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Blogistan Panoptikum KW34 2009

23.08.2009, geschrieben von , 3 Kommentare

Schon wie­der ist eine Woche ver­flo­gen — und wäh­rend sich der Spätsommer lang­sam aber merk­lich in den Frühherbst ver­wan­delt, wird im Social Web gemes­sen, gewo­gen und begut­ach­tet, dass Kulturpessimisten bereits vor dem dro­hen­den Aussterben von Forschungsfragen warnt. So gut wie kein Land halte sich nicht an die inter­na­tio­na­len Fangverbote für gefähr­dete Untersuchungsarten, erzählte mir letz­tens im Vertrauen ein Mitglied des Internetrats. Das hält Linzerschnitte und mich aber kei­nes­wegs vom Rückblicken ab, denn in der Zweitauflage des Web 1.0 pas­siert so viel, dass der Nachdruck wohl auch bald ver­grif­fen sein wird.

Twitter: Karteileichen los werden

autor ritchie Blogistan Panoptikum KW34 2009 Die letz­ten paar Spam-Wellen haben in den USA einen neuen Twitter-Trend aus­ge­löst: einige popu­läre Tweeter haben sich zu einem Clean Cut ent­schlos­sen und *alle* User ent­fol­lo­wed, um ganz von vorne zu begin­nen. SocialToo bie­tet diese Funktion neu­er­dings sogar für harte Dollars an, Mutuality bie­tet die glei­che Funktion für laut, aller­dings ins­ge­samt nur 3mal für Accounts mit mehr als 1.800 Kontakten. Man muss nicht gleich ganz so radi­kal vor­ge­hen, um die “Followed”-Zahl zu redu­zie­ren: zwei sehr nütz­li­che Services sind Twitoria (das aller­dings ab den ers­ten 10k nicht mehr funk­tio­niert) und das von mir prä­fe­rierte Untweeps. Beide Mash-Ups die­nen dazu, Accounts, die seit einem gewis­sen, ein­stell­ba­ren Zeitraum (bei Twitoria zwi­schen einer Woche und 6 Monaten, bei Untweeps frei nach Tagen ein­stell­bar) inak­tiv sind, zu ent­fol­lo­wen. Twitoria benö­tigt dazu über­haupt nur den Usernamen, das Unfollowing geschieht hän­disch. Bei Untweep loggt man sich mit TwitterAuth ein, kann auf Wunsch eine Whitelist von zu schüt­zen­den Accounts erstel­len und massen-entfolgt bequem via Mausklick. 3 Benutzungen pro Monat sind kos­ten­los, wer häu­fi­ger Untweepen möchte, muss via PayPal $1,37 für 3 Tage unli­mited Access oder 5 Dollar pro Monat bezah­len. Für pro­fes­sio­nelle Twitter-Nutzer ein groß­ar­ti­ges Tool, das bei mei­nen Tests aber eben­falls Probleme hatte, die kom­plette Liste von Twitter zu fet­chen — aller­dings ist die im Fall von @datadirt mitt­ler­weile auch schon ziem­lich lang. Außerdem bie­tet Untweet die Option, eine Liste aller Accounts anzu­zei­gen, die man im Lauf der Zeit geblockt hat. Gute Gründe, warum man inak­tive Accounts über­haupt los­wer­den will, nennt die­ser Artikel von John Samuel.

The Future of News

autor judith Blogistan Panoptikum KW34 2009 Während manch ein Vertreter der Old Media Sektion noch hofft, dass Social Media nichts ande­res ist als eine Seifenblase, die bald zer­plat­zen wird, sieht Arianna Huffington, Mitbegründerin des Weblogs bzw. Onlinemagazins Huffington Post die Sache natur­ge­mäß etwas anders. Anlässlich des Launches von “HuffPost SocialNews”, einer Integration auf Huffingtonpost.com via Connect schrieb Arianna Huffington einen Gastbeitrag auf dem Facebook Blog:

News has become an import­ant ele­ment of com­mu­nity — some­thing around which we gather, con­nect and con­verse. We all are part of the evo­lu­tion of a story now — expan­ding it with com­ments and links to rele­vant infor­ma­tion, adding facts and dif­fe­ring points of view. In short, the news has become social.

Facebook geht damit eine sei­ner weni­gen Partnerschaften ein; unge­wöhn­lich des­halb, weil eine Application auf Facebook durch die offe­nen APIs der Plattform keine Partnerschaft im gewöhn­li­chen Sinn erfor­dert. Mal sehen, ob sich die Kooperation mit der Huffington Post eines Tages noch mal als stra­te­gi­sche Partnerschaft herausstellt.

Neue deutsch­spra­chige Twitter-Charts

autor ritchie Blogistan Panoptikum KW34 2009 Gerald Bäcks Liste zwit­schern­der Journalisten erfreut sich gro­ßer Beliebtheit und die Spatzen pfei­fen von den Dächern, dass Gerald an einem ela­bo­rier­ten Twitter-Ranking arbei­tet. Zuvor gekom­men sind ihm einst­wei­len die Microblogosphären-Vermesser von Twop. “Wer misst, misst Mist”, lernt bekannt­lich jeder Studiosus der Naturwissenschaften, da machen natür­lich auch Rankings keine Ausnahme. Die Erklärung klingt aber durch­wegs plausibel:

The Global Twopcharts are tracking the most fol­lo­wed Tweeters in the German lan­guage. We are taking into account the fol­low beha­vior of twee­ters and fil­te­ring out twee­ters who are exces­si­vely fol­lo­wing, in order to avoid noise from “if you fol­low me, I will fol­low you back” beha­vior. Unfortunately there are many tools which are just encou­ra­ging mass fol­lo­wing, and we are try­ing to deter­mine which twee­ters have appealing con­tent, and can attract fol­lo­wers wit­hout tools and tricks.
The tweet chart is a sub­set of the twop-chart, so it is not try­ing to find the most active twee­ter in the Universe, but is ran­king the tweet fre­quency of the twop-1000.

Wenn aller­dings die Tweet-1000 bloß eine umsor­tierte Ansicht der Twop-1000 dar­stel­len, dann ver­stehe ich nicht, warum ich mit mei­nem deutsch­spra­chi­gen Account ritchie_tweets in der einen Liste auf Platz 928 und in der ande­ren gar nicht ver­tre­ten bin.

40 Prozent der Twitter-Nachrichten “nich­ti­ges Geschwätz”

autor judith Blogistan Panoptikum KW34 2009 Die Austria Presse Agentur schickt pro Woche wohl ca. 200 Meldungen über die Ergebnisse mehr oder weni­ger rele­van­ter Studien aus. Eine die­ser Meldungen wurde diese Woche flei­ßig von diver­sen Old-Media-Plattformen ver­öf­fent­licht. Inhalt: Eine Marketing-Agentur aus Texas hat eine Studie ver­öf­fent­licht, der Conclusio lau­tet: 40 Prozent aller Twitter-Nachrichten sind “nich­ti­ges Geschwätz”. Die Tatsache über­rascht an sich nicht wirk­lich, zeigt aber, dass man­che Marketing-Agenturen das “Social” in “Social Media” wohl immer noch nicht ganz deu­ten kön­nen. Achja, eben­falls Ergebnis der Studie: Unternehmenswerbung und Spam mach­ten nur 5,85 bezie­hungs­weise 3,75 Prozent der Kurznachrichten aus.

Anm. von rit­chie: Nur 40%? Da wurde wohl ein sys­te­ma­ti­scher Messfehler ver­bro­chen. Ich würd eher mei­nen: 98 Prozen! frog6 Blogistan Panoptikum KW34 2009

Facebook User mit Contests kaufen

autor ritchie Blogistan Panoptikum KW34 2009 Allfacebook.com ver­rät für Facebook-Contests, mit denen sich und Fanbase von Pages beträcht­lich stei­gern lassen:

Facebook cur­rently has no limi­ta­tion on the num­ber of fans users can invite to a public pro­file which makes invi­ta­ti­ons one of the most import­ant com­ponents of gene­ra­ting fans. So how on earth do you get users to invite their fri­ends? Contests of course! Contests are pro­bably the sin­gle best tool for dri­ving more users to your public pro­file if you encou­rage fans to invite their friends.

Ganz bil­lig wird die Sache dann aller­dings doch nicht, denn Nick O’Neill emp­fiehlt “Cash Prizes” für die Contest-Gewinner. Aber im Vergleich zu ande­ren Formen der FB-Lead-Generierung denke ich eben­falls, dass für Social-Media wer­bende Firmen Gewinnspiele in Form von Wettbewerben die Waffe der Wahl darstellen.

Dani Terbu star­tet mit Coolhunting.at

autor ritchie Blogistan Panoptikum KW34 2009 “Because catching up is the new loo­king ahead” lau­tet das Motto von Dani Terbus druck– bzw. pixel­frisch gestar­te­tem Weblog Coolhunting.at. Ich finde das Design mit dem 9er-Grid auf der Startseite sehr gelun­gen, die Themen sind unter der gemein­sa­men Klammer “Trends” breit gestreut. Unter ande­rem geht’s darum, dass the gap Facebook mag, fuß­freie Strumpfhosen und Guy Kawasakis Vortrag im September:

Guy Kawasaki ist im September in Wien und hält einen Vortrag. Und coolh­un­ting ist nicht nur dabei, son­dern natür­lich mit­ten­drin und wird vor­aus­sicht­lich als Live-Bloggerin vom Event berichten.

Ich freu mich schon auf den Vortrag am 10. September — und vor allem auf mein Video– mit dem Meister; hier geht’s zur Anmeldung.

Charles Schumann: Die Barkeeping Legende spricht

autor judith Blogistan Panoptikum KW34 2009 …mit dem . Was Mixen angeht, sind des Meisters Bücher für mich sowieso der Maßstab aller Cocktail-Theorie, aber dass der Wegbereiter der Cocktailkultur ein so coo­ler Hund, wusste ich bis­her nicht. Hier zwei Zitate aus dem Interview:

Playboy: Erklären Sie uns: Was ist eine Bar?
Schumann: Eine Bar ist ein Ort, den man als Wohnzimmer betrach­tet. Wo man zu Hause ist und trotz­dem gehen kann, wann man will.
Playboy: Was unter­schei­det eine gute Bar von einer schlech­ten?
Schumann: Dass man als Gast nicht merkt, dass Geld ver­dient wer­den muss. Wenn die Bar über­schau­bar ist, kann man mit dem Barkeeper reden, muss aber nicht. Eine gute Bar ist sicher nicht Cocktails mixen. Das steht für mich nicht ein­mal an zwei­ter Stelle.
[…]
Playboy: Wie wich­tig sind Cocktail-Moden? Nehmen wir Caipirinha, eigent­lich doch ein wider­li­ches Zeug, oder?
Schumann: Stimmt nicht, Caipirinha ist kein wider­li­ches Zeug! Das ist ein klas­si­sches bra­si­lia­ni­sches Getränk. Nein, vor­sich­tig sein muss man mit Gemüse und Obst und Kräutern. Wenn eine Bar nur noch Gemüsestand ist, kann man gleich zum Viktualienmarkt gehen.

Übri­gens: dem­nächst star­tet auf ATV.at und Cocktail-Blog.com unsere Cocktail-Mixing Videoserie, mehr dazu in Kürze. Ich sag nur: wir lüf­ten alle Geheimnisse um Malcolm Lowry, Black Russian, Daiquiri und Co.

Photo der Woche

Dieses Foto fällt ein­deu­tig in die Kategorie “gelun­ge­ner Schnappschuss”. Fotograf moriza sagt dazu:

It was a lucky shot. I saw the moment and the camera worked.

ubahnblur Blogistan Panoptikum KW34 2009

Ritchies Video der Woche

Signs” heißt die­ses wun­der­bare und für ein fast bib­lisch lange 12-Minuten-Lehrstück über The thing that keeps you going — drauf gesto­ßen bin ich bei Neelaa.

Judiths Video der Woche

We all wanna be Prince” — dieser Botschaft ist an sich schon nicht mehr viel hin­zu­zu­fü­gen, aber wenn sie von Felix Da Housecat ist, ein bass­las­tig und mit einem Party-Prince-Poser-Video daher­kommt, mutiert das Ganze zu einem sehr stim­mungs­vol­len Wochenendausklangs-Video.

Felix Da Housecat — We All Wanna Be Prince

Und schon nähern sich rasant die letz­ten Buchstaben die­ses –Panoptikums. Aber keine Sorge: mit an Wahrscheinlichkeit gren­zen­der Sicherheit beginnt mor­gen eine neue Woche und in sie­ben Tage wer­den wir erneut zurück­ge­blickt haben. In die­sem Sinne: danke für Ihre , wir lesen uns morgen.

icon input Blogistan Panoptikum KW34 2009Haben Sie Vorschläge und Themen fürs daten­schmutz Wochenpanoptikum?
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Bisher haben meine Lieblingsleser 3 Kommentare zu "Blogistan Panoptikum KW34 2009" geschrieben.

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  • freilandhuhn Identicon Icon
    freilandhuhn sagte am 24. August 2009 um 9:54

    Die Studie über Twitter scheint wie­der eine typi­sche, redun­dante Marketer-Studie zu sein. Man sollte die­sen gan­zen Agenturen ver­bie­ten, ihre dum­men Studien auf die Welt los­las­sen zu dür­fen, die sie nur in der Hoffnung machen, dass man sie aus­führ­lich zitiert. Meist mit einem Sample, dass eher aus Freunden, Bekannten und Verwandten besteht, die per mail beläs­tigt werden…

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    ritchie Identicon Icon
    ritchie antwortete am 24. August 2009 um 12:12

    D’accord… und wie gesagt: Wir misst, misst Mist. Außerdem schei­nen mir die Leute einen gene­rel­len kate­go­ri­schen Fehler gemacht zu haben: oder kann mir mal jemand erklä­ren, warum “Unternehmenswerbung” und “unnüt­zes Geschwätz” zwei unter­schied­li­che und exklu­sive Kategorien sind?

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  • freilandhuhn Identicon Icon
    freilandhuhn sagte am 24. August 2009 um 17:40

    Ich denke, die Erklärung dafür ist ganz ein­fach: Innenansicht — Außenansicht. Eine Marketingagentur wie jene, von der die Umfrage stammt, würde ihre eige­nen Tweets nie­mals unter “Nichtiges Geschwätz” ein­or­de­nen. Jeder andere Tweeper schon.

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