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Blogistan Panoptikum KW03 2009

vimcam

vimcamDieser Wochenrückblick geht ausnahmsweise mit einem Tag Verspätung online – gestrigentags hat Gerald am Rootserver geschraubt, damit asap datadirt.net vom Shared Space übersiedeln kann, außerdem war die Re-Organisation meines Fileservers überfällig – minus Dezibel, plus Terabytes quasi. Glücklicherweise ging die Operation am offenen Herzen (neue Silberleitpaste für die CPU) ohne gröbere Komplikationen vonstatten, und mein mehrwöchiger Arbeitsplatzumbau ist nun fast abgeschlossen.

Das Basic Nachspiel

Zwei hochgradig aufschlussreiche Umfragen zum Verkauf von Roberts Blog ließen jeden Psycho-Pathologen ein aussagekräftiges Bild spezifischer deutscher Internet-Neurosen erstellen. Klar könnte diese News auch im SEO-Teil stehen, aber das hier ist besser als Robert Palfrader in der Rollen des österreichischen Kaisers. Der Alpha-Fisch im Inzest-Becken kann sich auf meedia.de nicht mal ansatzweise zurückhalten – bin ich froh, dass ich das Buch von diesem feinen Herrn weder gekauft noch ein Rezensionsexemplar angefordert habe:

Die von den entsprechenden amerikanischen Blogs aufgesammelten Neuigkeiten, die Basic aufschreibt, sind relevant – die Art, wie er das tut – insbesondere sein Schreibstil – ist weitgehend unerträglich. Ich kann keine zehn Zeilen lesen, ohne Zitterkrämpfe zu bekommen, bei den Kommentaren sind es in der Regel sogar nur drei Zeilen. Man sollte aber dazu erwähnen, dass ich Robert Basic a) nicht besonders mag und ihn b) für unmutig und nicht besonders intelligent halte, vielleicht trübt das mein Urteilsvermögen über seine Leistungen ein kleines bisschen.

Aber nicht nur Lobo, auch alle anderen Befragten wollen das Blog hier nicht haben – dabei wurden lauter „Experten“ befragt, die schon mal Technorati mit Google verwechseln:

Der Ruhm des „meistverlinkten Blogs“ verblasst sehr schnell, denn die Links haben bekanntlich eine Verfallsdauer von sechs Monaten.

Weitaus realistischer sind die Antworten auf SEO.de ausgefallen. Klar könnte man einiges mit der Domain anfangen – und von wegen In-die-Hose-machen wegen Google Penalty: Linklift raus, Brief an Big G und die Sache hat sich nach zwei Wochen. Klar lässt sich da genug Juice rauspressen, oder es hätte gar jemand mal originell werden können und die Domain kaufen, um anschließend am Blog als Robert zu posten, dass der ganze Verkauf ein Scherz war. Boom, there go my backlinks – allein die Verkaufsaktion hat den Wert der Seite immens erhöht. Also wenn ich sonst nix zu tun hätte, dann wär mit Basicthinking mindestens eine hohe fünfstellige Summe wert gewesen – nur wie gesagt: Refinanzierung spielt’s nur, wenn man den derzeitigen Rückenwind ausnutzt und die Segel vergrößert. Bin gespannt, ob das dem neuen Eigentümer gelingt – über die Chronik des Verkaufs hat Helge berichtet.

Mal alte mp3s hören

So jung das Internet im Vergleich etwa zu auf Schweineleder gepinselten Pamphleten auch sein mag, es hat bereits ein Geschichte – samt der zugehörigen schwarzen Löcher. Einige von ihnen wird phlow nun laufend schließen mit Re-Uploads der Ex-Webseite. Und ich bin sicher, dass dieseMusik fürs Wochenende auch montagstauglich ist!

Warum ich mich weigere, Journalisten wirklich ernst zu nehmen

Ja, ich weiß – es ist zu spät, viel zu spät. Immerhin ist es auch schon wieder vier Wochen her, dass Armin Thurnherrs Editorial „Warum ich mich weigere, das Internet als Medium wirklich ernst zu nehmen“ im Falter 51/2008 erschien. Aber was kann ich dafür, dass meine Zweit-Lieblingspostille nach Datum unter einem Berg von Frauenzeitschriften (die für Frauen, nicht die für Männer, in denen Frauen abgebildet sind) verborgen lag? Es geht einmal mehr um die wehleidige Klage, dass im Internet anonym jeder alles sagen darf. Die Bottom-Line des Artikels lautet also folgerichtig:

Was spräche denn dagegen, im Internet nur Menschen zur Publikation zuzulassen, die sich identifizieren?

Nun, nach Meinung rechter Politiker spricht gar nix dagegen. Dass Datenschützer, die sehr genau wissen, dass sich jeder Internetnutzer im Straftatbestands-Fall leichter identifizieren lässt als etwa der Absender eines anonymen Leserbriefes, seit Jahren gegen die von Thurnherr in bester Absicht vorgeschlagene Totalüberwachung protestieren, ist die andere Seite der Medaille. Internetnutzer würden ja sowieso für nix zahlen wollen, meint der Autor:

Aber dieses scheinbare Nichtsbezahlen hat dem Internetpublikum, also uns allen, ein Gefühl vermittelt, wir bekämen diese wunderbare Welt des ungeordneten Wissens ganz und gar geschenkt. Ein irriges Gefühl, das die Musikindustrie ruinierte und als Nächstes die Zeitungsverlage kaputtmacht. Wäre egal, hätte nicht eine Kombination von egomanischen Ich-AGs der Blogosphäre mit hemmungslosen Dienstleistern (von Pornoindustrie bis Glücksspiel) und Massen von habituellen Selbstvermummern das Rechtsbewusstsein in zwei entscheidenden Fragen verdreht.
Erstens unterläuft das Freiheitsgefühl im Internet das Urheberrecht, also jede Form des geistigen Eigentums als illegitim. Zweites meinst dieses Freiheitsgefühl ohne den Grund der Freiheit auszukommen, dass sich nämlich Personen offen mit ihrer Identität zu ihren Grundsätzen und Äußerungen bekennen Sich dazu bekennen zu dürfen, war ja eine der ersten Forderungen der sich emanzipierenden Bürger.

Eine Forderung nach Vermummungsverbotverbot? Stünde der Text unter CC-Lizenz, könnte ihn die FPÖ direkt 1:1 in ihr medienpolitischen Programm übernehmen! Mein Favorit sind übrigens die „hemmungslosen Dienstleister von Pornoindustrie bis Glücksspiel“. Ich denke nicht, dass Herr Thurnherr mit diesem Editorial un- oder absichtlich einen plötzlichen Gesinnungswechsel kommunizieren möchte. Ich halte es bloß für ein anschauliches Beispiel dafür, dass man nicht über neue Medien schreiben sollte, wenn man keine Ahnung von strukturell-technischen Zusammenhängen und dem grundsätzlichen medienökonomischen Paradigmenwechsel hat, den das Netz mit sich bringt. Sonst kommt so ein Platter’scher Blödsinn dabei raus.

SEO-News der Woche

Stereophone hat eine nette T-Shirt Collection für SEOs aufgelegt; und da der Kaufmann auf seine Affiliate-Provision verzeichnet, geht sich vielleicht sogar noch ein zusätzlicher Linbait-Slip oder eine Fahne für die Müllhalde aus.

Einen ausführlichen und lesenswerten Artikel über lukrative SEO-Portfolios hat der SEO Stratege zusammengestellt. Wirtschaftswissenschaftler kennen die Risiko-Analyse, und das hier vorgestellte Raster scheint mir sehr brauchbar:

Nichts ändert sich derzeit so schnell wie die Welt im Internet (wobei die Bankenwelt derzeit stark aufholt). Jeder, der sich z.B. mit SEO oder SEM Projekten selbstständig gemacht hat, macht sich regelmäßig auch Gedanken darüber, welches seiner Projekte auch morgen noch funktioniert. Für den langfristigen Erfolg ist es entscheidend, ein ausgewogenes Portfolio an Projekten zu besitzen. Doch was genau bedeutet „ausgewogen“?

Im mobilen Web verdienen

Ak22 fragt sich, ob das mobile Web denn mal irgendwann so weit ist, dass man damit ordentlich Geld verdienen kann und kommt zu dem wohl gerechtfertigten Schluss, dass dieser Bereich derzeit noch in der Nische wohnt:

In Deutschland ist Belboon eines der ersten Affiliate Networks, das sich das mobile Affiliate Marketing auf die Todo Liste geschrieben hat. Doch wie gesagt, Programme die über mobiles Advertising für einen Affiliate funktionieren sind noch sehr rar. Es lässt sich meiner Meinung nach nicht auf die breite Masse der Programme anwenden.

Ich bin mir allerdings sehr sicher, dass dieser Bereich mit der Verbreitung von Smartphones in großem Stil (nach dem iPhone kommt Android) sehr schnell explodieren dürfte. Und die frühen Siedler erhalten bekanntlich immer die schönsten Grundstücke.

Sistrix über die Verlieren

Wie immer ist der aktuelle Sistrix-Report zu den größten Domainverlieren mit ausgesprochen stichhaltigen Daten unterlegt und kommt zu einem Schluss, dem man unmöglich widersprechen kann:

Wer nicht regelmäßig an seiner Seite arbeitet, muss davon ausgehen, von der Konkurrenz überholt zu werden.

Die 2 Videos der Woche

Karen Abad hat das vergangene Jahr in einem sehr persönlichen Video-Rückblick festgehalten – solche geradezu hypnotischen Perlen findet man eben nur auf Vimeo:

Dass man aus der Verdrehung üblicher Hip Hop Klischees einen witzigen Clip basteln kann, ist allgemein bekannt. Besonders gut gelungen ist dieser Track von MC Regular Everyday Normal Guy [via Pete]:

Und das war’s auch schon wieder mit dem Rückblicken auf die vergangenen sieben Tage – danke für Ihre Geduld. Ab sofort fahren unsere Züge wieder planmäßig, wir lesen uns morgen.

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4 comments
nastorseriessix
nastorseriessix

Sag mal, bei dem einbinden von Videos von Vimeo, ist da nicht normalerweise auch immer deren icon mit dabei? Also so nen Button wo man dann zu Vimeo kommt und dem entsprechenden Video? :roll: Wäre mal interessant für mich zu wissen wie das geht, das man NUR das Video einbindet.

laie
laie

ich habs zwar auch so gefunden, aber die links bei "Mal alte mp3s hören" sind gebrochen. schöne musik freie musik findet man auch bei da warten eine menge freie downloads auf den geneigten leser.

Yiim
Yiim

Die T-Shirts vom Stereophone finde ich sehr lustig. Pagerank 8 auf der Boxershort. Hat auf jedenfall etwas und cool finde ich das er auf die Provision verzichtet hat um die Preise zu senken.

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  1. […] und Erkenntnissen, die gewiss diskussionswürdig sind (und auch intensiv diskutiert werden, z.B. hier, hier, hier oder hier), und einer ressentimentgeladenen, rückwärtsgewandten Suada liegen […]