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USA Flugfazit = 5 Filme und 1 neuer Snack

06.04.2010, geschrieben von Ritchie Blogfried Pettauer, 12 Kommentare

The inven­tion of lying, Wo die wil­den Kerle woh­nen, Everybody’s fine, Der Informant, Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen sowie ein Laugenweckerl mit inte­grier­tem Leberkäse (also direkt im Weckerl, das unschul­dig wie ein rein vege­ta­ri­sches Kohlenhydrat-Produkt wirkt: keine äuße­ren Verletzungen, keine sicht­ba­ren Schnitte, kurzum der ideale Gag-Artikel für Vegetarier-Partys!): die­sen fünf und die­ser Snack sind mein Fazit eines Lufthansa Fluges zwi­schen zwei Kontinenten. Danke übri­gens an die nette Stewardess, die mir einen Einweghandschuh brachte, den ich um Kopfhörerstecker und Armlehne kno­tete, um dank Latex-Materialspannung ein­sei­tige Beschallung via Ohrhörer zu verhindern.

Man hofft, die flug­kri­ti­schen System des Airbus mögen bes­ser gewar­tet sein als die Klinkenstecker in der Armlehne — wobei knapp 10 Stunden sen­so­ri­scher Deprivation zwei­fel­los einer über­mä­ßig spek­ta­ku­lä­ren unge­plan­ten Zwischenlandung vor­zu­zie­hen sind. Obwohl auch ers­tere ganz schön an die Substanz geht, den auch beim Rückflug gab’s ein inter­es­san­tes Aha-Erlebnis: die Lufthansa hat tat­säch­lich noch Uralt-Interkontintental-Stahlvögel ohne Entertainment-System im Einsatz, sodass ich mich nach Latexhandschuh samt Bildschirm sehnte. So aber sah ich zumin­dest am Hinflug alles, was ich sonst garan­tiert nie run­ter­ge­la­den hätte. Und weil da zwei sehr uner­war­tete Highlights dabei waren, hier ein kur­zer Abriss — falls Sie dem­nächst auch einen län­ge­ren Aufenthalt auf engem Raum pla­nen, erleich­tert Ihnen das viel­leicht die Auswahl. Die Reihenfolge impli­ziert in die­sem Fall übri­gens defi­ni­tiv eine Wertung, schließ­lich dau­ern Internkontinentalflüge ja nur fast unend­lich lang!

Everyone’s fine / Everyone’s fine

Everybody's fine

is cal­ling — but not speaking Italian. Diesmal nicht. Und wie mit fast jedem sei­ner legt das Hollywood-Genie auch hier schon wie­der eine sei­ner bes­ten Performances aller Zeiten hin: Ein vom PVC-lastigen Job gesund­heit­lich ange­schla­ge­ner Witwer besucht seine vier Kinder, die in ver­schie­de­nen ame­ri­ka­ni­schen Städten leben. Alle vier haben den ver­spro­che­nen Heimaturlaub abge­sagt — doch auf sei­ner Rundreise muss der Protagonist fest­stel­len, dass beide Töchter und beide Söhne eini­ges vor ihm zu ver­ber­ge­ben haben: her­vor­ra­gende Exploration der schwie­ri­gen Troika Kinder, Eltern und Erwartungshaltungen mit tra­gi­schen, komi­schen und tra­gi­ko­mi­schen Momenten.

The Invention of Lying / Die Erfindung der Lüge

The invention of lying

In der hypo­the­ti­schen, lügen­freien Welt die­ses Streifens sagt jeder, was er sich gerade denkt — für Konzepte wie Unhöflichkeit oder soziale Unerwünschtheit bleibt unter die­sen Bedingungen natür­lich kein Platz. Doch dann fin­det ein klas­si­scher Underdog plötz­lich raus, dass Fiktion — oder Lüge — ihm gera­dezu magi­sche Türen öffnet. Stünde der furcht­bare auf der Besetzungsliste, hätte ich die Playtaste erst gar nicht gedrückt. Um aus einem so bana­len Holzhammer-Setting sub­tile Komik her­aus kit­zeln zu kön­nen, braucht man keine Brachial-Komödianten, son­dern — . Der bri­ti­sche Comedian ist schlicht­weg die Idealbesetzung für die­sen Film, der das über­zeich­nete Setting geschickt aus­nutzt, um dis­kur­sive Strategien zu demas­kie­ren. Fällt außer­dem für Theologie– und Medien-Studenten in die Doppelkategorie Unterhaltung/Weiterbildung.

Wo die wil­den Kerle woh­nen / Where the wild things are

Multitalent ver­filmt ein popu­lä­res Kinderbuch — da muss das Ergebnis ja gera­dezu gemischt Reaktionen her­vor­ru­fen. In die­sem Fall kon­kret bei der Frage nach der “Kindereignung”, die zu dis­ku­tie­ren selbst– und frem­der­nannte Film– wie Erziehungsexperten wochen­lang nicht müde wur­den. Jonze the­ma­ti­siert schwie­rige Konflikte, seine wuch­tige fil­mi­sche Umsetzung könnte jün­gere Zuseher über­for­dern, so der Tenor der einen Fraktion — und zwar mei­ner Meinung nach jener, die die Erinnerung an die eige­nen Kindheit rest­los aus­ge­löscht haben und Jonzes Kinodarbietung ver­mut­lich auch mit den Kategorien öffentlich-rechtlichen Kinder-Bildungsfernsehens mes­sen. Visuell und schau­spie­le­risch gran­dios gelun­gen, unbe­dingt anschauen!

Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen / Cloudy with a chance of meatballs

Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen

Animationsfilm nach der Vorlage der im anglo-amerikanischen Raum offen­bar popu­lä­ren Kindergeschichte “Cloudy with a chance of Meatballs”: gera­dezu arche­ty­pisch setzt das Regisseursduo Phil Lord / Chris Miller ihre Charaktere in Szene: den unge­schick­ten Erfinder, den gie­ri­gen Bürgermeisten, die rasende Reporterin — im Zusammenspiel die­ser über­zeich­ne­ten Charaktere ent­fal­tet sich eine skur­rile Geschichte um eine Maschine, die Essen vom Himmel reg­nen lässt und schließ­lich zur ulti­ma­ti­ven Bedrohung für die Bewohner einer klei­nen Insel wird. Dank ori­gi­nel­ler Dialoge und eines flot­ten Drehbuchs weit erträg­li­cher, als die Beschreibung viel­leicht ver­mu­ten ließe.

Der Informant / The Informant

gibt in die­ser auf einer “wah­ren Geschichte” beru­hen­den Groteske einen Biochemie-Manager, der fürs FBI als Informant arbei­tet und ille­gale Preisabsprachen ver­hin­dern will. Je wei­ter die Handlung vor­an­schrei­tet, desto unkla­rer wird, wer denn nun wirk­lich Dreck am Stecken hat. Dass der Hauptdarsteller sich als noto­ri­scher Lügner und rück­sicht­lo­ser Karrierist ent­puppt, ret­tet das fade Bio-Pic auch nicht mehr. Ich ver­stehe beim bes­ten Willen nicht, warum plötz­lich alle Damon mit einem rich­ti­gen Schauspieler ver­wech­seln: zuge­ge­ben, allein seine Frisur ver­setzt die ganze Handlung (die eigent­lich in den 90ern spielt) in die 70er Jahre, aber das ist auch schon die ein­zig bemer­kens­werte Acting-Leistung in die­sem ent­täu­schen­den Neo-Werk Soderberghs: der kann extreme Charaktere sonst ja viel bes­ser in Szene set­zen — eine ein­zige Enttäuschung.


Fotos: Pressebilder aus der IMDB

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Bisher haben meine Lieblingsleser 12 Kommentare zu "USA Flugfazit = 5 Filme und 1 neuer Snack" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Walter Identicon Icon

    No nah ist Ricky Gervais die Idealbesetzung, er hat den Film ja auch geschrie­ben und Regie dabei geführt (jeweils gemein­sam mit Matthew Robinson). ;-)

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon

    Oh… dass das Skript auch von ihm stammt, wusste ich nicht; umso mehr Respekt!

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  • foto rollo Identicon Icon

    Boah, der Informant geht ja gar nicht. Ich weiss auch nicht, warum der Damon sol­che Rollen annimmt. Er hat mir bes­ser in Oceans 11, Born und Green Zone gefal­len. Über­haupt war ich über die Jason Born Filme erstaunt. Hatte dem Damon das nicht so zugetraut.

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon

    Ja, find ich auch — in rasan­ten, action-lastigen Drehbüchern mit gerin­gen schau­spie­le­ri­schen Ansprüchen ist er viel bes­ser auf­ge­ho­ben! Die Bourne-Filme fand ich auch ziem­lich okay, aller­dings ab dem 2. Teil ein wenig repetitiv.

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  • Joe Identicon Icon

    Wo die wil­den Kerle woh­nen” hab ich mit freun­den im Kino gesehen. — Eine ein­zige Enttäuschung für mich, bin fast ein­ge­schla­fen. Keine Höhepunkte im gan­zen Film. Hatte mir mehr erwartet.

    Cloudy with a chance of meat­balls” hab ich auf mei­nem Flug nach Peking gesehen. — guter Animationsfilm mit eini­gen sehr guten Pointen. Mir hat die Szene am bes­ten gefal­len wo sein dAd ver­sucht mit dem Computer umzu­ge­hen. (“Du musst mit der Maus über den aRbeits­platz fahren!”) — Genial! Oft gehts mir mit mei­ner Mutter genauso.… ^^

    Bist du Economy Class geflogen?

    lg
    Joe

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon

    Ich hätt mir bei den “wil­den Kerlen” was ziem­lich ande­res erwar­tet; aber ins­ge­samt fand ich den Film dann doch recht stim­mig. Und “Meatballs” hat wirk­lich ein paar ver­dammt komi­sche Momente!

    Ja, war Economy, hin und zurück.

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  • Christian Identicon Icon

    Wollte mir “der Informant” den gan­zen Winter über anschauen. Habe ihn nur kurz in Berlin im Kino gese­hen, danach hab ich ihn nir­gends mehr im Kino gese­hen. Das wird wohl seine Gründe haben. Die Vorschau fand ich sehr gut, schade dass der Film nicht so gut gelun­gen ist.

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon

    Ja, die Vorschau hatte mich auch sehr neu­gie­rig gemacht; und die Meinungen sind doch recht geteilt, aber ich fand ihn echt lahm.

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  • michi Identicon Icon

    bitte bitte jim carey nicht als furcht­bar bezeich­nen, wenn man nur seine (zuge­ge­ben meist wirk­lich furcht­ba­ren) der­ben slapstick-komödien kennt. aber in Eternal Sunshine of The Spotless Mind, Man on The Moon oder Truman Show war er wirk­lich wun­der­bar und hat mich abso­lut berührt! der mann kann was, wenn man ihn nur lässt… ;-)

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon

    Nein, nein — ich halt ihn auch in ande­ren Rollen nicht aus; der Typ macht für mich jeden Film kaputt. Du hast recht, er kann schon gut spie­len, aber sein Body-Acting hat sich mir zu sehr ein­ge­prägt; selbst in den ruhigs­ten Szenen seh ich ihn immer rumzappeln ;-)

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  • mccutcheon Identicon Icon
    mccutcheon sagte am 9. April 2010 um 12:58

    also ich halt jim carey ja prin­zi­pi­ell auch gar nicht aus, aber man muss ihm in eter­nal suns­hine wirk­lich eine chance geben. und in allen ande­ren filme (aus­ser tru­man show) gaaaanz fest wegschauen ;)

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  • martin Identicon Icon

    Was?? Jim Carey is der abso­lute Hammer!! In wirk­lich fast allen sei­nen Filmen. Aber ja, man liebt ihn oder man “hasst” ihn :)

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