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Symposium: Das Versprechen der kreativen Ökonomie

30.03.2009, geschrieben von , Keine Kommentare
31. März 2009
14:00bis20:00

kreoek Symposium: Das Versprechen der kreativen ÖkonomieOn short notice: bereits mor­gen, am 31. März, fin­det im gro­ßen Sendesaal des RadioKulturHauses (Argentinierstrasse 30a, 1040 Wien) das von Ina Zwerger und Armin Medosch orga­ni­sierte “Creative Cities” statt. Bei freiem Eintritt lädt die Wissenschaftsredaktion zu einer hoch­ka­rä­tig besetz­ten Reflexion der immer wie­der gern zitier­ten Utopie, und Wirtschaft täten sich ver­tra­gen wol­len können.

Anlass ist nicht zuletzt das von der EU 2009 aus­ge­ru­fene “Jahr der Kreativität und Innovation” (ich freu mich schon aufs “Jahr der Einfallslosigkeit und des Rückschritts”) und die große Hoffnung, wel­che Regierungen welt­weit in die “Creative Industries” set­zen. Die Veranstalter fra­gen im Einladungstext nicht ganz unsug­ges­tiv, ob mög­li­cher­weise eine neues intel­lek­tu­el­les Proletariat ent­stünde, eine Art “Tagelöhnertum im ″:

Arbeitsplätze – so wird sug­ge­riert – schafft man sich selbst, im “Home Office”, im vir­tu­el­len . Befristete “Projekte” erset­zen immer öfter den Job auf Lebenszeit. Lebenslanges Lernen soll die Wettbewerbsfähigkeit stei­gern. Doch von der Wertschöpfung der “Ideenwirtschaft” pro­fi­tie­ren nur ganz wenige, meist große Unternehmen der Kulturindustrie. Das durch­schnitt­li­che Einkommen der “Cultural Workers” ist sehr gering.

Das klingt mir zwar alles gar ein wenig nega­tiv: ein “lebens­lan­ger Job” wär meine per­sön­li­che Hölle, und wenn der Tagessatz stimmt, dann bin ich lie­bend gern vor­tra­gen­der oder coa­chen­der Tagelöhner. Und ja, mei­nen “Home Office” Arbeitsplatz hab ich mir tat­säch­lich sel­ber geschaf­fen — vor 20 Jahren wär’s schlicht undenk­bar gewe­sen, mit einem digi­ta­len Produktionsstudio um rund 10k Euro mit “pro­fes­sio­nel­len” Corporations zu kon­kur­rie­ren. Aber ande­rer­seits bin ich ja auch kein frei­schaf­fen­der Künstler, son­dern frei­schaf­fen­der Marketing-Berater und “gerin­ges Einkommen” liegt natür­lich immer im Auge des Betrachters, aber ich kann mich defi­ni­tiv nicht beschwe­ren frog6 Symposium: Das Versprechen der kreativen Ökonomie Doch wei­ter im Text:

Was macht die­sen Lebensentwurf den­noch attrak­tiv? Ist es die Vorstellung, aus dem Hobby einen Beruf zu machen? Ist es die Hoffnung auf Ruhm? Oder ein­fach der Mangel an Alternativen? Muss nun “jeder ein Künstler” wer­den, frei nach Joseph Beuys? Oder müs­sen alle Künstler/innen ins Betriebswirtschaftsseminar? Und ist nicht der Zwang zur ökono­mi­schen Verwertbarkeit für das krea­tive Schaffen letzt­lich kon­tra­pro­duk­tiv? Lässt sich Innovation auf Knopfdruck her­stel­len? Vor wel­chen Herausforderungen ste­hen Kunstförderung und Aus– und Weiterbildungsinstitutionen?

Diese ver­su­chen unter ande­rem Martin Netzer von der Sektion Erwachsenenbildung des BM für Unterricht und Kunst, Richard Barbrook von der Westminster University London, Diedrich Diederichsen, das kul­tur­wis­sen­schaft­li­che Aushängeschild Berlins, Geert Lovink vom Amsterdamer Institute of Network Cultures und Inke Arns vom Hartware MedienKunstVerein Dortmund in ihren Referaten zu klä­ren. Der erste Teil des Programms hat für mich durch­aus einen gewis­sen Zeitreise-Aspekt: soweit ich mich erin­nere, dis­ku­tie­ren die übli­chen Verdächtigen die glei­chen Themen seit Mitte der Neunziger, damals noch vor­wie­gend auf der net­time–. Seither hat sich die Situation — je nach per­sön­li­cher Einschätzung — dras­tisch ver­bes­sert oder ver­schlech­tert, eines ist jeden­falls klar: in Zeiten der Wirtschaftskrise erhöht sich das Interesse ans Kapital-/Liberalismuskritik beträcht­lich. Wird jeden­falls sicher­lich ein span­nen­der Nachmittag, den ich aber lei­der ob Creative-Industry––Stress nur teil­weise werde ver­fol­gen kön­nen. Genauere Details fin­den Kurzentschlossene Besucher Programm-PDF.

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