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Blogistan Panoptikum KW25 2009

22.06.2009, geschrieben von , 4 Kommentare

Zurück aus dem hoch­ver­schnei­ten Lienz (näch­tens fiel die Schneefallgrenze deut­lich unter 2.000 Meter) sitze ich in der ers­ten Klasse der ÖBB und frage mich, ob man die Arbeitslosigkeit in die­sem Land nicht zumin­dest ein wenig bekämp­fen könnte, wenn man ab und an mal jeman­den die Zugfenster put­zen ließe. Aber genug der Besserwisserei: wenn der natür­li­che Weichzeichner der Landschaft ihren kar­gen Reiz ent­reißt, wird die kühle Post-Kathodenröhre des Laptops umso inter­es­san­ter. Mit ande­ren Worten: auf zum , das letzte Woche einem grau­sa­men Arbeits-Anschlag, ver­schul­det durch den gewis­sen­lo­sen Internetrat, zum Opfer fiel!

Die meis­ten WordPress-Templates saugen

Das sagt nicht irgend­wer, son­dern Blair Williams — und der hat immer­hin das groß­ar­tige Pretty Links for WordPress geschrie­ben. Wir alle wis­sen, dass gutes Aussehen manch­mal für ein paar Stunden Spaß voll­kom­men aus­reicht, aber wenn’s um län­ger­fris­tige Beziehungen geht, dann zäh­len auch die Werte unter der Haube — im Fall eines WordPress Templates zäh­len dazu sol­che Themen wie Kommentar-Formatierung, sau­be­res HTML und so wei­ter. In sei­nem Beitrag über die 10 häu­fig über­se­hene WordPress Template-Probleme erklärt Blair, wor­auf man bei Template-Wechsel neben der Optik noch ach­ten sollte:

I’ll think a theme looks clean, beau­ti­ful and pro­fes­sio­nal — then I install it, have a look under the hood and rea­lize that it has fatal flaws.
This really makes me won­der how many people are sla­ving away on their web­sites and blogs all the while their site is dying a slow death because of a WordPress Theme that they think is fine.

Reise durch die Räterepublik

Hans-Peter Lehofers e-comm Blog gehört seit eini­ger Zeit zu mei­nen Favoriten — ich kenne nie­man­den, der so unter­halt­sam, fun­diert und hin­ter­grün­dig über die an sich sper­ri­gen Themen “öster­rei­chi­sches und euro­päi­sches Recht der elek­tro­ni­schen Kommunikationsnetze und –dienste” berich­tet. Im kom­men­den Semester möchte ich jeden­falls an Dr. Lehofers Vorlesung an der WU Wien teil­neh­men. Konkreter Anlass die­ser Erwähnung ist die Serie “Reise durch die Räterepublik”. Da heißt es im ers­ten Teil etwa:

Vielleicht sollte man alle Selbstregulierungseinrichtungen um eine aus­drück­li­che Erklärung ersu­chen, dass es sich dabei (jeden­falls nach Auffassung der Initiatoren) nicht um ein fake han­delt. Mit der Frage nach der “Legitimation” kann man eine Unterscheidung näm­lich nur schwer tref­fen. Der auch gerade neu gegrün­dete, wun­der­bar schräge Öster­rei­chi­sche Internetrat (ÖIR) etwa schreibt zu sei­ner Legitimation (aus­drück­lich als Selbstlegitimation bezeich­net): “Der ÖIR hat sich selbst gegrün­det und ver­fügt über die Legitimation, sich als erste Institution als Öster­rei­chi­scher Internetrat bezeich­net zu haben …”

Und im zwei­ten Teil heißt es über den groß­ar­tig amü­san­ten PR-Ethik Rat:

PR-Ethik-Rat for­dert klare Kennzeichnung von ” Da gehört wirk­lich Mut dazu: etwas zu for­dern, was seit Jahrzehnten gesetz­lich ver­pflich­tend vor­ge­se­hen ist. Aber das wirk­lich Faszinierende an der Presseaussendung ist, dass weder ein ein­zi­ges Beispiel (von wegen “öffent­li­che Rüge”), noch auch nur die geringste Andeutung einer Sanktion — und sei es nur die Namensnennung — vor­kommt. Der Grund dafür ist beson­ders nett: es gibt ein­fach zu viele schwarze Schafe.

Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!

Musikalische Alternativen zu Last.fm

Last.fm kos­tet in den meis­ten Ländern mitt­ler­weile Geld — mir per­sön­lich hat die Seite nicht mal gefal­len, als die Streams noch gra­tis aus dem Lautsprecher dudel­ten. Aber Alternativen gibt’s genug — und die unter­schei­den sich nicht nur in punkto Look und Repertoire — Roh.cc hat die drei “big Players” verglichen:

Drei Services werde ich hier näher beleuch­ten: Play.fm, Blip.fm und Hypemachine. Sie alle gibt es schon län­ger, und es wurde schon reich­lich dar­über geschrie­ben. Aber auch Musikplattformen machen eine Evolution durch und es bil­den sich cha­rak­te­ris­ti­sche Community-Kulturen, die sich durch­aus von­ein­an­der unter­schei­den können.

Super-Influencer: Experten ohne Ahnung

Wer V8-Zwölfzylinder Motoren baut, braucht sich um den Spott nicht zu küm­mern, möchte man mei­nen, aber nix: Medien schaf­fen Distanz und för­dern gefähr­li­ches Halbwissen, argu­men­tiert ein erfri­schen anti-trendiger Beitrag im Mashazine. Speziell bei die­sem Zitat aus dem Teil “Inflation der Expertise” musste ich die fünf tap­fe­ren Pioniere den­ken, die vor kur­zem den Öster­rei­chi­schen Internetrat gründeten:

Jeder ist Experte; die Vielzahl von Meinungen schafft Vertrauen – schlicht durch Präsenz: Weil es Kommunikation, Vielfalt, Widerspruch gibt wirkt der Ausschnitt, den wir wahr­neh­men, für uns ver­trau­ens­wür­dig – schließ­lich hat er sich gegen die Konkurrenz durch­ge­setzt.
All das sind for­male Kriterien; die Diskussion zu Vertrauen in Onlinemedien und Kriterien von Vertrauenswürdigkeit in der Onlinekommunikation wird nach wie vor oft über for­male Merkmale geführt. Gibt es Gütesiegel, Kommentare, Pagerank oder andere Insignien digi­ta­ler Kompetenz?

Photoshop für Arme

Man muss nicht alles im Browser machen — aber man kann! Aviary fin­det, dass Photoshop und Co. den Profis vor­be­hal­ten blei­ben sollte: den Geburtstagsgruß aus Digi-Foto pap­pen kann Otto Normaluser schließ­lich auch direkt in Firefox, noch dazu ganz für lau. Aviary bie­tet diverse Pixel– und auch Vektor-Manipulations-Tools an, free-user müs­sen vor allem mit der Einschränkung leben, dass alle erstel­len Werke frei zugäng­lich sind. Wer 25 Dollar im Jahr bezahlt, bekommt eine pri­vate Kajüte und bes­sere Download-Optionen. Ausnahmsweise schließe ich mich dem Spiegel an und frage mich, wer sowas braucht — schließ­lich gibt’s neben Adobe’s Platzhirsch inzwi­schen sehr brauch­bare Freeware-Alternativen (wie etwa Gimp, das aus­schließ­lich exis­tiert, damit man an pas­sen­der Stelle seine Existenz erwäh­nen kann — ob jemand tat­säch­lich schon mal damit gear­bei­tet hat, weiß ich nicht genau), und gerade Bildbearbeitung, bei der schnell mal hef­tige Datenmengen anfal­len, möchte ich eigent­lich lie­ber lokal erledigen.

Wenn Richter irren

Manche Zufälle kön­nen gar keine Zufälle sein, möchte man mei­nen — aber hat kei­nes­wegs frech Facebook pla­gi­iert, ent­schied der Richter im mit Spannung erwar­te­ten Urteil Holtzbrinck vs. Facebook:

Zum angeb­li­chen Diebstahl von Quellcodes durch StudiVZ habe Facebook ledig­lich Vermutungen ange­stellt, urteilte das Gericht. Diese seien nicht aus­rei­chend, um dem deut­schen Online-Netzwerk “unred­li­che Erkenntniserlangung” vor­zu­wer­fen. Letztlich sei auch vor­stell­bar, dass die StudiVZ-Gründer die Facebook-Webseiten mit Hilfe von im Netz für jeder­mann sicht­ba­ren Informationen nach­pro­gram­miert hät­ten. Darin liege jedoch kein Verstoß gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Facebook, da StudiVZ nie selbst Vertragspartner des US-Unternehmens gewe­sen sei. Gegen das Urteil kann Facebook Berufung beim Kölner Oberlandesgericht einlegen.

Geile Begründung! “mit Hilfe von im Netz für jeder­mann sicht­ba­ren Informationen”… wenn das nur mal kein Präzedenzfall wird!

Der Damm ist gebrochen

Deutschland darf end­lich China wer­den! Da muss Maria Fekter ja gera­dezu vor Neid erblas­sen ob der CDU/CSU Kampfrethorik in punkto Netzsperren:

Wir haben die Pflicht, alle rechts­staat­li­chen Mittel zur Bekämpfung von Kinderpornographie ein­zu­set­zen”, begrün­dete Martina Krogmann, par­la­men­ta­ri­sche Geschäftsführerin der CDU/CSU-Fraktion die Initiative. Es könne sich hier nie­mand auf die Informationsfreiheit berufen.

Dabei haben unsere Nachbaren wirk­lich einen erstaun­li­chen Murks zusam­men­ge­bracht — eine Verfassungsbeschwerde wegen unrecht­mä­ßi­gem Zustandekommen des Gesetzes ist kei­nes­wegs aus­ge­schlos­sen, wie Heise berichtet:

Der “Placebo”-Entwurf sei nicht ver­hält­nis­mä­ßig und öffne das Tor zur Internetzensur, monierte Jörn Wunderlich von den Linken. Eine rechts­staat­li­che Kontrolle der Sperrlisten finde nicht statt. Polizeibehörden dürf­ten nicht dar­über ent­schei­den, was publi­ziert wer­den dürfe. Wolfgang Wieland beklagte für die Grünen, dass “im Schweinsgalopp” allein ein “Vorhang für Verbrechen” auf­ge­zo­gen werde. Es sei “schie­rer Missbrauch”, das Vorhaben unter der Flagge des Wirtschaftsrechts durch­zu­set­zen. Prinzipiell müsste zumin­dest ein ver­wal­tungs­recht­li­ches Widerrufsverfahren gegen die Aufnahme auf die Schwarze Liste ein­ge­führt wer­den. Ein Richter habe die Anordnung zu geneh­mi­gen, kein Kontrollgremium beim Bundesbeauftragten für Informationsfreiheit.

Dass das hoch­e­mo­tio­nale Thema Kinderpornographie nicht Ziel, son­dern bloß Mittel zum Zweck ist, wis­sen Experten längst — es geht um die Schaffung der Sperr–, die China schon so lange erfolg­reich ein­setzt: steht die Firewall erst mal, kann man auf Knopfdruck auch jeden ande­ren miss­lie­bi­gen Inhalt aus­blen­den. Naja, wie der CCC in einer bemer­kens­wer­ten Aussendung schrieb: freie Funknetze wer­den boomen.

SM zwi­schen­durch?

Kein Lack, kein Leder, keine Neunschwänzige: bloß Social Media, das sich nach Ansicht von Steven Weather pro­blem­los für den schnel­len Quickie zwi­schen­durch eignet:

Time is money, but Weathers says it’s all about how you manage it. “Previously was­ted down time like sit­ting in taxis for 20 minu­tes or stan­ding in a bank line for 10 minu­tes is now spent on my mobile phone, boun­cing bet­ween Twitter and Facebook. It’s get­ting easier and easier, and for bran­ding an entre­pre­neur, I think it’s golden.”

Naja, was will man auch von einem Artikel erwar­ten, der ein­lei­tend die fol­gen­den Fragen stellt:

But is social media right for your busi­ness? Could it be a free sub­sti­tute for a tra­di­tio­nal (read: expen­sive) adver­ti­sing plan? How much time should be spent in the care and fee­ding of all those pro­files? The ans­wers may sur­prise you.

Ach ja: die Antwort lau­tet völ­lig über­ra­schen­der­weise “even­tu­ell”. Oder auch “teil­weise”. Wow, das kam jetzt echt überraschend.

Wikipedia kriegt Video

ReadWriteWeb berich­tet über eine mul­ti­me­dia­les Wikipedia-Upgrade, das dank einer Partnerschaft mit Kaltura Hosting-technisch bereits unter Dach und Fach ist:

Wikipedia, the free web-based ency­clo­pe­dia used world­wide, will be adding video to their online repo­sitory in a mat­ter of months. When the new sys­tem laun­ches, you’ll find a new but­ton labe­led “Add Media” on Wikipedia arti­cles. […] According to news brea­king at Technology Review, this video upgrade will be made avail­able wit­hin two to three months. At launch time, Wikipedia will pro­vide access to the fol­lo­wing online video repo­si­to­ries: the Archive, which con­tains 200,000 videos, Wikimedia Commons, a resource main­tai­ned by the Wikimedia Foundation, crea­tors of Wikipedia, and Metavid, a source for Congressional hea­rings and speeches.

Twitter zen­siert die “hei­ßen Themen”

Auch ReadWriteWeb kann sich ange­sichts des jüngs­ten “Goodpussy” und “Gooddick” Skandals auf Twitter der Diskussion um die Notwendigkeit von Zensur entziehen:

Should there be an algo­rithm for trends rather than making tren­ding topics a pure num­bers game? Should the sys­tem be fixed so that #lies­boy­stell doesn’t win out over truly import­ant, signi­fi­cant, or news­wor­thy con­tent? Should tweets, like images and other kinds of con­tent, be scree­ned for “adult” mate­rial and user pre­fe­ren­ces be set accor­din­gly? Or do trends really belong to the lowest com­mon denominator?

Nein, nein und noch­mals nein! Kommen Sie doch ein­fach zu SauberTweeten! Dort kon­trol­lie­ren sich die User selbst frog6 Blogistan Panoptikum KW25 2009

Foto der Woche

Die Social Web Community enga­giert sich seit eini­gen Tagen in der Causa “Where is my vote?” Mit zahl­rei­chen grün ein­ge­färb­ten Avataren und spe­zi­el­len Tags soli­da­ri­siert sich die Netzgemeinde mit den Protestanten im Iran. In der Sonntagsausgabe des Kurier sagte der aus Persien stam­mende Kabarettist Michael Niavarani bezug­neh­mend auf die aktu­elle öster­rei­chi­sche Wertestudie sinn­ge­mäß: “In Öster­reich kämp­fen isla­mi­sche Frauen darum, ein Kopftuch tra­gen zu dür­fen. Im Iran kämp­fen sie darum, kei­nes trage zu müs­sen. 60% der Öster­rei­cher miss­trauen der und wün­schen sich einen star­ken Führer, 60% der Iraner miss­trauen dem star­ken Führer und wün­schen sich .” Hier eine Slideshow aktu­el­ler Fotos aus Teheran von Faramarz Hashemi — Achtung, nichts für emp­find­same Gemüter! [via TechCrunch]

Video der Woche

Es ist ein­deu­tig mal wie­der Zeit für ein wenig Management-Theorie: das Peter-Prinzip, auch bekannt als die “Hierarchie der Unfähigen”, wird in die­sem sehr anschau­lich erläu­tert [via Linzerschnitte]:

0 Blogistan Panoptikum KW25 2009

Und damit sind wir auch schon wie­der am Ende der letz­ten und am Beginn der aktu­el­len Woche ange­langt: der längste Tag des Jahres ist vor­über, zumin­dest Sonnenlicht-technisch, trotz­dem gilt wie immer: danke für Ihre Whuffies, wir lesen uns morgen.

icon input Blogistan Panoptikum KW25 2009Haben Sie Vorschläge und Themen fürs daten­schmutz Wochenpanoptikum?
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Bisher haben meine Lieblingsleser 4 Kommentare zu "Blogistan Panoptikum KW25 2009" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Matti Identicon Icon

    Als ich heute zuerst von Aviary gele­sen habe dachte ich noch: Gut, wäre mal ne alter­na­tive und ich brau­che nichts instal­lie­ren. Sehr prak­tisch. Aber wenn die bear­bei­te­ten Bilder auto­ma­tisch ver­öf­fent­licht wer­den hat sich das schon wie­der erle­digt. Dann nutze ich lie­ber wei­ter­hin mein Windows Paint oder für die etwas auf­wän­di­ge­ren sachen halt Gimp.

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  • Ronald Hartwig Identicon Icon

    Vielen Dank für den Hinweis auf den Artikel über die musi­ka­li­schen Alternativen zu LastFM. Leider haben sich nach dem Trackback Name und Adresse die­ses noch druck­feuch­ten Weblogs noch­mal geän­dert. Es heißt jetzt “Rohdaten” und der kor­rekte Link zum Artikel lau­tet http://www.rohdaten.at/2009/06.….u-lastfm/.

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  • Rudi Identicon Icon

    Es gibt mitt­ler­weile so viele Programme um Bilder zu bear­bei­ten die kos­ten­los sind. Und einige davon sind wirk­lich gut! Aber wieso sollte ich meine Bilder online bear­bei­ten wol­len? Da sehe ich kei­nen Sinn drinn.

    Was ist denn jetzt alles mit “mit Hilfe von im Netz für jeder­mann sicht­ba­ren Informationen” gemeint? Nur noch copy/paste und schon fer­tig, weil ja keine eige­nen Ideen gebraucht werden.

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 3. Juli 2009 um 12:22

    Ich denk mir, dass so ein Service “für unter­wegs” (also im Internetcafé oder an einem frem­den Rechner) manch­mal ganz prak­tisch sein könnte, aber als Desktop-Ersatz möcht ich’s auch nicht!

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