15 Mann auf des toten Manns Liste drauf

Thomas Heher, ein alter Kampfgenosse aus den frühen gap Hardcore-Zeiten, hat mich eingeladen, den folgenden Text über die Piratenpartei für die kommende Ausgabe von TBA zu verfassen. Mal sehen, ob er ihn unterbringen kann – bei der Längenbegrenzung hab ich natürlich wieder mal über die Stränge geschlagen: altes Bloggerleiden :mrgreen:

Zwar ist Piloten sprichwörtlich nichts verboten, aber nur Piraten sind die idealen Kandidaten – zumindest für geistig-eigentümliche Freisegler.

Die Informationsgesellschaft – eine Welt voller Wunder, die nach dem Willen proaktiver Kommunikations-Philosophen wie Marshall McLuhan und Vilém Flusser vieles zum Besseren wenden soll. Aber Musikindustrie, Filmverleiher und sonstige Besitzer sogenannten geistigen Eigentums (ugs.: “Hirnschaas”) sagen konsequent “njet”, klagen zuerst Napster, dann PirateBay in Grund und Boden und können dem Übel freier Informationsaustausch doch nicht Herr werden.

Solche Grabenkämpfe markieren aber nur die Speerspitze einer der Informationsgesellschaft zugrunde liegenden Logik: Herrschaft über Information entpuppt sich immer mehr als der Archimedes’sche Hebel des immateriellen Kapitalismus, und finanzielle wie politische Interessen manifestieren sich in konkreter Realisation bisher ungekannter Totalüberwachung. So generierten nicht zuletzt die Diskussion um Stopp-Schilder, Internetzensur und das Verbot von Killerspielen in Deutschland Aufwind für die Piratenpartei, die mit ungewöhnlichen Werbe-Aktionen die Faszination von Nerds auf sich zieht. Dazu passen die in-Game-Spraylogos, die Mitglieder dieser politischem Bewegung mit umstrittenem Namen für Multiplayer-Spiele wie Counter-Strike: Source, Left 4 Dead, Day of Defeat: Source und Team Fortress 2 entwickelten (siehe Link).

Zwar bezweifeln viele potentielle Unterstützer, dass mit den Themen Copyright und Überwachung ein kompletter Staat zu machen ist. Aber führt man sich vor Augen, dass etwa in punkto medizinischer Versorgung (Stichwort: Generika) und Landwirtschaft (Stichwort: Patentierbarkeit von Saatgut, Gen-Technik) Entscheidungen über die Verfüg- und Nutzbarkeit von Information entscheidende Weichenstellungen für die Zukunft evozieren, so wird rasch klar, dass sich hier eine Avantgarde einer überdimensional relevanten Querschnittsmaterie angenommen hat.

Jede Präsenz der Piratenpartei in politischen Gremien als Stimm- und Diskussionsminorität (jede andere Variante ist unrealistisch) kann daher nur begrüßt werden – mich politikverdrossenen Internet-Nerd könnte eine Wahl-Antritt der Freibeuter in Österreich daher jederzeit zum Urnengang bewegen. Denn wie schon der berüchtigte Gabelverbieger André Geller, ein entfernter Nachfahre des berühmten Gentleman-Piraten-Kapitäns Jean Lafitte, dessen politische Ambitionen immerhin darin gipfelten, dass er auf das Leben des Gouverneurs von New Orleans eine doppelt so hohe Prämie aussetzte wie dieser auf seins, wusste genau: “Die wahren Piratenschätze sind im Kopf.” So einfach und so kompliziert kann, darf und soll Politik manchmal sein.

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1 comments
ritchie
ritchie

Ach ja, kleine Anmerkung: dieser Beitrag ist "zemified", ich spiel grad wieder mal mit dem Zemanta Plugin rum - funktioniert inzwischen wesentlich besser als noch vor einem Jahr.