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Blogistan Panoptikum KW28 2009

12.07.2009, geschrieben von , 2 Kommentare

Über­schät­zun­gen, Unterschätzungen, grobe und feine Schätzungen: wenig Genaues weiß man. Während sich der eine übers tau­sendste Mash-Up freut, warnt der andere vor blin­der Technikverliebtheit. Aber das Netz lebt bekannt­lich von Gegensätzen, also keine Scheu: tre­ten Sie ein zum klei­nen geführ­ten Wochenrundgang durchs Social Web —  aka Linzerschnitte und data­dirt prä­sen­tie­ren das Web 2.0 Ereignisprotokoll der letz­ten 168 Stunden.

Du sollst eine Suchmaschine haben neben Google

Und wir spre­chen hier nicht von Bing oder Yahoo Search. Nicht mal von Cuil — da hätte Stephen mal lie­ber bei Mathematica blei­ben sol­len. Aber Wired meint, es gibt sie doch — die coo­len Suchmaschinen:

For this arti­cle, we sur­veyed some 50 spe­cialty search ser­vices and picked out our favo­ri­tes. What fol­lows is not a sys­te­ma­tic ran­king or review, but a gene­ral guide to a very vibrant world that few have bothe­red to explore in depth.
The variety of search star­tups is mind-boggling, and hints at the chal­len­ges Google may face stay­ing on the blee­ding edge of search inno­va­tion in the com­ing years. (There’s even some­thing for micro-philanthropists: Good Search dona­tes a penny to the cha­rity of your choice for each search you run.)

Wer also trotz aller Variationen das Big-G Logo ein­fach nicht mehr sehen kann, der werfe eine Blick auf IceRocket, Scoopler, Collecta und Co.: da gibt’s eini­ges an guten Ideen, aber eben ziem­lich weit-verstreut.

Chris Andersons neues Buch “Free”

Ergänzend zur letz­ten Woche hier der Link zum Audiobook Free von Chris Anderson, das kon­se­quen­ter­weise ebenso wie das eBook als Gratis-Download erhält­lich ist.

Erschieß den Fail-Whale!

Wer schon mal Moorhuhnjagd gespielt hat, dem wird Die Fail Whale! auf Anhieb bekannt vor­kom­men. Gefragt sind ein flin­ker Mauszeiger und der rich­tige Rhythmus — wer nicht aufs Nachladen ver­gisst, sollte es durch­aus schaf­fen, mei­nen beschei­de­nen Score von 33 Walen zu top­pen, oder?

diefailwhale Blogistan Panoptikum KW28 2009

PS: Allein schon die Fake-Testimonials sind defi­ni­tiv einen Besuch der Seite wert, z.B. Michael Arrington, TechCrunch: “I offe­red to trade this game for my web­site, but Die Fail Whale said no. Now I’m sad.”

Google ver­sus

Eine inter­es­sante Theorie über Facebook ver­öf­fent­lichte diese Woche Fred Vogelstein im Wired Magazine. Im Hause Facebook sah man nie­mals andere Social Networks als Benchmark, son­dern aus­schließ­lich Google. So erzählt ein frü­he­rer Programmierer von Facebook:

We never liked those guys. We all had that auda­city, ‘Anything Google does, we can do bet­ter.’ No one tal­ked about MySpace or the other social net­works. We just tal­ked about Google.

Darum bekam auch Microsoft den Zuschlag als Investor. Fred Vogelstein erklärt außer­dem noch den “4-Stufen-Plan zur Online Domination” von Facebook:

1. Build a cri­ti­cal Mass (mit 200 Millionen FB-Mitglieder kann man die­sen Punkt für nahezu abge­schlos­sen betrach­ten)
2. Redefine Search (Facebook geht davon aus, dass FB Mitglieder auch eine Facebook Suche nut­zen wür­den)
3. Colonize the Web (Facebook Connect bil­det dazu den Ausgangspunkt und wird bereits von über 10.000 Partner Sites benutzt)
4. Self tar­ge­ted Ads, ever­y­where (Facebook hoffe, eines Tages nicht nur auf der eige­nen son­dern auf allen Partner Sites wer­ben zu können)

Nun, man darf gespannt sein, ob Mark Zuckerbergs Plan auf­geht — schließ­lich sollte Mark die Stromrechnungen frü­her oder spä­ter nicht mit Investorengeld, son­dern mit lau­fen­den Einnahmen finanzieren.

Future of Blogging” Mindmap

Steve Rubel for­dert zum kol­lek­ti­ven Mind-Mappen auf — er möchte wis­sen, wie’s um die Zukunft des Bloggens bestellt ist. Ohne Zweifeln neh­men Social Networks, Microblogging-Dienste und andere Services immer mehr Surfer-Zeitbudget in Anspruch — wie wir­ken sich die Ände­run­gen auf Blogs aus? Was vor drei Jahren noch super-schnell News waren, lahmt im Twitter-Zeitalter ganz gewal­tig. Steve sieht die Sache übri­gens recht binär:

From my point of view, blogging’s future will likely flow down one of two paths: eit­her it will evolve and grow into some­thing else (like many spe­cies have) or it will suc­cumb to Darwinism and become extinct (like the Dodo). Let’s take a clo­ser look at each. We’ll also give you the chance to add your own opi­nion to our mind map.

PS: es gibt 10 Arten von Usern: die, die das Binärsystem ken­nen, und jene, die es nicht kennen.

Von Browsern und Betriebssystemen

What is a Browser? Newsfeed, Sharefeed, , Aggregator, Plugin, Extension, Firefox, Spreadsheet, Poke/n, SEO/SEM, Backlinks, RSS, Feedreader, Tweet, Gadgets.… Die meis­ten Leser die­ses Blogs ken­nen diese Begriffe, man­che von uns wer­fen sogar oft und gerne mit die­sen Begriffen um uns. Aber eine ela­bo­rierte Soziolekt grenzt bekann­ter­weise nicht nur ab, son­dern auch aus. Ji Lee von Google ( http://pleaseenjoy.com/) zeigt in die­sem Video am Beispiel des good old “Browsers”, wie weit der Großteil der Menschen wirk­lich mit der Netz-Fachsprache ver­traut ist:

Da offen­sicht­lich die wenigs­ten Menschen wis­sen, was nun eigent­lich ein Browser ist (noch weni­ger, was Google Chrome ist), stellt sich die Frage, ob die from­men Wünsche von Eric Schmidt sich erfül­len wer­den. In einem Interview mit bloomsberg.tv meinte er näm­lich, auf die Frage, wie viele Menschen das neuen Betriebssystem Google Chrome OS ver­wen­den werden:

We don’t have num­bers, we know it will be millions.

Abermals bleibt nur zu sagen: Man darf gespannt sein.

Endlich sagt mal einer, Twitter sei voll­kom­men überbewertet

David Golumbia ist ein Ketzer. Ein Abtrünniger, der im Mittelalter leicht hätte auf dem Scheiterhaufen lan­den kön­nen bei so viel Devianz von der Mainstream Meinung — näher betrach­tet hat sein zur Rolle des Microblogging-Vögelchens im Iran-Konflikt aber durch­wegs was für sich:

Ich bezweifle, dass Twitters Wirkung für die Proteste wirk­lich so groß­ar­tig war, wie viele Leute das gerne hät­ten. Vielleicht han­delt es sich ein­fach nur um Werbung für Twitter.

Der Kulturkritiker und Programmierer bezeich­net sich selbst als “von mar­xis­ti­schen Denkweisen beein­flusst” und wirft der Netzgeneration allzu starke Technikverliebtheit, die den Fokus aufs Wesentliche ver­stelle, vor:

Genau genom­men hat der starke Fokus auf den tech­ni­schen Aspekt die ernst­hafte Debatte über das, was wirk­lich geschieht, sogar gestört. Die Technik-Fans glau­ben, dass man soziale Probleme mit digi­ta­len Mitteln lösen kann. Nur die aller­we­nigs­ten beschäf­ti­gen sich aller­dings mit den kom­ple­xen sozia­len Problemen, für deren Lösung man neue Ideen benötigt.

Den Rest des äußerst lesens­wer­ten Interviews, das Johannes Boie mit David Golumbia geführt hat, gibt’s in der Süddeutschen.

6 –Lösungen

Ein soge­nann­ten “Lifestream” fasst die übers Social Web ver­streu­ten Kommentare, Uploads, Likes etc. eines User an zen­tra­ler Stelle zusam­men — ich ver­wende dafür das Lifestream-Plugin von iBe­gin, das den Feed in der rech­ten Spalte auf der Startseite gene­riert und bin mit die­ser Lösung sehr zufrie­den — aller­dings benö­tigt man dazu eine WordPress-Installation als Host. The Next Web stellt in einem lesens­wer­ten Beitrag sechs ver­schie­dene Lösungen — vom Full-Service Provider bis zum Self-Hosted-CMS — vor, bei denen jeder fün­dig wer­den sollte.

Den Kunden in den Mittelpunkt stellen?

Thomas Knüwer wäre bei einer Vodafone-Pressekonferenz gegen sei­nen Willen bei­nahe erleuch­tet wor­den, als man ihm erklärte, dass zukünf­tig der Kunde, eine wah­rer “Held des Alltags”, im Mittelpunkt ste­hen werde. Ein Musterbeispiel an Buzzword-Dropping und Pressekonferenz How-Not-To:

Das Bild, das sich bot, war erschre­ckend. Denn die Veranstaltung war in einem Anfall von Tanja-Anja-Coolness in einen Truck ver­legt wor­den, in dem als Sitzgelegenheiten rücken­beu­gende Hocker vor­han­den waren, auf denen nun die Journalisten — weil sie ja mit­schrie­ben — ein Bild von eif­rig notie­ren­den, devot buckeln­den Schreibknechten boten.
Dies allein war schon schlimm. Noch fürch­ter­li­cher wurde es durch die nicht enden wol­lende Flut dümm­li­cher Buzzwords, mit denen die Vodafoner um sich war­fen, gepaart mit Folien in einer Commodore-64-Nostalgie-Optik.

Twitter Addict?

Schon mal vom Klo aus get­wit­tert? Nein ?! Dann sind Sie auch kein Twitter Addict! Oder doch? Sinnfreie aber lus­tige twitter-related Webapp der Woche: How addic­ted to Twitter are you?

Foto der Woche

The Punisher nennt Chris Rooker die­ses groß­ar­tige Foto sei­nes VW-Busses. Antropomorphismus in Reinkultur frog6 Blogistan Panoptikum KW28 2009 Auf FlickR gibt’s auch eine zweite, weni­ger stark bear­bei­tete Version des Bildes:

vwbus Blogistan Panoptikum KW28 2009

Linzerschnittes Video der Woche

Es gibt zu wenig Katzenvideos im Internet. Denn es kann nie genug davon geben.

data­dirts Video der Woche

Klappe die erste! Die sub­ti­len Nuancierungen so man­cher Jobs wer­den von der unwis­sen­den Allgemeinheit nur allzu leicht unter­schätzt — wie die­ser Clapper zu berich­ten weiß:

Und damit sind wir auch schon wie­der bei der letz­ten Kammer des dies­wö­chi­gen Shaolin-Kurses ange­langt — nächste Woche, hoch­ver­ehrte Leserinnen und Leser, gibt’s hier auf daten­schmutz nicht nur die gewohn­ten Tiere und Artisten, son­dern auch –Sensationen im Doppelpack. Einen schö­nen Restsonntag, wir lesen uns morgen!

icon input Blogistan Panoptikum KW28 2009Haben Sie Vorschläge und Themen fürs daten­schmutz Wochenpanoptikum?
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Bisher haben meine Lieblingsleser 2 Kommentare zu "Blogistan Panoptikum KW28 2009" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Matti Identicon Icon

    Sehr coo­les Versteck hat sich die Miezie da aus­ge­sucht. Ich stell mir grad vor was pas­sie­ren würde wenn man Besuch hat der auf dem Sofa sitzt und da kommt dann die Katze raus. Muhaha

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 14. Juli 2009 um 11:41

    Ich würde ver­mut­lich die Gastgeber fra­gen, was für Zeug das war, das sie mir da in den Kaffee gekippt haben :mrgreen:

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1 Track- und Pingbacks zu diesem Beitrag

  • Blogistan Panoptikum KW29 2009 auf datenschmutz.net (20. Juli 2009)
    [...] Einschätzung wird Mark Zuckerberg viel Freude bereiten, anscheinend ist es ja sein Masterplan, eines Tages Google in die Tasche zu [...]
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