Spielt das Wetter eine besondere Rolle in Ihrem Leben?

„Klare Formate. Großartige Highlights. Bessere Unterhaltung. Das ist – vereinfacht dargestellt – der Anspruch von datenschmutz.net, Ihrem neuen Blog aus der Alpen-Donau-Adria Region. Unsere Postings sind anspruchsvoll, aber nicht intellektuell (sic!). Kritisch, aber nicht parteipolitisch. Breit gefächert, aber keinesfalls ein Massenprodukt. Es richtet sich an ein weltoffenes und vielseitig interessiertes Publikum. An Junge und Junggebliebene (triple sic!) mit Meinung und Anspruch.“

Nein, ich bin nicht völlig übergeschnappt. Obiges Gsatzerl ist keineswegs die Selbstbeschreibung dieses Blogs, sondern jene des neuen RB-Fernsehsenders Servus.tv. In der Tat: es richtet sich! Nix gegen HD und Sportübertragungen, aber wie derartige Schwurbeleien im Brustton der Nicht-Überzeugungen eine Endredaktion passieren können, ist mir schleierhaft.

Dass etwa „kritisch“ und „parteipolitisch“ so deckungsgleiche Begriffe darstellen, dass es einer korrigierenden Relativierung bedarf, halte ich für mindestens originell. Klingt fast ein bisserl so, als hätte da jemand seine NLP Ausbildung nur bis zur Hälfte absolviert. Diese Sprachschwachsinn setzt sich dann auch kongenial in den Abstracts zu den einzelnen Sendungen fort:

Talk im Hangar-7. Unser Gesprächsformat mit Format. [Unser „Gesprächsformat mit Format, seriously – hat das irgend jemand vor der Drucklegung gelesen?] Ein bunter Talk mit bemerkenswerten Gästen, ein Forum für populäre Themen aus Kultur und Gesellschaft. Vier bis fünf interessante Persönlichkeiten schart Moderatorin Isabella Richtar im Hangar-7 um sich und entlockt ihnen spannende Geschichten und Erlebnisse zum jeweiligen Thema der Sendung.

Ob die Gäste wohl mit den Füßen scharren, während sie von Isabella „um sich“ geschart werden? Und was macht die Moderatorin, wenn sie einer „interessanten Persönlichkeit“ spannende Geschichten und Erlebnisse entlockt, die partout nicht zum „Thema der jeweiligen Sendung“ passen? Da wart ich doch lieber auf den Wetterbericht:

Alles über das Wetter der Region, fundiert, kurzweilig und mit dem gewissen „Aha-Effekt“. Jede Woche meldet sich ein „Wettermann“ bzw. eine „Wetterfrau“ aus einem anderen Winkel des Alpen-Donau-Adria Raums. Dabei kommen Menschen zu Wort, in deren Leben das Wetter eine besondere Rolle spielt.

Mit anderen Worten: wer sein ganzes Leben un- oder freiwillig in Kellern oder auf Weltraumstationen verbringt, kann sich den Gang zum Casting für „Servus‘ next Wetterfrau“ getrost sparen. Ich hingegen spare mir weitere Details, möchte aber dieser Stelle aber noch anmerken: Wenn Stars grundsätzlich „mega“, Brauchtümer „unverfälscht“ und Elektronik Sounds „rauschhaft“ daher kommen, ist das durchaus unterhaltsam, wenn auch nicht unbedingt im Sinne der Erfinder.

[Quelle: Sonderbeilage „Servus TV“ zum Red Bulletion Magazin, Dezember 2009]