Neu bei Facebook: Fans raus, Community Pages rein

Alles neu macht der April – Social Media Berater und ihre Fake-Accounts müssen in Kürze keine Fans ihrer Kunden mehr sein, es reicht vollkommen, selbige zu mögen: Facebook rollt seit heute die längst überfällige Neu-Textierung aus. Eine noch wesentlich drastischere Neuerung als das ReWording kommt unter dem Namen „Community-Pages“ daher: das sind automatisch generierte Übersichtsseiten zu allen möglichen Schlagwörtern – für Facebook ein weiterer logischer Schritt am Weg zur Netzvorherrschaft. Im Lauf der nächsten Tage werden die „Pages 2.0“ allen Usern zur Verfügung stehen, inklusive einer neue Verlinkungs-Möglichkeit für die im Profil angegeben Interessensgebiete. Klingt soweit harmlos, wird Facebooks Vormachts-Stellung als Social News Provider aber mit Sicherheit weiter zementieren.

Facebook Pages neu

Grafik: Mashable.com

Dass der Ausdruck „Fan“ in der deutschen Sprache eine weit emotionalere Bedeutung trägt als im Englischen, führte in der Vergangenheit bei Facebook-Pages immer wieder mal zu Irritationen. Damit ist in Kürze Schluss: zukünftig sind wir, und zwar in allen Sprachversionen, keine „Fans“ mehr von beispielsweise Zahnpasten, sondern „mögen“ diese schlicht und ergreifend nur. Das altbekannte „Like“ (respektive „gefällt mir“) ersetzt also den Fanclub, der von viele Nutzern so dringend herbeigewünschte Unlike-Button wird wohl noch länger auf sich warten lassen, denn damit erwiese Facebook seinen zahlenden Kunden wohl einen schlechten Dienst. Die terminologische Änderung ist schon länger im Gespräch, spätestens seit Ende April ein anonymes PDF im Netz auftauchte. Nun haben die Nägel Köpfe: Karin hat die neue Version heute früh schon zu Gesicht bekommen und einen Screenshot angefertigt.

Zu den Community Pages Mashable hat nähere Infos zusammen getragen:

Now, users can „like“ topics, such as cooking or hip hop, in addition to brands, such as Sur La Table or Eminem. These community pages aren’t run by individuals, so they don’t have a wall and don’t send updates to users‘ feeds. Instead, they import streams of related, public content from user status messages.

Und wo kommen dann die Inhalte her, mit denen diese Seiten befüllt werden? Ganz einfach: Facebook importiert Updates über simples Begriffsmatching und bedient sich umfassend bei öffentlichen Datenbanken:

Status text is split into updates from friends and updates from all Facebook users. E.g., if I write in a status update to everyone, „I love this new hip hop album,“ Facebook recognizes the term „hip hop“ and imports my public update to the hip hop community page. Community Pages also include relevant information from Wikipedia (Wikipedia) under a Wikipedia tab.

Diese Änderung finde ich nicht zuletzt unter SEO-Gesichtspunkten hochgradig spannend: WordPress etwa kennt mehrere Layer „thematischer Gruppierung“: neben dem chronologischen Archiv generiert das CMS auch Kategorie- und Tag-Übersichtsseiten. Die beschriebenen Community-Pages kann man durchaus als Analogie zu Tag-Pages betrachten: beide bringen dem User relativ wenig Mehrwert, verbessern aber die Strukturierung und letztendlich auch die Positionierung der Seite. Inwieweit Facebook mit der Rekombination öffentlicher Inhalte mit Echtzeit-Elementen zusätzliche Seiten im Index platzieren kann, wird die Zukunft zeigen. Bedenkt man allerdings, dass im Größenvergleich mit Facebook poplige Seiten die Mahalo über Aggregator-Pages massiv viel Longtail-Traffic abgreifen, scheint der Hintergedanke relativ klar.

Ebenfalls neu: gemochte Pages können als Link zu den diversen am Profil gelisteten Interessensgebieten hinterlegt werden, das entsprechende Opt-In Fenster bekommt jeder Nutzer in den nächsten Tage zu sehen:

Instead of being merely static text, the profiles can display links to active community or brand-owned pages. Each page’s link will open up a hovercard with more information on the page. The pages you already like will be linked to your profile in the appropriate category, such as music or movies, and interests you’ve stated can be linked to related community pages.

Das klingt nach weitgehendem Kontrollverlust, wenn man mit den Privacy-Einstellungen nicht noch vorsichtiger ist als bisher. Obendrein kommen all diese Änderungen Facebook vehementer „Closed-Garden“ Philosophie sehr entgegen, überspitzt formuliert wird Mark Zuckerberg seinen Usern wohl suggerieren wollen: Wozu braucht man noch den Rest den Internets, wenn man sich auf Facebook über alle (aktuellen) Themen informieren kann?

15 comments
Felicitas
Felicitas

Also ich nütze Facebook eigentlich jeden Tag und finde es toll, dass es so ein komplexes Netzwerk gibt, in welchem sich alles untereinander vernetzt - bis zu einem gewissen Grad, denn irgendwann ist echt mal Schluss! Ich finde es einfach dumm, sich mit allen möglichen Seiten zu verlinken, denn statt Posts von Freunden, die eigentlich interessant wären, erscheinen nur noch Posts und Ankündigungen der Fan-Seiten. Ich empfinde dies ehrlich gesagt schon als störend - sicher muss man die verlinkten Personen über Neuigkeit informieren und das geht eben nur über die Pinnwand, aber ich finde trotz allem, dass dies alles schon überhand nimmt. Facebook soll doch schon irgendwie ein "Freundes"- und Personen-Netzwerk bleiben und kein News-Portal werden.

Ferienwohnung fränkische Schweiz
Ferienwohnung fränkische Schweiz

Ich habs mir gerade mal angesehen, ich finde das ganz eigentlich gar nicht mal schlecht. Aber die alten Fanpages waren ja auch nicht ohne

Manfred Leute
Manfred Leute

@ Ina Jetzt wo du's sagst, fällt mir auf, dass es mir ähnlich geht. Facebook zu nutzen heißt heutzutage tatsächlich mit Meldungen und Bannern bombadiert zu werden, die einen nicht interessieren. Da sollte Facebook echt wieder nutzerfreundlicher werden und bessere Möglichkeiten bieten "Spam" abzustellen.

Maike
Maike

Schade eigentlich, dass die Entschlüsse immer für das Kapital und gegen die gesunde Community getroffen wird. Aber so ist das nun mal im Kapitalismus.

Ina
Ina

Wo ich das hier lese, fällt es mir wieder ein: es gab eine Zeit, da mochte ich Facebook. Ich habe mich schon vor drei Monaten abgemeldet, weil mir diese ganze Kommerzialisierung mehr als gegen den Strich geht. Immer mehr Neuheiten werde eingeführt, die doch nur dazu dienen die kommerzielle Ausschlachtung der User voranzutreiben. Ich hoffe, dass dieses Verhalten Facebook bald gewaltig auf die Füße fallen wird.

stephan
stephan

Cooler Beitrag!! Mach weiter so!!!

Marco
Marco

Interessanter Post. Die "Gefällt mir" statt Fan Neuerung wurde bereits gestern kurzzeitig umgeschalten, wurde jedoch wieder abgedreht. Nun ist sie da. Ein Dislike-Button würde meines Erachtens die Kommentare einschränken und die bringen eigentlich mehr.

Andreas Habicher
Andreas Habicher

Dislike-Button wäre zwar oft praktisch bei schlechten Nachrichten wie "findet sein Auto nicht mehr", geht aber nicht: damit würden Flame-Wars ohne Ende angezettelt, man denke nur an Pages über Politiker und Promis, auf denen sich Liker und Disliker bekämpfen könnten. Das brächte zwar Usetime und Klicks, aber das angenehme Facebook-Community-Gefühl mit einer Welt voller "Friends" und "Likes this"-Meldungen würde einer gewissen kampfbereiten Anspannung weichen. Wer will das?

Dennis
Dennis

Ich bin auch der Meinung dass mit der Fanwerden man direkt in eine Abofalle gezogen wird. Mann muss zwar nichts zahlen aber diese unnötigen Mails jeden Tag nerven schon. Das mit dem Dilike-Button ist auch eine gute idee. Sollte wirklich mal eingeführt werden. Auf der Arbeit wurden diese Seiten schon vom Personalchef gesperrt was ich auch gut verstehen kann :D

Aufschnürer
Aufschnürer

Öfters mal was Neues vom blauen Riesen. Aber dass ich durch das "Mögen" einer Seite gleich zum Fan werde und damit ja auch automatisch dessen News abonniere, gefällt mir nicht wirklich. Ich hätte es lieber weiterhin getrennt gesehen und außerdem auch endlich den Dislike-Button eingeführt. Die Hoffnung stirbt zuletzt, also abwarten und Kaffee trinken :coffee2:

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