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Blogistan Panoptikum KW11 2009

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stadtsiluSo lang­sam scheint’s ja doch was zu wer­den mit dem Frühlingsbeginn — zumin­dest fällt statt Schnee nur mehr Regen. Das könnte der Optimist, der mit dem halb­vol­len Cuba Libre da drü­ben in der Ecke steht, doch durch­aus für ein gutes Zeichen hal­ten. Wobei Optimismus in Zeiten von Amokläufen an Schulen zumin­dest in Mainstream-Medien der­zeit eher dünn gesät ist. Da sind Computerspiele als Schuldige natür­lich schnell zur Hand — denn im Zweifelsfall wird das ein­fa­che Ursache-Wirkungs-Prinzip gegen­über kom­pli­zier­ten Erklärungsversuchen bevor­zugt: das nennt man der Publizistik-Wissenschaftler dann wohl die “Komplexitäts-Reduktions-Leistung” der Massenmedien.

Calli steht Rede und Antwort

Reiner Calmunds Kommentare in der Kocharena sind ein­fach nur legen­där. Aber der kürz­lich 60 gewor­dene Fußballexperte hat nicht nur ein gro­ßes Herz für gutes Essen, son­dern auch fürs Web — sein Account @Calmund ist — eine Rarität die­ser Tage — echt. Dort schreibt auch kein Personal Assistant, son­dern der Big Boss himself:

Kaum zu glau­ben, aber ein Leben ohne Internet ist auch für mich “alten Sack” inzwi­schen schwer vor­stell­bar. Ich bin zwar gerade 60 gewor­den, aber den­noch ein gro­ßer Verfechter des Internets, was ja nicht immer so ist in mei­ner Generation. Das Schlagwort Web 2.0 ist mir natür­lich seit der Gründung mei­ner Präsenz “Calli Island” in der vir­tu­el­len 3D-Welt Second Life, Anfang 2007, ein Begriff, und Youtube begeis­tert mich schon min­des­tens genauso lange. Oft sitze ich mit Freunden vor dem PC und amü­siere mich über die Parodien, die über mich im Netz ver­öf­fent­licht sind. Soziale Netzwerke erfah­ren einen enor­men Zuspruch, manch­mal wun­dert mich die Offenheit der Leute, aber im Prinzip han­dele ich ja genauso.

Das Zitat stammt aus einem aktu­el­len Interview, das Metty mit Reiner geführt hat — den Rest des Gesprächs gibt’s auf Twitter-Log nachzulesen.

Games do not Kill. Guns Do.

Tim K. ver­setzt ein Land in Schrecken. Obwohl Deutschland eines der strengs­ten –Gesetze hat, ent­flammt der Amoklauf in Winnenden erneut die Diskussion über die poten­ti­elle Gefährlichkeit von Computerspielen. Während unter Bloggern weit­ge­hende Einigkeit herrscht, dass kein noch so stren­ges Gesetz die vor solch unfass­ba­ren Einzelfällen schüt­zen kann, herr­schen in den Mainstream-Medien geteilte Ansichten — und die Kanäle begin­nen sich zu ver­mi­schen: so berich­tet medi­en­le­sen, dass Bild.de 150 Tweets mit allen Details des Amoklaufs über den Newsticker schickte. Von einer völ­lig ande­ren Seite geht der Beitrag am Graubrotblog das Thema an — mit sehr per­sön­li­chem Zugang. Die Schule, so der Autor, werde von vie­len Schülern als Terror und Unterdrückung erlebt, Mobbing stehe an der Tagesordnung. Solange Eltern ihre eige­nen Erlebnisse ver­drän­gen und nach ver­gleichs­weise ein­fa­chen Erklärungsmustern suchen, werde sich an der Situation nichts ändern — abso­lut lesens­wer­ter Beitrag!

Wer eben­falls der Meinung ist, dass nicht Computerspiele das Problem sind, dem emp­fehle ich die FlickR-Gruppe Games don’t Kill. Jana und Harald haben die Sache ins Rollen gebracht:

My stan­dard response to the argu­ment “Guns do not kill. People do.”: Yes, that’s right and that is true with any tech­no­logy. The a-bomb wouldn’t be fatal if it weren’t laun­ched. The big­gest tra­ge­dies have been cau­sed by humans. Homo homi­nem lupus est. The point to bring across here is: You have games, you have guns. The pos­ses­sion of which do you think is lethal? Schäuble thinks it’s games, and I say: Can we talk about gun pos­ses­sion instead? Please? Guns are the real problem.

Wie kann man mit­ma­chen? Bild anfer­ti­gen, zur FlickR-Gruppe hinzufügen!

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SEO-News der Woche

Laut Feedback muss die erste SEO-Campix ein vol­ler Erfolg gewe­sen sein — wenn’s 2010 eine Neuauflage geben sollte, werd ich mich wohl auch auf den Weg machen, in die­sem Jahr ging sich’s lei­der nicht aus. Ich würd die mir groß­teils nur vir­tu­ell bekann­ten übli­chen Verdächtigen ja gern mal Face-2-Face sehen.

LPO, Baby!

Der SEO Evangelist pre­digt Landing Page Optimization — dazu gibt’s einige lesens­werte Beiträge, die jeder SEO ver­in­ner­li­chen sollte — pri­vate Seiten sind eine Sache, aber der beste Traffic ist wert­los, wenn die Seite durch unklare Strukturierung Besucher ver­wirrt und Conversions ver­hin­dert. In der Tat eine Thema, das gerne im deut­schen Sprachraum nicht sel­ten durch den Analyse Rost fällt…

Google star­tet mit Behavioral Targetting

Es war in der Tat nur eine Frage der Zeit — jetzt macht Big G ernst mit per­so­na­li­sier­ter Werbung:

Bislang war es so, dass Google seine Werbung ledig­lich am Inhalt der Webseite bzw. des jewei­li­gen Onlineangebots aus­ge­rich­tet hat. Zukünftig wird durch Google ein­ge­blen­dete Werbung zudem auch an den Besucher einer Webseite ange­passt, an jeden ein­zel­nen und zwar rück­wir­kend. In der Praxis sieht das Ganze dann so aus, dass man in sei­nem Google-Profil Vorlieben für bestimmte Themen ange­ben bzw. bestimmte Themenbereiche aus­schlie­ßen kann, zum ande­ren aber mög­li­cher­weise inter­es­sante Themen auch von Google selbst eva­lu­iert und in Werbeeinblendungen ange­zeigt werden.

Inzwischen dürfte sich also eine hin­rei­chende Menge von Analytics-, Chrome– und sons­ti­gen Daten ange­sam­melt haben. SEO Handbuch ver­öf­fent­lichte einige inter­es­sante Über­le­gun­gen zu prak­ti­schen Problemen, die sich aus der­ar­ti­ger ange­pass­ter Werbung für User, aber auch Webmaster ergeben:

Durch diese inter­es­sen­be­zo­gene Werbung erge­ben sich — wie Google selbst geschrie­ben hat — ggf. Probleme mit den Datenschutzbestimmungen. Eine Vorformulierung bzw. ein Muster wie diese rechts­si­cher for­mu­liert wer­den kann, wird nicht ange­bo­ten (“Da Publisher-Websites und gesetz­li­che Vorschriften von Land zu Land unter­schied­lich sind, kön­nen wir lei­der keine bestimmte Formulierung für die Datenschutzbestimmungen vor­schla­gen”). Man ist also auf seine eigene Weisheit angewiesen.

Da bin ich doch direkt froh, dass ich AdSense nicht verwende…

Rückblicke auf die SEO-Campixx

Die Rückmeldungen zur SEO-Campixx fie­len durch­wegs posi­tiv aus — SEO-Radio.de gefiel vor allem der Networking-Aspekt. Ich war ja nicht vor Ort, dürfte aber eini­ges ver­säumt haben — zumin­dest legt mein Lieblingszitat dies nahe:

Am Abend ging es dann mit Bullriding und Party wei­ter, hier kann ich nicht viel zu sagen da ich ab dann auf­ge­hört habe mit­zu­schrei­ben. Zu essen gab es Breuler mit unter­schied­li­chen Salaten.

Eine Frage nur: was genau ist Breuler? Google spuck “männ­li­ches, gebra­te­nes Federvieh” aus. Sumaphil sprach den Veranstaltern eben­falls ein Kompliment aus:

Tolle Vorträge, tol­ler Event-Teil (hey, ich fand sogar die Crackhuren cool), tolle Organisation (Hut ab), schade nur, daß der eigent­li­che Barcamp-Teil nicht so inten­siv genutzt wurde.
Ich hoffe daß Marco trotz des vie­len Stresses es sich noch­mals über­legt, und es auch eine SEO-Campixx 2010 geben wird.

Den Podcast-Rückblick für audio­phile Informationsverarbeiter gibt’s bei Radio4SEO.

Video der Woche: Nostalgia

Von den Clubs auf den Computermonitor: das Genre “Wand-Videotapete” kommt nicht zuletzt dank zu unge­ahn­ter Popularität: Tilt, Shift, Burn! Nostalgia von Edgar Maguyon:

Und das war’s auch schon wie­der mit dem aktu­el­len Wochenrückblick — aber oder trotz­dem bleibt alles span­nend. Nächste Woche bin ich gleich zum Auftakt um Markting-Montalk auf Hans-Peters Couch zu Gast (es geht um das Thema Inhouse vs. Outhouse SEO/SMO), am Dienstag halte ich auf Einladung von Dieter bei HP einen . Außerdem gibt’s ab nächs­ter Woche wie­der fri­sche u-ton Sendungen — wir lesen uns morgen!

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5 comments
Matti
Matti

Mittlerweile gibts von Google doch eine Vorlage zu den neuen Datenschutzbestimmungen: https://www.google.com/adsense/support/bin/answer.py?answer=100557&hl=de Ich nehm alle zurück was ich oben gesagt habe :)

ritchie
ritchie

Naja, die machen sich's aber schon recht einfach: Da Publisher-Websites und gesetzliche Vorschriften von Land zu Land unterschiedlich sind, können wir keine bestimmte Formulierung für die Datenschutzbestimmungen vorschlagen. Weitere Informationen dazu erhalten Sie bei der Network Advertising Initiative (NAI), welche die folgende Formulierung für die Datenerfassung nicht persönlich identifizierbarer Informationen vorschlägt:

digiom
digiom

Feines Bild - das ist noch gar nicht drin in der Flickr-Gruppe. Würd mich freuen, es auch dort begrüßen zu dürfen! http://www.flickr.com/groups/games-dont-kill/pool/

ritchie
ritchie

Ups, das kommt davon, wenn man was nicht gleich macht - fast vergessen, thx für den Reminder; habs eingetragen in die Gruppe :cool:

Matti
Matti

Ich bin der Meinung wenn Google soetwas einführt sollte Sie sich auch um die Datenschutzbestimmungen kümmern. Jetzt muss sich wieder jeder Webmaster mit dem leidigen Thema auseinandersetzen. Im Endeffekt kopiert man sich wahrscheinlich einfach was aus nem Forum mit dem Effekt daß man dann vermutlich auch nicht 100%tig Rechskonform ist und sich wieder hunderte Abmananwälte freuen. Ganz toll von Google seine Nutzer so im Regen stehen zu lassen.

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