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Meine ersten fotografischen Gehversuche in HDR

18.02.2009, geschrieben von , 12 Kommentare

Wer mehr will, muss inter­po­lie­ren — und zwei Belichtungen sehen mehr als eine. So könnte man in etwa die Grundgedanken der –Fotografie zusam­men­fas­sen: anstatt ein bestimm­tes Motiv nur ein­mal auf­zu­neh­men, wer­den vom sel­ben Motiv zwei oder mehr Fotos mit unter­schied­li­chen Belichtungen geschos­sen, die man spä­ter mit­tels geeig­ne­ter zu einem Gesamtbild zusam­men­setzt. Sinn und Zweck die­ser Vorgehensweise ist die Erreichung eines höhe­ren Kontrastumfangs, daher der Name “High Dynamic Range”. Das Ergebnis sieht dann bei­spiels­weise so aus:

hdr1 Meine ersten fotografischen Gehversuche in HDR

Jeder Fotograf kennt Motiv-Situationen, bei denen unter­schied­li­che Bildteile eine hohe Helligkeitsdifferenz auf­wei­sen. Häufig ist es bei Landschaftsaufnahmen etwa kaum mög­lich, sowohl den (bewölk­ten) Himmel als auch die eigent­li­che Landschaft zugleich rich­tig zu belich­ten: wählt man die Belichtungszeit so, dass die Landschaft rich­tig dar­ge­stellt wird, über­strahlt der Himmel — und umge­kehrt säuft die Landschaft in unter­be­lich­te­ten Flecken ab, wenn man mit einer kür­ze­ren Zeit den Himmel und Wolken rich­tig aufs Bild bannt. Hier kann HDR große Vorteile brin­gen. Außerdem schät­zen zahl­rei­che Fotografen den hyper– oder auch sur­rea­lis­ti­schen Gesamteindruck sol­cher Fotos.

Naturgemäß unter­liegt diese Methode der Kontrastspreizung aber eini­gen gra­vie­ren­den Einschränkungen, wel­che die Wahl poten­ti­el­ler HDR-Motive sehr stark einschränken:

  1. HDR-Aufnahmen eige­nen sich nur für unbe­wegte Motive: die ein­zel­nen Aufnahmen müs­sen völ­lig deckungs­gleich sein, da ansons­ten im Endergebnis soge­nannte “Geisterbilder” auftauchen.
  2. Aus der Anforderung der Deckungsgleichheit ergibt sich die Quasi-Unmöglichkeit, HDR-Aufnahmen aus der freien Hand zu schie­ßen — ein ist Pflicht, idea­ler­weise sollte man die Kamera via Fernauslöser betä­ti­gen, um mini­male Verschiebungen durch das Antippen des Auslösers zu vermeiden.

Diese Einschränkungen qua­li­fi­zie­ren HDR-Setups vor allem für Landschaftsfotografien — hier sieht sich der Fotograf häu­fig mit stark unter­schied­lich beleuch­te­ten Bildteilen kon­fron­tiert. Zahlreiche Spiegelreflexkameras, dar­un­ter auch meine 40D, bie­ten von Haus aus die Möglichkeit, soge­nannte Belichtungsreihen anzu­fer­ti­gen: dabei nimmt die Kamera bei­spiels­weise drei Bilder auf, näm­lich ein kor­rekt belich­te­tes und jeweils ein unter– bzw. über­be­lich­te­tes Foto. Der Grad der Abweichung lässt sich ein­stel­len, für HDR-Zwecke emp­feh­len Profis eine Unter– bzw. Über­be­lich­tun­gen von min­des­tens einer, bes­ser noch ein­ein­halb Blendenstufen. Dabei sollte man mit einer kon­stan­ten Blende arbei­ten und die Belichtungszeit vari­ie­ren, um unter­schied­li­che Schärfentiefe-Verläufe der ein­zel­nen Fotos zu ver­mei­den. Die auto­ma­ti­sche Belichtungsreihen-Funktion hat wei­ters den Vorteil, dass die Fotos unmit­tel­bar nach­ein­an­der geschos­sen wer­den, was Probleme mit lang­sam beweg­ten Objekten (etwa den besag­ten Wolken) ver­mei­den hilft.

HDR-Images mit erstellen

Die so ent­stan­de­nen Fotos las­sen sich mit ent­spre­chen­der Spezial-Software wei­ter­be­ar­bei­ten. Der hier wer­kelnde ist um eini­ges kom­ple­xer als eine sim­ple Transparenzmischung der Bilder, denn im Prinzip sol­len über– und unter­be­lich­tete Stellen durch Kombination aller Bildinfos mög­lichst eli­mi­niert wer­den. Auch Photoshop bie­tet seit der Version CS2 eine inte­grierte HDR-Verarbeitung an, mit der man ohne wei­tere Plug-Ins erste Tests vor­neh­men kann. Die betref­fende Funktion ver­steckt sich im Menü File -> Automate -> Merge to HDR: Der Importer erwar­tet eine Serie von Bildern, die in wei­te­rer Folge zum HDR-Image zusam­men­ge­setzt wer­den. Dabei wer­den auch mehr als die beschrie­be­nen drei Images pro Serie ver­ar­bei­tet, in der Praxis fal­len die Unterschiede jedoch so gering aus, dass in der Regel die Normalversion plus Über– und Unterbelichtungen völ­lig aus­rei­chen. Optional lässt sich der vor­ge­schla­gene Weißpunkt manu­ell anpas­sen, wei­tere hän­di­sche Bearbeitungsschritte sind nicht erfor­der­lich. Das resul­tie­rende Bild hat aller­dings vor­erst noch 32 Bit Farbtiefe — vor einer all­fäl­lige Weiterverwendung für den Web– oder Printeinsatz muss daher eine Umrechnung auf die übli­chen 16 RBG-Bits erfol­gen (Image -> Mode), für die Photoshop ver­schie­dene Verfahren anbie­tet — “Exposure and Gamma” dürfte in den meis­ten Fällen aus­rei­chen (Tipp: zuerst den gewünsch­ten Gamma-Wert ein­stel­len, dann die pas­sende Exposure dazu wäh­len), “Local Adaption” bie­tet über die Manipulation der Tonwertkurve die fle­xi­bels­ten Einstellmöglichkeiten. In vie­len Fällen wird man das fer­tige Bild zusätz­lich mit einem Farbverlaufs-Layer mer­gen, etwa um das Blau des Himmels deut­li­cher her­aus­zu­ar­bei­ten oder ein Bild stark zu entfremden:

hdr3 Meine ersten fotografischen Gehversuche in HDR

Mehr Informationen zum High Dynamic Range Verfahren und wei­ter­füh­ren­den Links bie­tet die­ser Wikipedia-Artikel. Grundsätzlich sollte man für HDR-Kompositionen die Raw-Daten her­an­zie­hen und nicht mit ver­lust­be­haf­te­ten Formaten wie JPEG arbei­ten. Allerdings las­sen sich mit­tels der algo­rith­mi­schen HDR-Magie auch ohne wei­te­res zwei völ­lig unter­schied­li­che Fotos zusam­men­fü­gen — ein ähnli­ches Ergebnis errei­chen geübte Photoshop-Artisten zwar auch mit­tels klas­si­schem Layer-Blending, das dau­ert aber wesent­lich länger:

hdr2 Meine ersten fotografischen Gehversuche in HDR

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Bisher haben meine Lieblingsleser 12 Kommentare zu "Meine ersten fotografischen Gehversuche in HDR" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Achim Meurer Identicon Icon

    Ich habe mich jetzt auch mal mit HDR beschäf­tigt und ein sehr gutes Tutorial gefunden:

    http://www.stuckincustoms.com/hdr-tutorial/

    Photoshop reicht da nicht ganz aus, wenn man wirk­lich brauch­bare Ergebnisse erzie­len will. In die­sem Tutorial sind noch zwei wich­tige Programme beschrie­ben, die einen ver­dammt guten Job machen. Gestern habe ich mal auf die Schnelle einen Test gemacht und war recht ange­tan. Da werde ich in den nächs­ten Wochen mal einige Tests machen…

    Liebe Grüße
    Achim

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  • Ralf@Stil4real.de Identicon Icon

    Interessante Sache. Damit werde ich mich am Wochenende auch mal beschäf­ti­gen. Danke auch Achim für den Link.

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  • Yiim Identicon Icon

    Lob von mir ich finde die Bilder sind Super geworden ;)

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  • Achim Meurer Identicon Icon

    Habe auch mal einen Quick’n’Dirty Testbild gemacht — 5 Minuten Arbeit und schon ein coo­les Ergebnis:

    http://www.flickr.com/photos/2.….3/sizes/o/

    Liebe Grüße
    Achim

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  • Horst Identicon Icon

    Für die ers­ten Gehversuche ist es doch gut gewor­den, vor allem das erste.

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  • nacaseven Identicon Icon

    Die Bilder erin­nern mich an meine ers­ten Gehversuche mit HDR :). Ich hab auch vor etwa 2 Jahren bei stuck­in­cu­st­oms “live” mit­ge­lernt.
    Du musst nur ver­su­chen, den Effekt nicht zu über­trei­ben und dann noch ein biss­chen an den Kurven in Photoshop schrau­ben, dann wirds ganz gut.
    Ein Stativ hab ich noch nie ver­wen­det, Photoshop oder Photomatix rech­net even­tu­elle Verwackler pro­blem­los raus.
    Hier mal das Ergebnis, wenn mans über­treibt und am Empire State Building ne Stunde lang im Kreis rennt –> http://www.flickr.com/photos/nacaseven/1372518549/

    Man kann übri­gens auch aus einem Foto (jpg oder bes­ser raw) ein HDRi machen, dann darfs auch bewegt sein.

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  • Sven Identicon Icon

    Wie zeit­auf­wän­dig ist es eigent­lich HDR Bilder zu erstel­len ? Bisher hat mich der Verarbeitungsaufwand immer abgeschreckt.

    Hinsichtlich der Ergebnisse sollte man aber gerade bei schö­nen Motiven wirk­lich ein­mal Belichtungsreihen auf­neh­men — ver­wer­fen kann man spä­ter immer noch.

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  • nacaseven Identicon Icon

    Naja — natür­lich wärs leich­ter, die Bilder von der Cam direkt ins Internet zu laden. Wenn man aber gerne foto­gra­fiert und einem der erhöhte Kontrast gefällt (gibt ja viele, die davon abso­lut nichts hal­ten), dann ist es die Arbeit IMHO abso­lut wert.
    Die Kosten für Photoshop und/oder Photomatix musst du halt auch noch einrechnen.

    Arbeitsschritte:
     – 3 – 5 Aufnahmen mit unter­schied­li­cher Belichtung (am bes­ten in RAW) machen
     – mit Photoshop oder Photomatix zu einem Radiance rech­nen
     – in Photomatix (oder ähnlich) mit unzäh­li­gen Reglern ein 8-Bit Bild erzeu­gen.
     – in Photoshop etwas nach­be­ar­bei­ten, da die fer­ti­gen Bilder einen leich­ten Grünstich und Grauschleier haben.
     – in SRGB spei­chern, damit mans pro­blem­lo­ser auf flickr laden kann ;)

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  • Leon@Bodengleiche-Dusche Identicon Icon

    Hey,
    das erste Bild ist rich­tig gut gewor­den! Kannste ne Postkarte von machen las­sen ;). Das blaue ist auch recht gut aber lei­der erkennt man da die Häuser nicht so drauf dann wärs per­fekt gewor­den, aber das liegt ja auch nen bischen dadran das die Häuser lei­der nicht in der Mitter ste­hen. Die neue Kamera lohnt sich ja ;) lg

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  • Huggy@Router Testberichte Identicon Icon

    Huhu Ritchie!

    Ich habe mir zu Weihnachten auch ein Stativ gegönnt und bin vor einem Monat in der Nacht mit den Öffis durch Wien gesaust und hab nette Nachtbilder gemacht.
    Mein Prachtbild wurde aber ein HDR von dem Schottentor, auch wenn das evl. nicht die sau­berste Motiv-Umgebung ist *gg*

    Find die Technik super, auch wenn es mit schlech­te­ren / Kompakten Kameras eher müh­sam ist :)

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 22. Februar 2009 um 21:07

    Klingt sehr gut! Hast du das Schottentor-Bild irgendwo online?

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  • hobbit Identicon Icon

    :wink: wirk­lich sehr gut für den ers­ten versuch

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