Blogistan Panoptikum KW10 2009

earth2Xing zählt sich zu den Kristenprofiteuren, Manuel zieht nach Roatan und mir bleibt eigent­lich neben der wöchent­li­chen Dosis Verwunderung eigent­lich nur, allen Leserinnen ganz herz­lich zum heu­ti­gen inter­na­tio­na­len Frauentag zu gra­tu­lie­ren. Wobei an die­ser Stelle natür­lich schon mal gesagt wer­den muss, dass für uns Neue Männer natür­lich jeder Tag ein Frauentag ist :mrgreen:

Oh du armes StudiVZ

Seelig sind die geis­tig Armen, denn ihrer ist das Himmelreich!” So man­cher Blogger ver­mu­tet die­ser Tage, dass die Mannschaft von StudiVZ beste Chancen beim Einlass durch die gött­li­che Pforte hat, denn:

StudiVZ ver­klagt ver­schie­dene Domainbetreiber die VZ im Namen haben. Wie arm ist das denn? Wie tief kann man sin­ken? Es sind so inter­es­sante Namen wie FussballerVZ, PokerVZ, ErstiVZ und Abitur-VZ dabei. Ein beson­de­res Highlight ist FickenVZ. :-). Diese Seiten wur­den teil­weise schon vom Netz genom­men oder unter ande­rem Namen wie­der aufgemacht.

Tja, so eine Heise-Meldung macht ganz schön Backlinks, halt lei­der nicht auf StudiVZ :mrgreen: Über­haupt hat das in Deutschland komi­scher­weise immer noch beliebte Social Networks wahn­sin­nig viel gute Presse bekom­men in den letz­ten Monaten: Blogbar freut sich über offe­nen Sexismus, das Lawblog, Netzpolitik.org und BasicThinking loben die tol­len neuen Nutzungsbedingungen, fixmbr fin­det nette Worte für die stra­te­gi­sche Ausrichtung… wow! Nur so wei­ter. Die User lassen’s anschei­nend ja eh mit sich machen.

Twitter: nicht mehr rezi­prok folgen?

Frank hat in einem aus­führ­li­chen Beitrag dar­ge­legt, warum er die Autofollow-Function bei sei­nem Account abge­dreht hat. Sehr nach­voll­zieh­bare Über­le­gun­gen, nur diese Stelle will ich nicht unkom­men­tiert ste­hen lassen:

Für mich war es ein Weg meine neuen Follower bes­ser ken­nen­zu­ler­nen in dem ich ihre Nachrichten in mei­nem Stream lese. Diejenigen die mir nicht gefie­len, hab ich dann ein­fach wie­der raus­ge­wor­fen. Das Prinzip funk­tio­nierte auch eine Weile ganz gut, bis vor kur­zem einige schlaue Marketing-Geier auf die Idee gekom­men sind Listen mit Nutzern die diese Autofollower nut­zen zu ver­brei­ten. Das führt dann dazu, dass du auf ein­mal täg­lich 20 neue Follower bekommst wovon 18 irgend­wel­che Spammer sind, denen es nur darum geht ihre Followerzahlen so hoch wie mög­lich zu trei­ben. Irgendwann war ich mehr mit Unfollowen beschäf­tigt als mit sonst etwas. Das macht kei­nen Spaß und drum habe ich eben die­ses Experiment wie­der beendet.

Bartgeier, Schmutzgeier, Marketinggeier — gut zu wis­sen, dass nicht alle Tierrassen vom Aussterben bedroht sind! Ich betreibe ja unter datadirt.net/twitterlist/ selbst eine sol­che Liste, aller­dings würde ich dort nie­mals jeman­den gegen sei­nen Willen ein­tra­gen — User, die das möch­ten, hin­ter­las­sen selbst ihre Account-Adresse samt Tags. Denn wie Frank schreibt: jeder soll’s mit der Twitternutzung hal­ten, wie sie glaubt.

Auf Facebook die Ehre abschneiden

Was ist ehr­li­ches Kundenfeedback, wo beginnt Rufschädigung? Und wer­den wir bald den Begriff “Blackhat Viral Marketing” ver­wen­den? Frank Helmschrott schil­dert einen inter­es­san­ten Fall, in dem ein nega­ti­ver Kommentar über die Firma nun­tio aus Wien dem betref­fen­den User einen Brief der Anwaltskanzlei ein­brachte, denn die sah den Tatbestand der Rufschädigung erfüllt. Werden Firmen künf­tig nega­ti­ves Feedback ein­fach weg­kla­gen bzw. weg­dro­hen kön­nen? Der Anwaltsbrief soll über 700 Euros kos­ten; keine Ahnung, ob dies den in .at “markt­üb­li­chen” Preis ent­spricht. Aber ich schließe mich Frank an — nicht jede PR ist gute PR:

Angenommen er würde nun sei­nen Kommentar bei Facebook wider­ru­fen, würde er ja eigent­lich damit lügen oder? Schließlich han­delt es sich ja nicht wirk­lich um eine unwahre Behauptung son­dern um seine Erfahrung. Weird! Aber auf jeden Fall dürfte auch hier das Problem hin­ter­her grö­ßer sein als vor­her. Der Firmenname “Nuntio” könnte bei Google künf­tig evtl. etwas nega­tiv besetzt sein.

SEO-News der Woche

Selten wer­den sie­ben Tag so sehr von einem Thema domi­niert: die Firma Seoline mahnte Captain Sistrix ab und gene­riert damit in Rekordzeit über drei­ßig Reaktionen. Blogschrott fasst das tref­fend zusammen:

Statt des­sen beschwö­ren sie einen Abmahn-Linkbait unge­ahn­ten Ausmaßes her­auf, ich bin geneigt zu sagen “Denn sie wis­sen nicht was sie tun”. Das Ganze erin­nert mich an die Geschichte vom Zauberlehrling: “Die ich rief, die Geister werd ich nun nicht los”. Damit ist die Sache klar, mein ers­ter Blogschrott-Award in die­sem Jahr geht an die Seoline GmbH. Dann haben die Seoliner bei die­ser Sache wenigs­tens etwas gewonnen.

Und Fridaynite fürch­tet Konsequenzen, falls die Kläger recht bekommen:

Wenn man so ein­fach jeden abmah­nen kann, werde ich wohl irgend­wann die Kommentarfunktion hier schlie­ßen müssen.

Die Liste der kom­plet­ten Reaktionen gibt’s bei Johannes. Wirklich geil sind die Auswirkungen die­ses PR-Supergaus: bei der Suche nach Seoline ist der­zeit von der Firmenhomepage jeden­falls weit und breit keine Spur — abge­se­hen von der kos­ten­pflich­tig ein­ge­blen­de­ten Anzeige. Wundert mich ja direkt, dass noch keine zweite Agentur auf die­sen Namen bie­tet :mrgreen:

Bist du ein Skittle?

Mit dem Begriff Website Outsourcing meint Ben nicht, dass man eine Agentur mit der Anpassung von Typo beauf­tragt, son­dern die User sol­len selbst sämt­li­che Inhalte gene­rie­ren — Skittles kickte kürz­lich die Homepage und zeigte den Twitterfeed an, bis zahl­rei­che User pos­te­ten “Skittles gives you Aids”:

Nun hat auch der Ableger von Mars, “Skittles” sich die­ses merk-würdige Online Marketing Konzept ange­eig­net. Das Moderne Internet wird durch Web 2.0 auch bei Brand Websites dra­ma­tisch verändert.

Aber in Wahrheit han­delt sich’s um ein völ­lig über­be­wer­te­tes Schein-Gefechtlein zwi­schen Konsumenten und — nein, eben nicht Produzenten, son­dern Marke. Brääänd. Skittles ist genauso wenig eine Firma wie Mars. Masterfoods ist eine, und hier darf halt irgend­ein Product Manager eine Longtail-Versuchsreihe star­ten — sozu­sa­gen Customer-Self-Service im Werbebereich.

Inlinks ver­kau­fen?

InLinks star­tete am deut­schen Markt, und Selbstaendig-im-Netz hat ein lus­ti­ges Interview zum Marktstart. Es spricht Sebastian Wenzel, der in New York bei Mediawhiz, den Machern von inLinks, arbei­tet. Sehr fröh­lich gestimmt hat mich die­ses Zitat:

Ein Partnerprogramm gibt es und es ist wirk­lich ein Sahnestückchen gewor­den. Wir sind selbst jahr­zehn­te­lang als Affiliates und Merchants groß gewor­den, wes­halb wir hier wirk­lich an die Grenzen zu dem gehen was man im Onlinemarketingbereich machen kann. Das heißt bis 15% Affiliateprovision für Publisherumsatz und das für bis zu 2 Jahre. Auch für Advertiser-Anmeldung zah­len wir über­durch­schnitt­li­che 20 Euro.

15% würd ich nicht grad als die Grenze des Affiliate-Universums bezeich­nen, aber gut — jeder muss seine Nische selbst fin­den. Aber wie dem auch sei: die Seoux-Indianer haben getes­tet und zei­gen sich vor­erst mäßig begeis­tert. Für Secondary Pages viel­leicht inter­es­sant, ansons­ten würd ich das Risiko einer Google-Abstrafung durch mög­li­che Unvorsicht eines neuen Anbieters aber kei­nes­falls eingehen.

Video der Woche: Internet-Lifestyle

Was ist Ihre Definition von Internet-Lifestyle? Diese Umfrage auf einer ein­schlä­gi­gen Konferenz zeigt, dass meine Kolleginnen und Kollegen die glei­chen Vorteile schät­zen, die ich nicht mehr mis­sen möchte: man kann arbei­ten, wann und wo man möchte, die eigene Zeit frei ein­tei­len und trotz­dem mehr ver­die­nen, als mit jedem ande­ren Job. Kurz: mehr Freedom of Choice!

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Und damit sind wir auch schon wie­der am Ende die­ses Wochenrückblicks ange­langt — danke für Ihre Aufmerksamkeit, wir lesen uns am Montag!

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2 comments
Manuel
Manuel

Vielen Dank für den Ping!

Matti
Matti

Hehe, das freut mich jetzt für Seoline daß sie nicht mehr unter ihrem eigenen Firmennamen gelistet werden :twisted: Das zeugt für wahnsinnige Kompetenz für eine SEO-Firma :roll: Und Fridaynite hat nicht ganz unrecht. Wenn das so weitergeht in Deutschland muss man sich wirklich zweimal überlegen ob man überhaupt noch eine Webseite betreiben soll. Gerade für kleine private Seitenbetreiber die nicht viel erwirtschaften stellt die rechtliche Situation in Deutschland ein richtiges Finanzielles Risiko dar das sicher nicht jeder eingehen möchte.