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Erste Erfahrungen mit dem Nokia Booklet 3G

09.12.2009, geschrieben von , 7 Kommentare

Ich bin unter den glück­li­chen Bloggern, die von Flexibles Büro für den des neuen Netbooks aus­ge­wählt wur­den — und das Beste dran: ich darf die Hardware behal­ten. Wer auf ein Gewinnspiel gehofft hat, den muss ich ent­täu­schen: ein im schi­cken und sta­bi­len Alu-Gehäuse mit erst­klas­si­gem Display, mäch­ti­gem 7-Stunden-Akku und inte­grier­tem SIM-Slot ist näm­lich genau das, was ich mir für unter­wegs gewünscht habe. Ob Nokias Premiere im –Bereich die hohen Erwartungen erfül­len kann, werde ich in den nächs­ten Wochen klä­ren — hier meine ers­ten Eindrücke nach fünf Tagen Live-Einsatz und einige Fotos.

Das Nokia ist in drei Farbversionen erhält­lich, und zwar mit wei­ßer, hell­blauer oder schwar­zer Display-Rückseite, die aus “FBI-Plastik” (das hoch­glän­zende Zeug, das garan­tiert jeden Fingerabdruck spei­chert) gefer­tigt ist. Das aus einem ein­zi­gen Stück Alu gefräste Monoblock-Gehäuse unter­schei­det sich bei den drei Modellen nicht. Ich hab coo­ler­weise die schwarze Ausführung bekom­men — und schon beim ers­ten Aufklappen des Displays merkt man: Plastik ist kein Metall. Absolute Verwindungssteifheit, nicht das geringste Wackeln oder Durchbiegen — dazu trägt auch die sta­bile Display-Konstruktion mit Glasplatte und Anti-Reflexions-Folie eini­ges bei. Das fol­gende Zitat von Gizmodo.de trifft in der Tat den Nagel auf den Kopf:

Das Gehäuse des Booklet 3G wirkt mas­siv. Wuchtig und sta­bil. Trotzdem ist das Gerät schön klein und flach – fast sur­real, wie eines die­ser Spielzeug-Geräte. Es fühlt sich ein­fach gut an in der Hand. Die Tastatur ist extrem gut ver­ar­bei­tet und macht einen sehr hoch­wer­ti­gen Eindruck. Mindestens ebenso hoch­wer­tig wie der Rest des Gehäuses. Nichts wackelt, nichts wirkt brü­chig oder insta­bil. Alles wirkt wie aus einem Guss und ist ins­ge­samt sehr stim­mig. Fast, als könne man damit Nägel in die Wand schlagen.

Es wird der Adobe Flash Player benö­tigt und im Browser muss Javascript akti­viert sein.

Stabilität ist aber nicht der ein­zige Vorteil des Geräts: Das Display in HD-ready Auflösung (1280x720) hat Nokia mit Anti-Reflexions-Folie und einer Glasabdeckung ver­se­hen. Obwohl ich eigent­lich matte Displays bevor­zuge, bie­tet diese Kombination her­vor­ra­gende Resultate: ledig­lich Lichtquellen wie Glühbirnen (bzw. in Zukunft Energiesparlampen) pro­du­zie­ren Spiegelungen und Farben sehen so satt aus, dass die ver­gleichs­weise geringe Helligkeit kaum ins Gewicht fällt. Warum aller­dings zwi­schen Display und Displayrahmen links und rechts je einer sowie oben und unten fast zwei Zentimeter an inak­ti­ver Fläche ver­schenkt wur­den, bleibt das Geheimnis der Konstrukteure.

Fast ein­zig­ar­tig am Netbook-Sektor ist die nomi­nelle Akku-Laufzeit von bis zu 10 Stunden — 8 Stunden sind in der Praxis auch bei ordent­lich hel­lem Display und akti­vier­tem WLAN locker drin, nur das Toshiba NB200-110 hält noch län­ger durch. Außerdem hat Nokia auf einen Windmacher ver­zich­tet: die Mini-Ventilatoren von Netbooks sor­gen häu­fig für einen unan­ge­neh­men Geräuschpegel, das Netbook 3G kommt dage­gen gänz­lich ohne Lüfter aus und die lang­sam dre­hende 1,8 Zoll Festplatte ist so gut wie unhör­bar — dafür tönen die Boxen ange­sichts der gerin­gen Größe recht ordent­lich. Auf einen Mikro-Eingang wurde ver­zich­tet, aller­dings ver­steht sich der Kopfhörer-Eingang mit han­dels­üb­li­chen Freisprecheinrichtungen.

Die Hardware/Software Schere

Dass Nokia auf einem ohne Vertrag rund 800 Euro teu­ren Gerät die Windows Seven Starter Edition instal­liert, kann eigent­lich nur ein schlech­ter Scherz sein — diese extrem beschnit­tene Variante von Microsofts neuem OS spart kei­nes­wegs nur bei den Profi-Features: so lässt sich unter ande­rem nicht mal ein Desktop-Hintergrundbild ein­stel­len. Bei einem der­art ver­krüp­pel­ten Windows bleibt nur die (kos­ten­pflich­tige) Upgrade-Möglichkeit (Windows Anytime Upgrade), aber lei­der pro­du­ziert der Aufruf der betref­fen­den Upgrade-Seite ledig­lich die fol­gende Meldung:

Leider steht Windows Anytime Upgrade in Ihrem Land/Ihrer Region zur­zeit nicht für den Online-Kauf ver­füg­bar. […] Ggf. müs­sen Sie das Gebietsschema und die Spracheinstellungen ändern, bevor Windows Anytime Upgrade für den Onlinekauf zur Verfügung stellt.

Und dabei dachte ich immer, Microsoft hätte ein Büro in Öster­reich — ich ver­meine mich sogar an ein Barcamp zu erin­nern, das dort mal statt­ge­fun­den hat. Das Starter–Bundle mag zwar ein paar Euros am Gesamtpreis ein­spa­ren, passt aber ein­fach nicht auf ein Gerät, das genau dop­pelt so viel kos­tet wie alle ande­ren Netbooks mit der­sel­ben Hardwareausstattung.

Über­haupt wäre es ange­sichts der Tatsache, dass OS und Programme mit einem mage­ren Gigabyte RAM aus­kom­men müs­sen, Windows XP wohl die bes­sere Wahl gewe­sen: denn Seven mag zwar eine Spur hüb­scher aus­se­hen, lahmt dafür aber auf dem mit 1,60Mhz getak­te­ten Atom-Prozessor im Vergleich zum mitt­ler­weile sie­ben Jahren alten Vorgänger unge­mein, ohne — zumin­dest am Netbook — rele­van­ten Mehrwert zu bie­ten. Bereits die System-Konfiguration beim ers­ten Einschalten (Seven ist vor­in­stal­liert) dau­ert eine gute Stunde.

Dafür fin­den sich an ande­rer Stelle unnö­tige Software-Beigaben: so beschränkt sich der Nokia-Updater kei­nes­wegs auf sys­tem­re­le­vante Komponenten, son­dern will per­ma­nent irgend­wel­che Nokia-Software instal­lie­ren — der Button für ein end­gül­ti­ges “Njet” fehlt, was mich blitz­schnell dazu bewog, alle Nokia-Softwarekomponenten zu dein­stal­lie­ren. Da außer­dem im Auslieferungszustand die 120GB Festplatte nicht in eine System– und eine Datenpartition unter­teilt ist, sollte man auf jeden Fall Drittsoftware wie Paragons Partition Manager ein­set­zen, um einem mög­li­chen Datengau vorzubeugen.

Was mache ich mit HDMI?

Nokias Booklet 3G kommt mit HDMI-Ausgang — das sieht stylish und sehr modern aus, ist in der Praxis aber ein *rie­si­ger* Nachteil und macht das Netbook für mobile Präsentation so gut wie unbrauch­bar. Nur in Ausnahmefällen steht in “han­dels­üb­li­chen” Seminarräumen bzw. in Hörsälen ein Beamer mit HDMI-Anschluss zur Verfügung, wäh­rend sich aber die neu­es­ten Geräte sehr wohl auch auf ana­lo­ges VGA ver­ste­hen. Adapter liegt kei­ner bei — kein Wunder, denn wäh­rend zwar mecha­ni­sche Adapter von HDMI-A auf DVI-D ver­füg­bar sind, wird man bei HDMI-A auf VGA kaum fün­dig wer­den: denn HDMI lie­fert ein rein digi­ta­les Signal ohne ana­loge Anschlusspins.

Hier hatte Nokia wohl eher die Home-Entertainment User im Visier, denn an aktu­elle LCD-Fernseher (die aber auch meist einen VGA-In besit­zen) lässt sich das Netbook natür­lich pro­blem­los anschlie­ßen — zumin­dest als Foto-Viewer. Das Abspielen mit von 1080p Material dage­gen kann man auf­grund des schwach­brüs­ti­gen Intel-Grafikchips aller­dings ver­ges­sen, was den Wert des HDMI-Ausgangs stark rela­ti­viert. Dass das Netbook kei­nen LAN-Anschluss hat, ist ange­sichts der Fülle von Wireless-Anschlussmöglichkeiten mehr als rechtfertigbar.

Vorläufiges Fazit

Das ein­ge­baute UMTS–Modem habe ich bis­her noch nicht ver­wen­det — was mich aber auf Anhieb begeis­tert hat, war die her­vor­ra­gend ver­ar­bei­tete Tastatur, die trotz 17-mm-Raster wesent­lich ange­neh­mer zu bedie­nen ist als jede andere Netbook-Tastatur. Mit der lan­gen Laufzeit, dem (stark an aktu­elle Mac-Books erin­nernde) robus­ten und äußerst ansehn­li­chen Gehäuse und vor allem dem immens hohen Preis plat­zie­ren die Finnen ihre Netbook-Debut zwar in der Oberklasse, pat­zen aber bei Software-Ausstattung und Grafik-Ausgang. O2 Business bie­tet das Gerät per zins­freier Finanzierung und unli­mi­tier­tem Business-Data-Tarif um knapp €60/Monat an — der Preis des Geräts sinkt dabei auf €600 — wäh­rend die 50% Aufschlag auf den “nor­ma­len” Netbook-Preis durch­aus recht­fer­tig­bar sind, finde ich den regu­lä­ren Straßenpreis (Amazon will aktu­elle für das Nokia Booklet Erste Erfahrungen mit dem Nokia Booklet 3G €737) für die gebo­tene Hardware-Ausstattung ziem­lich happig.

Ich werde das Gerät jeden­falls am Wochenende neu for­ma­tie­ren, Windows Professional rauf­spie­len und hof­fen, dass ich pas­sende Treiber für alle Komponenten finde. Nächste Woche gibt’s dann einen Vergleich zwi­schen Nokias Booklet 3G und dem Sony Vaio Netbook, das ich mir vor zwei Monaten in Gibraltar gekauft habe. Ich bin sicher­lich nicht der typi­sche Netbook-Nutzer: für nor­ma­les Surfen und Word-Dokumente ist die Geschwindigkeit okay, aber ich nutze das Booklet als Laptop-Ersatz und bin daher beim mobi­len Lightroom-Einsatz dank­bar über jedes Quentchen-Rechenpower.

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Bisher haben meine Lieblingsleser 7 Kommentare zu "Erste Erfahrungen mit dem Nokia Booklet 3G" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Christian Identicon Icon

    Vor allem die Akkulaufzeit könnte das Gerät zu einem Erfolg machen. Das mit der Software ist irgend­wie nicht nach­voll­zieh­bar. Da wurde ein­fach an der fal­schen Ecke gespart.

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  • kim jansen Identicon Icon

    Fettes teil, das Nokia Booklet 3G… gefällt mir sehr gut und hat keine Schwächen. Jedenfalls keine mit denen ich nicht leben könnte. Vielen Dank für den tol­len Bericht.

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  • m.o.m. Identicon Icon

    FBI-Plastik” :-)
    So nach dei­nem und ande­ren ers­ten Eindrücken, bin ich ganz froh es doch nicht bekom­men zu haben.

    Vielleicht macht Nokia — sofern erfolg­reich — ein Booklet 2.0 in 2010. Mit ein wenig mehr RAM und ein wenig mehr Nichtspiegelung.

    Optisch sieht es ja echt lecker aus. Aber für den Preis könnte ein wenig mehr drin sein. Und das im wahrs­ten Sinne des Wortes. 1 GB RAM, 160GB Platte und Win7Starter ist schon mager für 700 Euros.

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  • Nico Identicon Icon

    Danke für den aus­führ­li­chen Bericht — das hört sich sehr viel­ver­spre­chend an. Im nächs­ten Jahr steht auf jeden Fall ein neues Netbook auf der Einkaufsliste, das Booklet 3G könnte durch­aus in die engere Auswahl kom­men. Die Beschränkung auf HDMI ist natür­lich in der Tat sub­op­ti­mal, da ich mein Netbook oft für Präsentationen einsetze.

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    Ritchie Pettauer Identicon Icon
    Ritchie Pettauer antwortete am 16. Dezember 2009 um 15:37

    Das ist für mich auch der aller­größte Nachteil… die wenigs­ten Beamer haben HDMI. Grade bei einem so schi­cken Booklet äußerst bedauerlich!

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  • Darkguy Identicon Icon

    Der Akku und der lüf­ter­lose Betrieb sind hier wohl die bes­ten Eigenschaften — habe mir das Gerät schon im Vorfeld ange­se­hen, so rich­tig über­zeu­gen konnte es mich lei­der nicht.

    Ich habe seit etwa 3 Monaten ein HP Mini 5101, von dem ich RICHTIG begeis­tert bin: Das matte LED-Display zeigt 1366×768 Pixel, mit dem 6-Zellen-Akku komme ich auch auf etwa 6h Laufzeit, die Verarbeitung ist super, auch wenn nur der Deckel aus Alu ist ist es mit das robus­teste Netbook das mir unter­ge­kom­men ist, es hat 2 GB RAM und eine mit 7,200 RPM dre­hende 250 GB Platte außer­dem einen Erschütterungssensor, der zusam­men mit der HP-3D-Driveguard genann­ten Softwarelösung im Falle eines Falles die Schreib-Leseköpfe parkt. CPU ist der Atom N280. Sowohl LAN als auch VGA-Anschlüsse sind vor­han­den, dazu WLAN (802.11b/g/n), Bluetooth und ein Qualcomm Gobi1000 HSPA/GPS Modul (GPS lässt sich über ein undo­ku­men­tier­tes Zusatztool eines Drittanbieter akti­vie­ren und funk­tio­niert soweit pro­blem­los, da es NMEA-0183-Daten über einen COM-Port aus­spuckt). Windows 7 Enterprise läuft auf dem Gerät mit der Hardware flott und pro­blem­los (ich nehme an das liegt pri­mär an den 2 GB RAM und der flot­ten Platte).

    Auf der CES wurde letzte Woche der Nachfolger 5102 prä­sen­tiert, der auf der neuen PineTrail-Plattform (Atom N450 mit inte­grier­ter Grafik) basiert. Das Gerät hat jetzt auch einen Tragegriff und das neue Broadcom CrystalHD-Modul, um die lahme Grafik bei der Videodecodierung zu unter­stüt­zen (hier schwä­chelt auch das 5101 lei­der, HD-Material kann man fast ver­ges­sen). Außerdem soll’s eine Touchscreen-Option und Gesichtserkennungssoftware geben.

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon
    Ritchie Blogfried Pettauer antwortete am 22. Januar 2010 um 15:31

    Das klingt nach einem tol­len Gerät — ein mat­tes Display ist durch nix zu erset­zen, vor allem Outdoor um Welten ange­neh­mer, keine Frage.

    Und grade bei Windows 7 tun die 2GB defi­ni­tiv Not; und ein Grafik-Chip gehört auch her: in der jet­zi­gen Form ist der HDMI-Out des Nokia rela­tiv sinnlos.

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