Diese Woche änderte Twitter die Nutzungsbedingungen, was für reich­lich Diskussion in Micro-Blogosphäre und Blogosphäre sorgte. Noch immer ist unklar, wie genau das Business-Modell funk­tio­nie­ren soll, aber momen­tan scheint Werbefinanzierung durch­aus wahr­schein­li­cher als die Einführung von Pro-Accounts. Ebenfalls über­ra­schend, wenn auch nur für mich per­sön­lich: am Samstag hat Facebook meine Account gesperrt — mei­nes Wissens nach grund­los, aber ich ver­su­che gerade, der Sache nach­zu­ge­hen. Besonders unan­ge­nehm dabei: der­zeit habe ich kei­nen Zugriff auf den Ad-Manager, mit dem ich meine lau­fen­den Kampagnen ver­walte und ich kann mir beim bes­ten Willen nicht vor­stel­len, dass diese Vorgehensweise recht­lich zuläs­sig ist — aber ich werde die p.t. Leserschaft natür­lich über mei­nen “Präzedenzfall” am lau­fen­den hal­ten. Aber weil ich ohne FB am Wochenende plötz­lich so viel Zeit hatte, konnte ich end­lich wie­der mal aus­gie­big neue WordPress-Plugins tes­ten. In letz­ter Zeit erschie­nen einige geniale Erweiterungen, Details dazu in Kürze in einem eige­nen Beitrag. Und: am Montag gibt’s ein neues Gewinnspiel (Stichwort: Albertina) und am Dienstag das Guy Kawasaki Interview in vol­ler Länger. Aber nun genug vor­aus­ge­schaut, Linzerschnitte und data­dirt bli­cken wie­der drei Tage zurück.

Wann ist ein Business-Model Betrug?

ritchie aka datadirt Shoemoney, wie gewohnt schar­fer Beobachter von IRL-Marketing-Strategien, hat eine inter­es­sante Anekdote vom Jahrmarkt zu erzählen:

Last Sunday I went to the Nebraska State Fair with my wife and 2 girls. While wal­king around I came across a inte­res­ting “booth”. Had a great eye catching head­line of “Are You Going To Heaven?” with a nice red FREE sti­cker on the side. After eaves­drop­ping on a couple people while wait­ing for my wife (and 2 daugh­ters) to return from the bathroom, the gig is this. He asks you 2 ques­ti­ons. 1) What is your deepest dar­kest sin? and 2) Do you accept Jesus Christ as your savior? After you ans­wer those ques­ti­ons he tells you for $50.00 he will tell you if you will go to hea­ven or not if you pas­sed away right now.

Ausgehend von die­sem aus­ge­spro­chen paranor­ma­len Service stellt er die Frage, wann ein Business-Modell denn eigent­lich Betrug sei — und stellt als Gedankenexperiment einen wirk­lich bösen Service für wer­dende Eltern vor. Erinnert mich irgend­wie an Clifford Stoll’s Silicon Snake Oil: Second Thoughts on the Information Highway.

Facebook führt das “@” zum Taggen ein

Judith aka Linzerschnitte Unsere Freunde von Facebook wur­den ihrem Ruf als Copycat und Möchtegern-Twitter-Double diese Woche wie­der gerecht. Seit die­ser Woche näm­lich hat das “@” aka “ät” aka “Klammeraffe” aka “diese komi­sche Spirale da” Einzug gehal­ten in die Wallpost und Status Updates des Unsocial Networks. Wie bei Twitter auch kann mit dem “@” ein Freund getag­ged wer­den, der Name ver­linkt mit dem jewei­li­gen Profil. Neben Freunde kön­nen auch Events und Gruppen ver­linkt werden.

As you type the name of what you would like to refe­rence, a drop-down menu will appear that allows you to choose from your list of fri­ends and other con­nec­tions, inclu­ding groups, events, app­li­ca­ti­ons and Pages. Soon, you’ll be able to tag fri­ends from app­li­ca­ti­ons as well.

Der wesent­li­che Unterschied zu Twitter: das @ ver­schwin­det mit der Veröffentlichung des Updates bzw. Posts, Details kennt das offi­zi­ell Facebook Blog.

Die Top Mobile Media Experten

ritchie aka datadirt GigaOm stellt die Top 15 Social Media Influencers vor:

Hundreds of star­tups, giants like Nokia and Motorola and dis­rup­tors such as Apple and Google are all posi­tio­ning them­sel­ves for what is going to be a bonanza as big as the wired Internet. Below are GigaOM edi­tors’ top 15 most influ­en­tial people in the Mobile Internet; toge­ther they make up the inau­gu­ral Mobilize 15 Influencers, a list that is going to be publis­hed annu­ally in tan­dem with our Mobilize conference.

Und weil wir bekannt­lich im Social Web unter­wegs sind, dür­fen die Besucher über die Reihenfolge abstim­men. Europäer ist auf der Liste übri­gens kei­ner ver­tre­ten — dabei tut sich auch hier­zu­lande eini­ges, Stichwort: Mobile Camp. Dieses von A1 finan­zierte Barcamp fin­det am 26./27. September im Rahmen der A1 Innovation Days bei der Telekom (Lassallestraße 9, 1020 Wien) statt — bis­her haben sich bereits über 130 Teilnehmer ange­mel­det. Wird sicher­lich sehr span­nend. Ein Besuch geht sich bei mir aber lei­der nicht aus da ich zur glei­chen Zeit beim von mir mit gespon­ser­ten Almcamp im Maltatal sein werde.

Micro-Blogging vor 100 Jahren

ritchie aka datadirt So modern ist Twitter auch wie­der nicht — meint die eng­li­sche Daily Mail. Bereits vor 100 Jahren benutzte man Postkarten, um sich kurze tages­ak­tu­elle Meldungen zukom­men zu lassen:

Fans of Twitter and Facebook may believe they are pioneers in the world of social net­wor­king. But 100 years before micro-blogging and sta­tus updates, Edwardian Britain was using the hum­ble post­card for just the same pur­pose. […] Researchers have cal­cu­la­ted that almost six bil­lion post­cards — an aver­age of 200 per per­son — were pos­ted in Britain over a nine-year period from 1901 and 1910. Since post was deli­vered up to 10 times a day in major cities, the medium allo­wed users to write and respond quickly and cheaply.

Schau an, schau an — ganz ohne Steampunk wurde also schon damals mit gro­ßem Genuss über alle mög­li­chen Belanglosigkeiten gere­det. Smileys dürf­ten aller­dings noch nicht en vogue gewe­sen sein…

Twitter macht dumm

Judith aka Linzerschnitte Wer kurz­fris­tige Beachtung möchte, muss ein­fach nur was Dummes tun. Das haben die Terroristen und Amokläufer die­ser Welt dank der her­vor­ra­gen­den Mitarbeit des Erfüllungsgehilfen Massenmedium bereits mehr­fach bewie­sen. Wer für Gewalttätigkeit zu gut erzo­gen ist, der erreicht einen ähnli­chen und nach­hal­ti­ge­ren Effekt auch meist mit etwas Kulturpessimismus. Bester Beweis diese Woche: Dr. Stacy Alloway!

Wer viel Zeit mit sozia­len Netzwerken wie Facebook ver­bringt, ver­bes­sert ein Schlüsselelement zur Intelligenz, die für Erfolg in unse­rem Leben sorgt.(…) Twitter soll den gegen­tei­li­gen Effekt haben.

Genau. Und Computerspiele gene­rie­ren Massenmörder.

Papierverlagspaniken

ritchie aka datadirt Heulen und Zähneknirschen hin oder her: die klas­si­sche Verlagsbranche ist zum Sterben ver­ur­teilt, denn blö­der­weise wird die Erstellung des läs­ti­gen Kontännts, den man braucht, um die wei­ßen Flächen zwi­schen den Werbungen auf­zu­fül­len, immer teu­rer. Ohne neue Business-Modelle und Ideen sieht’s wirk­lich dus­ter aus, nur die Kronenzeitung in Öster­reich bleibt ver­schont, sonst müsste Armin Thurnherr am Ende noch sei­nen letz­ten Editorial-Stehsatz über den Mediamil-Komplex ändern. (Warum man den über­aus unsym­pa­thisch ver­bohr­ten Kriegstreiber-Deppen Cato den Älte­ren para­phra­siert, werd ich aller­dings nie ver­ste­hen.) Aber zurück zum Thema: The Equity Kicker hätte da ein paar Vorschläge, quasi Inspiration für ver­zwei­felte Verleger:

In the news indus­try, it is the news its­elf that has become abun­dant. Making a trip to the cor­ner shop and buy­ing a paper to find out what is hap­pe­ning in the world has shif­ted from being the only option to being the least good of a thousand opti­ons. I pre­fer to check Techmeme and Twitter, but there is the choice of thousands of other sites, aggre­ga­tors and ser­vices that can deli­ver to your desk­top or mobile. Moreover, there is no exclu­si­vity in news per se – get­ting the head­line from one place is pretty much equi­va­lent to get­ting it from another.

The good news is that every abun­dance crea­tes new scar­ci­ties and this is where the news indus­try must go to make money in the 21st cen­tury. The scar­ci­ties crea­ted (and enab­led) by abun­dant news are inte­res­ting sto­ries, thought pro­vo­king ana­ly­sis, con­ver­sa­tion and com­mu­nity, and trust/verification.

Tastaturshortcuts für den Google-Reader

ritchie aka datadirt “Eine Tastatur ist ein­fach schnel­ler als ne Maus / mit die­sen Shortcuts bin ich schnel­ler wie­der aus dem Reader raus”: Der Tägliche Webarbeiter hat Tipps zur Beschleunigung der RSS-Konsumation:

Google Reader has an exten­sive list of avail­able short­cuts. It would take quite a bit of effort to learn how to use them all, so in this post I’m just going to share those that I use every day to make traw­ling through my feeds a little bit faster.

Mein neuer Favorit: v wie View ori­gi­nal. Dieser Short-Cut öffnet den aktu­el­len Link in einem neuen Fenster. Auch nicht schlecht: Shift+a mar­kiert alle Beiträge des aktu­el­len Feeds als gelesen.

DJ-Mix der Woche

Nach Video und Foto nun auch noch der Mix der Woche: diese Rubrik wird aller­dings nicht jede Woche dabei sein, son­dern nur wenn wir zufäl­lig oder gezielt auf eine beson­ders gelun­gene Trackmontage sto­ßen — wie in die­ser Woche auf Update von DJ Sight (Duzz Down Recordings). Man muss kein Hip Hopper sein, um zu den funky Grooves, die der Zeremonienmeister da auf Soundcloud ser­viert, zu diggen!

Foto der Woche

Mit Eternal Wanderer ist Mamnaimie eine außer­ge­wöhn­li­che Schwarz-Weiß-Komposition gelun­gen — aber sehen Sie selbst:

Black-and-White Beach

Judiths Video der Woche

Zwar schon älter, aber eben wie­der­ent­deckt: Ein wei­te­rer Beweis, warum Katzen ein­fach nur cool sind. Vor allem mit­ein­an­der spie­lende Katzen. Die haben den retar­diert sab­bern­den, infan­ti­len Kötern ein­fach soooo viel vor­aus. [Anmerkung von rit­chie: diese Aussage spie­gelt nicht die Meinung des Blogbetreibers wie­der, son­dern deren genaues Gegenteil.] Voilá, das Katzenkatapult!

YouTube Preview Image

Ritchies Video der Woche

Meine Videos der Woche gibt’s heute aus­nahms­weise im Doppelpack — ich hab auf Vimeo zwei sehr schräge Animations-Filme gefun­den, zwi­schen denen ich mich nicht ent­schei­den konnte — “My Day” von Eamonn O’Neill und “The Tourist” von Animalcolm. Viel Vergnügen!


Lesetipps der Woche

  • Die Schweiz und ihre Finanzgeheimnisse: Der Tagesanzeiger infor­miert über eine schwie­rige Liebesbeziehung eine bevor­ste­hende Identitätskrise.
  • Und hier noch zwei unver­zicht­bare Inputs für Berufs-Paranoiker und scha­dens­be­gren­zende Online-Reputation Manager: TechCrunch berich­tet über eine Lücke in Friendfeed, dank derer man im Namen belie­bi­ger User Postings abset­zen kann (Bravo! Normalerweise lie­fern Hacker sol­che Features nach.), und Louis Gray hat in danke Google jede Menge Facebook-Notizen gefunden.
  • Der selbst­er­nannte deut­sche Twitteradel hat diese Woche ein hoch­pa­the­ti­sches Internetmanifest ver­öf­fent­licht. Nachzulesen zum Beispiel bei Stefan Niggemeier: eigent­lich nicht beson­ders lesens­wert und fast als pein­lich ein­zu­stu­fen, hat der TExt doch sein Gutes, näm­lich eine wesent­lich amü­san­tere Gegenbewegung: das Internet Moneyfest.

Und damit sind wir auch schon wie­der am Ende unse­rer Rückblickerei ange­langt. Wir dan­ken für Ihre Aufmerksamkeit, wün­schen schöne rest­li­che Sonntagsminuten und einen guten Start in die kom­mende Woche — und lesen uns morgen!

Input für WochenrückblickHaben Sie Vorschläge und Themen fürs daten­schmutz Wochenpanoptikum?
Gibt es aktu­elle Infos aus der wei­ten Welt des Web, die datenschmutz-Leser erfah­ren soll­ten?
Schicken Sie Ihre eige­nen News ein für den kom­men­den  — für jeden Eintrag gibt’s auf Wunsch einen Backlink! Hier geht’s zum Einreich-Formular.