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Blogistan Panoptikum KW38 2009

20.09.2009, geschrieben von , Keine Kommentare

Soeben noch auf der Futura-Showbühne, und schon wie­der mit­ten im Rückblicken: in den letz­ten drei Tagen war die Gadget-Dichte bei der größ­ten öster­rei­chi­schen Elektronik– selbst für meine Verhältnisse unge­wohnt hoch — eine Reihe von Podcasts folgt in den nächs­ten Tagen. Aber wir sind ja nicht hier, um nach vorne zu bli­cken, son­dern es geht… nach hin­ten los: sie­ben Tage nach hin­ten, um genau zu sein. Denn in der Blogosphäre geht Unheimliches vor: plötz­lich kann man mit Twitter tele­fo­nie­ren, Nintendo Games im Browser spie­len und Zeitungen, die aus­se­hen wie Zeitungen, online lesen. Linzerschnitte und data­dirt haben sich nicht erschre­cken las­sen und prä­sen­tie­ren Ihnen den furcht­lo­ses­ten Wochenrückblick aller Zeiten!

The Internet didn’t steal the audi­ence, we lost it.

autor judith Blogistan Panoptikum KW38 2009 Während die Verleger (und auch die Musikindustrie) hier­zu­lande noch den­je­ni­gen beschimpft und für ihren Misserfolg ver­ant­wort­lich macht, den sie eigent­lich tät­scheln und hät­scheln sollte, ist man in the US of Ä wie­der­mal einen Schritt wei­ter. Michael Skoler von der Nieman Foundation for Journalism der Harvard University hat sich damit beschäf­tigt, warum die Leser/Seher den Mainstream Medien abspens­tig gewor­den sind — und wie man sie gleich­zei­tig via Social Media zu Usern der eige­nen Angebote machen kann:

Only the sav­viest of jour­na­lists are using the net­works for the real value they pro­vide in today’s cul­ture — as ways to esta­blish rela­ti­onships and lis­ten to others. The bright news orga­niza­ti­ons and jour­na­lists spend as much time lis­ten­ing on Twitter as they do tweeting.

Wie weit Journalisten hier­zu­lande davon noch ent­fernt sind, zeigt ein Blick in die Followerlisten der “twit­tern­den” Reporter: Die meis­ten fol­gen fast aus­schließ­li­chen ihren Berufsgenossen. “Kollegenorientierheit” heißt der Fachausdruck für die­sen jour­na­lis­ti­schen Zugang, in dem es eher darum geht, die Kollegen mit dem eige­nen Fachwissen zu beein­dru­cken, als sich an der Zielgruppe zu ori­en­tie­ren. Nun denn, liebe twit­ternde Journalisten in Öster­reich — lernt mal schnell dazu, sonst fin­den eure klei­nen Plänkeleien bald unter Ausschluss der Öffent­lich­keit statt!

Dein TwitterFon macht Ring

autor ritchie Blogistan Panoptikum KW38 2009 Jajah launchte eine Telefonlösung für Twitter namens JAJAH@call, wie then­ext­web berichtet:

You’ll be able to make phone calls via Twitter free of charge to anyone in the world, so long as they fol­low you back and have JAJAH accounts.
@calls are made wit­hout revea­ling your num­ber and wit­hout nee­ding to know the num­ber of the per­son you wish to call – all you need is their Twitter username.

Klingt zu gut, um wahr zu sein? In der Tat könnte Jahjah damit ein gro­ßer Wurf gelun­gen sein, zumin­dest solange es den Providern wei­ter­hin gelingt, die tech­nisch unbe­grün­dete Trennung zwi­schen Sprach– und Datentelefonie wei­ter auf­recht zu erhal­ten. Ein Gespräch zu star­ten ist in etwa so schwie­rig, wie ein Tweet abzuschicken:

To make a call sim­ply send a tweet with “@call @username” where the ‘user­name’ is the Twitter name of the per­son you wish to call. If that per­son fol­lows you on Twitter, a free two-minute call – the ver­bal equi­va­lent of a Tweet – will be initiated.

Klingt span­nend, ich werd das sicher dem­nächst aus­pro­bie­ren — vor allem prak­tisch für kos­ten­spie­lige Auslandstelefonate.

Nintendo Games im Browser spielen

autor ritchie Blogistan Panoptikum KW38 2009 Stan Schroeder weist auf Mashable auf eine groß­ar­tige Zeitvertreibs-URL hin: mit Ben Firshmans JSNES Simulator kann man eine Reihe von älte­ren Nintendo-ROMs im Browser spie­len — die Emulation läuft kom­plett in JavaScript. Interessant nicht nur als Zeitvertreiben, son­dern auch als JIT-Compiler Kraftprobe. Und die ergibt erstaun­li­che Ergebnisse:

Yes, it works in () 3.5 and in Safari (Safari) 4, but thanks to its JavaScript opti­miza­ti­ons, it runs about 10 times fas­ter in Chrome.

Das ent­spricht eigent­lich ganz mei­nen Erfahrungen mit dem aktu­el­len 3.5er Feuervogel, der nicht nur im Vergleich zu Chrome, son­dern sogar zum 3er-Vorgänger unglaub­lich lahmt. Ich hoffe, dass die FF-Entwickler die Stabilitäts– und Performanceprobleme in den Griff bekom­men, denn auf­grund der Add-On Vielfalt ist Firefox für Webprofis nach wie vor unersetzlich.

Total bime­dial: Am Punkt

autor judith Blogistan Panoptikum KW38 2009 Persönliches Highlight der Woche war der Launch des neuen Diskussionsformat “Am Punkt” auf ATV und damit ver­bun­den der erste Einsatz für ein wei­te­res Datenschmutz-Linzerschnitten-und auch Subnet Gemeinschaftsprojekt. “Am Punkt” ist das erste bime­diale Format eines öster­rei­chi­schen Fernsehsenders und dank Subnet/Michi Kamleitner auch das erste Format mit einem Facebook Livestream. Das Prinzip ist ein­fach: Auf dem Weblog blog.atv.at/ampunkt wird mon­tags ein Thema für die Sendung ver­öf­fent­licht. Von die­sem Zeitpunkt an kön­nen User/Seher Fragen stel­len; per Mail (ampunkt@atv.at), via Video, Twitter oder Facebook. Während der Live-Sendung kommt noch der Facebook Livestream hinzu, der eben­falls am Blog ein­ge­bun­den ist. Sensationelles Ergebnis der Premiere: Mehr als 800 User-Kommentare über die ver­schie­de­nen Feedback-Kanäle — und ein Marktanteil von über 5 Prozent bei der eher fern­se­h­un­wil­li­gen Zielgruppe der 12 — 29-Jährigen. “Am Punkt” gibt’s immer mitt­wochs um 21.50 Uhr auf ATV.

ist keine Erfindung des Social Web

autor ritchie Blogistan Panoptikum KW38 2009 In Old School vs. New School Marketing beschreibt Lisa Barone eine lehr­rei­che Konversation mit ihrem Vater, dem sie einige Social Media Marketing Bücher geschickt hatte::

After rea­ding the books, he cal­led me this morning. To yell at me. In Italian.
What the hell was wrong with me? Why was I insul­ting him? Did I think he was an idiot? He’s a suc­cess­ful busi­ness man. He knows all about trust and cust­o­mers and buil­ding rela­ti­onships and run­ning a small busi­ness. He had been doing it for years. The infor­ma­tion I sent him was not­hing new. Why haven’t I lear­ned to cook yet?

Fazit des Artikels: Vertrauen war schon immer der wich­tigste Erfolgsfaktor, aller­dings trägt das Internet den Word-of-Mouth Effekt weit über geo­gra­phi­sche Grenzen hinaus:

The basic prin­ci­ples of busi­ness and mar­ke­ting haven’t chan­ged. However, that doesn’t mean people are any bet­ter about imple­men­ting them. Today’s empowered con­su­mer means that “the basics” are more import­ant than ever. Because now if someone doesn’t like you, it’s not just them and their three fri­ends that hear about it. We all hear.

Big G News: Google kauft reCAPT­CHA und launcht Fastflip

autor ritchie Blogistan Panoptikum KW38 2009 Die all­ge­gen­wär­ti­gen Captchas ner­ven Internet-User jeden Tagen — und sind doch eines der weni­gen pro­ba­ten Mittel gegen die total Ver-Spam-Bottung des Internet. Das popu­läre und von vie­len Third-Party Webmastern ein­ge­setzte reCAPT­CHA System zeich­net sich durch Crowd-Sourcing-Mehrwert aus, die User grei­fen OCR-Software bei schwie­ri­gen Fällen sozu­sa­gen unter die Arme:

But there’s a twist — the words in many of the CAPTCHAs pro­vi­ded by reCAPT­CHA come from scan­ned archi­val news­pa­pers and old books. Computers find it hard to reco­gnize these words because the ink and paper have degra­ded over time, but by typ­ing them in as a , crowds teach com­pu­ters to read the scan­ned text.

Das Google sich nun reCAPT­CHA ein­ver­leibt hat, ist nur kon­se­quent — der Mehrwert für Google Books ist gewal­tig. Und wo wir schon beim Thema Papier sind: eben­falls ver­gan­gene Woche launchte Google offi­zi­ell den neuen Newsreader Fastflip:

Fast Flip is a new rea­ding expe­ri­ence that com­bi­nes the best ele­ments of print and online arti­cles. Like a print maga­zine, Fast Flip lets you browse sequen­ti­ally through bund­les of recent news, head­lines and popu­lar topics, as well as feeds from indi­vi­dual top publis­hers.
[…]
To build Google Fast Flip, we part­ne­red with three dozen top publis­hers, inclu­ding the New York Times, the Atlantic, the Washington Post, Salon, Fast Company, ProPublica and Newsweek. These part­ners will share the reve­nue ear­ned from con­text­ually rele­vant ads. This gives publis­hers an oppor­tu­nity to intro­duce new rea­ders to their con­tent. It also tests our theory that being able to read arti­cles fas­ter means people will read more of them, dri­ving more ad reve­nue to publishers.

Auffällig ist, wie stark sich Fast Flip an kon­ven­tio­nel­lem Print-Layout ori­en­tiert — und noch bemer­kens­wer­ter finde ich, dass tra­di­tio­nelle Verlagshäuser im Taumel des Niedergangs sich wohl lang­sam mit der Vorstellung abfin­den, zukünf­tig als Content-Generatoren mit Affiliate-Beteiligung zu über­le­ben, bis sie dann end­lich von Google gekauft wer­den frog6 Blogistan Panoptikum KW38 2009

Details zum neuen Twitter ReTweet-API

autor ritchie Blogistan Panoptikum KW38 2009 Wir haben bereits dar­über berich­tet, dass Twitter die bis­lang “infor­melle” ReTweet Funktion (also das Kennzeichnen von wei­ter­ge­lei­te­ten Tweets mit RT, quasi ein Pendant zum E-Mail Forward) in die nächste API-Version als Core-Feature inte­grie­ren wird. CNET News kennt einige Details zur Implementation. Besonders span­nend: der ReTweet-Faktor könnte sich zu einer Art Pagerank-Äquivalent ent­wi­ckeln — und bei mehr als 100 ReTweets gibt’s einen Cut-Off:

What’s inte­res­ting is that the new for­mat, assu­ming that this is how the time­line ends up loo­king, can pro­vide a quick, one-glance way to see just how influ­en­tial a given Twitter user or indi­vi­dual tweet is, adding a new dimen­sion to mea­su­ring Twitter influ­ence beyond the fol­lo­wer count. If you see a lot of little ret­weet icons, for example, you might stop and take a clo­ser look at a tweet (or the user behind that tweet) that you might other­wise have skim­med past.
What’s also inte­res­ting is that it looks like ret­weet counts get cut off at 100, with hig­her ones dis­played as sim­ply “100+.” I’m gues­sing that, say, CNN Breaking News gene­rally gets a lot more than that.

Wie werde ich am häu­figs­ten ge-re-tweet-et?

autor judith Blogistan Panoptikum KW38 2009 Gespannt war­tet die Twitteria bereits auf die Implementierung des neuen “Retweet” Features auf Twitter. Erste Einblicke gibt es bereits (siehe vori­gen Beitrag) — und auch eine gewisse Retweet-Müdigkeit bei dem einen oder ande­ren Twitteruser lässt sich nicht von der Hand wei­sen. Die Karrierebibel hat sich diese Woche mal Retweet-Statistiken genauer ange­se­hen und den bes­ten Zeitpunkt aus­fin­dig gemacht, um einen Retweet-werten Tweet aus­zu­sen­den: Immer mitt­wochs, gegen 17 oder 22 Uhr. Und dazu gibt’s noch fol­gende Tipps:

  • Schreiben Sie kei­nen Eintrag, der län­ger ist als durch­schnitt­lich 120 Zeichen (140 ist das Maximum bei Twitter). Grund: Die ande­ren brau­chen noch Platz für den ReTweet-Kopf: RT @IhrName.
  • ReTweeten Sie selbst. Wer sich an der Mundpropaganda nicht betei­ligt, kann auch nicht auf eige­nen Tratsch hof­fen. Über­trei­ben soll­ten Sie es aber auch nicht damit.
  • Wenn Sie ret­wee­tet wer­den möch­ten, sollte Ihr Eintrag auch einen Nutzen bie­ten. Ob Humor, Erkenntnisse oder eine inter­es­sante Fundstelle im Netz – alles ist erlaubt. Nur keine Selbstpreisungen.

.

Comicempfehlung: Ulli Lusts Autobiographie

autor judith Blogistan Panoptikum KW38 2009 “Heute ist der letzte Tag vom Rest dei­nes Lebens” heißt der auto­bio­gra­phi­sche Comic mei­ner lie­ben Freundin Ulli Lust. Und im Gegensatz zu uns Normalsterblichen hat Ulli vor allem eines: etwas zu erzäh­len. Ach ja, und auch das Talent, diese Erzählungen kunst­voll in Worte und Bilder zu fas­sen. Mit 17 Jahren setzte sich die dama­lige Punkerin Ulli mit einer Freundin per Autostopp für zwei Monaten nach Sizilien ab und lernte dort das Leben von sei­nen schö­nen und auch sehr unschö­nen Seiten ken­nen. Mafia, harte Drogen, Vergewaltigung und fal­sche Freunde inklu­sive. 25 Jahre spä­ter hat sie diese Reise in einer Comic Autobiographie fest­ge­hal­ten, von der die FAZ meint, er sei eine Sensation.
Eine Leseprobe gibt’s im PDF-Format, Ullis elek­tro­ni­scher Comicverlag ist unter Electrocomics.com zu fin­den, bei Amazon kann man bereits vor­be­stel­len Blogistan Panoptikum KW38 2009

Foto der Woche: Checking the Hood

Laertes hat Oola auf ihrem Wachtposten geknipst. Dass Hunde auf­merk­sam ihre Umgebung stu­die­ren, ist nicht wei­ter außer­ge­wöhn­lich — die Sitzposition dage­gen durchaus:

oola Blogistan Panoptikum KW38 2009

Ritchies Videos der Woche

Diese Woche konnte ich mal wie­der nicht ent­schei­den — zuerst mal zum Ernst des Lebens: Das AdWords System ist weder ein Buch noch trägt es sie­ben Siegel — aller­dings fällt es Anfängern nicht gerade leicht, die Entstehung des AdRanks zu ver­ste­hen, der einen gra­vie­ren­den Einfluss auf den Klickpreis hat. Dieses Video besei­tigt alle Klarheiten: Googles Chefbuchhalter Hal Varian erklärt, wie die Ad Auctions funk­tio­nie­ren: ein Must-See für jeden AdWords-Nutzer!

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Noch unter­halt­sa­mer: Facebook Manners and you. Großartiges Tutorial über Beziehungs-Dos and Don’ts im Stil von 50er-Jahre Benimmfilmchen:

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Judiths

Nachdem Herr Datenschmutz auch diese Woche wie­der den einen oder ande­ren Wuff bemüht, um Sie, werte Leser, auf die Hundeseite zu zie­hen, muss auch etwas für die Katzenseite getan wer­den. Und die lie­ben Kätzchen machen es mir ein­fach — denn selbst beim Wassertrinken sind Katzen ein­fach nur cool,. Verschwenderisch, aber gera­dezu gottgleich.

0 Blogistan Panoptikum KW38 2009

Lesetipps der Woche

  • Nicht unbe­dingt zum Lesen, aber dafür zum Angucken und ver­wen­den: Six Revisions hat 22 “Awesome Adobe Air Applications for Designers” zusam­men­ge­stellt — nicht alle sind Awesome, aber Freeware-Freunden fin­den durch­aus einige Schmankerl.
  • Auf 3rd Party Betreiber ange­wie­sen zu sein, kann sich schnell als Bumerang erwei­sen — Andy Oram argu­men­tiert am O’Reilly Radar aus­führ­lich für dezen­tra­li­sierte Social Networks.
  • Gefundenes Fressen für Geeks mit Faible für his­to­ri­sche Forschungen: die Geschichte der aug­men­tier­ten Realität
  • Das Weiße Haus stellt einen Social Media Archivar ein — Mashable kennt die Job Description.

Und damit sind wir auch schon wie­der am Ende unse­res Rückblicks ange­langt — vie­len Dank für Ihre . Nächste Woche wer­den auf daten­schmutz die Gewinner der Albertina-Führung und des Herzlos-Krimis bekannt gege­ben — blei­ben Sie dran! Linzerschnitte und data­dirt wün­schen einen wun­der­schö­nen Restsonntag, wir lesen uns morgen.

icon input Blogistan Panoptikum KW38 2009Haben Sie Vorschläge und Themen fürs daten­schmutz Wochenpanoptikum?
Gibt es aktu­elle Infos aus der wei­ten Welt des Web, die datenschmutz-Leser erfah­ren soll­ten?
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