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Blogistan Panoptikum KW51 2009

In der letzten Woche habe ich die datenschmutz Fanpage auf Facebook ausführlich überarbeitet, ein paar Einladungen verschickt und ein Update ausgesandt – von der Resonanz bin ich völlig stoked! Vielen Dank an alle Leserinnen und Leser, die in den letzten zwei Tagen ds-Fans auf Facebook geworden sind und meine Fan-Zahl mit derzeit 547 mehr als verdoppelt haben. Danke dafür!

Und das bringt uns auch schon mitten ins Thema, nämlich die vergangene Woche: Wir haben die vorweihnachtlichen Web 2.0 Trends für Sie gewohnt penibel dokumentiert. Und es scheint durchaus nicht übertrieben, von punktuell auftretender Hassliebe zu sprechen. Also probieren Sie bloß nicht die „Web 2.0 Suicide Machine“ aus und sagen anschließend, wir hätten Sie nicht gewarnt…

WordPress 2.9 „Carmen“ mit mächtigen neuen Features

Gestern betrat WordPress 2.9 die Blogging-Bühne – die aktuelle Version unseres Lieblings-CMS ist nach der legendären Jazz-Sängerin Carmen McRae benannt. Es handelt sich um den letzten Roadmap-Release vor der lang erwarteten 3er-Version, die nächstes Jahr gröbere Überarbeitungen mitbringen wird. Ich habe datenschmutz vor der Veröffentlichung dieses Beitrags upgedatet und bin von den neuen Features schwer begeistert – speziell der neuen in-Blog Images Editor, mit dem man grundlegende Bildbearbeitungsaufgaben im CMS-Backend erledigen kann, erleichtert Bloggen aus dem Internetcafé ungemein. SEO-affine Blogger dürften sich über die native Unterstützung des Canonical-Tags freuen, alle Details zur neuen Version kennt das offizielle WordPress Blog.

Hier geht’s zum Download. Wahlweise kann man das Update auch direkt übers Backend vornehmen, ein vorheriges Datenbank-Update empfiehlt sich in jedem Fall. An dieser Stelle wieder mal herzlichen Dank an Matt Mullenweg und das gesamte WordPress-Team für die hervorragende Arbeit! Ihr lasst jeden kommerziellen CMS-Entwickler ziemlich blass aussehen :mrgreen:

URL Shortener von Facebook – und Google?

Die meisten Ereignisse in Social Media World beginnen mit Gerüchten, die sich nach und nach verdichten – und sich früher oder später oft als wahr herausstellen. Blogger Ryan Spoon hat diese Woche entdeckt, dass Mobile Alerts statt unter der bisherigen Mobile Url m.facebook.com unter fb.me erreichbar sind – seine Interpretation des Ereignisses: „FB rolls out URL Shortener“

Und dies lässt Spoon mehr vermuten. URL Shortener waren bisher vor allem bei Twitter von Bedeutung, natürlich wegen der 140 Zeichen Beschränkung. Facebook hat beim letzten größeren Relaunch die Zeichenbeschränkung der Statusupdates allerdings auf 420 Zeichen gehoben, URLs können als Link attached werden, um nicht in dieses Zeichenlimit zu fallen. Da also Short Urls für die bisherige klassische Anwendung zur Benutzung in Status Updates nicht benötigt werden, zählt Spooner einige andere Features auf, für deren Entwicklung ein URL Shortener von Facebook von Vorteil wäre:

– user analytics / fan page data
– integration with feed posting and FB Share
– focus on „notes“ and external link sharing
– Facebook Connect integration (?)

Durchaus möglich, dass Facebook sich einmal mehr öffnet – diesmal nicht nur als Application Provider für externe Developer, sondern als Social Media Plattform mit Fotos, Blogbeiträgen („notes“) und mehr, deren Inhalte vermehrt nach außen getragen werden sollen. Einziges Hindernis bisher – wer nicht bei Facebook registriert war, konnte Facebook-Inhalte (Pages) bisher nur sehr eingeschränkt sehen, hinzu kommen die Privacy Settings der einzelnen User. Ob der alte Kampf gegen Google dahinter steckt? Vermutlich. Denn Google präsentierte immerhin am 14. Dezember 2009 den Google URL Shortener http://goo.gl.

Die Web 2.0 Selbstmordmaschine

Nimmt das digital-soziale Klickleben zuviel Zeit weg? Möchten Sie eigentlich viel lieber wieder mal ein Schwätzchen mit Ihrem Nachbarn halten, doch vor lauter Twitter-Updates haben Sie seit Tagen Ihre Wohnung nicht verlassen? Haben Sie schon mal „Ich will weniger Zeit auf Facebook verbringen!“ in die Tasten gehämmert, um anschließend festzustellen, dass Sie gerade ein Status-Update geschrieben haben? Radikale Probleme erfordern radikale Lösungen – enter Web 2.0 Suicide Machine:

Liberate your newbie friends with a Web2.0 suicide! This machine lets you delete all your energy sucking social-networking profiles, kill your fake virtual friends, and completely do away with your Web2.0 alter ego. The machine is just a metaphor for the website which moddr_ is hosting; the belly of the beast where the web2.0 suicide scripts are maintained. Our services currently runs with facebook.com, myspace.com and LinkedIn.com! Commit NOW!

Wie die ultimative Delegation der Sozialpräsenz funktioniert, erklärt das folgende Video. Ob die Maschine wohl tatsächlich funktioniert? Keine Ahnung, und ich werd’s nicht ausprobieren!

Erste Hilfe: Was tun, wenn Ihr Google Konto gehackt wurde

Email-Konten sind die zentralen Schaltstellen jeder virtuellen Identität. Alle Passwörter, Kontonummern, Kontakte, Adresse usw. laufen früher oder später durch einen Mail-Account. Und dies macht es für Hacker so interessant, Mailkonten zu hacken. Wie man damit umgeht, wenn der Albtraum passiert und man sich plötzlich einer Fehlermeldung statt all diesen wichtigen Daten gegenüber sieht, schreibt Amit Agarwal – aus eigener, leidvoller Erfahrung. Seine Tipps sind allemal nachahmenswert, um als Besitzer des eigenen Accounts und letztlich der eigenen digitalen Identität verifiziert werden zu können. Neben dem Eingeben der obligatorischen Telefonnummer und einer zweiten Mailadresse hat er aber noch wesentlich mehr Best Practices auf Lager:

You will need this to verify your identity to Google in case someone else takes over your Google Account and the secondary email address associated with your account.
The month and year when you created your Gmail / Google Account. You can look at the last page of your Gmail Inbox (or go to Sent Items) to get an approximate idea of the date when you created the account.
If you created a Gmail account by invitation, write the email address of the person who first sent you that invite for Gmail. Use a search query like „in:all has invited you to open a free Gmail account“ to find that invitation email.
The email addresses of your most frequently emailed contacts (the top 5).
The names of any custom labels that you may have created in your Gmail account.
The day/month/year when you started using various other Google services (like AdSense, Orkut, Blogger, etc.) that are associated with the Google account that you are trying to recover. If you’re not certain about some of the dates, provide your closest estimate.

Wer Google Apps wie Analytics, AdWords oder ähnliches nutzt, sollte sich dieses Blogpost noch genauer ansehen.

Hotglue – Webseiten „analog“ layouten

Auf die Hotglue-Introduction bin ich im Zuge der Web 2.0 Suicide Machine (siehe ersten Beitrag in diesem Panoptikum) gestoßen – und hielt das Projekt zuerst für einen Scherz. Dabei handelt sich’s bei Hotglue tatsächlich um ein funktionales CMS, das eine sehr ungewöhnliche Interface-Metapher nutzt, um große Flexibilität und hohe Geschwindigkeit bei der Erstellung und Pflege von Homepages zu ermöglichen. CMS steht bei hotglue nämlich nicht für Content Management System, sondern für Content Manipulation system:

Most modern CMS systems are based on the idea of content being separated from the layout of a web-site. In order to relieve the pain of rearranging and adding new information to already existing publications websites are organized in grids of predefined blocks (templates), thus resembling a lot the layout of a news-tabloid.

Die Software gibt’s auf hotglue.me zum Gratis-Download (derzeit werden Beta-Tester gesucht, die eine eigene Homepage unter der Hotglue-Dom bekommen), das zugehörige Forum residiert unter hotglue.org. Dieses Video erklärt das Prinzip des CMS:

Ich hab mir beim Schreiben dieses Beitrags ein Test-Installation angelegt. Die Einrichtung ist in Windeseile erledigt – man muss nur drauf achten, dass man nach dem Upload nicht nur dem Folder „content“, sondern auch allen Unterverzeichnissen CHMOD 777 zuweist, sonst funktioniert das Speichern der Seite nicht. Das Interface präsentiert sich in der Tat sehr intuitiv, für die schnelle Gestaltung eines (kollaborativen) Blackboards eignet sich hotglue auf den ersten Blick ganz hervorragend.

Da es allerdings derzeit kein Log-In und kein Rechtemanagement gibt, kann jeder Besucher die Inhalte der Seite verändern – aber hotglue befindet sich noch in der Betaphase und ich hoffe, dass diese Funktion („Lock Page“) bald nachgeliefert wird, denn das Interface macht wirklich Spaß. Ich werde das CMS sicherlich weiter im Auge behalten und würde auch gerne ein Blog-Blackboard integrieren. Da man derzeit auch die File-Upload Funktion nicht deaktivieren kann, ist das Sicherheitsrisiko zu hoch. Dennoch: einer der vielversprechendsten CMS-Ansätze, den ich in den letzten Jahren zu Gesicht bekommen habe.

Warum man besser keinen virtuellen Traktor kaufen sollte

Jeder kennt sie, die FB Cutie Games oder Addictive Games auf Facebook, die dieser Plattform erst so richtig zu ihrem internationalen Durchbruch verholfen haben: Zuerst waren da Zombies und Vampire, dann Mobsters und Mafia Wars und seit dem Sommer hat wohl jeder schon mal von Farmville gehört. Farmville, Gaming Flagschiff der erst 2007 gegründeten Entwickler „Zynga“ ist das bekannteste und erfolgreichste Game auf Facebook. Und während Facebook noch kein richtiges Monetarisierungskonzept vorzuweisen hat, haben Zynga es geschafft: Fett Kohle verdienen auf Facebook, mit virtuellen Traktoren und Scam (Betrug).

Wie Michael Arrington auf TechCrunch schon vor Wochen schrieb: Auf Facebook gewinnt, wer am meisten scamt. Wie bringt man die User aber dazu, auf Scam reinzufallen? In dem man ihnen Cash in der Währung ihres virtuellen Ökosystems verspricht – zum Beispiel: Spiele bei einem Online-Lotterie-Game mit und du bekommst 450 Farmville-Dollars. Dummerweise wird für das vermeintliche Gratisangebot womöglich bald eine Rechnung ins Haus flattern, die 450 Farmville Dollars ziemlich alt aussehen lässt. Besonders beeindruckend an Michael Arringtons Beitrag: die mittlerweile 20 Updates zu diversen Betrugsfällen rund um Farmville – sowie das Blogpost: How to spam facebook like a pro. Ein Blick auf die dunkle Seite der Macht.

Zieh mich – und dann lass mich fallen!

Social Sharing, die zweite: nach den altbekannten „Share-Buttons“ in allen Formen und Ausprägungen (auch hier am Ende jedes Artikels zu finden) hat Mashable bzw. Meebo mit Drag-to-Share einen neuen Trend losgetreten: mit dem slicken Script lässt sich jedes Bild und jedes Video via Drag-and-Drop auf populären Social Networks sharen. Sobald man das betreffende Element mit der Maus gepackt und gezogen hat, öffnet sich ein dynamischer Layer mit großformatigen Social Network passen. Man lässt das betreffende Element einfach auf das gewünschte Icon fallen, anschließend öffnet sich die Share-Maske des jeweiligen Networks. Klingt wesentlich komplizierter als es ist und sieht in der Praxis so aus:

dragtosharescreen

Das beste daran: diese Drag-to-Share Funktion ist seit schon seit längerer Zeit auch als WordPress-Erweiterung verfügbar. Mir gefällt das Plugin sehr gut, das es seinen Job auf äußerst unintrusive und elegante Weise erledigt. Eine nette Zusatzfunktion wäre noch das Markieren und Drag-Sharen einzelner Text-Absätze. Drag-To-Share eXtended wird mit Sicherheit weite Verbreitung finden – und Sie ahnen es bereits: ich habe das Plugin natürlich hier auf datenschmutz auch aktiviert, auszuprobieren beispielsweise am Screenshot bzw. den Videos in diesem Beitrag. Ob man nur bestimmte Elemente oder alle Bilder und Videos automatisch drag-sharable machen möchte, lässt über die Options-Seite einstellen.

Der Todesstern greift meinen Nachbarn an

Adidas will mit der aktuellen Kollektion zukünftige Darth Vaders einkleiden und bewirbt die betreffenden Produkte mit einer überdurchschnittlich originellen Online-Kampagne. Wer den Death Star Super Laser mit dem eigenen Facebook Account verlinkt, sieht ein Video das Darth Vader beim Angriff zeigt – und zwar auf die eigene Wohngegend, in die der Laser des Todessterns eine gewaltiges Adidas-Logo einbrennt. Möglich macht’s Google Maps, und TechCrunch ist schlichtweg begeistert (oder bezahlt?):

This is where the Google Maps integration comes into play; you can even fine tune the laser’s exact target using Street View if you so desire. All in all the Adidas application is clever, fun, and addicting.

In der Tat eine witzige Idee – ich hab gleich mal Helges Büro in die Luft gejagt. #datadirtvshelge Und ich möchte gern wissen, wie viel Tantiemen Adidas an George Lucas für dieses Branding bezahlt.

Ritchies Video der Woche

Riesenhohe Wellen auf Maui, grandiose Surfer, Iamkalaniprince und eine Canon 5D. Das Ergebnis: dieses unglaubliche Surfvideo:

 

 

Und noch etwas Edukatives: Elspeth Jane erklärt in Rocketbooms „Know your Meme“ Serie, was es denn eigentlich mit dem mysteriösen „Om Nom Nom“ Mem auf sich hat. (Achtung: Meta-Katzen-Content)

 

 

Lesetipps der Woche

  • Wenn man „rattig wie die Sau“ ist, sollte man sich besser nicht bei der Eingabe der E-Mail Adresse vertippen – denn das unbarmherzige Netz vergisst *rein gar nix*. Deswegen „fordern Forscher ein Verfallsdatum für private Daten“. Oh Mann… dieser Spon-Slang ist ja fast schon eine eigene Sprache.

Und das war wieder mal die vergangenen 168 Stunden im Schnelldurchlauf. Wir danken für Ihre unbezahlbare Aufmerksamkeit, merken unermüdlich an, dass wir uns über Kommentare und Feedback freuen wie die sprichwörtlichen Weihnachtselche und wünschen Ihnen einen schönen Restsonntag und ein – je nach persönlicher Präferenz – ruhiges und besinnliches oder spaßigen und actionreiches Weihnachtswochenende. Mit den Neujahrsglückwüschen lassen wir uns aber noch Zeit: eine Panoptikum-Ausgabe gibt’s noch im Jahr 2009, und zwar am kommenden Sonntag, dem 27. Dezember. Wir lesen uns morgen!

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8 comments
Christian
Christian

Das ist wirklich der Super Gau, wenn die Login Daten fürs Email Konto abgegriffen werden.

Jonas
Jonas

Irgendwie kann ich den ganzen Kram wie Facebook etc. nicht mehr hören.

bibliothek
bibliothek

woher nehmt ihr alle nur die zeit für facebook, etc.

Ludo Kamberlein
Ludo Kamberlein

In meinem Bekanntenkreis und bei mir nimmt momentan das Interesse an Social Networking nach anfänglicher Faszination stark ab. Bleibt abzuwarten, ob twitter & Co. wenigstens der Opposition gegen fiese Diktaturen auf unserem kleinen Planeten helfen können.

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