Die Zukunft der Fernsehwerbung

Zugegeben, der deutschsprachige, zumal der österreichische Werbemarkt funktioniert vollkommen anders als sein US-Pendant. Echte Konkurrenz zwischen mehreren Networks kann sich dank der Steuergeld-gestützten Oligopolstellung des 2-Kanal-Blähbauchs ORF kaum entwickeln, aber dennoch: irgendwann wird die Zukunft, aus der dieser Beitrag kommt (zur Beförderung von Briefen über größere temporale Distanzen siehe Herbert Rosendorfers „Briefe an die chinesische Vergangenheit“), auch hierzulande ankommen. In den USA macht’s Google TV Ads bereits jetzt möglich – kaum auszudenken, was für wunderbar subversive Kampagnen man spätnachts über die Glotze jagen könnte – SlateV.com hat’s gleich mal ausprobiert [via Frank Kern]:

Die wächst ständig und besteht keineswegs aus kleinen, lokalen Betreibern: telemediale Schwergewichte wie CNBC, Bloomberg und BBC sind mit von der Partie. Wer nun hofft, seinen Heiratsantrag in der Werbepause von Californication zu schalten, muss trotzdem enttäuscht werden: Prime Spots sind nicht nur teuer, sondern meist auch schon an die Profi Liga ausverkauft.

Aber Googles Service vermarktet sozusagen den Fernseh-Longtail und erschließt damit mittleren und kleinen Publishern und Unternehmen einen Bereich, der bisher für diese nicht zugänglich war – ganz analog zu klassischer Online-Werbung. Gäb’s AdWords, Facebook und Co. nicht, sähe es nämlich im PPC-Bereich auch ziemlicher düster aus, denn in Europa hat’s noch nie jemand geschafft, Advertising-Longtail-Modelle auf breiter Basis zu etablieren. Ich bin jedenfalls ausgesprochen gespannt, ob und wann europäische Networks nachziehen. Über die laufende Weiterentwicklung der TV Ads berichtet das Team am offiziellen Blog, wer sich schon mal auf den „Google certified TV Ad Manager“ Kurs vorbereiten möchte, dem sei folgendes Video empfohlen:

PS: Bedenkt man, wie billig Werbeminuten zu nachtschlafener Phone-In Show Stunde sind, könnte man in den TV Ads durchaus als die Over-the-Counter Variante von Andy Warhols „15 Minutes of Fame“ betrachten… ich stell mir grad vor, wie um halb fünf Uhr früh das Handy läutet: „Du musst den Fernseher aufdrehen, ich bin im neuen Werbespot zu unserer Coupon-Seite, der wird nur ein einziges Mal gesendet!“

7 comments
Christian
Christian

Ich denke die Entwicklung wird hauptsächlich sehr interessant, wenn TV und Internet noch viel mehr miteinander verknüpft sind. Denn sobald ein Anbieter weiß, welche Interessen der Zuschauern hat, wäre dann wirklich personalisierte Werbung möglich... Datenschutzrechtlich dürfte das allerdings sehr brenzlig werden.

Ronnie Coleman
Ronnie Coleman

Interessanter Beitrag. Die Fluht der Werbung wird wohl nie abreißen. Die Frage ist halt nur noch, wann der Mensch komplett resistent gegen diese Fluht an Werbung wird.

Maike Schühman
Maike Schühman

Ein sehr interessanter Beitrag. Allerdings ist das einzige was ich feststelle, die kontinierlich wachsenden Werbeeinblendungen. Dachte man vor einigen Jahren noch, das Maximum wäre erreicht, wird man heutzutage eines besseren belehrt. Die nahe Zukunft der deutschen Werbeeinblendungen ist aber immer leicht in Übersee (USA) zu erkennen.

Peter
Peter

Sehr spannend! Ist das dann Social Media Budget oder klassisches Tv Budget in einer Kampagne? So oder so hat es für viele Produzenten mtv-revolutionäres Potential.

Trackbacks

  1. […] Die Zukunft der Fernsehwerbung […]

  2. […] einen gewal­ti­gen Mehrwert für diverse Verlags-artige Aktivitäten. Google hat ja nicht nur den Longtail der Fernsehwerbung erschlos­sen, son­dern plant unter dem Namen “Google Editions” ein eige­nes Buchprogramm, […]