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Abschiebepraxis: Da waren’s nur noch 10

11.03.2010, geschrieben von Ritchie Blogfried Pettauer, 5 Kommentare

Der Gerechtigkeit muss genüge getan wer­den und das Böse bekämpft: beson­ders wenn es in der nur schein­bar harm­lo­sen Gestalt eines neun­jäh­ri­gen Fußballspielers daher­kommt. Ab in den Kosovo mit ihm! Wir müs­sen uns alle dar­über im Klaren sein, dass eine poten­ti­elle Bundespräsidentin, die mit Nazi-Symbolik koket­tiert, keine Bedrohung für die­ses Land gro­ßer Söhne und Töchter dar­stellt, wäh­rend mit Hinterlist und Chuzpe, wie sie sich nur ein Neunjähriger aus­den­ken kann, die­sem Land unsag­ba­ren Schaden zufü­gen könnte.

karrica Abschiebepraxis: Da warens nur noch 10

Die Perfidität sei­nes Tuns muss man sich auch wirk­lich auf der Zunge zer­ge­hen las­sen: schon als Vierjähriger stürzte Bernard den Kosovo in Krieg und Chaos, nur um seine Eltern zur Auswanderung nach Öster­reich zu zwin­gen. Nicht genug mit die­ser dreis­ten Ortswechselei: die ins­ge­samt fünf­köp­fige Familie Karrica besaß auch noch die Frechheit, sich mit Familien aus dem Ort anzu­freun­den. Und als wäre dies noch nicht skan­da­lös, schick­ten sie Bernard auch noch zum Fußballtraining. Sein Trainer sagt übri­gens über ihn:

Ich habe Bernard 4,5 Jahre lang trai­niert und meis­tens auch vom oder zum Training oder Match gebracht – er ist das größte Talent, wel­ches je in unse­rer Gemeinde gespielt hat. Nach all den Jahren ist er wie ein zwei­ter Sohn für mich! Ich habe jetzt noch Kontakt mit Bernards Vater – er weint immer noch jede Nacht!

Und warum weint er, der Vater? Weil die brave und auf­rechte Innenministerin Bernard samt sei­ner Anverwandtschaft end­lich depor­tie­ren ließ. Wo kämen wir denn da hin, wenn jede auf Zeit ein­ge­wan­derte Familie sich so gut inte­griert? Die Frau Ministerin Schottermizzi hat sich doch klar und deut­lich für mehr Erst– und Letztaufnahme-Zentren aus­ge­spro­chen. Der eigent­li­che Skandal: ganze fünf Tage hat’s gedau­ert, die Karricas zu deportieren:

Mittwoch 17.2.2010: nega­tive Asylentscheidung und mit der Polizei inner­halb von weni­gen Stunden wurde die Familie aus der Wohnung in einen ande­ren Ort, in eine Pension, gebracht.

Samstag 20.2.2010: Festnahme und Über­stel­lung in das Schubhaftgebäude Wien

Sonntag 21.2.2010: Abflug in den Kosovo

Das geht doch schnel­ler oder was! Zum Einpacken war ja offen­bar auch keine Zeit:

Mama, der Bernard ist ein­ge­sperrt und am Montag kommt eine Schulpsychologin zu uns.“
Wofür?
Um den Kindern zu sagen, dass eh alles nicht so schlimm ist?
Es ist schlimm, sehr schlimm sogar. Seine Schulbücher, Hefte, Malsachen, Turnsackerl, Werkkoffer, Patschen, alles ist wie immer an sei­nem Platz — nur Bernard, dem diese Dinge gehö­ren, ist nicht da!

Jetzt stel­len Sie sich mal vor, irgend­wel­che links­lin­ken Gutmenschen begin­nen Schwachsinn von huma­ni­tä­rem Bleiberecht zu faseln. Denen ist ohne wei­te­res zuzu­trauen, dass sie eine Petition star­ten — wo doch jeder weiß, dass ein neun­jäh­ri­ger talen­tier­ter Fußballspieler mit sei­ner unbe­schol­te­nen Familie wirk­lich nix in Öster­reich ver­lo­ren hat!

Was, die Petition gibt’s schon?

Und Sie sind da ande­rer Meinung und Ihre Scham über “effi­zi­ente Abschiebepraktiken des Innenministeriums” schlägt lang­sam in ein Gefühl der ohn­mäch­ti­gen Wut um? Dann unter­schrei­ben Sie! Dass mediale Präsenz wenig aus­rich­tet und im Zweifelsfalls auch der onkel­hafte Bundespräsident und der angeb­lich sozia­lis­ti­sche angeb­li­che Kanzler uni­sono befin­den, Recht müsse Recht blei­ben, ken­nen wir von der Causa Arigona zur Genüge.

Mir ist eine FP-Kandidatin (die ja wohl aus guter alter Parteitradition gera­dezu hei­me­lige NS-Gefühle ver­spü­ren *muss*) fürs Bundespräsidentenamt weit­ge­hende egal. Aber was mir wirk­lich Angst macht, ist die Tatsache, dass Politiker, die hin­ter Entscheidungen wie der der Karricas ste­hen, immer und immer und immer wie­der­ge­wählt wer­den. Let’s face it: die FPÖ ver­an­stal­tet popu­lis­ti­sches Kasperltheater, aber die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP grei­fen dort in die Scheiße, wo’s nicht nur belei­digt, son­dern Menschenleben zer­stört. Wie lange wol­len wir ihnen das denn eigent­lich noch durch­ge­hen lassen?

Fußball ver­bin­det: Petition für Bernard Karrica

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Bisher haben meine Lieblingsleser 5 Kommentare zu "Abschiebepraxis: Da waren’s nur noch 10" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Leon Meistra Identicon Icon
    Leon Meistra sagte am 11. März 2010 um 19:18

    Also sowas geht ja echt nicht. Bei uns ist sowas auch Mal pas­siert. Haben dann mein Girokonto geplün­dert und ihm einen neuen Fußball gekauft.

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon

    Naja, ein Fußball wird das Problem nicht lösen, fürchte ich.

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  • Joe Identicon Icon

    Echt beschä­mend. Finde ich toll, dass du das hier auf dei­nem Blog publik machst und Leute wie mich dar­auf auf­merk­sam.
    Das schreit nach einer Facebook-Gruppe + Petition!

    mfg
    Joe

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  • Christian Identicon Icon

    Bei mir in der nähe in Offenbach gab es vor ein paar Monaten einen ganz ähnli­chen Fall, damals wurde die Aktion von einer AG-Wohlfahrt (Arbeitsgemeinschaft Wohlfahrt) ange­lei­ert. Deren ein­zige Aufgabe war es Leute aus­fin­dig zu machen, bei denen es irgend­wel­che klei­nen Ungereimtheiten gab und diese dann abzu­schie­ben. Ganz egal, ob die ganze Familie bes­tens inte­griert war. An der Uni gabs dar­auf­hin eini­ges an Protest.

    Ich bin mal gespannt wie der Fall hier ausgeht.

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  • Lisa Identicon Icon

    Zum Thema Abschiebung kam letzte Woche — auf Phoenix glaube ich — eine inter­es­sante Doku. Hier ging es um Roma, die ver­mehrt aus Deutschland in den Kosovo abge­scho­ben wer­den. Jugebdliche, die in Deutschland gebo­ren und dem­ent­spre­chend hier sozia­li­siert wur­den, wer­den in ein ihnen frem­des Land abge­scho­ben, in dem man sich weder um sie küm­mern kann noch will. Die Menschen leben dort unter Zuständen wie man sie sich nicht mal im Ansatz vor­stel­len kann — flie­ßen­des Wasser und ärzt­li­che Versorgung sind dort über­haupt nicht vor­han­den, geschweige denn Arbeit. Es ist wirk­lich erbärm­lich wie in Deutschland Abschiebepolitik betrie­ben wird. Umso wich­ti­ger jeden ein­zel­nen Fall in die Öffent­lich­keit zu brin­gen und dage­gen zu pro­tes­tie­ren, damit die Herren Politiker mer­ken, dass ihre Politik von der Bevölkerung nicht getra­gen wird!

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