Blogistan Panoptikum KW33 2009

datenschmutzdigitaliapanoptikum

Fast allen gro­ßen Religionen die­ser Welt gilt der Sonntag als der Tag des –Panoptikums. Da machen auch wir athe­is­ti­schen Laizisten keine Ausnahme und zele­brie­ren die Tradition mit dem gemein­sa­men Rückblick von Linzerschnitte und data­dirt auf sie­ben Tage ganz nor­ma­len Social Media Wahnsinn. Von wäh­rend der Wehen twit­tern­den Twitter-Gründer Ehefrauen bis zur speck­las­ti­gen Feinkostabteilung reicht das Themenspektrum, kurzum: die­ses hat wie­der mal alles, also ohne wei­tere Ausschweifungen direkt in medias res:

Codename: Project Retweet

Judith aka Linzerschnitte ritchie aka datadirt Am 13. August brachte Mashable die Breaking News: Project Retweet ver­hilft der alt­be­kann­ten Best-Practice zu offi­zi­el­lem Feature-Status. Beim Retweeten setzt man ein “RT” an den Beginn der wei­ter­zu­lei­ten­den Nachricht, in gewis­ser Weise han­delt es sich um ein Äqui­va­lent der E-Mail-Forwarding-Funktion (z.B. RT @ oder RT @datadirt). Retweets könn­ten sich — ana­log zu Backlinks bei Google — zu einer Art Twitter-Popularitäts-Währung ent­wi­ckeln, die die API und in wei­te­rer Folge in 3rd Party Apps ist daher ein logi­scher Schritt. Noch sind aber nicht alle Details bekannt:

1. You can see if someone ret­weets a link with a small line that says “Retweeted by ___” under the tweet and the time when the tweet was sent.
2. Hovering over a tweet will soon make two opti­ons appear: Reply and Retweet. Reply is alre­ady sup­por­ted by Twitter – it’s that little arrow that appears on the right when you hover over a tweet.
3. Clicking on the “Retweet” but­ton will con­firm if you really want to ret­weet this tweet to all of your fol­lo­wers
4. The ret­weet is done. It appa­r­ently shows the people that have ret­wee­ted it in your time­line. We’re unsure as to how many people can be lis­ted in the “Retweeted by” sec­tion of any tweet.

Journalistische Qualitätsmaßstäbe

ritchie aka datadirt Früher: Check, Cross-Check, Re-Check, Double-Check Jackson, wie die Zeitungswissenschaftler zu sagen pfleg­ten. Heute dage­gen: Retweet, Retweet, Nix-Check. Denn wie digiom rich­tig stellt:

NEIN, Sony hat KEINE Selbsthilfegruppe für Social Media-Abhängige gegrün­det! Das wäre eine eigene Studie wert: Inwieweit stim­men geret­wee­tete Kurzdarstellungen mit der tat­säch­li­chen Nachricht überein? Recht häu­fig klafft dazwi­schen eine gewal­tige Lücke – z.B. auch in dem von Nicole Kolisch ana­ly­sier­ten Fall ‘Twittensnobelpreis’, in dem Mark Pfeifle, “ein (ehe­ma­li­ger) Sicherheitsberater der (ehe­ma­li­gen) US-Regierung” vor­ge­schla­gen hatte, dass Twitter für den Friedensnobelpreis nomi­niert wer­den solle. Was wurde re-re-re-tweetet? “Twitter für den Friedensnobelpreis vor­ge­schla­gen.” Klingt natür­lich toll – da ehe­ma­lige Sicherheitsberater aber noch immer nicht das Vorschlagsrecht bei der Vergabe des Friedensnobelpreises haben, war’s natür­lich Blödsinn.

Sehr lesens­wer­tes Posting über mul­ti­ple Social Media Wahrheiten: unbe­dingt auch die Videos im Beitrag anschauen — Bruno Kammerls Megawoosh ist ver­dammt gut gemacht.

Facebook: Ein Durchlauferhitzer für Eitelkeitsdramen?

ritchie aka datadirt Das legt zumin­dest eine aktu­elle Studie aus dem CyberPsychology & Behavior Journal nahe:

The report con­clu­des that there is a “signi­fi­cant asso­cia­tion bet­ween time spent on Facebook and jealousy-related fee­lings and beha­vi­ors expe­ri­en­ced on Facebook.”

Das alte Bon-Mot “Was ich nicht weiß, macht mich heiß” fin­det also seine Fortsetzung im Social Web der Zwischenmenschlichkeiten. Man könnte natür­lich auch sagen: je mehr , desto mehr Missverständnisse :-)

adjix schal­tet Link-Werbung

ritchie aka datadirt Twitter hat Link-Shortener Services zu unge­heu­rer Popularität ver­hol­fen. Je nach Eleaboriertheitsgrad bie­ten die ver­schie­de­nen Services bloß die Basics oder wei­ter­ge­hende Features wie etwa Klick-Tracking Statistiken. adjix geht einen ande­ren Weg, schal­tet via Frameset rela­tiv dezente Werbung über die ver­kürz­ten Links und betei­ligt den Nutzer an den Einnahmen.

Für mich hat sich, seit ich PrettyLinkPro ein­setze, das Thema 3rd Party Short-URL Services völ­lig erle­digt. PLP ver­bin­det fle­xi­ble, frei anpass­bare Statistik-Reports mit einer gan­zen Reihe von Cloaking-, Word-Replacement und Twitter-Publishing Funktionen und erlaubt über den “PrettyBar” optio­nal auch das Einblenden von (Eigen)Werbung. Ein wei­te­rer rele­van­ter Unterschied zwi­schen 3rd Party Services und PLP besteht in der Zeit-bezogene Sicherheit (wer weiß, ob TinyURL und Co. ewig beste­hen). Grundsätzlich wäre adjix ein inter­es­san­tes Tool für Power-Tweeter — aber gegen PrettyLinkPro und Short-URLs auf der eige­nen Domain kommt der Service nicht an.

Social Networking ver­kommt zur Gammelfleischparty!

Judith aka Linzerschnitte Vor eini­gen Wochen erzählte Axel Maireder von einer aktu­el­len Studie über Social Networks, die an der Uni Wien durch­ge­führt wurde. Eines der erstaun­lichs­ten Ergebnisse: aus nicht nach­voll­zieh­ba­ren Gründen wür­den viele Teenager mit ca. 16 Jahren, nach zwei jäh­ri­ger Social-Networks-Aktivität plötz­lich Reißaus neh­men und die diver­sen Plattformen mehr und mehr zu einer Gammelfleisch-Party mutie­ren. Über die Gründe wusste man zum dama­li­gen Zeitpunkt noch nichts Genaueres. Ein Artikel im bri­ti­schen The Guardian lie­ferte diese Woche aller­dings erste Interpretationsansätze zu die­ser Massenflucht: Die coo­len Kids hauen ab, weil ihre Eltern (und Lehrer) plötz­lich in den Social Networks auf­tau­chen! Und das ist ihnen ein­fach URpeinlich…

Although their love of being online shows no sign of aba­ting, the per­cen­tage of 15– to 24-year-olds who have a pro­file on a social net­wor­king site has drop­ped for the first time – from 55% at the start of last year to 50% this year. In con­trast, 46% of 25– to 34-year-olds are now regu­larly che­cking up on sites such as Facebook com­pa­red with 40% last year.

Liebe Leser, wir gehö­ren nun wohl alle offi­zi­ell zum alten Eisen!

Keine kleine Spende

ritchie aka datadirt Wie die FutureZone berich­tet, will Facebook im Allgemeinen “kom­mer­zi­elle Userprofile” ver­bie­ten und im Speziellen das Verkaufen von Statusmeldungen an Anzeigenkunden:

Das Soziale Netzwerk Facebook hat am Dienstag erneut Ände­run­gen bei den Nutzungsbestimmungen vor­ge­schla­gen. Diese beinhal­ten unter ande­rem ein Statement, dass pri­vate Nutzerprofile nicht dazu ver­wen­det wer­den dür­fen, kom­mer­zi­elle Gewinne zu erwirt­schaf­ten. Konkret ange­führt wird das Verkaufen von Statusmeldungen an Anzeigenkunden. Werbekunden dür­fen frei­lich wei­ter­hin bezahlte Anzeigen schal­ten.
Facebook geht mit die­ser neuen Regelung den gegen­tei­li­gen Weg des Microblogging-Diensts Twitter. Mit dem Dienst Sponsored Tweets kön­nen Twitter-Nutzer ihre 140-Zeichen-Nachrichten an Werbekunden verkaufen.

Dazu wäre noch anzu­mer­ken, dass es sich bei SponsoredTweets *nicht um ein offi­zi­el­les Twitter-, son­dern ein 3rd Party Service han­delt, genauer gesagt um ein von Izea. Ich hab mich dort mal umge­schaut und kann die ganze Sache (noch) nicht ernst neh­men: Beim Launch wurde aufs Affiliate Programm ver­ges­sen, Anzeigenkunden gibt’s noch so gut wie keine. Um eini­ges frü­her dran war übri­gens Magpie, über das man wenigs­tens sagen kann, dass es so vor sich hindüm­pelt :mrgreen:

Dass Werbekunden auch wei­ter­hin bezahlte Anzeigen schal­ten dür­fen, ist aller­dings beru­hi­gend. Und wer seine Statusmeldungen trotz­dem ver­kauft, sollte sie wenigs­ten mit [bezahlte Quasi-Anzeige] kenn­zeich­nen, damit Facebook die betrof­fe­nen Accounts auch zuver­läs­sig sper­ren kann *rofl*

Facebook erhält Twitter-ähnliche Suchfunktion

Judith aka Linzerschnitte Bisher war Facebook ein rie­si­ger Moloch, der eine Unmenge Daten in sich hin­ein­fraß, her­me­tisch abschot­tete und nichts nach außen drin­gen ließ. Das wird die Plattform auch wei­ter­hin blei­ben — vor­erst. Aber um mehr Über­sicht­lich­keit zu gewäh­ren gibt es ab sofort eine bereits teil­weise imple­men­tierte Suche. Ähnlich der Twittersearch wer­den die Suchergebnisse lau­fend aktua­li­siert, außer­dem kann man in der Suche nun fil­tern: nach Pages, Gruppen usw. Und dann wäre da noch das neue Schlüsselfeature: die Keywordsuche mit dem Filter “Everyone”!

The new Everyone fil­ter makes Facebook like Twitter in search, but it will take some time for people to learn to use Facebook the way they do Twitter, and it’s not clear that the two models will mesh well on one social platform.

Erstmals lässt Facebook also zu, dass die Schranken des eige­nen Freundeskreises durch­bro­chen wer­den. Keyword-Search auf Facebook — das bedeu­tet wohl feuchte Träume für die gefühl­ten 78 Prozent Marketer und Partyveranstalter auf Facebook…

TweetMeme vs. TechMeme

ritchie aka datadirt In der Schlacht der Aggregationsgiganten 2.0 — Tech-, TweetMeme, SocialMedian und Co. sind die neuen Diggs — scheint Tweetmeme vor­erst klar Sieger vorne zu lie­gen. TechMeme ver­lässt sich auf mul­ti­ple, nicht doku­men­tierte Quellen:

At this moment, the must-read sto­ries in tech­no­logy are scat­te­red across hund­reds of news sites and blogs. That’s far too much for any rea­der to fol­low.
Fortunately, Techmeme arran­ges all of these links into a sin­gle, easy-to-scan page. Story selec­tion is accom­plis­hed via com­pu­ter algo­rithm exten­ded with direct human edi­to­rial input. Our goal is for Techmeme is to become your tech news site of record.

TweetMeme setzt ganz auf Twitter-RTs (siehe auch wei­ter oben) und liegt der­zeit in der Gunst der User klar wei­ter vorne. Die Zahlenbasis ist durch­wegs beein­dru­cken: für einen Platz in den Top-in-7-Days Charts braucht man der­zeit rund 5.000 Retweets, für ein­zelne Kategorien wie Security rei­chen aber auch schon 5 Stück für einen Platz in der Top-in-24-hourse Liste.

Gebärfreuden

Judith aka Linzerschnitte Letzte Woche hat es auf Twitter wie­der mal rich­tig gemen­schelt. Denn es gibt sie noch — die Menschen, die Twitter zur Befriedigung pri­va­ter Kommunikationsbedürfnisse nut­zen — und nicht nur zur beruf­li­chen Selbstdarstellung und als Trafficgenerator für die eigene Website. In die­sem beson­de­ren Fall gewährt @Sara, Ehefrau von Twitter CEO Evan Williams sehr pri­vate Einblicke:

sara1

Nun, auch aus pri­va­ten Meldungen kann man einige inter­es­sante Schlüsse zie­hen — so ver­rät die­ser Tweet wohl, dass man auf die Twitter-Monetarisierung noch län­ger war­ten wird müssen…

sara2

Anm. li schni: Bei @ev han­delt es sich um Twitter-CEO Evan Willams… Mashable kennt wei­tere intime Details.

Baconize it, suckers!

ritchie aka datadirt Moslems fin­den Schweine ganz und gar nicht lecker, weite Teile der west­li­chen Welt tra­gen dage­gen stolz Schildkappen mit der Aufschrift “Baconize it”. Naja, eigent­lich habe ich eine sol­che Schildkappe nur bei Frank in 30 Rock gese­hen — aber wie auch immer: geräu­cherte Sau-Teile, in dünne Streifen geschnit­ten und lie­be­voll als “Speck” beti­telt (Nachfrage unnö­tig: ja, die Osttiroler sind die Weltmeister in der Herstellung die­ser Delikatesse), umhül­len gegrill­ten Schafkäse, fin­den ihren Weg zwi­schen Burgerhälften, auf mor­gend­li­che Eierteller… falls Sie Vegetarier sind und Ihnen an die­ser Stelle bereits schlecht ist, ent­schul­dige ich mich — ich hätte Sie vor­war­nen sol­len, aber bes­ser spä­ter als nie: es wird noch schwei­ni­scher! Auf Recipestar.com fin­den Afficionados ein lie­be­vol­les Tutorial mit dem viel­sa­gen­den Titel How to use Bacon to make your life incredi­ble & ama­zing. Mein Favorit:

Attach bacon to your hard drive.
Every time you down­load a large file, the smell will be glorious.

Auf der­sel­ben Seite gibt’s auch ziem­lich unter­halt­same Quizzes rund ums Thema Feststoffzufuhr durch den Mund. Ich bin übri­gens “extre­mel­ely expe­ri­en­ced in the foods of the world”, und wenn mich ein Kannibale essen würde, “I would most likely taste like bar­be­qued beef”. Mhmmm, yummy!

Foto der Woche

Großartiger B/W Shot eines Kicksportkampfes von Latente Le Balene Fossili al Governo. Das Bild heißt übri­gens Lo sport di quelli che si tirano i calci in fac­cia:

kickbox

Ritchies Video der Woche

Joe Simon hat Regie geführt beim neuen Video von Mutiny Bikes, das ab September auf DVD und Blue-Ray erhält­lich sein wird. Auf Vimeo gibt’s den Trailer zu “Let’s get mys­ti­cal” und wei­tere Videos einer der welt­weit bes­ten BMX-Crews. Die Jumps und die Kameraarbeit sind ein Hammer, ich freu mich auf die Vollversion:

Judiths Video der Woche

Die Welt ist wie­der sicher!
Der Online Reputation Manager ist tot, hoch lebe die abso­lute Datensicherheit! Google bie­tet nun das lang erwar­tete, abso­lute Datenschutzkonzept: Das Google Opt Out inklu­sive Google Opt Out Village.

YouTube Preview Image

Über die Mietpreise in Opt-Out Village sind noch keine nähe­ren Details bekannt — Ihre Web-Chronisten Linzerschnitte und data­dirt blei­ben selbst­ver­ständ­lich Woche für Woche für Sie am lau­fen­den­den. Danke für Ihre Aufmerksamkeit, wir lesen uns am Montag.

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5 comments
Matti
Matti

Hab mir grad mal adjix angeschaut: Ist zwar nicht schlecht, kann man aber erstmal vergessen in der Beta-Phase erstmal nur die Vereinigten Staaten verfügbar sind. Zwar kann man den Service auch hier aus Deutschland ohne weiteres Nutzen aber Auszahlungen wird es wohl nicht geben.

ritchie
ritchie

Ja, da hast du recht... immer die gleiche alte Story. Da wünscht man sich doch trotz allem manchmal, in US zu leben :mrgreen:

Matti
Matti

Welchen Vorteil hat den die Pro Version von PrettyLink? Reicht nicht auch die normale kostenlose Version?

Christian
Christian

Die Suchfunktion bei Facebook war endlich mal an der Zeit... Vorher war das alles arg auf den Freundeskreis beschränkt.

ritchie
ritchie

Das stimmt - die Suche war wirklich sehr unbrauchbar.

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