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Twitter Trains: Von Follower-Käufen und Phishing-Problemen

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Zwei Blondinen stehen im Wald und schauen auf den Boden: „Das sind eindeutig Hasenspuren,“ sagt die eine. „Nein, das sind Rehspuren,“ behauptet die andere steif und fest. Sie diskutieren und diskutieren, 30 Minuten später werden beide vom Zug überfahren. Twitter-Trains sind der neueste Hype im us-amerikanischen Microblogging Kosmos. Macht es Sinn, für Followers zu bezahlen? Und warum werden in letzter Zeit so viele Accounts „gehackt“? Mit der zunehmenden Popularität Twitters wird der Service nicht nur für Spammer, sondern auch für Login-Händler immer attraktiver – das Vorgehen ist dabei immer das gleiche. Dieser Beitrag will ein paar Mythen und Legenden rund um dieses kontroverse Thema aufklären.

Irgendjemand baut ein Mash-Up, das einzig und allein einen Zweck erfüllt: Twitter Log-Ins sammeln. Nach einigen Wochen oder Tagen (je nach Erfolg des Follower Virus) verschwindet die Seite meistens und alle User finden plötzlich unerwünschte Werbebotschaften in ihrem Twitter Feed. Einziges Gegenmittel: sofort das eigene Passwort ändern. Das nervt aber erstens, weil man die Änderung in der Regel erstens an diversen Stellen (Client, Mobilclient, Tweetlater etc.) nachziehen muss und der Schaden zweitens dann schon angerichtet ist.

Twitter eignet sich eben ganz hervorragend zur Verbreitung solcher „Social Viren“ – die basieren einerseits auf Trust und andererseits auf der geringen Verbreitung der OAuth-Schnittstelle Twitters. Ed Wohlfahrt hat gestern ein sehr lesenswertes Posting zu diesem Thema veröffentlicht:

Über den Tweet eines BarCamp Freundes und angesehenen Österreichischen Social Media Auskenners stoße ich auf NeedFollowers.com – die Site bringt via Safari angesteuert seit neuesten eine Phishing-Warnung… Spricht ja schon mal Bände… – und bin gleich mal hin und weg. 400 neue Follower pro Tag werden mir versprochen und das Hirn setzt darauf hin gleich mal aus. Retrospektiv kann ich das nur mit den nächtlichen Werbebotschaften für Bauchtrainer oder Abnehm-Drinks vergleichen. Ohne Sport ein Waschbrettbauch, ohne Sport und Hungern Pfunde verlieren, ohne Dialog hunderte neue Twitter-Follower, einfach cooooool!

Der Auskenner bin in dem Fall ich – aber die fragliche Seite habe ich niemals verwendet, sondern die Betreiber dieser Phishing-Falle hatten meine Login-Daten von wer-weiß-wem; ich probier ja so ziemlich jedes neue Mash-Up aus und ändere mittlerweile alle sieben Tage mein Passwort am datadirt-Account.

Die fragliche Seite wird übrigens von Firefox als Phishing-Adresse erkannt. Auf diesen Mechanismus sollte man sich unbedingt verlassen und im Fall einer solchen Warnung zurecht skeptisch sein. Dabei sind diese Twitter-Trains, und darauf will ich mit diesem Posting eigentlich hinaus, je nach Twitter-Nutzungsszenario nicht grundsätzlich schlecht.

Das Prinzip der Twitter-Trains

Vor einigen Monaten kam ein schlauer amerikanischer Social-Marketer auf die Idee, ein simples Mash-Up zu programmieren: Twitter-User loggen sich ein, hinterlassen ihre Account-Daten und folgen einer „Train“ von Usern. Im Gegenzug werden sie von der gleichen Anzahl an Usern zurück-gefollowed. Da ein solches System nur funktionieren kann, wenn permanent neue Users dazukommen, schicken die Betreiber beim Einloggen eine der hinlänglich bekannten „400 Followers a day“ Messages über den Twitter-Feed des neuen Users raus, häufig auch wiederholt.

So weit, so unspektakulär. Richtig interessant wird’s – wie bei den meisten Online-Services – aber erst mit Premium-Zugang: für eine bestimmten wöchentlichen oder monatlichen Betrag kann man via PayPal eine „VIP Membership“ erwerben, die folgende Vorteile hat: VIP-User werden von allen anderen Nutzern gefollowed, müssen aber selbst niemandem folgen, außerdem verzichtet der Betreiber bei VIPs auf die lästigen Aussendungen.

Weil diese „Twitter Trains“ so erfolgreich waren, schlichen sich auch rasch schwarze Schafe ein, die einfach nur ähnlich aussende Seiten, teils mit, teils vollkommen ohne Follow-Funktion bauten in der Hoffnung, billig an User-Logins zu kommen.

Was bringt es eigentlich, mehr Followers zu haben?

Gar nix oder eine ganze Menge: die Antwort auf diese Frage ist zu 100% vom eigenen Nutzungsszenario abhängig. Ich beziehe mich hier nicht auf die private Verwendung, sondern auf die Nutzung von Twitter als Marketing-Kanal: und da möchte man natürlich die eigene Botschaft möglichst weit verbreiten. Und egal, ob man auf quantitatives oder qualitatives Follower-Building setzt, die diversen Twitter Limits (maximal 20% mehr Follows als Followers ab 2k+) bringen auch für Nischen-Marketer gravierende Einschränkungen mit sich.

Im Gegensatz zu allen anderen Tools bringen VIP-Accounts bei Twitter-Trains one-way Followers, sofern man den eigenen Account nicht auf auto-follow gesetzt hat: man bekommt also nicht nur mehr Followers, sondern verbessert zugleich gravierend die Ratio Friends:Followers, eine wichtige Voraussetzung für diverse andere Twitter Marketing-Maßnahmen. Dabei gilt in erster Linie die übliche Sprachbarriere: im deutschsprachigen Microblogging-Kosmos sind Twitter-Trains so gut wie unbekannt, 99,9% der User twittern auf Englisch. Die Annahme, dass man auf solchen Mash-Ups bloß Bot-Followers bekomme, ist dagegen grundverkehrt – hier sind mehr menschliche Nutzer unterwegs als im „normalen“ Twitter-Environment.

tweeterfollow

Eine beträchtliche Rolle spielt übrigens auch die Server-Verfügbarkeit: eine gut funktionierende Twitter-Train erzeugt eine Serverlast, unter der schon so mancher Apache zusammengebrochen ist. Wer einen englischsprachigen Twitter-Account betreibt, das ganze mal ausprobieren möchte und auf der Suche nach einem gut besuchten und stabilen Service ist, dem empfehle ich tweeterfollow.com (kein Affiliate Link :mrgreen:) – mit Ryans Twitter-Train habe ich in jeder Hinsicht sehr gute Erfahrungen gemacht.

22 comments
Wohin in Hamburg
Wohin in Hamburg

RT @datadirt I send out my #FollowFriday recommendations every Friday. TweetLater is a perfect too for this bei tweetlater kann man aber nur 1 zukünftigen tweet posten (kostenl.) besser: futuretweets für regelmäßig wiederholende tweets um twittertrains und andere tools auszuprobieren, sollte man einen extra 08/15 account anlegen, bei dem es egal ist, wenn gepfisht/gespammt oder sonstwas übles gemacht wird. erst nach erfolgreicher testreihe beim hauptaccount benutzen. wer unbedingt was in die twitterwelt einbringen will (warum auch immer, eigenwerbung? support eines bekannten ohne account?), was nicht zu seinem bisherigen stil passt und follower abschrecken könnte, der kann es via retweet tool tweeten lassen ohne es selbst zu posten: plzrt me noch ein tipp: wer sich für ein bestimmtes thema interessiert, kann einen extra acount anlegen, der autom. alle tweets mit dem entsprechenden hashtag sucht und retweetet zb #datadirt auch wenn man mal länger offline ist (urlaub?) kann man hier später prima alles nachlesen: tweetalert probiere ich selber gerade aus: @hamburg_papagei @festival_alert ;-) jetzt hab ich aber auch mal ne frage: gibt es einen twittertrain oder kostenl. morefollower seiten speziell für deutsche user?? danke für den tweeterfollow tipp - gleich mal über meinen 08/15 account testen ;-) gruß, @openairs

Matti
Matti

Ich nutze Twitter ja nur sporadisch aber in letzter Zeit followen mir bei fast jedem Tweet irgendwelche Leute die ich nicht kenne und die vermutlich nichtmal deutsch sprechen... Ich frage mich was die davon haben. Ich bin twitter gegenüber eh schon sehr skeptisch eigestellt und wenn ich sowas lese vergeht mir irgendwie schon wieder die Lust das überhaupt zu nutzen. Das ganze kommt mir mittlerweile wie ein Spamtool vor bei dem die Leute sich auch noch freiwillig anmelgen...

BlackTimes
BlackTimes

"30 Minuten später werden beide vom Zug überfahren." Hehehe ...

Fabian
Fabian

Das stimmt, wer für so einen Service Geld bezahlt ist selbst Schuld...

Metty
Metty

Wenn man sich mal in der Blackhead-Welt umschaut ist die ganz klare Devise: Viel hilft viel. Je mehr Follower desto mehr "reach". Nur ob die Reichweite nicht im eher im Datengeblubber verloren geht? Aber ist wie mit Spam, irgend ein Dummer klickt immer. Auch diese ganzen neuen "wir zahlen fürs Twittern"-Dienste machen das Honorar an der Followerzahl fest. Ich persönlich habe ein paar dieser Pyramidendienste ausprobiert, aus reiner Neugier. Was hat es mir gebracht? Nichts! Alle neune Follows waren die oben genannten, Trainer, Marketeers, etc etc... und von denen kam ... 3mal raten ... hauptsächlich nur Schrott

Micha
Micha

Irgendwie klingt mir der ganze Twitter-Kram eh suspekt. Ich bin da wohl irgendwie zu alt für. So richtig kapier ich nicht, was ich da soll.

Ed Wohlfahrt
Ed Wohlfahrt

Hi Ritchie, danke für deine Ausführungen, sie helfen dabei die Dinge ein wenig auseinander zu bekommen. Auch finde ich gut dass du du darauf hinweist, dass es verschiedene Nutzungsszenarien für Twitter (wie bei allen anderen Interaktions-Vehikeln des Social Web) gibt und dass mehr Follower anzustreben nicht genuin unredlich oder kurzsichtig sein muss. Schuld an der ganzen Sache bist natürlich du : ))) aber ich hab in den letzten 24 Stunden eine ganze Menge gelernt. Und das nicht nur über Twitter. Ich für mich hab beschlossen wieder zurück zu gehen auf die dialogische Ebene also zu jenen 500 Leuten, die meinem sozialen Graphen entsprechen, die sozusagen meine passion based audience sind... Das heißt zugleich, dass ich Follower abbauen werde müssen, mal sehn wie lange das dauert : )

Greg
Greg

Oh, da verkauft jemand virtuelles Viagra für die virtuelle Schwanzvergleiche und hat offensichtlich Erfolg damit. Wie dumm nur die Menschen sind.

Gretus
Gretus

Hallo, Twitter sollte man nutzen, um sich durch gute Inhalte und Interaktion eine eigene `Gefolgschaft´ aufzubauen und nicht, um mittels Euronen oder irgendwelchen Schneeballsystemen darauf zu hoffen, dass sich durch die steigene Zahl der Follower auch die Reichweite erhöht. Auf Dauer ist ein natürlich gewachsener Account in jedem Fall besser und auch `erfolgreicher´. Beschriebene Systeme sind Spam, sollte man die Finger von lassen... Grüße Gretus

Manuel
Manuel

Also wenn man mal rechnet, kann das nicht ewig gutgehen, wie bei jedem Pyramidenschema.