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Was wäre die Mediaplanung ohne das staatliche Internet?

„Was wäre Internet ohne O und R und F?“ fragt die ORF Enterprise via Inserat auf der ersten Seite des dieser Tage erschienen Handbuch Nr. 5 von Werbeplanung.at. Nun, die Antwort ist simpel: es wäre ein Intenet.

orfent

Allerdings finde ich, dass im Anzeigentext einige essentielle Informationen fehlen und schlage daher für die kommende Ausgabe folgende überarbeitete Fassung vor:

Österreichs beste und zugleich schlechteste, weil nämlich einzige mit Steuergeldern und GIS-Gebühren finanzierte Seite: ORF.at, ab sofort im Portfolio der ORF-Enterprise. Mit 38,5% Netto-Monatsreichweite, das entspricht rund 1,9 Millionen Unique Usern pro Monat ist der ORF dank einer zauderhaften, demokratiepolitisch verantwortungslosen und generell abwesenden Medienpolitik als staatlicher Rundfunk nun auch im Web klare Nr. 1. Somit bieten wir Ihnen mit TV, Hörfunk und nun auch Online drei marktführende elektronische Medien, welche die Genese eines wirtschaftlich tragfähigen privaten elektronisch/digitalen Mediensystems wirksam verhindern – denn Österreich hat zu lange Zeit an der Grenze zum Ex-kommunistischen Block verbracht, um die Vorteile politisch besetzter Intendantenposten nicht zu kennen. Das perfekte 360 Grad Kommunikatioinsspektrum aus einer Hand – effizienter kann man nicht werben.Woanders auch nicht.

PS: Arme oe24 Webmaster: die mussten trotz über 2,8 Fantastilliarden, äh Verzeihung, Millionen Besuchern pro Monat nach dem Rausschmuss aus der ÖWA ihren Platz via Anzeige erkaufen; das Layout ist ebenso gelungen wie der Gag in der Fußnote:

*) Quelle: Marketagent. Repräsentatitve Online-Umfrage im August 2009

Aber klar doch – warum die Serverlogs auswerten, wenn man auch eine repräsentative Umfrage machen kann? Ich sag dazu nur: On the internet, nobody knows your a dog. Und: datenschmutz hatte 333 Besucher, und zwar in letzter Sekunde. Wundern Sie sich also nicht, wenn’s in Zukunft wieder heißt:

Sie: „Arnold, Hilfe – der hässliche Mann aus dem Fernsehen ist in meinem Rechner!“
Er: „Ach mach dir keine Sorgen, Hilde – das ist bloß das staatliche Internet!“

7 comments
Michael Hafner
Michael Hafner

...wen nicht die öffentlich-rechtlichen Online-Inhalte die Idealvorstellung so mancher EU Funktionäre sind; bei den Dokumentationen diverser Tagungen kann einen schon das Grauen packen. Also tuts nicht rumzicken; Österreich ist hier in Wahrheit wieder nur Vorreiter auf dem Weg zum Einheitsweb...

linzerschnitte
linzerschnitte

Finde es nett, dass ORF.at beschlossen hat, "anfangs" die TVthek werbefrei zu halten, um nicht von der EU abgemahnt zu werden. Ist nur eine Frage der zeit, bis sie auch den In-Stream-Werbungsmarkt ruinieren.

diedae
diedae

Bei uns in Deutschland gäbe es das niemals. ARD und ZDF und auch dritten Programme haben viel restriktivere Auflagen und wurde sogar dafür schon von der EU abgemahnt. Der ORF scheint in der EU eine ziemlich starke Lobby zu haben, der den Laden immer wieder aus dem Dreck zieht.

Ritchie Pettauer
Ritchie Pettauer

Ja genau, Vorreiter einer Big Firewall of Europe, nur halt nicht über die Polit-Zensur, sondern über subtilere Kanäle :mrgreen:

Ritchie Pettauer
Ritchie Pettauer

Mir kommt eher vor, in Österreich werden in Bezug auf die RF-Finanzierung EU-Vorgaben hartnäckigst ignoriert; manchmal wunder ich mich, dass es überhaupt Privatfernsehen und -radio gibt.

Ritchie Pettauer
Ritchie Pettauer

Vollmedienversorgung von staatlicher Stelle... warum erinnert mich das bloß an den Ex-Ostblock? :evil: