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Über die Arbeitsbedingungen der modernen Gatekeeper

11.12.2008, geschrieben von , Keine Kommentare

jouno 1228985395 Über die Arbeitsbedingungen der modernen Gatekeeper Passend zur aktu­el­len Debatte, warum deut­sche Medienjournalisten soviel Zeit haben, mit und Facebook rum­zu­spie­len, wo sie doch eigent­lich andere User, die mit Facebook und rum­spie­len, über und Facebook inter­viewen soll­ten, fragt Günter nach den Schwerarbeitsbedingungen öster­rei­chi­scher Online-Journalisten. Die E-Mail trägt Siegel der Mediengruppe Online, bei der es sich, anders als der Name ver­mu­ten las­sen könnte, kei­nes­wegs um radikal-aktionistische Medienkünstler han­delt, son­dern um eine Interessensgemeinschaft öster­rei­chi­scher Netzjournalisten

In Kooperation mit der Journalistengewerkschaft der GPA-djp wer­den anonym harte Daten und Fakten über die täg­li­che Einfuhr ins vir­tu­elle Buchstabenbergwerk erhoben:

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Bedingungen und Akzeptanz für Online-JournalistInnen zu ver­bes­sern — egal, ob in klas­si­schen Medienbetrieben oder in freien . Um gesi­cherte Daten über Online-Journalistinnen und Online-Journalisten zu erhal­ten brau­chen wir Infos von euch, etwa zu Arbeitsbedingungen in Onlineredaktionen, Bezahlung, kon­krete Arbeit, die Anbindung an andere Redaktionen usw.

Mit Günter habe ich anno dazu­mal diverse Seminararbeiten gemein­sam geschrie­ben, unter ande­rem erforsch­ten wir sei­ner­zeit die Arbeitsbedingungen von Journalisten im Irakkrieg (mir Primärinterviews und so) — eine gewisse Kontinuität lässt sich also durch­wegs nicht ver­leug­nen. Hier geht’s zur Umfrage und hier geht’s direkt zur Umfrage.

Quo Vadis, Gatekeeping?

Die Mediengruppe Online ver­an­stal­tet regel­mä­ßige Treffen (das letzte fand am 2. Dezember statt) und ver­netzt pro­fes­sio­nelle Netz-Schreiberlinge (also quasi eine Art Mini-Barcamp für Lohnsklaven). Die gro­ßen Verlage lei­den bekannt­lich dar­un­ter, dass sich Online mit den gewohn­ten Geschäftsmodellen nicht genug Geld ver­die­nen lässt, also muss man nicht nur Stift und Papier, son­dern auch Korrektor und auf­wän­dige Recherchen ein­spa­ren: it’s not Show Business!

Aber egal, was Gatekeepern zu ihrer eige­nen Rolle ein­fällt: Moritz Fürst hat letz­tens bei mir in der AT-KFOR Lehrveranstaltung eine kurze und kna­ckige Präsentation gehal­ten, wel­che die tat­säch­li­chen Veränderungen bes­ser auf den Punkt bringt als sei­ten­lan­ges Rotieren um ein unbe­stimm­tes Gravitationszentrum: wie Seth Godin in sei­nem Tribes-Buch schreibt, über­neh­men über digi­ta­len Medien (ab)gebildete und ver­mit­telte Netzwerke die Funktion eines dyna­mi­schen Gatekeepers: If an infor­ma­tion is import­ant enough, it will find me! Aber kein Grund zur Beunruhigung für die Betroffenen: solange bloß eine Hand voll Geeks bis zum Hals in die Informationsflut ein­taucht, wer­den sich Redaktionsräume nicht so schnell lee­ren. Auf mit­tel­fris­tige Sicht aller­dings wird im klas­si­schen Sinne in der Informationsvermittlung zur Nischentätigkeit, auch wenn die selt­same deutsch­spra­chige Vorgeschichte samt Pressegesetz und Vierter-Gewalt-Idee seit Jahrzehnten kon­se­quen­test die streng rie­chen­den Verbindungen zwi­schen Big Business und Big Meinungsspektrum weg­dis­ku­tie­ren lässt.

Eine kurze Nachlesen zur “Knüwer-Affäre” gibt’s bei Matthias Suess, der Artikel des Anstoßes hat mir bereits ein­mal ein Schmunzeln ent­lockt, da ich unan­ge­nehm an nor­ma­tive Entwürfe der frü­hen 70er erin­nert fühlte: die Journalisten müss­ten dies und das tun, damit die Welt im Lot bleibt — Bullshit-Alarm! Die Journalisten müs­sen ein­fach nur das tun, was ihre Arbeitgeber wol­len, oder sie machen sich selb­stän­dig und ver­lie­ren nicht nur den Lohnzettel, son­dern auch die insti­tu­tio­nelle Credibility. Und: Blogger sind keine Journalisten, die wenigs­ten wol­len das über­haupt sein — bei Thomas dage­gen liegt die Situation natür­lich arbeits­recht­lich kom­pli­zier­ter, immer­hin ist “Indiskretion ” ja schließ­lich Teil des Handelsblatt-Portfolios. Wenn’s ein “ech­tes” Blog wäre, dann könnte er sich aller­dings diese arbeits­recht­li­chen Verrenkungen spa­ren und ein­fach nur sagen: “Ich hab den Kommentar gelöscht, weil er mir nicht gefal­len hat.” Das ist keine , son­dern völ­lig legi­tim — Zeitungen machen das dau­ernd. Mit die­ser Instant-Beschwörung des alten Metternich’schen Konzepts ent­lar­ven sich –Illiterati doch bloß selbst: unter den Bedingungen des digi­ta­len Mediensystem bedeu­tet die Kontrolle über Informationszugang und Publikationsmöglichkeit — und sicher nicht das Löschen eines unlieb­sa­men Kommentars am eige­nen Blog.



Fotocredit Titelbild: News! von korkey/ pixelio.de


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