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Blogistan Panoptikum KW31 2009

02.08.2009, geschrieben von , 4 Kommentare

Schon wie­der neigt sich ein Sonntag zur Neige, liegt eine ereig­nis­rei­che Woche hin­ter uns, ist im Social Web kein Kiesel auf dem ande­ren geblie­ben. Aber zum Glück gibt’s ja das Panoptikum von Linzerschnitte und data­dirt. (Virtuelle) Weltendeutung hat in unse­rem Kulturkreis eine ehren­volle Tradition und darf kei­nes­falls mit gewöhn­li­chem Hirnwichsen (Aufpolieren der grauen Zellen, vom Ausdruck “die Schuhe wich­sen” = auf Hochglanz polie­ren. Nicht, was Sie dach­ten.) ver­wech­selt wer­den. Doch bevor es hier zu theo­re­tisch wird an die­ser Stelle noch­mal der Hinweis auf die Abschlussparty zur N97 Verlosung: Jedenfalls fröh­lich und auf Wunsch auch feucht gefei­ert wird ab 19:00 im Werkzeug-H, Details auf Facebook. Aber nun genug der Prognosen, wir rich­ten unse­ren Blick eine Woche zurück.

Der typi­sche Teutonen-Tweeper

autor judith Blogistan Panoptikum KW31 2009 Gleich vor­weg, die Ergebnisse der Twitterumfrage von Thomas Pfeiffer umfasst eigent­lich die Tweeper des gesam­ten deutsch­spra­chi­gen Raums — aber Alliterationen in Über­schrif­ten sol­len ja immer beson­ders gut zie­hen. Was man immer schon geahnt hat, wird durch die Twitterumfrage veri­fi­ziert — die deutsch­spra­chi­gen Tweeper sind ein hoch­gra­dig homo­ge­nes Grüppchen, und das ist der Archetyp:

Jung (32 Jahre), männ­lich (74%) und gebil­det (78% haben Abitur). Zwei von drei betrei­ben einen eige­nen Blog und schrei­ben über Technik, Web 2.0-Themen oder Privates. Jeder zweite stammt aus der Medien– oder Marketingbranche und jeder Vierte ist Führungskraft oder Unternehmer/in.

Nicht wirk­lich über­ra­schend also. Aber immer­hin, einen Aspekt gibt es da, der mir bis­her nicht expli­zit bewusst war:

Frauen, so könnte man sagen, ver­ste­cken sich eher und wäh­len Fantasienamen.

Hmm. True.

Rechtsstreit bedroht Skype

autor ritchie Blogistan Panoptikum KW31 2009 Skype könnte für eBay zum Kuckucksei wer­den, wie die Times Online berich­tet. 2005 hatte das Auktionshaus die Online-Telefon-Firma für 2,6 Milliarden Dollar gekauft und plante in nähe­rer Zukunft ein Spin-Off samt Börsengang. In der Auseinandersetzung mit der schwe­di­schen Firma Joltid, einem Start-Up der Skype-Mitgründer Niklas Zennstrom und Janus Friis, geht es um Core-Technologien von Skype, bei deren Nutzung angeb­lich Lizenzbedingungen ver­letzt wur­den. Die Auswirkungen könn­ten sich als dras­tisch erweisen:

EBay admit­ted in a regu­latory filing that it might have to close down the com­pany. It said it was try­ing to deve­lop alter­na­tive soft­ware but if that did not work, or if eBay lost the right to the ori­gi­nal soft­ware: “Skype would be sever­ely and adver­sely affec­ted and the con­ti­nued ope­ra­tion of Skype’s busi­ness as cur­rently con­duc­ted would likely not be possible.”

Zwar sieht man der Verhandlung angeb­lich gelas­sen ent­ge­gen, arbei­tet aber bereits an Alternativen:

Although Skype is con­fi­dent of its legal posi­tion… Skype has begun to deve­lop alter­na­tive soft­ware to that licen­sed through Joltid. However, such soft­ware deve­lop­ment may not be suc­cess­ful, may result in loss of func­tio­na­lity or cust­o­mers even if suc­cess­ful, and will in any event be expen­sive,” eBay said.

Auch anderswo wird diese Woche mit gericht­li­chen Bandagen gekämpft: TweetMeme-Gründer Nick Halstead bezich­tigt ReTweet des Plagiarismus:

He had to look no fur­ther than the code for the ret­weet but­ton its­elf. The code below is what he found, which he says is “an exact copy of our own ret­weet but­ton code with the word ‘tweet­meme’ repla­ced with ‘retweet’”.

autor ritchie Blogistan Panoptikum KW31 2009 Blair Williams hat mit Pretty Link eines der für Pro-Blogger geni­als­ten WordPress-Plug-Ins über­haupt geschaf­fen. Die Software ermög­licht die Nutzung der eige­nen Domain als Short-URL-Service: äußerst nütz­lich für Twitter, aber auch zum Managen von Forward und zum Erstellen leicht zu mer­ken­der Adressen. Bereits die Free-Version lie­fert Statistiken und Cloaking-Funktionen. Aber Blair hat noch­mal tief in die Trickkiste gegrif­fen und vor weni­gen Tagen die Pro-Version ver­öf­fent­licht, die es wirk­lich in sich hat: detail­lierte Statistiken, inte­grierte ReTweet-Funktion und ein aus­ge­feil­ter Cloaking– und Keyword-Replace Mechanismus (inkl. Split-Testing!) recht­fer­ti­gen die 97$ für eine Lifetime-Lizenz auf bis zu fünf Blogs auf jeden Fall. Ab September wird Pretty Links teu­rer, wer WordPress nutzt und twit­tert, sollte schnell zuschla­gen — eine aus­führ­li­chere Review folgt demnächst.

I quit the iPhone

autor judith Blogistan Panoptikum KW31 2009 Apfel-Anbeter sind bekannt­lich prä­des­ti­niert für große Gefühle, und diese Woche schlug der Drama-Pegel bei eini­gen iPhone-Besitzer ziem­lich hef­tig aus. Nachdem man bei Apple wie­der mal den Möchtegern-Monopolisten raus­hän­gen ließ und die Application “Google Voice” aus dem App Store warf, gin­gen offen­sicht­lich einige Liebesbeziehungen zu Ende. Einer davon wird von Michael Arrington auf Techchrunch im Rosamunde-Pilcher-Style betrauert:

I have loved the iPhone, but now I am quit­ting the iPhone.

This is not an easy deci­sion. Was there in January 2007 when it was announ­ced and I bought the first iPhone as soon as it was avail­able. (…) But I’m not going to upgrade to the iPhone 3GS. Instead, I’m aban­do­n­ing the iPhone and AT&T.

Die ganze Seifenoper gibt es auf TechCrunch.

Nach sozia­ler Relevanz filtern

autor ritchie Blogistan Panoptikum KW31 2009 Immer mehr Experten bezwei­feln die bal­dige Marktreife seman­ti­scher Technologien — der Cuil Fehlstart in die Bedeutungslosigkeit hat dazu gewiss beige­tra­gen. Immer mehr Bedeutung dage­gen misst man dem “Social Rank” zu: denn Informationen aus dem eige­nen erwei­ter­ten Freundeskreis sind viel­leicht nicht unbe­dingt rele­van­ter, aber in der Regel ver­trau­ens­wür­di­ger als “neu­trale” Quellen. Dass sich dar­aus ein selbst­ver­stär­ken­der Effekt erge­ben könnte, liegt auf der Hand: die Schlüsselherausforderung bei der Informationssuche liegt mei­ner Meinung nach nicht zuletzt im rich­ti­gen Quäntchen “Entropie” oder Zufall. Außerdem spielt der jewei­lige Kontext eine wich­tige Rolle — ReadWriteWeb stellt dazu ein paar span­nende Überlegungen:

But each level more likely indi­ca­tes degrees of social pro­xi­mity than rele­vance per se; alt­hough in some cases clo­ser pro­xi­mity may very well indi­cate grea­ter rele­vance. The pro­blem is that rele­vance is highly con­text­ual. It depends on many fac­tors, such as your pro­fes­sion, your search query, your fri­ends, your fri­ends’ know­ledge about those topics, and the infor­ma­tion that is publi­cly recor­ded in their activity streams.

Watercooler-Conversations von, mit und über Twitter

autor judith Blogistan Panoptikum KW31 2009 So kann­ten wir sie, und so lieb­ten wir sie — die alte Twitter Homepage. Diese Woche wurde das Microblogging-Web-Portal einem Relaunch unter­zo­gen, der aus tech­ni­scher Sicht so mini­mal war, dass es anschei­nend nicht mal dem FailWale auf­ge­fal­len ist — doch bei nähe­rem Hinsehen ver­birgt sich hin­ter dem klei­nen Relaunch ein gro­ßer Paradigmenwechsel. Der alte Selbstbeschreibungstext lautete:

Twitter, this is a ser­vice for fri­ends, family, and co-workers to com­mu­ni­cate and stay con­nec­ted through the exch­ange of quick, fre­quent ans­wers to one sim­ple ques­tion: What are you doing?

Nun sieht die Sache nicht nur anders aus, sie hört sich auch anders an:

Share and dis­co­ver what’s hap­pe­ning right now, any­where in the world.

Einen Interpretationsansatz für diese neue Strategie lie­fert gleich der Social Media Guide Mashable:

The Goal of Twitter’s New Homepage? Be the World’s Water Cooler!

Tipps für den Social Media Workflow

autor ritchie Blogistan Panoptikum KW31 2009 Zuerst die rich­ti­gen Plattformen wäh­len, eine geeig­nete Strategie defi­nie­ren und diese kon­se­quent und effi­zi­ent ver­fol­gen — so ein­fach kann es sein. Andererseits kann man sich auch leicht über­neh­men (oder “zer­spra­geln”, wie der Wiener sagt) und vor lau­ter neuen Social Web Services den Sinn und Zweck nicht mehr erken­nen. Wichtigste Richtschnur: Wo finde ich meine , wo unter­hal­ten sich Kunden, die an mei­nem Produkt inter­es­siert sind? Predigerliteratur fin­det man allen Ecken und Enden, vom hat jeder schon mal gehört — aber gute Tipps zum Workflow sind sel­ten, die Angst vor der Über­for­de­rung wächst. P. Morgan Brown hat eine äußerst lesens­wer­ten Beitrag mit dem Titel Identifying a social media work­flow ver­fasst, der einen her­vor­ra­gen­den Einstieg in die Frage “sollte ich mit­ma­chen?” bietet:

Change always feels uncom­for­ta­ble. And unless you’re forced out of that com­fort zone it’s dif­fi­cult to take the steps you need to take to get out and move for­ward. So what I try to do when tal­king to people who feel over­whel­med by the pro­s­pect of social media is talk to them about email. And cell pho­nes. Because I often speak to and work with people who are older than me I ask them “Do you remem­ber doing your job wit­hout email and cell pho­nes?” Invariably they say “yes,” and then they smile kno­wing where I am going with these questions.

Foto der Woche

Extranoise hat das Treppenhaus der Volkshochschule Tempelhof-Schöneberg in Berlin — Linienführung und Farbgebung des Bildes finde ich gran­dios gelungen:

treppfenhaus Blogistan Panoptikum KW31 2009

Ritchies Video der Woche

Storytelling, , Framing, Lichtführung, Tiefenschärfe… alles genau geplant. Oder ein­fach am Heimweg vom Festival die Cam raus­ge­holt und ein paar spon­tane Aufnahmen vom Sonnenaufgang gemacht. Zitat von Regisseur Giugesco: “Sunrise is one of the grea­test things in life. it’s a pity that i don’t see it very often.” Geht mir auch so — und: Wow!

Linzerschnittes Video der Woche

Dass Touristen Versicherungsgebäude abfil­men, kommt sicher nicht beson­ders oft vor. Der Uniqua Tower in Wien an der Aspernbrücke ist aller­dings eines der pri­vi­le­gier­ten Bauwerk, dank eini­ger Studenten der Universität für Angewandte Kunst, die sich lus­tige Dinge mit LED Grids aus­dach­ten.
Nicht gar so aus­ge­fal­len wie LED Grids, dafür aber optisch noch um eini­ges beein­dru­cken­der ist diese Projektion auf die Hamburger Kunsthalle:

Und damit sind wir auch schon wie­der am Ende unse­res gemein­sa­men Wochenrückblicks ange­langt, und somit bleibt uns nur mehr zu sagen: auf eine neues! Doch bevor wir Ihnen das nächste Panoptikum prä­sen­tie­ren kön­nen, müs­sen die nächs­ten sie­ben Tage erst ver­ge­hen. In die­sem Sinne: danke für Ihre Whuffies, wir lesen uns morgen!

icon input Blogistan Panoptikum KW31 2009Haben Sie Vorschläge und Themen fürs daten­schmutz Wochenpanoptikum?
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