer pos­tens ange­heu­ert hat.…

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