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Blogistan Panoptikum KW45 2009

Willkommen zum Blogistan Panoptikum. Viel Wundersames gibt es diese Woche wieder zu berichten von Twitter Listen, Wave-Anleitungen und Social Media Kampagnen. Ritchie fliegt übrigens morgen zum World Blogging Forum und wird live vom der Konferenz berichten, allerdings nicht hier, sondern ausschließlich auf datadirt.net, damit die nicht-deutschsprachige Web 2.0 Interessierte und Konferenzbesucher ebenfalls mitlesen können. Aber nun ohne weitere Umschweife zu unseren Highlights aus den letzten sieben Tagen Social Media Wahnsinn:


Was darf der Cheffe auf Facebook?

Pete, Mitautor eines kürzlich erschienen Sammelbandes zur Kritik des globalen Kapitalismus hat auf der Mailingliste der Forschungsgruppe Internet auf eine bemerkenswerte Case Study zum Thema Reputation Management hingewiesen. Üblicherweise packen Chefs in gängigen Eskalations-Szenarien, in denen Mitarbeiter ob defätistischer Äußerungen oder kompromittierenden Facebook-Fotos gekündigt werden, die Repo-Man Keule aus. Bei Chip Conley, seines Zeichens erfolgreicher Hotelier, lief’s andersrum – Chips Mitarbeiter waren nicht gerade erfreut über die Burning-Man Fotos ihres Bosses – dessen Fazit verdient ein Zitat:

And this is where I can get into trouble. What, exactly, does it take to damage the image of the company? Sometimes it’s straightforward — employees can’t, for example, write about trade secrets — but other times, it’s not. What if pictures emerge of a desk host drinking from a beer bong at a football game, or decked out in an S&M getup at an underground club? I’d have no problem with that, although I know plenty of CEOs who would. To me, that’s an employee’s private life. Take it a step farther — the employee is shown stealing municipal signs, for instance — and I would have a problem with it. Even worse would be if that employee is wearing a Joie de Vivre shirt. In other words, it’s a case-by-case basis.

Videocamp Vienna 2010

Minibarcamps, Foocamps, allgemeine Barcamps, Themenbarcamps, abgesagte Barcamps – der österreichische Barcamp Markt boomt wie nie zuvor. Fast wöchentlich kommen neue Termine auf barcamp.at hinzu. Und zuletzt auch einer, der den Panoptikum Autoren besonders am Herzen liegt, da wir beide Teil des Organisationsteams sind: Ladies and Gents, Guys and Gals – wir laden herzlich ein zum ersten und bisher einzigen österreichischen Videocamp!

Das Videocamp wird am 30. Jänner im Mediaquarter Marxpalast stattfinden. Mitorganisatoren sind unter anderem Helmuth Bronnenmayer (Datenwerk) und Fabian Topfstedt, über Team-Verstärkung sind wir dankbar. Thematisch wird es beim Videocamp um alles gehen, was mit dem Thema Online-Video zu tun hat: Produktionstechnischer Input (Hardware, Software), gestalterische Aspekte, Vermarktung etc., alle Themen sind willkommen. Infos und Anmeldungen unter: http://barcamp.at/Videocamp_2010.

Anm. von Ritchie: Ich werde eine Session über die Technik und ein mögliches Setup für den HD-Video Workflow halten. Über Anregungen freu ich mich!

Amazon: mo money, mo Twitter, mo problems?

„Will Amazon Twitter mit Spam überfluten?“ fragt ReadWriteWeb. Letzte Woche ging der betreffende Newsletter an die Affiliates raus: ab sofort kann man von Amazons Affiliate-Quickleiste aus direkt Produktlinks auf Twitter veröffentlicht. Mir persönlich hat diese Funktion schon lange gefehlt, RWW sieht böses Potential für undisclosed AdPlacement – wird Twitter endgültig zum Fernsehsender?

The problem with this sort of „hidden“ advertising, though, is exactly that: it’s hidden. This is the internet’s version of „product placement“ – subtle advertising in plain sight yet never clearly identified as such. Was your favorite TV star using a Macbook? Was he drinking a Coke? Already commonplace in Hollywood, these almost subliminal advertising messages permeate our consciousness every time we turn on the TV. Now that same sort of hidden ad will soon show up in the Twitter streams of your favorite tweeters.

Und TechCrunch wundert sich über den hohen Tolanzlevel der Twitter-Gründer gegenüber Affiliate-Modellen:

Something else to think about: A lot of blogs disclose when they’re supplying you with a referral link that they will make money from (though certainly not all of them). But on Twitter, that’s going to be hard for people to do even if they wanted to because of the 140 character limit. Other social sites, like MySpace, for example, do not allow you to post affiliate links. Twitter, it would seem, has no problem with this.

Wer die eigene Meinung kundtun möchte, versieht seine Tweets mit dem Hash-Tag #AMZNSOT – das ist der „offizielle“ Feedback-Tag, die Meinungen sind bislang definitiv stark divergierend.

„Lass‘ uns doch mal was mit Social Media machen“

Der Satz scheint bei Corporates und Agenturen zurzeit gleichermaßen überstrapaziert zu werden. Das Ergebnis sind viele teure und häufig schwer peinliche Ausflüge von schlecht beratenen Corporates in die Welt der sozialen Medien, wo bereits die Branchenkollegen darauf warten, einem endlich mal – geschützt durch ihren Nickname – so richtig eins reinwürgen zu können. Die schlaueren hingegen wissen bereits: Social Media ist keine Kampagne, sondern Digital Relations:

Social Media ist eine solche Art der Kommunikation, die vertrauensbildend wirken muss und durativ stattfindet. Wer gerade im Bereich Social Media in Kampagnenmustern denkt, sieht ein Anfang und ein Ende und verkennt so die Möglichkeiten von Social Media. Zumal es in meinen Augen nicht vertrauensbildend ist, User zu begeistern, sie zu motivieren, um dann nach wenigen Wochen oder Monaten den Stecker zu ziehen.

Google Wave User Manual

Bereits seit einigen Wochen bin ich (@digiom sei Dank) in die erlesene Runde der Google Waver aufgenommen. Da mein Corporate Life immer noch von erzwungenem Internet Explorer Einsatz geprägt ist, kann ich nur privat waven – und dieser Umstand hat bei mir bisher den Eindruck erweckt, dass Googles neues Service nur ein weiteres Tool für mehr oder weniger verzichtbaren Rudelspam ist. Dieses User Manual zeigt allerdings, dass Wave doch noch mehr kann. Wer wissen möchte, wie man eine Wave embedded, und was ein Wavelet oder ein Blip ist, arbeitet sich durch the complete wave guide. Etwas kürzer gibt’s die essentiellen Infos auch bei Mashable. Wussten Sie beispielsweise, dass Wave auch übersetzen kann?

Natural language: Google Wave can autocorrect your spelling, even going as far as knowing the difference between similar words, like „been“ and „bean.“ It can also auto-translate on-the-fly.

Voll im Stress? Dann sollten Sie zumindest einen Blick auf diesen Artikel werfen, der unter anderem erklärt, wie man Audio-Dateien via Wavelet shared: Don’t Miss These 5 Things About Google Wave!.

Wie sollten Tweets ranken?

Loic Le Meurs Vorschlag, dass Twitter doch einen Authority Rank bei der Suche einführen soll, der auf der Zahl der Followers basiert, hat für zahlreiche und heftige Reaktionen (über 100 Antworten unter anderem von Michael Arrington und Scobble) gesorgt:

What we need is search by authority in Twitter Search. Technorati had nailed it years ago by allowing searches filtered by number of links the blogger had. It would be very easy for Twitter to add an authority line in their search criteria, with the number of followers so that you can search for say, only people who have more than a thousand followers and see what they say. React as fast as you can for criticism from them. It is not a criteria for being smart or not, but clearly a criteria for how fast something can spread.

Hutch Carpenter findet diesen Vorschlag zu kurz gegriffen und rät zum Heranziehen einer anderen Kennzahl, nämlich der Klickhäufigkeit auf Tweet-Links:

Once these tweets are in the Google and Bing search results, the clicks can be measured. These are powerful bases for measuring someone’s authority.
I’d add a measure for how often a shared link is clicked; say bit.ly’s click information. While the actual number of clicks tracked by bit.ly is wrong, let’s assume it’s wrong in a similar fashion for everyone. So the bit.ly clicks counts can give a measure of relative effectiveness in providing content.

Eine Kombination aus beiden Faktoren wäre sicherlich nicht die dümmste Idee – mal schauen, vielleicht kann ich Loic in Bukarest ja vor der datenschmutz-Cam dazu befragen.

Large Hadron Collider versus Baguette 0:1

Vor mehr als einem Jahr durfte der 3 Milliarden Euro Large Hadron das erste Mal loslegen – doch die Freude währte nicht lange und der LHC kackte sogleich wieder ab. Nix mit schwarzen Löchern und Weltuntergang, die manch ein Superhirn versprochen prophezeit hatte. Als Grund des Versagens wurde eine Temperaturüberhöhung angegeben. Nun scheint es eine genauere Erklärung des Vorfalls zu geben: Anscheinend hat ein Stück Baguette auf den Stromschienen zu einem Kurzschluss geführt…. Nun ja, bald soll das Experiment LHC in die nächste Runde gehen – sofern nicht wieder ein Mitarbeiter im LHC frühstückt.

Ritchies Video der Woche

Moviento Natural – Natural Movement von Nilo Merino Recalde besteht aus sage und schreibe 17.464 einzelnen Fotos, die mit einem Intervallometer (ist z.B. im Extra-Batteriegriff integriert) aufgenommen und anschließend im Stop-Motion Verfahren zusammengesetzt wurden. Beeindruckend!

Lesetipps der Woche

  • Flughunde praktizieren Oralsex: klingt komisch, weil die lieben Tierchen dieser an sich zutiefst menschlichen Spielart der Sexualität eher nicht zugeneigt sind. Warum in diesem Fall doch, weiß der Spiegel auch nicht.
  • Wie mit den Listen tun? Mashable hat einen Guide zu unserer neuen Twitter-Lieblingsfunktion erstellt.
  • Nicht zum Lesen, aber zum Gucken: Penn Olson hat seine persönlichen Viral-Video Favoriten für den Monat Oktober veröffentlicht.
  • Peter Sloterdijk ist keine Ökonomie-Experte: der Freitag hat einige lesenswerte Anmerkungen zur Wirtschafts“theorie“ des Philosophen. [via @Kaboa]

Und das war’s auch schon wieder mit der dieswöchigen Zurückblickerei – a posteriori danke für Ihre Aufmerksamkeit, a priori danke für Ihre Anmerkungen und Kommentare. wir wünschen Ihnen geruhsame Restsonntags-Minuten, einen angenehmen Start in die kommende Woche und: wir lesen uns morgen im Social Web!

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