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Blogistan Panoptikum KW04 2009

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what is social?Frank glaubt, dass Twitter rasch wei­tere Schritte in Richtung Mainstream unter­neh­men wird, Max hat Slangmania, das fan­tas­ti­sche neue Video der Vamummtn, aus­ge­gra­ben, Helge erklärt wie Monty Python ihre DVD-Verkäufe um 23tausend Prozent stei­ger­ten, der Werbeblogger zerrt den schlech­tes­ten Lenovo-Spot aller Zeiten ans Tageslicht, Hans-Peter ist aus den Gefilden der Fiebertrance zurück­ge­kehrt und Pete hat seit letz­tem Sonntag eis­kalt — gar nix ver­öf­fent­licht. Mit ande­ren Worten: eine ande­rer –Woche vol­ler Business-as-unusual.

US-Ikone in Schwierigkeiten

Die Krise der US-Autoindustrie greift auch auf die Zweirad-Hersteller über: so kün­digte Harley Davidson ver­gan­gene Woche an, über 1.000 Stellen zu strei­chen. Nach meh­re­ren fet­ten Jahren war der Absatz bereits 2008 um 8 Prozent gesun­ken, mit wei­te­ren 10% Prozent Rückgang rech­net die Firmenleitung in die­sem Jahr:

Insgesamt seien 2008 etwa 303.000 Motorräder gebaut wor­den, acht Prozent weni­ger als im Vorjahr. Für 2009 erwar­tet Harley Davidson ein wei­te­res Minus von zehn bis 13 Prozent. Ein Motorenwerk und eine Fabrik zur Herstellung von Getriebe in der Region Milwaukee sol­len geschlos­sen wer­den. 800 der Stellen sol­len in der Produktion weg­fal­len, der Rest in der Verwaltung.

Die Anorexie verherrlichen

Anscheinend erst­mals hat die Bundesprüfstelle für jugend­ge­fähr­dende Medien einen Blog auf den Index gesetzt — keine Ahnung, warum das erst so spät pas­siert ist. Jedenfalls scheint die betref­fende Seite Anorexie zu glo­ri­fi­zie­ren, so die Begründung laut Beck.de:

In einem Grundsatzbeschluss hatte das 12er-Gremium bereits im ver­gan­ge­nen Jahr fest­ge­stellt, dass Medien als jugend­ge­fähr­dend ein­zu­stu­fen sind, die dazu auf­for­dern, sich oder ande­ren Menschen (schwere) kör­per­li­che Schäden zuzu­fü­gen (z.B. Aufforderung zum Selbstmord, Aufforderung zur Nahrungsverweigerung, die zu extre­men Mangelerscheinungen bis zum Tode füh­ren kön­nen [Proanorexie]). Weiterhin seien sol­che Medien jugend­ge­fähr­dend, die ein Verhalten ver­herr­li­chen oder ver­harm­lo­sen, das zu kör­per­li­chen Schäden füh­ren kann;

Dieser Kiesel hat einen Stein der Zensur-Empörung ins Rollen gebracht. Aber warum soll­ten Blogs eine Sonderstellung ein­neh­men? Weblog-Betreiber müs­sen sich genauso an gel­tende Gesetze hal­ten wie DVD-Produzenten und alle ande­ren Medienheinis. Konkret bedeu­tet die Indexierung, dass die Betreiberin des ursprüng­lich bei Google gehos­te­ten und nun­mehr vom Netz genom­me­nen Blogs für eine 18+ Zugangskontrolle sor­gen muss; übri­gens ist die Betreiberin selbst eben­falls min­der­jäh­rig. Die ganze Story kennt wie üblich heise.de. Der gan­zen Debatte zugrunde liegt ein­mal ein altes Mysterium: Jahrzehnte der Medienwirkungsforschung haben nicht mal fest­stel­len kön­nen, ob Christiane F’s Pamphlet Jugendliche nun zum Drogenkonsum ermun­tert oder sie eher abschreckt:

Die Bundesprüfstelle folgte dem Argument und nahm das Blog mit Beschluss vom 4. Dezember in den Index für jugend­ge­fähr­dende Schriften auf. Die BPjM sieht “in Überein­stim­mung mit der KJM auch im Bereich bestimm­ter ‘Pro-Anorexie-Angebote’ erheb­li­che Gefährdungselemente”, heißt es in der Begründung der Bonner Behörde, die heise online vor­liegt. Medieninhalte, die “sug­ges­tiv for­dernd auf Kinder und Jugendliche ein­wir­ken”, um sie zu gesund­heits­ge­fähr­den­den Verhaltensweisen zu drän­gen, erfül­len nach Ansicht des zwölf­köp­fi­gen Gremiums den Tatbestand der Jugendgefährdung.

Ausnahmsweise bin ich voll­kom­men einer Meinung mit Spreeblick, der nicht nur die Indexierungs-Begründung im 16seitigen Volltext ver­öf­fent­lichte, son­dern in sei­nem Beitrag dar­auf hin­weist, dass der Staat eine Regulations-Funktion besitzt und Indexierung kei­nes­wegs mit Zensur gleich­zu­set­zen ist — das hält Pawlow’s Hundeschar aber nicht vom übli­chen Untergang der Blogosphäre Gezeter ab.

–News der Woche

Über kann man nie genug wis­sen — Geld-verdienen.tv hat die Grundregeln in einem über­sicht­li­chen Einsteiger-Beitrag zusam­men­ge­fasst. In Kombination mit SEO-Nords 10 Trust-Tipps steht dem ers­ten Platz bei der Suche nach Klingelton dann wohl nix mehr im Wege — es sei denn die robots.txt ist immer noch falsch kon­fi­gu­riert! :mrgreen:

Das Geheimnis des ver­schwun­de­nen Hyves

Die alte SEO-Regel “trau nie­man­dem, der einen Abakus-Account hat und auch noch stolz drauf ist” bestä­tigte sich in der ver­gan­ge­nen Woche ein­mal mehr: kurz war sie da, die mys­te­riöse Hyves-Subdomain, die all­fäl­lige Dom-Abstrafungen bei Big G ins Tageslicht zer­ren sollte — und dann war sie auch schon wie­der weg. Das hin­derte aber nie­man­den, die­sen tol­len Insider-Tipp wei­ter zu ver­brei­ten, als gäb’s da keine ande­ren Möglichkeiten… wie lau­tet schnell noch­mal die SEO-Entsprechung zu Script Kiddies?

Das Angebot der Nachfrage anpassen

Was will der Kunde? Klassisches SEO wird 2009 nicht aus­rei­chen, um in der Oberliga der Optimierer mit­zu­spie­len. SEM oder Suchmaschinenmarketing (sprich –Planung) und SMO ( Optimization) wer­den immer stär­ker nach­ge­fragt, wie eine aktu­elle Studie der Unternehmensberatung Absolit zeigt:

Weiter im Trend und sogar Pflicht ist zudem die Aktivität von Unternehmen im Bereich Affiliate-Marketing und selbst die teil­weise tot­ge­sagte klas­si­sche Bannerwerbung gehö­ren auch zukünf­tig noch zu den wich­tigs­ten Instrumenten im Online-Marketing bei klei­nen und gro­ßen Unternehmen.

Ciao, Mister Wong

Eines tech­nisch fades­ten und lames­ten Social-Bookmarking-Portale in Deutschland muss nun end­lich nicht mehr bespammt wer­den: Mister Wong führt nofol­low ein, und zwar gründ­lich und über­all, wie’s scheint. Danke dafür! Ging mir echt immer unheim­lich auf den Geist, eine Extra-Search-And-Replace Runde ein­zu­le­gen, um die Tag-Kommas zu entfernen:

Screenshot auf­ge­nom­men mit dem nodo­fol­low Plugin auf der Profilseite eines zufäl­li­gen Benutzers (sehen alle so aus) — rot kenn­zeich­net nofol­low Links. Neben den Links zu ande­ren Websites wer­den inzwi­schen auch Tags und Links auf Benutzerprofile sei­ten­in­tern nofol­low ver­linkt. Der Sinn? Wer weiß.

Mit Twitter Traffic schaufeln?

Torsten ist sich nicht ganz sicher, ob Twitter lang­fris­tig ein sinn­vol­ler Trafficbringer ist:

Mit mei­nem Kollegen habe ich dar­über dis­ku­tiert was Twitter bringt. Er ist der Meinung, dass man damit die Besucher eher ande­ren Communities zuspielt, anstelle sie auf sei­ner Seite zu hal­ten. Ich selbst sehe das etwas anders und betrachte Twitter eher als Mittel Besucher direkt an sich zu binden.

Meine Erfahrungen sind da recht ein­deu­tig: auto­ma­ti­sier­tes Posten bringt wenig, aber in punkto Aufwand/Nutzen-Relation ist der Microblogging-Service nicht zuletzt auf­grund des aktu­el­len Hypes der­zeit kaum zu toppen.

Video der Woche

To share is to be human” — Hans Peter Brondmo erklärt in der aktu­el­len Ausgabe der Blogpiloten-Klartext-Serie den Begriff social kurz und knapp; da kann man schlecht widersprechen:

Und das war’s auch schon wie­der mit der aktu­el­len Kalenderwoche, die sich in weni­gen Stunden ihrem unaus­weich­li­chen Ende zuneigt. Glücklicherweise beginnt aller­dings infi­ni­te­si­mal kurz drauf eine neue — das nennt man dann den Lauf der Dinge. Schönen rest­li­chen Sonntag, wir lesen uns morgigentags.

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