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Wie Nokia/Siemens Diktatoren die Totalüberwachung ermöglichen

29.01.2010, geschrieben von Ritchie Blogfried Pettauer, 6 Kommentare

Nach außen hin bemüht sich so gut wie jedes Unternehmen, den von Google direkt aus­ge­spro­che­nen Slogan “” der eige­nen Kundschaft glaub­haft zu machen. Und die schöpft nor­ma­ler­weise auch kei­nen Verdacht — denn wäh­rend die schöne neue Smartphone-Welt vor lau­ter B2C Lifestyle glänzt, wer­den die weni­ger gut ver­markt­ba­ren Geschäfte prak­ti­scher­weise im B2B Bereich getä­tigt, weit­ge­hend unbe­merkt von der Öffentlichkeit.

Ärger­li­cher­weise erdreis­ten sich dann aber manch­mal inves­ti­ga­tive Journalisten, die ganze Story zu erzäh­len — etwa über eine bei­spiel­lose, modu­lare und per­fekt an die Bedürfnisse von auto­ri­tä­ren Staaten ange­passte Über­wa­chungs­lö­sung. “Was /Siemens genau an den gelie­fert hat, weiß nur /Siemens selbst. Ganz sicher hat /Siemens soge­nann­ten Monitoring Centers für die Netzwerke gelie­fert, die sie eben im auf­ge­baut haben“, erzählt Quintessenz-Pate und –Guru Erich Möchel dem im Interview. Menschen erhiel­ten Droh-SMS ist in vol­ler Länge in der media­thek abruf­bar — ich kann nur *drin­gend* dazu raten, den 12minütigen Clip in vol­ler Länge anzusehen.

erichmmoechel Wie Nokia/Siemens Diktatoren die Totalüberwachung ermöglichen

Wir Geeks sähen es ja lie­ber, wür­den grün ein­ge­färbte Twitter-Bildchen Regime stür­zen und vir­tu­el­ler Protest sich in poli­ti­schem Wandel mani­fes­tie­ren. Und das tut er sogar, wenn­gleich auf voll­kom­men andere Weise, als sich das Otto-Normaltweeper vor­stellt. Denn mit Medien wie spielt die Opposition einem Regime in die Hände, das sich dank /Siemens Technologie auf genaue Ortungsdaten stüt­zen kann. Und in die­sem Fall gilt das Argument “wenn’s die nicht machen, tut’s halt wer ande­rer” kei­nes­falls. Warum die unhei­lige deutsch-finnische Kooperation tat­säch­lich in Novum am “Über­wa­chungs­markt” dar­stellt, erklärt Erich folgendermaßen:

Daten aus der Telefonie abglei­chen, so dass man ein Bild einer Person bekommt, das weit über das Kommunikationsverhalten hin­aus­geht — das wird dezi­diert ange­bo­ten. Gut, da wird man sagen: das macht jeder Geheimdienst. Das hat natür­lich seine Berechtigung und das machen die west­li­chen Geheimdienste auch.

Das ein­zig­ar­tige an die­ser ‘Intelligence Plattform’ ist, dass ich noch nie ein der­ar­ti­ges Setup als Produkt ange­bo­ten sah. Gewöhnlich wird das ein Einzelteilen zusam­men­ge­stellt, hier eine Datenbank, da eine Datenbank — etwas Middleware dazwi­schen, sodass die DBs sich aus­tau­schen kön­nen. Dann noch eine Analyseeinheit… das sind alles bekannte Technologien. Sie sind nicht tri­vial, aber sie sind durch­aus zu meis­tern mit einer guten Informationstechnologie bzw. von guten IT-Technikern. Die grö­ße­ren Geheimdienste haben das alles seit Jahren in “Eigenregie” gemacht, mit ihrer eige­nen Technik — auch aus Geheimhaltungsgründen.

Das welt­weite Gros der Geheimdienste stammt aber aus Ländern, die *eben nicht* hoch tech­ni­siert sind. Denen stan­den diese Instrumente bis jetzt nicht zur Verfügung. Sie sind dabei, sich das ebenso ein­zu­rich­ten — und da hilft es, wenn man gleich ein fer­ti­ges Produkt kau­fen kann, das man noch dazu — falls nicht so viel Geld da sein sollte — in Einzelteilen bekommt. Man kann das Ding dann schön lang­sam hoch­rüs­ten. Und genau so ein Produkt ist diese . Sie ist nicht gedacht für das British Government Communication Headquarter, die haben sel­ber das bes­se­res. Und nicht für die NSA, die hat seit noch län­ge­rer Zeit was noch bes­se­res. Es ist gedacht für Länder wie Ägyp­ten, den , Kasachstan… das sind Länder, die dar­auf ange­wie­sen sind. /Siemens sagte auf meine Anfrage, wel­che Märkte denn mit dem Produkt belie­fert wer­den soll­ten: Nahost, Fernost und Europa. In die­ser Reihenfolge.

Eigentlich sollte man sol­che Technologien im Informationszeitalter ebenso stren­gen Ausfuhrbestimmungen unter­wer­fen wie Kriegswaffen (ob die dann ein­ge­hal­ten wer­den, steht ohne­hin auf einem ande­ren Blatt) — doch mir scheint: in punkto Gier nach Über­wa­chungs­tech­no­lo­gien unter­schei­den sich west­li­che Demokratien und dik­ta­to­ri­sche Regime nur unwesentlich.

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Bisher haben meine Lieblingsleser 6 Kommentare zu "Wie Nokia/Siemens Diktatoren die Totalüberwachung ermöglichen" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Christian Identicon Icon

    Im Endeffekt han­delt es sich dabei schon um eine Art Waffe der ira­ni­schen Regierung. Es ist schade, dass es so große Unternehmen immer noch nötig haben an sol­chen Projekten Geld zu ver­die­nen. Wahrscheinlich müsste an der Stelle noch mehr nega­tive PR gemacht wer­den, damit es sich nicht mehr loh­nen würde^^

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  • Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon

    Ja, da kann ich dir nur zustim­men! Und wahr­schein­lich wür­den sich genau in dem Bereich auch neue Medien effek­ti­ver ein­set­zen las­sen als im dire­ken Protest gegen die betref­fen­den Regime.

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  • Webdesig-tobias Identicon Icon

    Ethisch frag­li­ches Geschäft. Besonders nach­dem in den letz­ten Jahren alle Unternehmen eine CSR-Abteilung (Corporate Social Responsibility) ein­ge­führt haben um unethi­schem Verhalten vor­zu­beu­gen. Gerade Siemens hat schon mehr­fach sol­che Schlagzeilen pro­du­ziert (ich erin­nere an den Schmiergeldskandal).

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  • Hansi Identicon Icon

    Die nächs­ten tota­li­tä­ren Staaten auf euro­päi­schem Boden wer­den es bedeu­tend leich­ter haben als die DDR damals beispielsweise.

    Wie hätte wohl die DDR aus­ge­se­hen mit den heu­ti­gen tech­ni­schen Mitteln. Die Europäische Union ist ja offen­bar auch auf einem schlech­ten Weg hin­sicht­lich Datenschutz und Bürgerrechten. Sehr bedenklich!

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  • Dave h. Identicon Icon

    Ich finde es eigent­lich eine Unverschämtheit, dass Nokia/Siemens es über­haupt nötig hat eine sol­che “Waffe” an solch unver­ant­wor­tungs­volle Länder zu lie­fern. Klar das unsere moder­nen Geheimdienste sol­che Methoden schon seit Jahren nut­zen aber ich glaube (bzw hoffe!) das zumin­dest unsere Geheimdienste die gan­zen Informationen nur zur Schadensbekämpfung nut­zen und nicht, um uns damit zu scha­den. Wenn man aller­dings sieht das nun auch Länder wie der Iran mit die­sen Informationen betraut werde soll, dann wird mir Angst und Bange! Mich würde es nicht wun­dern, wenn Nokia-Siemens es noch bereuen wird, sol­che Anlagen an diese Länder ver­kauft zu haben. Im Moment glit­zert nur der Dollar in ihren Augen aber es gibt immer ein Erwachen!

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  • hanf Identicon Icon

    Ekelhaft dass die Waffen der Opposition jetzt gegen sich benutzt wer­den und dass aus­ge­rech­net einer deut­sche Firma die Technologie dafür lie­fert. Die müs­sen jetzt wäh­len ob das Telefon zu benut­zen und damit ins Fadenkreuz der Ermittler zu gera­ten oder gar keine Kommunikationsmittel benut­zen aber das wird auch nichts bringen.

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