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Nachruf: Der Moonwalk stirbt mit Michael Jackson

26.06.2009, geschrieben von , 21 Kommentare

ver­starb in der ver­gan­ge­nen Nacht in sei­nem Haus in . Im Alter von 50 Jahren erlag der “King of Pop”, so die offi­zi­elle Todesursache, einem plötz­li­chen . Knapp einen Monat vor der geplan­ten Comeback-Konzertserie, die am 13. Juli in London hätte begin­nen sol­len, endet damit eine der schil­lernds­ten, wider­sprüch­lichs­ten und radi­kals­ten Pop-Karrieren des ver­gan­ge­nen Jahrhunderts.

Viele Medien berich­te­ten von einer lang­jäh­ri­gen Abhängigkeit von Schmerzmitteln, bereits die letz­ten Fernsehauftritte hat­ten ver­mu­ten las­sen, dass es um die Gesundheit Jacksons nicht zum bes­ten stand. Jacksons frü­he­rer Assistent Michael Levine fand deut­li­che Worte für ein Unbehagen, das selbst ulti­ma­ti­ver Erfolg nicht stil­len konnte:

Jackson sei “seit Jahren auf einer unglaub­lich schwie­ri­gen und oft selbst­zer­stö­re­ri­schen Reise” gewe­sen. Sein Talent sei “zwei­fel­los ebenso groß gewe­sen wie sein Unbehagen mit den Normen die­ser Welt”. Niemand könne “die­ses Niveau von dau­er­haf­tem Stress ertragen”.

Quincy Jones, der “”, das erfolg­reichste Album des 20. Jahrhunderts, pro­du­zierte, sieht in Jackson den per­fek­ten Entertainer, Madonna konnte nicht mehr auf­hö­ren zu heu­len und sogar Rapper die LL Cool J bezeich­nen Jacko als einen ihrer wich­tigs­ten Einflüsse. Ein Gesamtkunstwerk, des­sen Ecken und Kanten immer deut­li­cher her­vor­tra­ten, je mehr Schönheits-OPs die Konturen sei­nes Gesichts bis zur andro­gy­nen Kindlichkeit redu­zier­ten. Ein min­des­tens zwie­späl­ti­ges Verhältnis zu Minderjährigen, Misshandlungen durch den Übervater-Manger in der eige­nen Kindheit, “unmög­li­che” Moonwalk-Moves mit Haken an den Schuhen und Ösen im Boden, Desorientiertheit bis hin zur sozia­len Regression: die Grenzen zwi­schen Realität und Kunstfigur ver­schwom­men nicht bloß in den pom­pö­sen Videoclips jenes Mannes, der mit sei­ner Musik Millionen ver­zau­bern, sich selbst aber nie so rich­tig hei­misch füh­len konnte.

Warum “King of Pop”?

Neben der Selbst-Inthronation (King Brit, The Kings, King Fisher, Kaiser Chiefs) kennt die Popwelt nur einen gül­ti­gen Weg zu Adelsehren, und der läuft über den Verkauf. Die Beatles schlägt der wei­ßeste schwarze aller Zeiten in Gesamtabsatzzahlen zwar bei wei­tem nicht, doch wie Stefan Niederwieser im gap so tref­fend schreibt, wurde Jacko zum Symbol einer Generation:

Kein Album hat sich so oft ver­kauft wie “Thriller”. Keine Musik des 20. Jahrhunderts wird dem­ent­spre­chend so uni­ver­sell geschätzt, wie die Musik von Michael Jackson. Denn es gibt Musik, die in den USA ähnlich erfolg­reich war, aber quer über den rest­li­chen Erdball ist Michael Jackson der groß­ar­tigste gemein­same Nenner zwi­schen den Kulturen und so etwas wie eine all­ge­mein ver­ständ­li­che Chiffre US-amerikanischer Kultur.

Doch zum Symbol wofür eigent­lich? Jeglicher kunst­ästhe­ti­sche Blick zeigt vor allem die erra­ti­sche Suche nach eige­ner Identität, das Pendeln zwi­schen den Polen Funksoul, Rock und Kostümzirkus. MJ konnte nie­mals in ers­ter Linie als Person exis­tie­ren, dazu fehl­ten ihm als pop-kulturelle Identifikationsfigur schlicht­weg jeg­li­che ideo­lo­gi­schen Inhalte. Und selbst in den letz­ten Woche wohnte sei­nen mit zitt­ri­ger Stimme an die “Fans” gemach­ten Versprechen eine Absurdität inne, die ihnen umso mehr Gravität ver­lieht: denn diese “Jacko Nation”, diese bei­spiel­lose Anbetung durch Millionen Musikfans welt­weit hatte nur einen gemein­sa­men Nenner, und zwar Jackson als Kunstfigur, als Tänzer, vor allem aber Sänger.

Man könnte behaup­ten, MJ habe die bis dato unmög­li­che Quadratur des Kreises in die Musikwirtschaft ein­ge­bracht und als einer der ers­ten Pop-Könige die Form rück­stands­los vom Inhalt abge­löst. Die kon­se­quente Verlagerung jeder Aussage-Ebene auf die Projektionsoberfläche (und in der Tat wurde MJs Gesicht im Lauf der Jahre immer Leinwand-weißer) des eige­nen Körpers machte den King of Pop zum idea­len “Partner in Crime” einer Musikindustrie, die sich im Zeitalter des nach­las­sen­den One-Hit-Wonder Prinzips neue Erschließungsquellen über­le­gen musste.

Dass Jackos Vater die Jacksons Five als Königs– und Spielmacher, als gna­den­lo­ser
Kinderschinder, wie es immer hieß, in frü­hen Tagen instal­lierte, war gewiss
weg­wei­send. Ob die Spinnereien des gekrön­ten Königs, seine schön­heits­ope­ra­ti­ven Obsessionen einer selbst­zer­stö­re­ri­schen Überlebens-Unfähigkeit oder einem genia­len Umgang mit der lang­jäh­ri­gen Wieder-Inszenierung des eige­nen Mythos zu tun haben, kann nie­mand wis­sen. Hier endet die “Informierungsfunktion” der Medien, oder bes­ser gesagt: hier räumt sie wil­lig das Feld der Imagination für jede Form der Mythenbildung.

Die kon­se­quente Fortsetzung des Aufpumpens einer über­le­bens­gro­ßen Identifikationsfigur musste frü­her oder spä­ter schei­tern, war in jedem Augenblick der per­ma­nen­ten Gefahr der Lächerlichkeit aus­ge­setzt. Michael Jackson tat in den letz­ten alles, um den eige­nen Mythos nach­hal­tig zu demon­tie­ren, und hier zeigt sich ein aller­letz­tes Mal die über­le­bens­große Magie des Mythos: rein ökono­mi­sche Motive hät­ten einen gesund­heit­lich ohne­hin schwer ange­schla­ge­nen Jackson dazu bewo­gen, mit einer groß ange­leg­ten Konzertserie (mit Tonträgerverkauf ist mitt­ler­weile wirk­lich kein Staat mehr zu machen) den eige­nen Schuldenberg zu til­gen: Häme und Spott allenthalben.

Im Alter von 12 bis 13 Jahren war ich über­zeug­ter MJ-Fan, ja sogar “Moonwalker”, das flop­pige Doku aus Michaels Welt, hab ich mich im Kino ange­schaut (und furcht­bar gefun­den). Und trotz aller Cheesyness, die man braucht, um King of Pop zu wer­den: Songs wie “Beat it”, “” oder “Billie Jean” stell­ten für mich ebenso wie für viele andere Neo-Teilnehmer am Popkulturspiel die ers­ten ernst­haf­ten Berührungspunkte mit Black Music dar. Trotz aller der Vorbehalte tre­ten die Absurditäten leise in den Hintergrund, wenn die Lautsprecher den fan­tas­ti­schen Beat von “Billie Jean”, “” oder “Thriller” durch den Raum pum­pen. Danke, Michael. Dafür wer­den wir Dich immer lieben.

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Bisher haben meine Lieblingsleser 21 Kommentare zu "Nachruf: Der Moonwalk stirbt mit Michael Jackson" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Torsten Identicon Icon

    Mein ers­ter Gedanke beim Lesen des ers­ten Tweets zum Tod von Michael Jackson war: Schon wie­der so eine blöde Fake-Meldung. Falsch gedacht… Werde nun doch mal eine alte Platte raus­kra­men und in Memoriam hören.

    Torsten grüßt!

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  • DukeNukem Identicon Icon
    DukeNukem sagte am 26. Juni 2009 um 12:04

    a fuckin’ legend died — RIP, Michael.

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  • Blokster Identicon Icon

    Jackson sei “seit Jahren auf einer unglaub­lich schwie­ri­gen und oft selbst­zer­stö­re­ri­schen Reise” gewesen.

    Jupo.… aber ich glaube das war er nicht nur in den letz­ten JAhren.. .sein Leben war schon seit sei­ner frü­hes­ten Kindheit “zer­stört” dank sei­nes Vaters..

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  • Eol Identicon Icon

    Viel zu früh *seufz*
    Danke für den infor­ma­ti­ven Nachruf, Ritchie.

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  • Michael Identicon Icon

    Schade drum ich war zwar kein gro­ßer Fan aber hatte das Glück ihn mal Live zu sehen und das war mehr als nur beeindruckend.

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  • Paul Identicon Icon

    Als ich es ges­tern erfah­ren hab, war ich eben­falls sprach­los. Er ist ein fas­zi­nie­ren­der Mensch der die Welt mit sei­ner Musik ver­än­derte und zum gro­ßen Teil auch mit geprägt hat. Ich freue mich Michael Jackson mit­er­lebt zu haben. Die Median haben ihn wirk­lich zer­stört. Eventuell hat des­we­gen sein Herz auf­ge­hört zu schlagen.

    Ich werde ihn in guter Erinnerung behal­ten. Er war ein gran­dio­ser Künstler.

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  • occ Identicon Icon

    Ich habe erst gedacht das es ein schlech­ter scherz war , er wird auf alle ewig­keit der King of Pop bleiben.

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  • Matti Identicon Icon
    Matti sagte am 27. Juni 2009 um 10:16

    Wirklich eine trau­rige Sache. Trotz aller Skandale war er doch ein tol­ler Musiker. Denke ich werde mir mal ein grea­test Hits Album von ihm besorgen.

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  • Alex Identicon Icon

    Ich war eben­falls kein Fan von ihm, wurde aber doch irgend­wie von der Trauer über­lau­fen. Wenn Nachrichten über Jackson all­ge­gen­wer­tig sind, kommt man auch nicht an der Trauer vorbei :(

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  • SeR Identicon Icon
    SeR sagte am 27. Juni 2009 um 19:12

    Lasst es ruhen ‚er ist tot und das wahrs
    Jeder muss mal gehen wen der zeit da ist,ob früh oder spät,
    denn tot kann man nicht weichen,er wahr wie wir,wir haben ihn so gemacht was er wurde und wahr -> EIN MENSCH.
    Er ist jetzt in der Richtigen Welt,da wir ALLE GEHEN Werden…
    Verabschieded euch nicht,SAGT LIEBER BIS BALD…

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  • renate Identicon Icon

    Irgend jemand soll mir sagen, warum.
    Was ist mit uns.
    Was ist mit den Babies.
    Was ist mit uns.
    Wie ist mit den Tagen.
    Was ist mit uns.
    Was ist mit all ihrer Freude.
    Was ist mit uns.
    Was ist mit all den Menschen.
    Was ist mit uns.
    Was ist mit denen, die wei­nen.
    Was ist mit uns.
    Was ist mit Abraham.
    Was ist mit uns.
    Wie ist das noch­mal mit dem Tod.
    Wir soll­ten ihn verfluchen…

    Die letzte Strophe aus “earth-song”…

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  • Fan & Feuerwerker Identicon Icon

    Ja, kam über­ra­schend aber der Abgang knüpft ja an andere Größen wie Elvis oder Hendrix an, wirk­lich zufrie­den schei­nen die Superstars nicht wirk­lich zu sein.

    Man muss es halt neh­men wie es kommt und das Beste draus machen:
    http://clapclub.de/clap-club/w.….ckson1.jpg
    ;-)

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  • renate Identicon Icon

    .… Marilyn Monroe und viele andere, die trotz Ruhm und Geld inner­lich wohl sehr ein­sam waren.

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  • Manfred Identicon Icon

    Ja, let­zend­lich sind Wir immer allein. Wenn es hart auf hart geht ist man selbst der Einzige wor­auf man sich ver­las­sen kann.

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  • jonny Identicon Icon

    Also der Moonwalk und der legen­däre Griff in den Schritt wer­den hof­fent­lich nie ver­ges­sen wer­den. Auch wenn jetzt in letz­ter Zeit musi­ka­lisch nicht viel von ihm gekom­men ist, die Comeback Tour wäre sicher sehens­wert gewesen.…

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  • Konstantin Identicon Icon

    Ich habe zwar Respekt vor dem Tod Michael Jacksons, aber irgend­wie finde ich es komisch, dass jetzt auf ein­mal alle die MJ-Fans sind…

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    Heiko Identicon Icon
    Heiko antwortete am 11. August 2010 um 20:19

    da gebe ich dir recht.und das Schlimmste finde ich das auf ein­mal viel Stars sagen sie waren befreundet.da wo die Verhantlung war da war kei­ner der ande­ren stars da und haben ihn unterstützt.Ich bin halt MJ Fan und er soll ihn Frieden ruhen loveMJ

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  • renate Identicon Icon

    Wieso “jetzt auf ein­mal”? Er ist ver­mut­lich einer der popu­lärs­ten Musiker gewesen.

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  • Fundraising München Identicon Icon

    R.I.P Michael. Ruhe in Frieden!

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  • Fabian M. Identicon Icon

    Ja, kann ich mich nur anschlie­ßen. Er war ein groß­ar­ti­ger Künstler, aber auf der ande­ren Seite ein bemit­lei­dens­wer­ter Mensch.

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  • Martin Identicon Icon

    In Kürze star­tet ein Kinofilm (läuft nur 2 Wochen), in dem Videos der Probe zur Tour gezeigt wer­den. Soll wohl rich­tig gut sein, wenn man den Medien glau­ben schen­ken darf. Hoffentlich lebt MJ — auch mit die­sem Film — weiter.

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