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Blogistan Panoptikum KW28 2009

diefailwhale

Überschätzungen, Unterschätzungen, grobe und feine Schätzungen: wenig Genaues weiß man. Während sich der eine übers tausendste Mash-Up freut, warnt der andere vor blinder Technikverliebtheit. Aber das Netz lebt bekanntlich von Gegensätzen, also keine Scheu: treten Sie ein zum kleinen geführten Wochenrundgang durchs Social Web.

Du sollst eine Suchmaschine haben neben Google

Und wir sprechen hier nicht von Bing oder Yahoo Search. Nicht mal von Cuil – da hätte Stephen mal lieber bei Mathematica bleiben sollen. Aber Wired meint, es gibt sie doch – die coolen Suchmaschinen:

For this article, we surveyed some 50 specialty search services and picked out our favorites. What follows is not a systematic ranking or review, but a general guide to a very vibrant world that few have bothered to explore in depth.
The variety of search startups is mind-boggling, and hints at the challenges Google may face staying on the bleeding edge of search innovation in the coming years. (There’s even something for micro-philanthropists: Good Search donates a penny to the charity of your choice for each search you run.)

Wer also trotz aller Variationen das Big-G Logo einfach nicht mehr sehen kann, der werfe eine Blick auf IceRocket, Scoopler, Collecta und Co.: da gibt’s einiges an guten Ideen, aber eben ziemlich weit-verstreut.

Chris Andersons neues Buch „Free“

Ergänzend zur letzten Woche hier der Link zum Audiobook Free von Chris Anderson, das konsequenterweise ebenso wie das eBook als Gratis-Download erhältlich ist.

Erschieß den Fail-Whale!

Wer schon mal Moorhuhnjagd gespielt hat, dem wird Die Fail Whale! auf Anhieb bekannt vorkommen. Gefragt sind ein flinker Mauszeiger und der richtige Rhythmus – wer nicht aufs Nachladen vergisst, sollte es durchaus schaffen, meinen bescheidenen Score von 33 Walen zu toppen, oder?

diefailwhale

PS: Allein schon die Fake-Testimonials sind definitiv einen Besuch der Seite wert, z.B. Michael Arrington, TechCrunch: „I offered to trade this game for my website, but Die Fail Whale said no. Now I’m sad.“

Google versus Facebook

Eine interessante Theorie über Facebook veröffentlichte diese Woche Fred Vogelstein im Wired Magazine. Im Hause Facebook sah man niemals andere Social Networks als Benchmark, sondern ausschließlich Google. So erzählt ein früherer Programmierer von Facebook:

We never liked those guys. We all had that audacity, ‚Anything Google does, we can do better.‘ No one talked about MySpace or the other social networks. We just talked about Google.

Darum bekam auch Microsoft den Zuschlag als Investor. Fred Vogelstein erklärt außerdem noch den „4-Stufen-Plan zur Online Domination“ von Facebook:

1. Build a critical Mass (mit 200 Millionen FB-Mitglieder kann man diesen Punkt für nahezu abgeschlossen betrachten)
2. Redefine Search (Facebook geht davon aus, dass FB Mitglieder auch eine Facebook Suche nutzen würden)
3. Colonize the Web (Facebook Connect bildet dazu den Ausgangspunkt und wird bereits von über 10.000 Partner Sites benutzt)
4. Self targeted Ads, everywhere (Facebook hoffe, eines Tages nicht nur auf der eigenen sondern auf allen Partner Sites werben zu können)

Nun, man darf gespannt sein, ob Mark Zuckerbergs Plan aufgeht – schließlich sollte Mark die Stromrechnungen früher oder später nicht mit Investorengeld, sondern mit laufenden Einnahmen finanzieren.

„Future of Blogging“ Mindmap

Steve Rubel fordert zum kollektiven Mind-Mappen auf – er möchte wissen, wie’s um die Zukunft des Bloggens bestellt ist. Ohne Zweifeln nehmen Social Networks, Microblogging-Dienste und andere Services immer mehr Surfer-Zeitbudget in Anspruch – wie wirken sich die Änderungen auf Blogs aus? Was vor drei Jahren noch super-schnell News waren, lahmt im Twitter-Zeitalter ganz gewaltig. Steve sieht die Sache übrigens recht binär:

From my point of view, blogging’s future will likely flow down one of two paths: either it will evolve and grow into something else (like many species have) or it will succumb to Darwinism and become extinct (like the Dodo). Let’s take a closer look at each. We’ll also give you the chance to add your own opinion to our mind map.

PS: es gibt 10 Arten von Usern: die, die das Binärsystem kennen, und jene, die es nicht kennen.

Von Browsern und Betriebssystemen

What is a Browser? Newsfeed, Sharefeed, Livestream, Aggregator, Plugin, Extension, Firefox, Spreadsheet, Poke/n, SEO/SEM, Backlinks, RSS, Feedreader, Tweet, Gadgets…. Die meisten Leser dieses Blogs kennen diese Begriffe, manche von uns werfen sogar oft und gerne mit diesen Begriffen um uns. Aber eine elaborierte Soziolekt grenzt bekannterweise nicht nur ab, sondern auch aus. Ji Lee von Google (Trackback zeigt in diesem Video am Beispiel des good old „Browsers“, wie weit der Großteil der Menschen wirklich mit der Netz-Fachsprache vertraut ist:

Da offensichtlich die wenigsten Menschen wissen, was nun eigentlich ein Browser ist (noch weniger, was Google Chrome ist), stellt sich die Frage, ob die frommen Wünsche von Eric Schmidt sich erfüllen werden. In einem Interview mit bloomsberg.tv meinte er nämlich, auf die Frage, wie viele Menschen das neuen Betriebssystem Google Chrome OS verwenden werden:

We don’t have numbers, we know it will be millions.

Abermals bleibt nur zu sagen: Man darf gespannt sein.

Endlich sagt mal einer, Twitter sei vollkommen überbewertet

David Golumbia ist ein Ketzer. Ein Abtrünniger, der im Mittelalter leicht hätte auf dem Scheiterhaufen landen können bei so viel Devianz von der Mainstream Meinung – näher betrachtet hat sein Kommentar zur Rolle des Microblogging-Vögelchens im Iran-Konflikt aber durchwegs was für sich:

Ich bezweifle, dass Twitters Wirkung für die Proteste wirklich so großartig war, wie viele Leute das gerne hätten. Vielleicht handelt es sich einfach nur um Werbung für Twitter.

Der Kulturkritiker und Programmierer bezeichnet sich selbst als „von marxistischen Denkweisen beeinflusst“ und wirft der Netzgeneration allzu starke Technikverliebtheit, die den Fokus aufs Wesentliche verstelle, vor:

Genau genommen hat der starke Fokus auf den technischen Aspekt die ernsthafte Debatte über das, was wirklich geschieht, sogar gestört. Die Technik-Fans glauben, dass man soziale Probleme mit digitalen Mitteln lösen kann. Nur die allerwenigsten beschäftigen sich allerdings mit den komplexen sozialen Problemen, für deren Lösung man neue Ideen benötigt.

Den Rest des äußerst lesenswerten Interviews, das Johannes Boie mit David Golumbia geführt hat, gibt’s in der Süddeutschen.

6 Lifestream-Lösungen

Ein sogenannten „Lifestream“ fasst die übers Social Web verstreuten Kommentare, Uploads, Likes etc. eines User an zentraler Stelle zusammen – ich verwende dafür das Lifestream-Plugin von iBegin, das den Feed in der rechten Spalte auf der Startseite generiert und bin mit dieser Lösung sehr zufrieden – allerdings benötigt man dazu eine WordPress-Installation als Host. The Next Web stellt in einem lesenswerten Beitrag sechs verschiedene Lösungen – vom Full-Service Provider bis zum Self-Hosted-CMS – vor, bei denen jeder fündig werden sollte.

Den Kunden in den Mittelpunkt stellen?

Thomas Knüwer wäre bei einer Vodafone-Pressekonferenz gegen seinen Willen beinahe erleuchtet worden, als man ihm erklärte, dass zukünftig der Kunde, eine wahrer „Held des Alltags“, im Mittelpunkt stehen werde. Ein Musterbeispiel an Buzzword-Dropping und Pressekonferenz How-Not-To:

Das Bild, das sich bot, war erschreckend. Denn die Veranstaltung war in einem Anfall von Tanja-Anja-Coolness in einen Truck verlegt worden, in dem als Sitzgelegenheiten rückenbeugende Hocker vorhanden waren, auf denen nun die Journalisten – weil sie ja mitschrieben – ein Bild von eifrig notierenden, devot buckelnden Schreibknechten boten.
Dies allein war schon schlimm. Noch fürchterlicher wurde es durch die nicht enden wollende Flut dümmlicher Buzzwords, mit denen die Vodafoner um sich warfen, gepaart mit Folien in einer Commodore-64-Nostalgie-Optik.

Twitter Addict?

Schon mal vom Klo aus getwittert? Nein ?! Dann sind Sie auch kein Twitter Addict! Oder doch? Sinnfreie aber lustige twitter-related Webapp der Woche: How addicted to Twitter are you?

Foto der Woche

The Punisher nennt Chris Rooker dieses großartige Foto seines VW-Busses. Antropomorphismus in Reinkultur :mrgreen: Auf FlickR gibt’s auch eine zweite, weniger stark bearbeitete Version des Bildes:

vwbus
 

datadirts Video der Woche

Klappe die erste! Die subtilen Nuancierungen so mancher Jobs werden von der unwissenden Allgemeinheit nur allzu leicht unterschätzt – wie dieser Clapper zu berichten weiß:

Und damit sind wir auch schon wieder bei der letzten Kammer des dieswöchigen Shaolin-Kurses angelangt – nächste Woche, hochverehrte Leserinnen und Leser, gibt’s hier auf datenschmutz nicht nur die gewohnten Tiere und Artisten, sondern auch Gewinnspiel-Sensationen im Doppelpack. Einen schönen Restsonntag, wir lesen uns morgen!

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2 comments
Matti
Matti

Sehr cooles Versteck hat sich die Miezie da ausgesucht. Ich stell mir grad vor was passieren würde wenn man Besuch hat der auf dem Sofa sitzt und da kommt dann die Katze raus. Muhaha

Trackbacks

  1. […] Einschätzung wird Mark Zuckerberg viel Freude bereiten, anscheinend ist es ja sein Masterplan, eines Tages Google in die Tasche zu […]