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Blogistan Panoptikum KW27 2009

05.07.2009, geschrieben von , Keine Kommentare

Erfolgsmeldungen, Premieren, Novitäten allent­hal­ben: das sind Web-Zwei-Nuller gewohnt, eupho­ri­sche Jubelmeldungen über das 1.000ste Social Network gehö­ren nun Mal zum Alltag des Pro-Bloggers. Aber dies­mal gibt’s tat­säch­lich eine Sensation zu ver­mel­den: Sie lesen gerade das ers­ten Dualcore–, sprich: ich habe die Ehre und das Vergnügen, die erste fixe Gastautorin auf daten­schmutz zu begrü­ßen: Judith Denkmayr, auch bekannt als Linzerschnitte, ver­fasst ab sofort gemein­sam mit mir das Panoptikum. Hier ein aktu­el­les Video mei­ner Mitautorin von der letzt­wö­chi­gen Linzertorten– auf Twitter:

Willkommen zum ers­ten Resultat unse­rer kol­la­bo­ra­ti­ven Recherchen zu den letz­ten sie­ben Social Media Tagen! Feedback, Link-Tipps und Input sind natür­lich jeder­zeit willkommen!

Freeconomics oder wie die Kostenlos-Kultur die Corporates in Angst und Schrecken versetzt

Diskurs der Woche war ein­deu­tig die soge­nannte “Kostenlos-Kultur im Internet”. Am 2. Juli erschien in den USA Free International Edition: The Past and Future of a Radical Price Blogistan Panoptikum KW27 2009, das neue Buch von Chris Anderson, Vertreter der “Kostenlos-Kultur” und auch hier­zu­lande bekannt durch seine “Long Tail”-Theorie. Anderson beschrieb schon im Jänner 2008 wie der Markt als logi­sche Weiterentwicklung der Free Samples als Kaufanreiz nun in der letz­ten Dekade und mit Hilfe des Web zu einer neuen Verkaufskultur führte, besag­ter “Kostenlos-Kultur”:

It’s now clear that prac­tically ever­y­thing Web tech­no­logy tou­ches starts down the path to gra­tis, at least as far as we con­su­mers are con­cer­ned.
Storage now joins band­width (YouTube: free) and pro­ces­sing power (Google: free) in the race to the bot­tom. Basic eco­no­mics tells us that in a com­pe­ti­tive mar­ket, price falls to the mar­gi­nal cost. There’s never been a more com­pe­ti­tive mar­ket than the Internet, and every day the mar­gi­nal cost of digi­tal infor­ma­tion comes clo­ser to nothing(…)The Web has become the land of the free..

Weitere Beispiele sind Google (von Gmail bis GOOG-411) oder auch die Spiele-Industrie, die einen Großteil ihres Geschäfts mitt­ler­weile mit Online Games machen. Dass diese Entwicklung nicht nur das Web betrifft, zei­gen Bands wie die Nine Inch Nails oder Radiohead, die neue Alben zum kos­ten­lo­sen Download zur Verfügen stellten.

Die Gegenposition über­nahm natur­ge­mäß jemand vom “Dead-Tree-Business”, Malcolm Gladwell von Magazin The New Yorker (eben­falls dezi­diert gegen die Kostenlos-Kultur aus­ge­spro­chen hat sich diese Woche übri­gens Microsoft-Chef Deutschland, Achim Berg. Zitat:“Die Kostenlos-Kultur im Internet ist bald vor­bei”):

(…) then there is his [Anm. Chris Anderson] insis­tence that the relent­less down­ward pres­sure on pri­ces rep­res­ents an iron law of the digi­tal eco­nomy. Why is it a law? Free is just ano­ther price, and pri­ces are set by indi­vi­dual actors, in accor­dance with the aggre­ga­ted par­ti­cu­lars of mar­ket­place power.(…) Why are the self-interested moti­ves of power­ful com­pa­nies being ele­va­ted to a phi­lo­so­phi­cal principle?

Malcolm Gladwell argu­men­tiert vor allem mit dem Beispiel von Amazon und den “Dallas Morning News”, die ihre Zeitung via Amazons Kindle ver­trei­ben woll­ten. Der von Amazon vor­ge­schla­gene Share war 70:30 Prozent, letz­te­res für die Zeitung. Buchautor Seth Godin kom­men­tierte den Konflikt Anderson: Gladwell auf sei­nem Blog auf seine gewohnt sim­ple Weise: “(…)News belong to all of us.” Siehe dazu auch den 2008 erschie­nen Artikel Artikel: Free! Why $0.00 Is the Future of Business im Wired Magazin.

Liebe Zeitungsverleger, wenn ihr das nicht kapiert, dann behal­tet doch euer geis­ti­ges Eigentum.

1.0

Das Internet hat die um so vie­les ver­ein­facht — Studenten müs­sen bloß noch aus der Wikipedia abschrei­ben, und Journalisten löchern im Zweifelsfall ein­fach einen Blogger. Ian Bogost hat net­ter­weise ein “Letter of Inquiry Template” zusam­men­ge­stellt [via digiom]:

I won­der: instead of doing rese­arch mys­elf on the story I am requi­red to write, would you be wil­ling to talk to me by phone for an hour about it? During this time, I would pose a series of basic ques­ti­ons that demons­trate how little thought and time I have given to the topic, not even enough to Google its key terms.

ReadWriteWeb über FB’s neue Privacy Options

Privat. Öffent­lich. Öffent­lich. Privat. Eine fluide Grenze, im Lauf der Zeit stän­dig im Wandel begrif­fen: doch nun gibt es end­lich neue Optionen — wenn auch nur auf Facebook, wie ReadWriteWeb gera­dezu eupho­ri­siert berichtet:

Last week, Facebook announ­ced a move to sup­port a much more sophisti­ca­ted under­stan­ding of pri­vacy that’s more like what real people have in real life. It’s a major shift in how Facebook works.

Woher die ganze Aufregung? Zukünftig wird man Sharen anstatt all sei­ner Freunde auch wahl­weise eine der bekann­ten Freundeslisten wäh­len kön­nen. Mit ande­ren Worten: die Sichtbarkeit der eige­nen digi­ta­len Ergüsse lässt sich wesent­lich gra­nu­la­rer ein­stel­len. Das ent­sprä­che viel eher dem “rich­ti­gen Leben da drau­ßen”, wie Christ Peterson in sei­nem Thesis Paper schreibt:

We expect our com­mu­ni­ca­tion to go on in an appro­priate con­text (no drin­king in church or pray­ing in the bar) and we expect to under­stand how our com­mu­ni­ca­tion will be dis­tri­bu­ted. If a col­lege fri­end took pho­tos of you drin­king in a bar and showed them off to people in church, you might feel your pri­vacy has been vio­la­ted in both appro­pria­ten­ess and dis­tri­bu­tion. The bar is a public place, though, and not com­ple­tely secret. Thus the need for a more sophisti­ca­ted under­stan­ding of pri­vacy that is more than mere secrecy.

In der Tat ein inter­es­san­ter Punkt — aller­dings bleibt die Frage offen, ob das neue Feature von den Usern ange­nom­men wird: ich würde nie­mals wirk­lich pri­va­tes Material auf FB pos­ten und mich 100%ig drauf ver­las­sen, dass die Filterung auch tat­säch­lich funktioniert.

Firefox 3.5 veröffentlicht

In 70 Sprachen wurde das neu­este Update des mitt­ler­weile zweit­häu­figst benut­zen Webbrowsers der Welt ver­öf­fent­licht, und wenige Tage spä­ter zei­gen die Download Stats bereits über 12 Millionen Downloads welt­weit (und etwa 121.500 Downloads in Öster­reich). Mashable zeigt schon mal einige Top Features, auf die sich der geneigte Firefox-User freuen darf:

1. TraceMonkey (JavaScriptEngine)
Darüber freue ich mich als Google Docs Benutzerin beson­ders, da TraceMonkey die Performance von JavaScript Apps wie eben bei Google Docs wesent­lich ver­bes­sern wird.

2. Location Aware Browsing
Firefox macht dei­nen aktu­el­len Standort (natür­lich nur mit Erlaubnis:)) aus­fin­dig und rich­tet seine Seitenempfehlungen danach aus. Und dass die Datenschützer nicht wie­der wei­nen müs­sen, dafür wurde auch gesorgt.

3. Improved Tab Extravaganza
Das Switchen zwi­schen Tabs ist das größte Vergnügen jedes Firefox Users und sogar kürz­lich geschlos­sene Tabs konn­ten wie­der­er­öff­net wer­den. Diese Funktion wurde erwei­tert, ebenso wie bei kürz­lich geschlos­sene Fenster — die Ergebnisse rei­chen um eini­ges wei­ter zurück. Davon abge­se­hen las­sen sich Tabs nun leicht in eige­nen Fenster verschieben.

Mehr dazu gibt’s bei Mashable.com.

Social Media is not sexy

Gavin Heaton hat einen sehr lesens­wer­ten Beitrag über die Top-Down Transformation durch Social Media veröffentlicht:

Within minu­tes you can have a blog setup and working, a wiki ready for team col­la­bo­ra­tion and Google Analytics ready to mea­sure your traf­fic, goals and con­ver­sion rates. And did I men­tion that ANYONE can make this hap­pen. All you need is a web con­nec­tion. From the CEO right down the new intern, anyone in your busi­ness has access to the tools that can trans­form the rela­ti­onships that you have with your sta­ke­hol­ders. That’s right – it is bottom-up transformation.

Doch um die­sen Shift erfolg­reich zu gestal­ten, braucht es kleine Schritte — und vor allem per­sön­li­ches Commitment, meint der Autor:

Framework esta­blish­ment: Many of your sta­ke­hol­ders will have had some expo­sure to Web 2.0 tools in their per­so­nal lives. You will need to pro­vide frame­works which pro­vide the con­text wit­hin which they can most effec­tively use them at work.
Informal lea­dership: Nothing says “move ahead” like the CEO and lea­dership team infor­mally adopting the Web 2.0 tools.

Twitterspeak re-defined

Jana plä­diert für die Integration der Twitter-Semantik in die gespro­chene Sprache:

Gerade das Hashtag ist so prak­tisch, stellt es das Geschriebene doch gleich unter eine über­ge­ord­nete Kategorie, ohne dass man dazu wei­tere Worte der Erklärung (etwa “Soweit meine jüngs­ten Erlebnisse aus der Kategorie: Versagen im Alltag”) anbrin­gen müsste. So prak­tisch, dass man drin­gend über­le­gen müsste, wie man das auch im Verbalsprachlichen zum Ausdruck brin­gen könnte.

In der Tat ändern Medien stän­dig Stil, Semantik und den “Flow” unse­rer Sprache — mich hat der oben­ste­hende Absatz aber sofort an Hip Hop erin­nert — “Sonnenbankflavour” von Bushido etwa ist eine ein­zige Serie von Hashtags frog6 Blogistan Panoptikum KW27 2009

Folgefreitag für Blogger, Back to Blogging Week

Manuel ruft zum Follow Friday für Blogs auf — ana­log zu Twitter sol­len die eige­nen Favoriten immer wie­der Freitags vor­ge­stellt werden:

Jeden Freitag werde ich Blogs vor­stel­len, die ich für lesens­wert und emp­feh­lens­wert halte. Wenn andere das eben­falls tun, gibt es Freitags immer einen Haufen zu ent­de­cken. Wer an der Aktion mit­ma­chen will ist natür­lich herz­lich ein­ge­la­den das obige Logo zu verwenden.

Nette Idee — ab und an werd ich auch mal einen Linktipp bei­steu­ern. Zu die­sem Thema passt auch ein aktu­el­les Posting von Scobleizer, der sein gutes altes WordPress in letz­ter Zeit sträf­lichst ver­nach­läs­sig hat:

Sorry for being gone so long. It’s clear I have spent too much time on social net­works. Been han­ging out on FriendFeed and Twitter and not blog­ging.
I’m not the only one, Steve Rubel, famous PR blog­ger, said he’s giving up his blog for lifestrea­ming.
Jeremiah Owyang, the other night, told me I was losing mys­elf. Or my thought lea­dership or some­thing like that. It made me wist­ful for good old WordPress. So, here I am.
Starting today I won’t use FriendFeed or Twitter until Saturday.

Linzerschnittes Video der Woche

ist tot. Trotz eher trau­rig zu ver­fol­gen­der Versuche, den Moonwalk auch ohne Michael am Leben zu erhal­ten, muss man sich ein­ge­ste­hen, dass mit ihm auch der Moonwalk gestor­ben ist. Vielleicht fin­det zumin­dest Moonwalk’s klei­ner Bruder, der Earthwalk den einen oder ande­ren, wür­di­gen Nachahmer.

Ritchies Video der Woche

Marlon Torres hat Pacifica mit sei­ner Canon 5D MKII auf­ge­nom­men — ich finde es fas­zi­nie­rend, wie rasend schnell das rela­tiv neue Feature des HD-Recordings mit Spiegelreflex-Kameras die Online-Video Ästhe­tik ver­än­dert und kann mir kaum vor­stel­len, dass in drei Jahren noch irgend­je­mand mit Videokamera und SLR unter­wegs ist:

Foto der Woche

Vipassana Meditation nennt H.Koppdelaney seine beein­dru­ckende Aufnahme des Rinpoche bei der “Arbeit”:

rinpoche Blogistan Panoptikum KW27 2009

Und damit sind wir auch schon am Ende des ers­ten Dualcore-Panoptikums ange­langt — wei­ter geht’s nächs­ten Sonntag: blei­ben Sie uns gewo­gen, danke für Ihre Whuffies, und: bis mor­gen im Social Web!

icon input Blogistan Panoptikum KW27 2009Haben Sie Vorschläge und Themen fürs daten­schmutz Wochenpanoptikum?
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