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Kärnten, Land der Yachten und Privatjets

27.12.2009, geschrieben von Ritchie Blogfried Pettauer, 9 Kommentare

So ein­fach kann sich ein Föderalstaat von ein­zel­nen Bundesländern nicht tren­nen: so hielt Restösterreich der Backhendl-Hochburg Steiermark auch wäh­rend der Hühnergrippe-Hochblüte die Treue, wollte Vorarlberg par­tout nicht den Helvetiern als Danaergeschenk über­las­sen und nie war die Rede davon, im Zuge diver­ser nie­der­ös­ter­rei­chi­scher Kellerbesichtigungen die Pröll’schen Ländereien zu einem selb­stän­di­gen Lehensgut zu machen. Doch kaum über­zieht ein ohne­hin schon weit (rechts) außen ste­hen­des, “armes” Bundesland sein Budget ums Neunfache, for­dern Spötter den Verkauf Kärntens um einen sym­bo­li­schen Euro an Slowenien.

Man erschlüge gleich meh­rere Delinquenten mit einer gro­ßen Klappe, KF dürfte end­lich wie­der Zloz hei­ßen, der Ortstafelstreit wäre schlag­ar­tig been­det und die Prölls müss­ten kein wei­te­res Schwinden poli­ti­schen Kapitals befürch­ten. Allein Slowenien wird nicht wol­len mögen: so ein 18-Milliarden-Defizit kann sich nur ein sehr rei­cher Staat leisten.

Für Nicht-Österreicher ein paar Fakten: die Hypo-Alpen-Adria-Bank hat unter ande­rem viele viele Yachten und Jets finan­ziert. Weder die Leasing-Papiere noch die Fahrzeuge sind auf­find­bar. Fest steht: irgend­wie haben der Haider Jörgl und seine Kärntnerbuberl das Unmögliche voll­bracht und ihre Hausbank mit der 9fachen Summe des Kärntner Landesbudgets ver­schul­det. Darob hub kürz­lich ein gro­ßes Heulen und Zähneknirschen an, denn die “Zukunftsfond-Finanzpolitik” kos­tet, dank “unver­meid­li­cher” Bankenrettung, jeden steu­er­pflich­ti­gen Öster­rei­cher min­des­tens €1.500,-.

Wir sind anschei­nend aus­rei­chend sozio-kommunistisch geprägt, um jedes noch so marode Unternehmen um jeden noch so absur­den Preis ret­ten zu müs­sen. Wäre es mir gelun­gen, mit der­sel­ben Kreativität, die Kärntner Finanzpolitik an den Tag legte, die data­dirt media group in den letz­ten 10 Jahren um 20 Milliarden zu ver­schul­den, müsste ich in die­sem Land wohl nie mehr Angst vor Banken, Finanzamt und Co. haben: der Staat täte sich beei­len, mich zu ret­ten, um mei­nen Arbeitsplatz zu sichern.

Du musst Kärntner sein, damits doss dös vas­tehst, ha?

Man müsste Kärntner sein, um die “Lei Losn” Hassliebe, die ein poli­ti­sches Klima, das eigent­lich nur als feucht-schwüler Sumpf zu bezeich­nen ist, zu ver­ste­hen. Ich bin Osttiroler, das reicht offen­bar nicht, wie mir die Leserbriefe in der aktu­el­len Kleinen Zeitung wie­der mal vor Augen füh­ren. So schreibt Ing. Franz Limpl am 27. Dezember an die Redaktion des Zentralorgans der Kärntner Einheitspartei zu den Dörfl-Scheuchereien:

[…] Aber es grenzt an maß­lose Selbstüberschätzung, sich mit Jörg Haider zu ver­glei­chen. Warum prä­sen­tiert Uwe nicht groß medial die Zustimmung von Claudia Haider zu die­sem genia­len Plan?

Noch deut­li­chere Worte für den Landes-Übervater vom Ulrichsberg fin­det Günter Fraunhofer aus Kloogenfuuaat:

Zu bemer­ken wäre aber, dass kei­ner — weder Dörfler, Kampl, die Scheuchs oder andere Protektionskinder Haiders — in der Lage sind, diese Aufgaben über­neh­men zu können.

Die Innen– und die Außenwahrnehmung klaf­fen wei­test aus­ein­an­der. Während Restösterreich sich lang­sam zu Recht Sorgen um einen mög­li­chen Staatsbankrott (In Doktor-Alban-Paraphrase: Hello Island, tell me how you’re doing?) macht, singt der Kärntner Heimatchor ein melan­cho­li­sches Liedchen und hofft, dass ein Austausch der agie­ren­den Personen auch deren Erbe ver­schwin­den lässt. Alle sind sie Schuld, die Finanzmarktaufsichten, die BZÖs, die ande­ren — aber nicht der tote und mitt­ler­weile wein­se­lig gespro­chene Landespatron.

In ande­ren Zeiten und an ande­ren Orten fei­erte eine poli­ti­sche Opposition ihre Neugeburt aus dem Geiste der Unfähigkeit. Chance zur Erneuerung, Möglichkeit zur Veränderung exis­tiert in Kärnten aber genauso wenig wie eine Opposition: denn für die war’s wesent­lich beque­mer, das Spiel mit­zu­spie­len, solange der Croupier die Karten an alle ver­teilte und die eige­nen Gewinnchancen direkt pro­por­tio­nal mit dem Maulhalten stie­gen. Andere Parteien füh­ren Kriege, tu felix Carinthia nube.

Es wird also nix pas­sie­ren. The Defizit is here to stay and fuck us. Gnade den Unwissenden: Island war auch mal eines der reichs­ten Länder Europas, und was Populist Faymann und Vollstreckerduo Doppelpröll der­zeit mit den rot-weiß-roten Staatsfinanzen auf­füh­ren, schä­digt den Wirtschaftsstandort nach­hal­ti­ger als 20 Jahre SPÖ-Wirtschaftspolitik es je könn­ten. KMUs und Mittelstand müs­sen refi­nan­zie­ren, Steuererhöhungen und ver­knappte Kreditvergaben wer­den ihr übri­ges bei­tra­gen, um aus poten­ti­el­len Wirtschaftstreibenden demü­tige Bettler vor der Interessensvertretung zu machen.

Slainté! Im Vergleich zur Kärntner Landespolitik ver­bin­den Dürrenmatts alte Dame gera­dezu freund­schaft­li­che Gefühle mit ihrer Heimat. Wer hätte gedacht, dass die Rechten die von ihnen viel­be­schwo­rene Heimat so sehr has­sen. Was Ostbanditen, Drogennegern, aso­zia­len Studenten und ande­ren BZÖ/FPÖ Feindbildern nicht gelun­gen ist, hat die “Kärntner SED” im Alleingang geschafft — per­fide, aber konsequent.

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Bisher haben meine Lieblingsleser 9 Kommentare zu "Kärnten, Land der Yachten und Privatjets" geschrieben.

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  • Mikee Identicon Icon

    Bittschön, um der Wahrheit die Ehre zu geben: die 18 Mrd. sind keine Schulden, son­dern Haftungen für alte Kredite, für die es in Öster­reich eine gesetz­li­che Verpflichtung gab, das betrifft alle Landeshypos und viele Sparkassen. Was aber unver­zeih­lich ist, ist eine kleine Provinz-Hypo auf eine Bilanzsumme von 40 Mrd. € auf­zu­bla­sen. Hätte man das nicht zuge­las­sen, dann würde es auch keine Haftungen in die­ser Größenordnung geben…

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  • KWentin Identicon Icon

    ein mit­ar­beits­plus für das ein­brin­gen von dr. alban, hat er übri­gens auch in kla­gen­furt gebracht :)

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon

    Oh, dan­ke­schön; hab schon befürch­tet, dass den alten Schweden nie­mand mehr kennt! :mrgreen:

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  • Georg Identicon Icon

    Yachten und Jets haben nicht zu Finanzlöchern und Abschreibungsnotwendigkeiten in die­sem Ausmaß geführt. Es waren schon auch mas­sive Abwertungen der Ostwährungen, die viele Kredite und Leasinggeschäfte der Hypo in Südosteuropa not­lei­dend gemacht haben. Es waren nicht nur die Kärntner “Tokan”, die Champagner gesof­fen haben und so das Land vor den Abgrund brachten.

    Haiders Großmannsucht und die Freunderlgeschäfte in und mit der Bank muss man schon tren­nen vom gesam­ten poli­ti­schen Zustand des Landes.

    Dass Kärnten moralisch-politisch ver­ro­tet ist, steht außer Frage. Unsere Politiker sind weder mensch­lich noch intel­lek­tu­ell in der Lage, die­ses Land zu füh­ren. Die Frage ist, wie lange man dem von außen (wis­sent­lich) zuschaut.

    Und: Es ist halt leicht, auf Kärnten ein­zu­dre­schen. Zu leicht. Das hilft halt auch den “ande­ren Kärntnern” wenig. Wie komme aus­ge­rech­net ich dazu, mich außer­halb der Landesgrenzen ver­ar­schen zu lassen?

    PS: http://k2020.at

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon

    Ja, natür­lich ist es nicht gerecht­fer­tigt, auf Kärnten ein­zu­dre­schen. Aber was ich so sen­sa­tio­nell finde, ist die — und da bist du sicher völ­lig aus­ge­nom­men — totale Diskrepanz zwi­schen Außen– und Innenwahrnehmung. Ich hab dau­ernd von “lin­ken” Kärtnern gehört, dass die FPÖ zwar unpack­bar, “Haider aber schon ein guter LH” sei.

    Ich bin ja nicht der große Filzmeier-Fan, aber der Artikel in der heu­ti­gen Kleinen scheint’s schon ganz gut zu tref­fen! Die “mir-san-mir” Mentalität und die “kein Nicht-Kärntner kann das ver­ste­hen” Haltung (hat der waa­che Schönfelder sogar mal in einem Interview über den Ortstafelstreit gesagt) füh­ren halt not­wen­di­ger­weise dazu, sich selbst in einer Opferrolle zu sehen — also eine Art men­tale Rollenumkehr zu vollziehen.

    Und k2020.at werd ich ab sofort auf­merk­sam verfolgen! :mrgreen:

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    Manuel Gruber Identicon Icon

    Die Seite ist spitze. Ich bin seit Tagen umge­ben von so genann­ten “lin­ken” Kärntnern, da ich bei mei­ner Freundin auf Heimaturlaub bin. Jeder, der Kärnten schon mal län­ger als drei Tage ver­las­sen hat, fin­det die ganze Misere ebenso unpack­bar, wie wir “Ausländer” :).

    Der ganze Haider-Wahn löst sich hof­fent­lich mit Fusion, Hypo, völ­li­gem Flop des Museums auf. Jetzt wird den Mütterchen lei­der lang­sam bewusst, wia a guada er woa, der Jörgl. Man darf gespannt sein. Ein gutes Neues euch allen!

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon

    Dir auch ein gutes neues! Ist ja erstaun­lich ruhig gewor­den in den letz­ten Tagen um die Hypo; Neujahrsfriede?

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  • Georg Identicon Icon

    Ein Teil der Kärntner (Stammtisch-)Mentalität ist sicher auch, dass man — je mehr Druck von außen kommt, sich immer mehr gegen außen stellt. Das wurde jah­re­lang von der Politik auch so gepflegt.

    Es man­gelt wirk­lich an Alternativen in die­sem Land. Die “Opposition” (SP stellt 2 Landesräte) hat ent­we­der nega­ti­ves Charisma, ist intel­lek­tu­ell über­for­dert, Eisenbahner-Betriebsrat zu sein oder mischt selbst mit den Orange/Blauen um die liebe Parteimarie mit.

    Meine Innensicht: Zum Speiben. Aber daran wird sich bis 2014 (und dar­über hin­aus, wenn die Opposition dumm/unfähig bleibt) nichts ändern. Leider.

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  • Paula Identicon Icon
    Paula sagte am 15. Januar 2010 um 18:56

    wie oben schon gesagt dass grenzt an maß­lose selbst­über­schät­zung..
    mehr kann man nicht sagen dazu!.. :frog:

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