Für den Web-Strategen Jeremy Oywang aus Silicon Valley ist das Realtime-Web nicht schnell genug: des­halb sprach er auf der LeWeb Konferenz über das “Intention-based web”, quasi zukunfts­ge­rich­tete Services: denn sol­che Einrichtungen wie der öffent­li­che Facebook-Kalender erlau­ben es, eine poten­ti­elle Zukunft mit kon­tex­t­u­el­len, per­so­na­li­sier­ten mixed-reality Erfahrungen anzu­rei­chern. Ein Punschfabrikant könnte bei­spiels­weise bereits wis­sen, dass mor­gen beim Youtube-Kinoabend im MuQa durs­tige Blogger anwe­send sein wer­den und spon­tan für Catering sor­gen — schöne neue Social Media Welt! Doch trotz die­ser groß­ar­ti­gen Zukunftsaussichten prä­sen­tie­ren Linzerschnitte und daten­schmutz wie gewohnt den Rückblick auf die letz­ten sie­ben Tage. Keine Kristallkugeln, statt­des­sen neu­este Geschichten aus neu­es­ter Geschichte!

Hype der Woche: Formspring

Judith aka Linzerschnitte Der 2-wöchige Hype um Foursquare wird nun offen­sicht­lich von Formspring.me abge­löst. Formspring.me ist ein Ableger vom Formularservice Formsping.com und erlaubt anony­men oder ben­ams­ten Usern, ande­ren Usern auf deren belie­bige Fragen zu stel­len oder Usern zu fol­gen. Einbindung der Question Boxes auf Blogs, via , Facebook und TumblR sind mög­lich (siehe blog.datenschmutz.net) und erin­nern etwas an die Yahoo Answers Application für Facebook. Customizen der eige­nen Profilseite ist übri­gens auch möglich.

Alles Weitere sol­len die Herrschaften selbst erklären:

YouTube Preview Image

Was die mög­li­che Anonymität der Fragesteller anbe­langt, bin ich per­sön­lich noch unschlüs­sig, was ich davon hal­ten soll. Ich denke, es war Robert Scobble, der meinte: “Wer in mein Wohnzimmer kommt, der kann sich auch vorstellen”…

Übri­gens hier die Formspring-Profile der Panoptikum-Autoren für Fragen jeder Art:
www.formspring.me/linzerschnitte
www.formspring.me/datadirt

Big Brother für 2010, net.artist Residencies im Edith-Russ-Haus

ritchie aka datadirt Nein, hier soll kei­nem jun­gen Menschen gehol­fen wer­den, ein kusche­li­ges Plätzchen im Reality-TV zu ergat­tern, viel­mehr will die UBIT Projekte und Aktivitäten unter­stüt­zen, wel­che “die Zivilgesellschaft im Bereich Datenschutz und Menschenrechte” stär­ken und ver­gibt zu die­sem Behufe ein Stipendium von 12 x €400 für das Jahr 2010:

Das Stipendium wird von der UBIT Wien (Fachgruppe Unternehmensberatung und Informationstechnologie in der Wirtschaftskammer Wien) in Form einer monat­li­chen Über­wei­sung von Eur 400,- für die Dauer von 12 Monaten (in Summe EUR 4.800,-) auf das Konto des/der StipendiatIn ausbezahlt.

Bedingung sind ein Hauptwohnsitz in Wien und ein Geburtsdatum nach dem 1. Jänner 1975 sowie nach­weis­bare aktive Tätigkeit für Bürgerreche und/oder Datenschutz, die Bewerbung erfolgt form­los (max. 2 Seiten) bis zum 10. Jänner 2010 unter Angabe aller pro­jekt­re­le­van­ten Daten an stipendium@bigbrotherawards.at. Folgende Aktivitäten kom­men Frage:

* auf­be­rei­ten von Grundlagen und Basiswissen
* ver­fas­sen von Positionspapieren und Stellungnahmen
* gestal­ten von Illustrationen und Graphiken
* vor­be­rei­ten von Aktionen und Veranstaltungen
* orga­ni­sie­ren öffent­lich­keits­wirk­sa­mer Kampagnen
* ent­wi­ckeln rele­van­ter Applikationen und Tools

Der Stipendiat wird von der Jury bestimmt, nach Abschluss des Projekts prä­sen­tiert der glück­li­che Gewinner die Ergebnisse im Rahmen eines q/Talks.

Und weil wir gerade beim Thema Stipendien sind: für net.artists, die schon immer mal einige Wochen in Niedersachsen ver­brin­gen woll­ten, ist der rich­tige Augenblick gekom­men, denn:

Die Stiftung Niedersachsen ver­gibt für die Monate Juli bis Dezember 2010 drei sechs­mo­na­tige Arbeitsstipendien am Edith-Ruß-Haus für Medienkunst Oldenburg. Die Ausschreibung rich­tet sich an inter­na­tio­nale Künstler, die sich mit Neuen Medien beschäf­ti­gen. Es gibt keine Altersbeschränkung. Die Stipendien sind jeweils mit 10.000 Euro dotiert. Eine inter­na­tio­nale Jury sich­tet die Projektvorschläge und ent­schei­det über die Stipendienvergabe. Für die Stipendiaten besteht eine zeit­wei­lige Residenzpflicht. Sie wer­den in die Aktivitäten des Edith-Ruß-Hauses für Medienkunst integriert.

Die Bewerbung erfolgt online — ein­ge­reicht wer­den kann bis zum 28. Februar.

Realtime-Websearch als neues Google-Feature

Judith aka Linzerschnitte Seit es die Twittersearch und Twitter-Trending Topics gibt, wis­sen wir die Realtimesearch und Realtime-Relevanz-Rankings mehr und mehr zu schät­zen. Nun hat Google ange­kün­digt, neben der per­so­na­li­sier­ten Suche auch die Realtime-Search aus­zu­wei­ten. Als Quelle für die Suche sol­len Dokumente aus Facebook, Twitter, Myspace und ande­ren Quellen her­hal­ten:

The import­ance of rele­vance has gone through the roof as the amount of infor­ma­tion out there is gro­wing. Relevance has become the cri­ti­cal factor.

Heißt es von Seiten der Google Entwickler. Und aus­se­hen wird dies in etwa so:

Google Realtime Rankings

Wenn das nun mal kei­ner Adelung von Social News und den maß­geb­li­chen Social Media Plattformen durch Google gleichkommt.…

Maria Fekter, schick doch Werner weg!

ritchie aka datadirt Für eini­ges Aufsehen sorgte Ende November ein öffent­lich Brief an die öster­rei­chi­sche Innenministerin, in dem Werner “Werquer” Reiter die in letz­ter Zeit immer häu­fi­ger als Schotter-Mitzi titu­lierte Hardlinerin bit­tet, doch ihn anstelle von Arigona Zogaj abzu­schie­ben:

Jetzt hätte ich aber eine Idee, die zwar meine beruf­li­che Karriere been­det, aber viel­leicht die von Arigona Zogaj absi­chert. Das Mädchen ist jung, mitt­ler­weile gut gebil­det und sie hat Potenzial, hier in Öster­reich ordent­lich Steuern zu zah­len. Die zahle ich zwar auch, aber ich glaube, dass ich auch im Kosovo irgend­wie durch­kom­men würde. — Jedenfalls aber bes­ser als Arigona Zogaj. Sehr geehrte Frau Bundesminister, was hal­ten Sie von dem Vorschlag? Sie schie­ben mich in den Kosovo ab und Arigona bleibt hier.

Die “Einwanderungsquote” gli­che sich jeden­falls aus — und Öster­reich müsste der Welt an die­sem für das Land hoch­pein­li­chen Beispiel nicht demons­trie­ren, dass hier­zu­lande wohl “Sippenhaftung” gilt — denn auf wel­che Art auch immer Arigonas Eltern ins Land gelangt sind — dass die damals min­der­jäh­rige nun bru­tal aus ihrem Lebensumfeld geris­sen wer­den muss, ist ein­fach unfassbar:

Was hal­ten Sie von dem Deal? Die Einwandererquote bleibt unbe­ein­flusst. Recht bleibt Recht und irgend­wie ist es viel mensch­li­cher, wenn ein glatz­köp­fi­ger Mann um die 40 statt einem jun­gen sym­pa­thi­schen Mädchen in den Kosovo gehen muss.

Gutes tun für die… Electronic Frontier Foundation

ritchie aka datadirt Weihnachtsgeschenke, Geeks, Gutes tun — wie kriegt man all das bloß unter einen Hut? Unsere Superhero-Freunde von der EFF (Eletronic Frontier Foundation) eilen mit neuen, unent­behr­li­chen Goodies zu Hilfe:

effsuperheroes

Die EFF setzt sich für digi­tale Bürgerrechte ein — ihr gehö­ren zahl­rei­che Internet-Legenden wie Cattlefarmer John Perry Barlow, John Gilmore, Ed Felten und viele andere an. Gute Sache als Gegengewicht zur “Corporate Dictatorship” im Bereich Urheberrecht und finan­ziert durch Spenden:

EFF is a donor-funded non­pro­fit and depends on your sup­port to con­ti­nue suc­cess­fully defen­ding your digi­tal rights. Litigation is par­ti­cu­larly expen­sive; because two-thirds of our bud­get comes from indi­vi­dual donors, every con­tri­bu­tion is cri­ti­cal to hel­ping EFF fight — and win — more cases.

Und genau darum geht’s — mit einer Unterstützer-Mitgliedschaft ab $25 (ent­we­der für sich selbst oder als Geschenk) gibt’s die­ses hüb­sche T-Shirt, das ein für alle­mal klar­stellt: der Träger ist einer von den guten Piraten!

Kommt das pro­vi­der­lose Google-Phone?

ritchie aka datadirt Die Gerüchte, dass Google ein Android-Phone im Eigenvertrieb auf den Markt brin­gen möchte, ver­dich­ten sich. Das “Nexus One” wird von HTC gebaut und ohne SIM-Lock ange­bo­ten. Mindestens so span­nend wie die Nachricht selbst (gähn!) ist die Berichterstattung im Spiegel Online — die ist näm­lich bes­tens als Lehrstück in Sachen Primär-Content und Zirkularität geeignet:

Das “Wall Street Journal” und Blogs berich­ten, der Suchmaschinenkonzern werde ein eige­nes Telefon auf den Markt bringen.

Spon erwähnt der Vollständigkeit hal­ber aber auch gleich, dass Google sel­ber bloggte und Twitter dar­über berich­te­ten, dass andere Blogger über Googles Blogbeitrag get­wit­tert haben oder so. Auch die FuZo “requo­tet” fleis­sig, und dabei heißt’s doch sonst immer, Blogger täten von­ein­an­der abschrei­ben… Da lesen wir doch lie­ber gleich TechCrunch und erfah­ren dort:

It will be cal­led the Google Phone (update the offi­cial name is “Nexus One”) and will launch in early January, 2010. It won’t be sold by any one car­rier, but instead will be an unlo­cked GSM phone.

Laufen wird das Werkl unter Android 2.1 (viel­leicht kann man bis dahin ja auch schon IMAP E-Mails zwi­schen ver­schie­de­nen Ordner ver­schie­ben), wie jedes neu ange­kün­digte, noch nicht ver­füg­bare Gerät ist das Gadget voll super, unvor­stell­bar schnell und bringt Wunderfeatures aus der Zukunft wie Text-to-Speech für E-Mails. Wir war­ten mit unse­rem Urteil auf den Reality Check.

George Lucas und die -–Kameras

ritchie aka datadirt Was als “Neben-Feature” begann, ver­än­dert gerade nach­hal­tig die Welt der Filmproduktion: die Canon EOS5d sowie die brand­neu EOS 7D erlau­ben jedem Laien, beste­chende HD-Filme zu dre­hen. Die Qualität ist dank der Optiken bes­ser als die vie­ler ver­gleich­ba­rer pro­fes­sio­nel­ler Kameras — und zwar so gut, dass mitt­ler­weile sogar Kapazunder wie George Lucas sich für die Feinheiten der SLR-Filmerei inter­es­sie­ren. Der Star Wars Regisseur lud kürz­lich David Bloom auf seine Ranch ein, um sich in die Feinheiten der Canon-Modelle ein­füh­ren zu lassen:

Head of post pro­duc­tion Mike Blanchard pho­ned me up 3 weeks later to see if I could come over and con­sult about the poten­tial of using video DSLRs for their pro­duc­tions. […] Of course I pho­ned Mike back said yes please! 5 days stay­ing at Skywalker Ranch as their guest and showing them how to get the best out of the Canon 5DmkII and the Canon 7D. They also wan­ted to be shown how to use the EX3, Letus Ultimate and Nanoflash.

Spannend für alle Hobby-Filmer — inter­es­sant finde ich vor allem die Zacuto-Zusätze: Viewfinder und dem Schulterstativ schei­nen recht kom­for­ta­bles Arbeiten auch bei län­ge­ren Sessions zu erlauben.

18x Chrome erweitern

ritchie aka datadirt Firefox ist nicht zuletzt auf­grund der zahl­rei­chen Extensions so popu­lär — lang­sam gibt’s auch die ers­ten Erweiterungen für Chrome, dar­un­ter ein Passwort-Synchronisierungs-Service ana­log zum belieb­ten XMarks für FF. Lifehacker hat 18 Extensions gelis­tet, die den Download angeb­lich wert sind — und anders als beim Füchslein soll durch Erweiterungen die Performance angeb­lich kaum einbrechen:

Actually, rating these exten­si­ons by “worth the slow­down,” as is often the case with Firefox, doesn’t seem app­lica­ble here. Chrome ren­ders pages just as snap­pily on a Linux install with eight exten­si­ons loa­ded, and the memory use seems not all that dif­fe­rent. Your mileage may cer­tainly vary.

Achtung, höchst medi­ta­ti­ves Multimedia-Produkt: diese Kollaboration zwi­schen finnisch-japanische Kollaboration zwi­schen Jopsu Ramu und Shun Kawakami nennt sich “Urban Abstract” und besteht aus 40 fünf­se­kün­di­gen Clips, die eine augen­schmeich­le­ri­sche Melange ergeben — ‘njoy:

Lesetipps der Woche

  • Das Auto als Fetisch: Harald Welzer war lange genug anonym, jetzt ist er offi­zi­ell Autoholiker: denn Klimawandelpanik, Grünbewusstsein und Ottomotoren las­sen sich wun­der­bar ver­ein­ba­ren: es ist sogar okay, fünf Autos zu besit­zen, solange man nicht damit fährt.
  • Frankreich, die Politik und Social Media. In Frankreich geht man mit Wählern/Usern sei­tens der Politik ein biss­chen anders um. Ein biss­chen rauer näm­lich. Da wur­den die lau­nige Poster im derstandard.at wohl in Grund und Boden geklagt wer­den. Möglicherweise beginnt sich das aber lang­sam zu ändern. (Artikel emp­foh­len von @karli
  • )

  • SEO wird nutz­los. Wiedermal. Tatsächlich? Denn Totgesagte leben bekannt­lich län­ger. Wer sich über die nai­ven Hoffnungen der SEO-Gegner amü­sie­ren möchte, die auf einem lus­ti­gen klei­nen Google Video beru­hen — bitte hier ent­lang.
  • Hannes Treichl erklärt diese Woche, warum Bloggen nicht mehr für jeden Hotelier eine Option ist.…
  • WordPress.com ver­zahnt sich enger mit Twitter: Ab sofort kann man auch via Twitter Updates pos­ten.

Und das war’s auch schon wie­der für diese Woche — mal sehen, ob das formspring-Ding in sie­ben Tagen immer noch heiß ist oder vom nächs­ten 5-Minutes-of-Fame Twitter-Klon abge­löst wird. Wir wün­schen in jedem Fall einen ent­spann­ten Restsonntag, danke für Ihre Aufmerksamkeit und lesen uns mor­gen im Social Web.

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