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Erste Erfahrungen mit dem Nokia Booklet 3G

Ich bin unter den glücklichen Bloggern, die von Flexibles Büro für den Test des neuen Nokia Netbooks ausgewählt wurden – und das Beste dran: ich darf die Hardware behalten. Wer auf ein Gewinnspiel gehofft hat, den muss ich enttäuschen: ein Netbook im schicken und stabilen Alu-Gehäuse mit erstklassigem Display, mächtigem 7-Stunden-Akku und integriertem SIM-Slot ist nämlich genau das, was ich mir für unterwegs gewünscht habe. Ob Nokias Premiere im Netbook-Bereich die hohen Erwartungen erfüllen kann, werde ich in den nächsten Wochen klären – hier meine ersten Eindrücke nach fünf Tagen Live-Einsatz und einige Fotos.

Das Nokia Booklet 3G ist in drei Farbversionen erhältlich, und zwar mit weißer, hellblauer oder schwarzer Display-Rückseite, die aus „FBI-Plastik“ (das hochglänzende Zeug, das garantiert jeden Fingerabdruck speichert) gefertigt ist. Das aus einem einzigen Stück Alu gefräste Monoblock-Gehäuse unterscheidet sich bei den drei Modellen nicht. Ich hab coolerweise die schwarze Ausführung bekommen – und schon beim ersten Aufklappen des Displays merkt man: Plastik ist kein Metall. Absolute Verwindungssteifheit, nicht das geringste Wackeln oder Durchbiegen – dazu trägt auch die stabile Display-Konstruktion mit Glasplatte und Anti-Reflexions-Folie einiges bei. Das folgende Zitat von Gizmodo.de trifft in der Tat den Nagel auf den Kopf:

Das Gehäuse des Booklet 3G wirkt massiv. Wuchtig und stabil. Trotzdem ist das Gerät schön klein und flach – fast surreal, wie eines dieser Spielzeug-Geräte. Es fühlt sich einfach gut an in der Hand. Die Tastatur ist extrem gut verarbeitet und macht einen sehr hochwertigen Eindruck. Mindestens ebenso hochwertig wie der Rest des Gehäuses. Nichts wackelt, nichts wirkt brüchig oder instabil. Alles wirkt wie aus einem Guss und ist insgesamt sehr stimmig. Fast, als könne man damit Nägel in die Wand schlagen.

Stabilität ist aber nicht der einzige Vorteil des Geräts: Das Display in HD-ready Auflösung (1280×720) hat Nokia mit Anti-Reflexions-Folie und einer Glasabdeckung versehen. Obwohl ich eigentlich matte Displays bevorzuge, bietet diese Kombination hervorragende Resultate: lediglich Lichtquellen wie Glühbirnen (bzw. in Zukunft Energiesparlampen) produzieren Spiegelungen und Farben sehen so satt aus, dass die vergleichsweise geringe Helligkeit kaum ins Gewicht fällt. Warum allerdings zwischen Display und Displayrahmen links und rechts je einer sowie oben und unten fast zwei Zentimeter an inaktiver Fläche verschenkt wurden, bleibt das Geheimnis der Konstrukteure.

Fast einzigartig am Netbook-Sektor ist die nominelle Akku-Laufzeit von bis zu 10 Stunden – 8 Stunden sind in der Praxis auch bei ordentlich hellem Display und aktiviertem WLAN locker drin, nur das Toshiba NB200-110 hält noch länger durch. Außerdem hat Nokia auf einen Windmacher verzichtet: die Mini-Ventilatoren von Netbooks sorgen häufig für einen unangenehmen Geräuschpegel, das Netbook 3G kommt dagegen gänzlich ohne Lüfter aus und die langsam drehende 1,8 Zoll Festplatte ist so gut wie unhörbar – dafür tönen die Boxen angesichts der geringen Größe recht ordentlich. Auf einen Mikro-Eingang wurde verzichtet, allerdings versteht sich der Kopfhörer-Eingang mit handelsüblichen Freisprecheinrichtungen.

Die Hardware/Software Schere

Dass Nokia auf einem ohne Vertrag rund 800 Euro teuren Gerät die Windows Seven Starter Edition installiert, kann eigentlich nur ein schlechter Scherz sein – diese extrem beschnittene Variante von Microsofts neuem OS spart keineswegs nur bei den Profi-Features: so lässt sich unter anderem nicht mal ein Desktop-Hintergrundbild einstellen. Bei einem derart verkrüppelten Windows bleibt nur die (kostenpflichtige) Upgrade-Möglichkeit (Windows Anytime Upgrade), aber leider produziert der Aufruf der betreffenden Upgrade-Seite lediglich die folgende Meldung:

Leider steht Windows Anytime Upgrade in Ihrem Land/Ihrer Region zurzeit nicht für den Online-Kauf verfügbar. […] Ggf. müssen Sie das Gebietsschema und die Spracheinstellungen ändern, bevor Windows Anytime Upgrade für den Onlinekauf zur Verfügung stellt.

Und dabei dachte ich immer, Microsoft hätte ein Büro in Österreich – ich vermeine mich sogar an ein Barcamp zu erinnern, das dort mal stattgefunden hat. Das Starter-Bundle mag zwar ein paar Euros am Gesamtpreis einsparen, passt aber einfach nicht auf ein Gerät, das genau doppelt so viel kostet wie alle anderen Netbooks mit derselben Hardwareausstattung.

Überhaupt wäre es angesichts der Tatsache, dass OS und Programme mit einem mageren Gigabyte RAM auskommen müssen, Windows XP wohl die bessere Wahl gewesen: denn Seven mag zwar eine Spur hübscher aussehen, lahmt dafür aber auf dem mit 1,60Mhz getakteten Atom-Prozessor im Vergleich zum mittlerweile sieben Jahren alten Vorgänger ungemein, ohne – zumindest am Netbook – relevanten Mehrwert zu bieten. Bereits die System-Konfiguration beim ersten Einschalten (Seven ist vorinstalliert) dauert eine gute Stunde.

Dafür finden sich an anderer Stelle unnötige Software-Beigaben: so beschränkt sich der Nokia-Updater keineswegs auf systemrelevante Komponenten, sondern will permanent irgendwelche Nokia-Software installieren – der Button für ein endgültiges „Njet“ fehlt, was mich blitzschnell dazu bewog, alle Nokia-Softwarekomponenten zu deinstallieren. Da außerdem im Auslieferungszustand die 120GB Festplatte nicht in eine System- und eine Datenpartition unterteilt ist, sollte man auf jeden Fall Drittsoftware wie Paragons Partition Manager einsetzen, um einem möglichen Datengau vorzubeugen.

Was mache ich mit HDMI?

Nokias Booklet 3G kommt mit HDMI-Ausgang – das sieht stylish und sehr modern aus, ist in der Praxis aber ein *riesiger* Nachteil und macht das Netbook für mobile Präsentation so gut wie unbrauchbar. Nur in Ausnahmefällen steht in „handelsüblichen“ Seminarräumen bzw. in Hörsälen ein Beamer mit HDMI-Anschluss zur Verfügung, während sich aber die neuesten Geräte sehr wohl auch auf analoges VGA verstehen. Adapter liegt keiner bei – kein Wunder, denn während zwar mechanische Adapter von HDMI-A auf DVI-D verfügbar sind, wird man bei HDMI-A auf VGA kaum fündig werden: denn HDMI liefert ein rein digitales Signal ohne analoge Anschlusspins.

Hier hatte Nokia wohl eher die Home-Entertainment User im Visier, denn an aktuelle LCD-Fernseher (die aber auch meist einen VGA-In besitzen) lässt sich das Netbook natürlich problemlos anschließen – zumindest als Foto-Viewer. Das Abspielen mit von 1080p Material dagegen kann man aufgrund des schwachbrüstigen Intel-Grafikchips allerdings vergessen, was den Wert des HDMI-Ausgangs stark relativiert. Dass das Netbook keinen LAN-Anschluss hat, ist angesichts der Fülle von Wireless-Anschlussmöglichkeiten mehr als rechtfertigbar.

Vorläufiges Fazit

Das eingebaute UMTS-Modem habe ich bisher noch nicht verwendet – was mich aber auf Anhieb begeistert hat, war die hervorragend verarbeitete Tastatur, die trotz 17-mm-Raster wesentlich angenehmer zu bedienen ist als jede andere Netbook-Tastatur. Mit der langen Laufzeit, dem (stark an aktuelle Mac-Books erinnernde) robusten und äußerst ansehnlichen Gehäuse und vor allem dem immens hohen Preis platzieren die Finnen ihre Netbook-Debut zwar in der Oberklasse, patzen aber bei Software-Ausstattung und Grafik-Ausgang. O2 Business bietet das Gerät per zinsfreier Finanzierung und unlimitiertem Business-Data-Tarif um knapp €60/Monat an – der Preis des Geräts sinkt dabei auf €600 – während die 50% Aufschlag auf den „normalen“ Netbook-Preis durchaus rechtfertigbar sind, finde ich den regulären Straßenpreis (Amazon will aktuelle für das Nokia Booklet €737) für die gebotene Hardware-Ausstattung ziemlich happig.

Ich werde das Gerät jedenfalls am Wochenende neu formatieren, Windows Professional raufspielen und hoffen, dass ich passende Treiber für alle Komponenten finde. Nächste Woche gibt’s dann einen Vergleich zwischen Nokias Booklet 3G und dem Sony Vaio Netbook, das ich mir vor zwei Monaten in Gibraltar gekauft habe. Ich bin sicherlich nicht der typische Netbook-Nutzer: für normales Surfen und Word-Dokumente ist die Geschwindigkeit okay, aber ich nutze das Booklet als Laptop-Ersatz und bin daher beim mobilen Lightroom-Einsatz dankbar über jedes Quentchen-Rechenpower.

7 comments
Darkguy
Darkguy

Der Akku und der lüfterlose Betrieb sind hier wohl die besten Eigenschaften - habe mir das Gerät schon im Vorfeld angesehen, so richtig überzeugen konnte es mich leider nicht. Ich habe seit etwa 3 Monaten ein HP Mini 5101, von dem ich RICHTIG begeistert bin: Das matte LED-Display zeigt 1366×768 Pixel, mit dem 6-Zellen-Akku komme ich auch auf etwa 6h Laufzeit, die Verarbeitung ist super, auch wenn nur der Deckel aus Alu ist ist es mit das robusteste Netbook das mir untergekommen ist, es hat 2 GB RAM und eine mit 7,200 RPM drehende 250 GB Platte außerdem einen Erschütterungssensor, der zusammen mit der HP-3D-Driveguard genannten Softwarelösung im Falle eines Falles die Schreib-Leseköpfe parkt. CPU ist der Atom N280. Sowohl LAN als auch VGA-Anschlüsse sind vorhanden, dazu WLAN (802.11b/g/n), Bluetooth und ein Qualcomm Gobi1000 HSPA/GPS Modul (GPS lässt sich über ein undokumentiertes Zusatztool eines Drittanbieter aktivieren und funktioniert soweit problemlos, da es NMEA-0183-Daten über einen COM-Port ausspuckt). Windows 7 Enterprise läuft auf dem Gerät mit der Hardware flott und problemlos (ich nehme an das liegt primär an den 2 GB RAM und der flotten Platte). Auf der CES wurde letzte Woche der Nachfolger 5102 präsentiert, der auf der neuen PineTrail-Plattform (Atom N450 mit integrierter Grafik) basiert. Das Gerät hat jetzt auch einen Tragegriff und das neue Broadcom CrystalHD-Modul, um die lahme Grafik bei der Videodecodierung zu unterstützen (hier schwächelt auch das 5101 leider, HD-Material kann man fast vergessen). Außerdem soll's eine Touchscreen-Option und Gesichtserkennungssoftware geben.

Nico
Nico

Danke für den ausführlichen Bericht - das hört sich sehr vielversprechend an. Im nächsten Jahr steht auf jeden Fall ein neues Netbook auf der Einkaufsliste, das Booklet 3G könnte durchaus in die engere Auswahl kommen. Die Beschränkung auf HDMI ist natürlich in der Tat suboptimal, da ich mein Netbook oft für Präsentationen einsetze.

m.o.m.
m.o.m.

"FBI-Plastik" :-) So nach deinem und anderen ersten Eindrücken, bin ich ganz froh es doch nicht bekommen zu haben. Vielleicht macht Nokia - sofern erfolgreich - ein Booklet 2.0 in 2010. Mit ein wenig mehr RAM und ein wenig mehr Nichtspiegelung. Optisch sieht es ja echt lecker aus. Aber für den Preis könnte ein wenig mehr drin sein. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. 1 GB RAM, 160GB Platte und Win7Starter ist schon mager für 700 Euros.

kim jansen
kim jansen

Fettes teil, das Nokia Booklet 3G... gefällt mir sehr gut und hat keine Schwächen. Jedenfalls keine mit denen ich nicht leben könnte. Vielen Dank für den tollen Bericht.

Christian
Christian

Vor allem die Akkulaufzeit könnte das Gerät zu einem Erfolg machen. Das mit der Software ist irgendwie nicht nachvollziehbar. Da wurde einfach an der falschen Ecke gespart.