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Blogistan Panoptikum KW48 2009

29.11.2009, geschrieben von , Keine Kommentare

Exakt sie­ben Tage zogen seit dem letz­ten ins Land — also genau der pas­sende Zeitblick, um Rückschau zu hal­ten auf die blo­go­sphä­ri­schen Geschehnisse der ver­gan­ge­nen Woche. Und offen­sicht­lich haben Geeks welt­weit bis­lang auf den Besuch von Weihnachtsmärkten (“Werft die Krämer aus dem Haus mei­nes Vaters!” soll der Sohn von Michael Häupl mal gesagt haben) weit­ge­hend ver­zich­tet: ander­wei­tig wäre kaum erklär­bar, wie schon wie­der so viel pas­sie­ren konnte. Google führt (fast unbe­merkt) Breadcrumbs ein, die neuen Trends lau­tet Foursquare und Megablogging. Gleich kön­nen Sie mit all die­sen neuen Buzzwords was anfan­gen, denn Linzerschnitte und daten­schmutz haben die Chronik soeben fer­tig gestellt.

Wer wird Wiener Bürgermeister?

autor ritchie Blogistan Panoptikum KW48 2009 Diese Frage stel­len sich der­zeit die Nutzer von foursquare.com. Kein ande­res freut sich über der­ar­tige Zuwachsraten im Geek-Segment, seit Judith letzte Woche über den neu­es­ten Hype am Sektor “frei­wil­lige Lokalisierung” berich­tete. Denn Über­wa­chungs­ka­me­ras waren ges­tern — heute machen wir unsere “check ins” frei­wil­lig, und wer einen Ort am häu­figs­ten besucht, wird — zumin­dest solange, bis ihn ein ande­rer User von der Spitze der Georeferenzierungs-Pyramide ver­drängt — zu des­sen “Mayor”.

Im ers­ten Moment hab ich ja auf eine Viral-Kampagne von Qype getippt, aber denen trau ich nicht genug Originalität zu. Viel mehr als die Eincheck– und Shout-Funktionen bie­tet die Plattform bis­her noch nicht — trotz­dem mei­nen wir: das Ding könnte Zukunft haben, denn Foursquare ist sim­pel und auf den ers­ten Blick voll­kom­men sinn­los: und das sind, wie uns Twitter gezeigt hat, wohl die bes­ten Voraussetzungen für einen lang anhal­ten­den Hype. Obwohl Michael Arrington da durch­aus gewisse Bedenken hat:

But all this time I’ve had a nag­ging fee­ling that Foursquare, at least in its cur­rent form, is not going to be the next Twitter, as some people have con­clu­ded. Because as good as Foursquare is at figu­ring out where and what your fri­ends are up to, they can’t hope to com­pete with Facebook. That is, if Facebook does Geo right.

Wer sich für das Potential von Foursquare näher inter­es­siert, sollte sich Zeit neh­men für die­ses aus­ge­dehnte Posting — Michael ver­mu­tet, dass der spie­le­ri­sche Aspekt der Badges nur kurz­fris­tige Anreize bie­tet und spricht davon, dass sich in 2 Jahren nie­mand mehr für die Zahl der Logins inter­es­sie­ren wird. Ich denke, in 24 Monaten wer­den sich die Betreiber noch eini­ges ein­fal­len las­sen. Ob der Vorsprung reicht, muss sich aber tat­säch­lich erst zei­gen: die Gerüchteküche weiß, dass Facebook in Kürze mit eige­nen Services star­ten will.

Commercializing Twitter

autor judith Blogistan Panoptikum KW48 2009 Manch Realitätsverweigerer im Alpenvorland mag noch immer glau­ben, dass Twitter ein Tool zur Befriedigung per­sön­li­cher Kommunikationsbedürfnisse sei und jeden ver­flu­chen, der nicht nur unei­gen­nüt­zig lau­nige Tweets mit rei­nem Herzen verschickt.

Doch ein­mal mehr wird klar, wohin es mit Twitter gehen wird — und wohl auch gehen soll, zumin­dest um Geld zu ver­die­nen: Twitter wird ab Anfang 2010 Commercial Accounts laun­chen. Hoffen wir, dass das Ganze nicht so ein Feature Desaster wird wie zuletzt bei den Twitter Lists und beim Retweet Feature. Was soll das neue Feature kön­nen? Techwatch weiß Näheres:

The paid-for com­mer­cial accounts would offer extra ser­vices. Talking to the BBC, Stone said “You will be able to pay for an addi­tio­nal layer of access to learn more about your Twitter account – get some feed­back, some ana­lytics, become a bet­ter ‘Twitterer’.”

Was aber ist nun ein “Commercial Tweeper”? Interessiert es mich nicht auch als Casual User, für wel­che Themen meine Follower sich inter­es­sie­ren und wel­che Links sie kli­cken? In Anbetracht der oben erwähn­ten Feature-Unausgereiftheiten darf man sich ein biss­chen Sorgen machen, wer nun als Commercial Tweeper gel­ten wird und wel­che Bürden einem auf­er­legt werden.

Die Zukunft hat kei­nen Log-In Button

autor ritchie Blogistan Panoptikum KW48 2009 Ich nutze für auto­ma­ti­sierte Log-Ins seit lan­gem das geniale Roboform, das unglaub­lich viele Copy-Paste spart und noch dazu mul­ti­ple Identitäten per­fekt ver­wal­tet, schließ­lich sind wir Social Web Pros manch­mal alle ein biss­chen schizo. Ein sol­ches Helferlein könnte für Firefox-User aber bald über­flüs­sig wer­den, wie ReadWriteWeb berichtet:

Firefox gets dis­tri­bu­ted social net­wor­king and iden­tity . The good people who work on the revo­lu­tio­nary, open-sourced, and occa­sio­nally mali­gned brow­ser have been hard at work on making cross-site navi­ga­tion and por­ta­ble IDs a solvable pro­blem. A dis­crete but­ton to the left of the URL that can tell users whe­ther or not they are log­ged in to a par­ti­cu­lar site and allow them to log in wit­hout fur­ther navigation

Details zur Implementierung und Screenshots gibt’s im Weblog von Mozilla-Entwickler aza­rask. Mehr in theo­re­ti­sche Spekulationen als in die Frage der prak­ti­schen Umsetzung ver­tieft sich ein aus­führ­li­cher Beitrag auf Stay’n’Alive: The Future has no Log In Button:

For this to hap­pen we need more invol­ve­ment from all. Maybe I’m crazy, but this future is as clear as day for me. I see a future where I go do what I want to do, when I want to, and I get the exact expe­ri­ence I asked for. This is ent­i­rely pos­si­ble. Why aren’t we all focu­sing on this?

Aber tun wir doch ohne­hin! Wird wohl bloß noch ein Weilchen dau­ern elk Blogistan Panoptikum KW48 2009

Crowd Fail

autor judith Blogistan Panoptikum KW48 2009 Wikipedia, die fünft­häu­figst geklickte Website der Welt, ist so sup­rig, dass einem fast die Superlative aus­ge­hen. Man fin­det bei­nahe jede nur erdenk­li­che Info, die Inhalte sind mitt­ler­weile so gut, dass man beden­ken­los fürs Unireferat Copy-Pasten kann, die Enzyklopädia Britannica wurde sowohl in Bezug auf Qualität der Artikel wie auf Aktualität mei­len­weit abge­hängt und am sup­rigs­ten: Die Schwarmintelligenz. Wisdom of the Crowds. Ein Märchen, das wahr gewor­den scheint. Leider ist nicht alles so rosig im Reich von Wikipedia und sei­ner Schwarmintelligenz. Denn wie wir alle aus der Schule, von der Uni oder aus dem Berufsleben wis­sen: So schön es sein kann, wenn man in Gruppen arbei­tet — meist gibt es nichts schlim­me­res, als in Gruppen arbei­ten zu müs­sen. Und dies scheint zuletzt auch die Motivation der frei­wil­li­gen Wikipedia Mitarbeiter zu sein:

Wikipedia is beco­m­ing a more hos­tile environ­ment,” cont­ends Mr. Ortega, a pro­ject mana­ger at Libresoft, a rese­arch group at the Universidad Rey Juan Carlos in Madrid. “Many people are get­ting burnt out when they have to debate about the con­t­ents of cer­tain arti­cles again and again.” […] Wikipedia’s strugg­les raise ques­ti­ons about the evo­lu­tion of “crowd­sour­cing”, one of the Internet era’s most che­ris­hed prin­ci­ples. Crowdsourcing posits that there is wis­dom in aggre­ga­ting inde­pen­dent con­tri­bu­ti­ons from mul­ti­tu­des of Web users. It has been pro­mo­ted as a new and bet­ter way for large num­bers of indi­vi­du­als to col­la­bo­rate on tasks, wit­hout the rules and hier­ar­chies of tra­di­tio­nal organizations.”

Klingt nach Crowd Ebbing.…
Ein inter­es­san­tes Beispiel von Crowd Fail, dem Versagen der Schwarmintelligenz beschreibt übri­gens Jaron Larnier auf edge.org.

Neu in den Google-SERPs: Brotkrumen

autor ritchie Blogistan Panoptikum KW48 2009 Für erhitzte SEO-Gemüter (aber ande­rer­seits gilt das für jedes Posting am offi­zi­el­len Google-Blog) sorgte kürz­lich die Ankündigung des neuen Format “Breadcrumbs” in den Suchergebnissen:

The new dis­play pro­vi­des valu­able con­text and new navi­ga­tion opti­ons. The chan­ges are rol­ling out now and should be avail­able glo­bally in the next few days.
Some web addres­ses help you under­stand the struc­ture of the site and how the spe­ci­fic page fits into the site hier­ar­chy. For example, con­sider a search for the bio­gra­phy of Vint Cerf (Google’s Internet Evangelist). The URL for one result, “www.google.com/corporate/execs.html,” shows that the page is loca­ted in a page about “execs,” under “cor­po­rate,” which is on the “google.com” site. This can pro­vide valu­able con­text when deci­ding whe­ther to click on the result.

Klingt unver­ständ­lich? Am Screenshot wird das ganze Ausmaß des Dramas sofort klar:

pano google Blogistan Panoptikum KW48 2009

Klingt auf den ers­ten Blick gut, hat aber viel weni­ger mit Usability als mit Markt-Protektionismus zu tun, wie John On völ­lig zutref­fend anmerkt:

In the example Aaron pro­vi­ded, Google has repla­ced a very hel­pful, mea­ningful and rich URL with a much less rele­vant bre­ad­crumb. But Google wants ever­yone to watch how those bre­ad­crumbs help aver­age web sites, because Google doesn’t want you to look behind the cur­tain. […] This URL remo­val is an anti-competitive prac­tice that seeks to hin­der the efforts of com­pa­nies that re-sell Google’s data, whe­ther they be SEO rese­arch ser­vices or re-purposers (scra­pers). It is the uni­que URL (and uni­que domain name) that enab­les ever­yone else to make money on the web. As long as every con­su­mer has to go through Google to find a web page, Google has a chance to take a piece of the profits.

Und warum macht das über­haupt einen Unterschied, wo die Seiten doch auf den SERPs ver­linkt sind? Nun, dazu muss man sich vor Augen hal­ten, dass Google in den letz­ten Monaten immer mehr Links durch Redirects ersetzt hat — in der Tat deu­tet die ganze Entwicklung stark drauf hin, dass in abseh­ba­rer Zeit keine Third Party Applikation mehr umfas­sende Einsicht in Googles Spielweise haben wird.

Von Micro– und Mega-Bloggern

autor ritchie Blogistan Panoptikum KW48 2009

I don’t think “mega-blogging” is actually a thing, I just made it up to make the title sound more dra­ma­tic. But if mega-blogging were a thing, you would do it with WordPress. Micro-blogging is a thing, ash a lot of people do it with Twitter.

Von wem könnte die­ses Zitat wohl stam­men? (Es folgt eine Nachdenk-Leerzeile.)

Genau — Matt Mullenweg hat sich Gedanken über Twitter vs. WordPress, oder genauer gesagt über Twitter neben WordPress gemacht. Auslöser war ein Statistik-Posting auf TechCrunch mit dem inhalts-erklärenden Titel Blogging Vs. : Twitter’s Global Growth Flattens, While WordPress’ Picks Up.

Vor eini­gen Monaten war ja mal die Rede davon, dass Micro-Blogging “nor­male” Weblogs mit­tel­fris­tig ver­drän­gen wür­den. Dabei han­delte es sich aber, was schon damals klar ersicht­lich war, um eine grobe Fehleinschätzung: die bei­den Formaten leis­ten Unterschiedliches, ergän­zen sich aber her­vor­ra­gend. Und ohne “Mothership” lässt sich’s im Social Web nun mal schwer navi­gie­ren. Matt spricht aber auch ein Thema an, das mir auch schon eini­ges an Kopfzerbrechen berei­tet hat:

How tweets get impor­ted into a blog is still an open ques­tion for me. I’ve seen lots of ways people have attemp­ted it but when a blog beco­mes an activity stream it beco­mes a weak ver­sion of all the things it aggre­ga­tes, less than the sum of its parts, because of the loss of context.

Judiths Video der Woche

Nach einer har­ten Woche in Social Media Land kann nur eines hel­fen — Katzencontent. Dieser ist so süß, dass Diabetikern vom Genuss abge­ra­ten wer­den muss!

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PS: Keine Sorge, der Katzencontent wird mir nieeeee ausgehen!

Ritchies Video der Woche

This week in Startups” heißt der Video-Podcast von Jason Calacanis — letzte Woche waren Programmier-Guru Joel Spolsky und WordPress-Mastermind Matt Mullenweg zu Gast: abso­lut sehens­wer­tes Interview für alle, die sich schon mal gefragt haben, wie das popu­lärste CMS der Welt eigent­lich ent­stan­den ist.

Lesetipps der Woche

  • Über gutes, schö­nes und rich­ti­ges (=–freund­li­ches) Copywriting ward schon viel berich­tet — Justin Goffs Guestposting bei Shoemoney ent­hält wenig Bla-Bla und viel prak­tisch umsetzbares.
  • Was sind die “wah­ren Gründe” für Googles Entscheidung, OS auf den Markt zu brin­gen? Verschwörungstheorien blü­hen, aber Vijay Pandurangans Spekulationen haben durch­wegs Hand und Fuß, immer­hin hat der sechs Jahre lang für Big G an ein­fluss­rei­cher Position gearbeitet.
  • Twitter lei­det an Besucherschwund, ver­mel­det Nielsen. Wie wir gelernt haben, sollte man Nielsen nie­mals glau­ben und immer noch ein zwei­tes Mal hin­se­hen bzw. rein­le­sen.
  • Schlechte Zeiten für Raucher. Zum Siebenhundertfantastillionstenmal. Wer raucht, altert schnel­ler, stirb frü­her, stinkt und tötet seine Mitmenschen. Das hält die wenigs­ten vom Rauchen ab. Aber jetzt wird’s wirk­lich ernst: Wer sei­nen Apple zum Passivrauchen zwingt, kann die Garantie auf sein Lieblingsfetischismusobjekt ver­lie­ren!
  • Die Holzmedien las­sen in ihrem Über­le­bens­kampf nichts unver­sucht und kopie­ren jetzt die iTunes-Philosophie, um Zeitungsinhalte für Kohle an den User zu bringen
  • .

Das war’s auch schon wie­der für diese Woche — wir dan­ken artig für Ihre Aufmerksamkeit und wün­schen uns — alle sie­ben Tage wie­der — dass Sie unse­rer all­wö­chent­li­chen Rückblickerei auch wei­ter­hin gewo­gen blei­ben. Auf daten­schmutz tut sich nächste Woche wie­der eini­ges: zwei neue Gewinnspiele schar­ren in den Startlöchern, mor­gen gibt’s ein Interview mit Loic le Meur zu Twitter. In die­sem Sinne: schö­nen Restsonntag, wir lesen uns morgen!

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