Der erste Kontakt mit den Arkoniden, die Suche nach der Superintelligenz ES, der Kampf gegen die der Insel, die mehr­fa­chen Invasionen der Milchstraße durch Maahks, Laren, Über­schwere und andere exo­ti­sche Außerirdische, der Aufstieg der SOL, Perrys Naupaum-Odysee — und dann noch Sporenschiffe, Materiequellen und –sen­ken, das Fernraumschiff Basis, die Posbis, “”, Bardioc… der “Erbe des Universums” hat mich jah­re­lang beglei­tet. Aber eigent­lich geht’s in die­sem Beitrag gar nicht um das Universum, son­dern um Werbung aus den 70er Jahren — Ungeduldige scrol­len gleich nach unten.

Wer Heftromanserien gene­rell für Schund hält, hat natür­lich recht, doch die Science-Fiction Ausnahme bestä­tigt die Regel und ich möchte bloß anmer­ken: meine Damen, meine Herrn, Perry Rhodan ist der längste Roman der Welt, hal­ten wir momen­tan doch bei Band Nr. 2531. Das macht 48,6 Jahren oder knapp 160.000 Seiten. Im Gegensatz zu , und Co. sind PR-Romane näm­lich keine abge­schlos­se­nen Hefte: die Handlung geht immer wei­ter und ist grob in 2-Jahres Substories á 100 Hefte (soge­nannte “Zyklen”) unter­teilt. Als ich sei­ner­zeit akti­ves Mitglied der Fancommunity war, muss­ten Leserbriefe noch zu Fuß ver­fasst wer­den, mitt­ler­weile hat Perry auch einen Wohnsitz im Internet und kommt auf Wunsch sogar aufs iPhone.

Das Autorenteam, dem einige der begab­tes­ten SF-Schreiber des deut­schen Sprachraums ange­hö­ren, ver­stand es von Beginn, aktu­elle poli­ti­sche Entwicklungen in die Serie ein­flie­ßen zu las­sen, immer vor dem Hintergrund eines tolerant-liberalen Menschen– respek­tive Alien-Bildes. Die letz­ten Wochen haben ich inter­es­se­hal­ber mal wie­der rein gele­sen: der­zeit schla­gen sich Perry und Konsorten gerade mit den Verwüstungen, die die “ter­mi­nale Kolonne” in der Milchstraße hin­ter­las­sen hat, herum: Parallelen zur Post-WTC-Situation drän­gen sich unmit­tel­bar auf. (Wir schrei­ben der­zeit das Jahr 1463 Neuer Galaktischer Zeitrechnung, das ent­spricht anno domini 5050. Die Sache mit der Hauptpersonen-Lebensdauer haben die Autoren übri­gens mit einem dra­ma­tur­gi­schen Kniff gelöst: Perry und einige andere Hauptpersonen tra­gen Zellaktivatoren, die prak­ti­scher­weise die natür­lich Zellalterung verhindern.)

Grund für die­ses Posting ist frei­lich nicht die aktu­elle Handlung, son­dern ein Heft aus den 70ern: der Tag, an dem ich im Alter von 10 oder 11 beim Versteckspielen im Hof eine fast kom­plette Rhodan-Sammlung von Band 150 bis 900 fand, war wie Weihnachten und Geburtstag zugleich. Das Interesse mei­ner Spielkameraden an den selt­sa­men Heften hielt sich zwar in engen Grenzen, aber sie hal­fen mir, den Container in Rekordzeit leer­zu­räu­men. Mittlerweile sind die Hefte längst wie­der am Altpapier gelan­det, aber Nr. 505 “Im Schwarm gefan­gen” habe ich letz­tens beim Aufräumen gefunden:

Unternehmen Stardust”, die legen­däre #1, lag am 8.9.1961 am Kiosk, die­ser Band stammt also aus dem Jahr 1971. Und beim Aufblättern der Leserbriefseite hab ich erst mal ganz schön ver­wun­dert geguckt, denn das Autorenteam schreibt als Einleitung:

Im Band 486 der Rhodan-Serie rie­fen wir unsere Leser dazu auf, sich für eine beschleu­nigte Gesetzgebung zum Umweltschutz ein­zu­set­zen. Das Ergebnis war nie­der­schmet­ternd. Wenn man bedenkt, dass täg­lich unge­fähr drei­ßig Briefe bei der Leserbriefredaktion ein­ge­hen, in denen sich Leser mit den ver­schie­dens­ten Themen befas­sen, ist es ent­täu­schend, wenn nur drei Leser zum Thema Umweltverschmutzung Stellung neh­men. Bedeutet das schon Resignation? Wie dem auch sei, die laut­lose Apokalypse schrei­tet wei­ter fort. Die Umwelt, die uns ein men­schen­wür­di­ges Leben garan­tie­ren könnte, wird sys­te­ma­tisch zer­stört und ver­gif­tet. An einem ein­zi­gen Tag, dem 15. Januar 1971, fan­den wir allein in der FRANKFURTER RUNDSCHAU fol­gende Über­schrif­ten über Umweltvergiftung: ALARMIERENDER SMOG ÜBER FRANKFURT — Abgase kön­nen über der Stadt nicht abzie­hen — Verschmutzung bis zu fünf­mal höher als zu ver­ant­wor­tende Werte — Gefahr für die Gesundheit.

AN ALLE: WIEVIEL IST JEDEM SEIN LEBEN WERT‘

GIFTREKORD IN DER FRANKFURTER LUFT — WEG VOM TRESEN — AB IN DEN WALD (Ratschläge für Smog-Tage)

Soweit die Zitate. Wenn es zu spät sein wird, darf sich nie­mand dar­auf beru­fen, dass es schließ­lich die “ande­ren” waren, die die Katastrophe ver­ur­sacht haben. Wir alle sind dazu auf­ge­for­dert jetzt etwas zu unter­neh­men — und wenn es nur ein Brief an den zustän­di­gen Bundes– oder Landtagsabgeordneten ist.

Ja, so war das damals vor 39 Jahren! Noch sen­sa­tio­nel­ler aller­dings sind die im Heft ent­hal­te­nen Werbeschaltungen, wel­che ich der ver­ehr­ten Leserschaft kei­nes­falls vor­ent­hal­ten möchte. Da hät­ten wir auf der Umschlaginnenseite gleich mal einen alten Bekannten. Und was sagt Arnie über die bewor­be­nen Muskelaufbaupräparate?

A. SCHWARZENEGGER, 22 Jahre alt (unser Bild), Filmschauspieler in Hollywood und mit 4 Mr.-Universum– und Olympia-Titeln erfolg­reichs­ter Startathlet der Welt, erklärt: “Ich ver­danke meine sport­li­chen und beruf­li­chen Erfolge aus­schließ­lich die­sen sen­sa­tio­nel­len, sport­ärzt­lich emp­foh­le­nen Nahrungskonzentraten, die in flüs­si­ger Form ein­ge­nom­men wer­den, denn sie geben mir bei regel­mä­ßi­ger Einnahme über 6 Wochen die zum Muskelaufbau not­wen­di­gen Kalorien, Vitamine und Mineralien sowie das mus­kel­auf­bau­ende PROTEIN und sind eine GARANTIE für jeden Erfolgt. Diese sen­sa­tio­nel­len Nahrungskonzentrate wur­den noch vor eini­gen Jahren von den ame­ri­ka­ni­schen Starathleten als Erfolgsgeheimnis streng gehütet.”

Arnold Schwarzenegger empfiehlt

Soso… würd mich wirk­lich bren­nend inter­es­sie­ren, ob das hier bewor­bene Präparat 2010 noch immer legal ist :mrgreen:

Auch nicht schlecht: in den 70ern war’s noch nicht die IT, son­dern die Elektronik, der man alle Zukunftschancen ein­räumte — und heut­zu­tage sind die Gehäuse von China-Import Radios mit Einschnapp-Klammern ver­se­hen: Auseinandernehmen spielt’s über­haupt nicht mehr:

Elektronikspezialist

Von wegen Elektronik: schon sen­sa­tio­nell, was damals so für Spitzentechnologien von Japan nach Europa rüber schwapp­ten. Das sug­ge­riert zumin­dest die Umschlag-Rückseite. Von der “Lötpistole für Jedermann” (damals noch waf­fen­schein­frei) über die Stereo-Tonbox bis zur 24-Stunden Schaltuhr. Welcome to the World of Tomorrow!

Spitzentechnologie aus Japan

Auch die hin­tere Umschlag-Innenseite fun­giert 39 Jahre spä­ter als aus­sa­ge­kräf­ti­ges Zeitzeugnis: Filme wur­den damals nicht mit HD-Beamern son­dern mit Super8-Projektoren an die Wand gewor­fen, statt Schönheitschirurgen gab’s eine “kom­bi­nierte Stirn– und Kinnbinde” zur Erhaltung der “jugend­li­chen Form des Gesichts und zur Reduktion des Doppelkinn-Fettansatzes. Briefmarken, hei­rats­wil­lige Frauen, Alarmpistolen, mit einem Wort: Needful Things:

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