Blogistan Panoptikum KW50 2009

Für den Web-Strategen Jeremy Oywang aus Silicon Valley ist das Realtime-Web nicht schnell genug: des­halb sprach er auf der LeWeb Konferenz über das “Intention-based web”, quasi zukunfts­ge­rich­tete Services: denn sol­che Einrichtungen wie der öffent­li­che Facebook-Kalender erlau­ben es, eine poten­ti­elle Zukunft mit kon­tex­t­u­el­len, per­so­na­li­sier­ten mixed-reality Erfahrungen anzu­rei­chern. Ein Punschfabrikant könnte bei­spiels­weise bereits wis­sen, dass mor­gen beim Youtube-Kinoabend im MuQa durs­tige Blogger anwe­send sein wer­den und spon­tan für Catering sor­gen — schöne neue Social Media Welt! Doch trotz die­ser groß­ar­ti­gen Zukunftsaussichten prä­sen­tie­ren Linzerschnitte und daten­schmutz wie gewohnt den Rückblick auf die letz­ten sie­ben Tage. Keine Kristallkugeln, statt­des­sen neu­este Geschichten aus neu­es­ter Geschichte!

Hype der Woche: Formspring

Judith aka Linzerschnitte Der 2-wöchige Hype um Foursquare wird nun offen­sicht­lich von Formspring.me abge­löst. Formspring.me ist ein Ableger vom Formularservice Formsping.com und erlaubt anony­men oder ben­ams­ten Usern, ande­ren Usern auf deren Profil belie­bige Fragen zu stel­len oder Usern zu fol­gen. Einbindung der Question Boxes auf Blogs, via Twitter, Facebook und TumblR sind mög­lich (siehe blog.datenschmutz.net) und erin­nern etwas an die Yahoo Answers Application für Facebook. Customizen der eige­nen Profilseite ist übri­gens auch möglich.

Alles Weitere sol­len die Herrschaften selbst erklären:

YouTube Preview Image

Was die mög­li­che Anonymität der Fragesteller anbe­langt, bin ich per­sön­lich noch unschlüs­sig, was ich davon hal­ten soll. Ich denke, es war Robert Scobble, der meinte: “Wer in mein Wohnzimmer kommt, der kann sich auch vorstellen”…

Übri­gens hier die Formspring-Profile der Panoptikum-Autoren für Fragen jeder Art:
www.formspring.me/linzerschnitte
www.formspring.me/datadirt

Big Brother Stipendium für 2010, net.artist Residencies im Edith-Russ-Haus

ritchie aka datadirt Nein, hier soll kei­nem jun­gen Menschen gehol­fen wer­den, ein kusche­li­ges Plätzchen im Reality-TV zu ergat­tern, viel­mehr will die UBIT Projekte und Aktivitäten unter­stüt­zen, wel­che “die Zivilgesellschaft im Bereich Datenschutz und Menschenrechte” stär­ken und ver­gibt zu die­sem Behufe ein Stipendium von 12 x €400 für das Jahr 2010:

Das Stipendium wird von der UBIT Wien (Fachgruppe Unternehmensberatung und Informationstechnologie in der Wirtschaftskammer Wien) in Form einer monat­li­chen Über­wei­sung von Eur 400,- für die Dauer von 12 Monaten (in Summe EUR 4.800,-) auf das Konto des/der StipendiatIn ausbezahlt.

Bedingung sind ein Hauptwohnsitz in Wien und ein Geburtsdatum nach dem 1. Jänner 1975 sowie nach­weis­bare aktive Tätigkeit für Bürgerreche und/oder Datenschutz, die Bewerbung erfolgt form­los (max. 2 Seiten) bis zum 10. Jänner 2010 unter Angabe aller pro­jekt­re­le­van­ten Daten an stipendium@bigbrotherawards.at. Folgende Aktivitäten kom­men Frage:

* auf­be­rei­ten von Grundlagen und Basiswissen
* ver­fas­sen von Positionspapieren und Stellungnahmen
* gestal­ten von Illustrationen und Graphiken
* vor­be­rei­ten von Aktionen und Veranstaltungen
* orga­ni­sie­ren öffent­lich­keits­wirk­sa­mer Kampagnen
* ent­wi­ckeln rele­van­ter Applikationen und Tools

Der Stipendiat wird von der Jury bestimmt, nach Abschluss des Projekts prä­sen­tiert der glück­li­che Gewinner die Ergebnisse im Rahmen eines q/Talks.

Und weil wir gerade beim Thema Stipendien sind: für net.artists, die schon immer mal einige Wochen in Niedersachsen ver­brin­gen woll­ten, ist der rich­tige Augenblick gekom­men, denn:

Die Stiftung Niedersachsen ver­gibt für die Monate Juli bis Dezember 2010 drei sechs­mo­na­tige Arbeitsstipendien am Edith-Ruß-Haus für Medienkunst Oldenburg. Die Ausschreibung rich­tet sich an inter­na­tio­nale Künstler, die sich mit Neuen Medien beschäf­ti­gen. Es gibt keine Altersbeschränkung. Die Stipendien sind jeweils mit 10.000 Euro dotiert. Eine inter­na­tio­nale Jury sich­tet die Projektvorschläge und ent­schei­det über die Stipendienvergabe. Für die Stipendiaten besteht eine zeit­wei­lige Residenzpflicht. Sie wer­den in die Aktivitäten des Edith-Ruß-Hauses für Medienkunst integriert.

Die Bewerbung erfolgt online — ein­ge­reicht wer­den kann bis zum 28. Februar.

Realtime-Websearch als neues Google-Feature

Judith aka Linzerschnitte Seit es die Twittersearch und Twitter-Trending Topics gibt, wis­sen wir die Realtimesearch und Realtime-Relevanz-Rankings mehr und mehr zu schät­zen. Nun hat Google ange­kün­digt, neben der per­so­na­li­sier­ten Suche auch die Realtime-Search aus­zu­wei­ten. Als Quelle für die Suche sol­len Dokumente aus Facebook, Twitter, Myspace und ande­ren Quellen her­hal­ten:

The import­ance of rele­vance has gone through the roof as the amount of infor­ma­tion out there is gro­wing. Relevance has become the cri­ti­cal factor.

Heißt es von Seiten der Google Entwickler. Und aus­se­hen wird dies in etwa so:

Google Realtime Rankings

Wenn das nun mal kei­ner Adelung von Social News und den maß­geb­li­chen Social Media Plattformen durch Google gleichkommt.…

Maria Fekter, schick doch Werner weg!

ritchie aka datadirt Für eini­ges Aufsehen sorgte Ende November ein öffent­lich Brief an die öster­rei­chi­sche Innenministerin, in dem Werner “Werquer” Reiter die in letz­ter Zeit immer häu­fi­ger als Schotter-Mitzi titu­lierte Hardlinerin bit­tet, doch ihn anstelle von Arigona Zogaj abzu­schie­ben:

Jetzt hätte ich aber eine Idee, die zwar meine beruf­li­che Karriere been­det, aber viel­leicht die von Arigona Zogaj absi­chert. Das Mädchen ist jung, mitt­ler­weile gut gebil­det und sie hat Potenzial, hier in Öster­reich ordent­lich Steuern zu zah­len. Die zahle ich zwar auch, aber ich glaube, dass ich auch im Kosovo irgend­wie durch­kom­men würde. — Jedenfalls aber bes­ser als Arigona Zogaj. Sehr geehrte Frau Bundesminister, was hal­ten Sie von dem Vorschlag? Sie schie­ben mich in den Kosovo ab und Arigona bleibt hier.

Die “Einwanderungsquote” gli­che sich jeden­falls aus — und Öster­reich müsste der Welt an die­sem für das Land hoch­pein­li­chen Beispiel nicht demons­trie­ren, dass hier­zu­lande wohl “Sippenhaftung” gilt — denn auf wel­che Art auch immer Arigonas Eltern ins Land gelangt sind — dass die damals min­der­jäh­rige nun bru­tal aus ihrem Lebensumfeld geris­sen wer­den muss, ist ein­fach unfassbar:

Was hal­ten Sie von dem Deal? Die Einwandererquote bleibt unbe­ein­flusst. Recht bleibt Recht und irgend­wie ist es viel mensch­li­cher, wenn ein glatz­köp­fi­ger Mann um die 40 statt einem jun­gen sym­pa­thi­schen Mädchen in den Kosovo gehen muss.

Gutes tun für die… Electronic Frontier Foundation

ritchie aka datadirt Weihnachtsgeschenke, Geeks, Gutes tun — wie kriegt man all das bloß unter einen Hut? Unsere Superhero-Freunde von der EFF (Eletronic Frontier Foundation) eilen mit neuen, unent­behr­li­chen Goodies zu Hilfe:

effsuperheroes

Die EFF setzt sich für digi­tale Bürgerrechte ein — ihr gehö­ren zahl­rei­che Internet-Legenden wie Cattlefarmer John Perry Barlow, John Gilmore, Ed Felten und viele andere an. Gute Sache als Gegengewicht zur “Corporate Dictatorship” im Bereich Urheberrecht und finan­ziert durch Spenden:

EFF is a donor-funded non­pro­fit and depends on your sup­port to con­ti­nue suc­cess­fully defen­ding your digi­tal rights. Litigation is par­ti­cu­larly expen­sive; because two-thirds of our bud­get comes from indi­vi­dual donors, every con­tri­bu­tion is cri­ti­cal to hel­ping EFF fight — and win — more cases.

Und genau darum geht’s — mit einer Unterstützer-Mitgliedschaft ab $25 (ent­we­der für sich selbst oder als Geschenk) gibt’s die­ses hüb­sche T-Shirt, das ein für alle­mal klar­stellt: der Träger ist einer von den guten Piraten!

Kommt das pro­vi­der­lose Google-Phone?

ritchie aka datadirt Die Gerüchte, dass Google ein Android-Phone im Eigenvertrieb auf den Markt brin­gen möchte, ver­dich­ten sich. Das “Nexus One” wird von HTC gebaut und ohne SIM-Lock ange­bo­ten. Mindestens so span­nend wie die Nachricht selbst (gähn!) ist die Berichterstattung im Spiegel Online — die ist näm­lich bes­tens als Lehrstück in Sachen Primär-Content und Zirkularität geeignet:

Das “Wall Street Journal” und Blogs berich­ten, der Suchmaschinenkonzern werde ein eige­nes Telefon auf den Markt bringen.

Spon erwähnt der Vollständigkeit hal­ber aber auch gleich, dass Google sel­ber bloggte und Twitter dar­über berich­te­ten, dass andere Blogger über Googles Blogbeitrag get­wit­tert haben oder so. Auch die FuZo “requo­tet” fleis­sig, und dabei heißt’s doch sonst immer, Blogger täten von­ein­an­der abschrei­ben… Da lesen wir doch lie­ber gleich TechCrunch und erfah­ren dort:

It will be cal­led the Google Phone (update the offi­cial name is “Nexus One”) and will launch in early January, 2010. It won’t be sold by any one car­rier, but instead will be an unlo­cked GSM phone.

Laufen wird das Werkl unter Android 2.1 (viel­leicht kann man bis dahin ja auch schon IMAP E-Mails zwi­schen ver­schie­de­nen Ordner ver­schie­ben), wie jedes neu ange­kün­digte, noch nicht ver­füg­bare Gerät ist das Gadget voll super, unvor­stell­bar schnell und bringt Wunderfeatures aus der Zukunft wie Text-to-Speech für E-Mails. Wir war­ten mit unse­rem Urteil auf den Reality Check.

George Lucas und die Canon-SLR-Kameras

ritchie aka datadirt Was als “Neben-Feature” begann, ver­än­dert gerade nach­hal­tig die Welt der Filmproduktion: die Canon EOS5d sowie die brand­neu EOS 7D erlau­ben jedem Laien, beste­chende HD-Filme zu dre­hen. Die Qualität ist dank der Optiken bes­ser als die vie­ler ver­gleich­ba­rer pro­fes­sio­nel­ler Kameras — und zwar so gut, dass mitt­ler­weile sogar Kapazunder wie George Lucas sich für die Feinheiten der SLR-Filmerei inter­es­sie­ren. Der Star Wars Regisseur lud kürz­lich David Bloom auf seine Ranch ein, um sich in die Feinheiten der Canon-Modelle ein­füh­ren zu lassen:

Head of post pro­duc­tion Mike Blanchard pho­ned me up 3 weeks later to see if I could come over and con­sult about the poten­tial of using video DSLRs for their pro­duc­tions. […] Of course I pho­ned Mike back said yes please! 5 days stay­ing at Skywalker Ranch as their guest and showing them how to get the best out of the Canon 5DmkII and the Canon 7D. They also wan­ted to be shown how to use the EX3, Letus Ultimate and Nanoflash.

Spannend für alle Hobby-Filmer — inter­es­sant finde ich vor allem die Zacuto-Zusätze: Viewfinder und dem Schulterstativ schei­nen recht kom­for­ta­bles Arbeiten auch bei län­ge­ren Sessions zu erlauben.

18x Chrome erweitern

ritchie aka datadirt Firefox ist nicht zuletzt auf­grund der zahl­rei­chen Extensions so popu­lär — lang­sam gibt’s auch die ers­ten Erweiterungen für Chrome, dar­un­ter ein Passwort-Synchronisierungs-Service ana­log zum belieb­ten XMarks für FF. Lifehacker hat 18 Extensions gelis­tet, die den Download angeb­lich wert sind — und anders als beim Füchslein soll durch Erweiterungen die Performance angeb­lich kaum einbrechen:

Actually, rating these exten­si­ons by “worth the slow­down,” as is often the case with Firefox, doesn’t seem app­lica­ble here. Chrome ren­ders pages just as snap­pily on a Linux install with eight exten­si­ons loa­ded, and the memory use seems not all that dif­fe­rent. Your mileage may cer­tainly vary.

Video der Woche

Achtung, höchst medi­ta­ti­ves Multimedia-Produkt: diese Kollaboration zwi­schen finnisch-japanische Kollaboration zwi­schen Jopsu Ramu und Shun Kawakami nennt sich “Urban Abstract” und besteht aus 40 fünf­se­kün­di­gen Clips, die eine augen­schmeich­le­ri­sche Melange ergeben — ‘njoy:

Lesetipps der Woche

  • Das Auto als Fetisch: Harald Welzer war lange genug anonym, jetzt ist er offi­zi­ell Autoholiker: denn Klimawandelpanik, Grünbewusstsein und Ottomotoren las­sen sich wun­der­bar ver­ein­ba­ren: es ist sogar okay, fünf Autos zu besit­zen, solange man nicht damit fährt.
  • Frankreich, die Politik und Social Media. In Frankreich geht man mit Wählern/Usern sei­tens der Politik ein biss­chen anders um. Ein biss­chen rauer näm­lich. Da wur­den die lau­nige Poster im derstandard.at wohl in Grund und Boden geklagt wer­den. Möglicherweise beginnt sich das aber lang­sam zu ändern. (Artikel emp­foh­len von @karli
  • )

  • SEO wird nutz­los. Wiedermal. Tatsächlich? Denn Totgesagte leben bekannt­lich län­ger. Wer sich über die nai­ven Hoffnungen der SEO-Gegner amü­sie­ren möchte, die auf einem lus­ti­gen klei­nen Google Video beru­hen — bitte hier ent­lang.
  • Hannes Treichl erklärt diese Woche, warum Bloggen nicht mehr für jeden Hotelier eine Option ist.…
  • WordPress.com ver­zahnt sich enger mit Twitter: Ab sofort kann man auch via Twitter Updates pos­ten.

Und das war’s auch schon wie­der für diese Woche — mal sehen, ob das formspring-Ding in sie­ben Tagen immer noch heiß ist oder vom nächs­ten 5-Minutes-of-Fame Twitter-Klon abge­löst wird. Wir wün­schen in jedem Fall einen ent­spann­ten Restsonntag, danke für Ihre Aufmerksamkeit und lesen uns mor­gen im Social Web.

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2 comments
Ernst Hainrich
Ernst Hainrich

Danke für den Tipp mit formspring - ist auf Twitter komplett an mir vorüber gewandert, ich werd mich dort gleich mal registrieren und losfragen.

Ritchie Pettauer
Ritchie Pettauer

Aber höchste Zeit! Und demnächst gibt's an dieser Stelle eine Registrierungscode für den nächstletzten Hype namens flavors.me.