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Das FutureZone Drama: ein öffentlich-rechtliches Missverständnis

Keine Zukunft für die Futurezone?

Die ORF FutureZone, ein auf IT-News spezialisiertes Nachrichtenangebot des staatlichen österreichischen Rundfunks ORF soll im Rahmen eines neuen Rundfunkgesetzes eingestellt werden, was für erheblichen Unmut in der österreichischen Social Media Szene sorgt. Dass „die Verleger“ ein neues Projekt planen, sei der eigentliche Grund dieses „Bauernopfers“. In der zugehörigen Facebook-Gruppe haben die Wogen der Empörung bereits in Wellen des Aktionismus umgeschlagen:

Wir wollen eine Petition an den ORF richten, damit dieser die FutureZone nicht abdreht, sondern der Community übergibt. Und die Community sind alle, die wollen, dass es die FuZo weiter gibt. Lasst uns eine Genossenschaft gründen, an der sich alle Interessierten beteiligen können und die in Zukunft den Betrieb der FutureZone weiterführt und ausbaut.

Ich persönlich verstehe nicht ganz, warum man für den Betrieb eines Multi-Author Blogs eine Genossenschaft gründen muss oder soll und was genau mit dieser „Übergabe“ gemeint sein soll. Weiters ist mir vollkommen neu, dass zum Start eines Weblogs über IT/Gesellschafts-Themen in irgendeiner Weise die Zustimmung des ORF erforderlich ist. Was mich aber letztendlich zu diesem Beitrag motiviert hat, ist ein grundlegendes Missverständnis in der Debatte: um den IT-politisch Informationsbedarf abzudecken, muss der Staatssender kein Online-Medium betreiben, das über jeden Rülpser von Steve Jobs und jede 0,0xte Android-Versionsänderung redaktionell remixt.

Keine Zukunft für die Futurezone?

Anstatt in reflexhafter Manier den Niedergang der Demokratie zu bejammern, wäre jetzt der richtige Augenblick, die verschiedenen IT-Redaktionen des ORF zu bündeln. Es bestünde sogar die einzigartige Chance, ein neues Kompetenz-Zentrum innerhalb des ORF zu schaffen, das jene Teil der IT-Berichterstattung abdeckt, die private Medien nicht leisten können.

Um nicht missverstanden zu werden: ich habe nichts gegen die FutureZone, ganz im Gegenteil. Zu behaupten, dass ich sie aus anderen als professionellen Gründen (sprich Monitoring) regelmäßig gelesen hätte, wäre maßlos übertrieben. Dass die Redaktion stets „investigativ recherchiert“, halte ich nicht zuletzt aufgrund persönlicher Erfahrungen im Rahmen unseres Internetrat-Projekts für maßlos übertrieben. Dass der Löwenanteil der Meldungen wie bei allen derartigen Medien von den Big 3 (plus Heise in Europa) abgeschrieben sind, will ich der FuZo auch gar nicht vorwerfen, die Redakteure können ja nix dafür, dass die ORF On Strategie nicht primär auf Welt- respektive Demokratieverbesserung, sondern auf Page Impressions abzielt. Dennoch ist mir die öfters aufgetauchte Argumentationslinie „Bevor der ORF *unerwünschte Sendung hier einfügen* produziert, ist mir lieber, er gibt meine GIS-Beiträge für die FutureZone aus.“ schlicht und ergreifend zu wenig für eine Rechtfertigung eines weitgehend eigenständig agierenden Steuergeld-IT-Blogs.

Das Kind beim Namen nennen

Die journalistisch hochwertigen Artikel, die investigativen Beiträge über in der Tat extrem relevante Datenschutz- und Bürgerrechts-Themen kamen in der Vergangenheit nicht von „der FutureZone Redaktion“, sondern so gut wie ausschließlich von deren Gründer Erich Möchel, den ich fachlich wie persönlich über alle Maßen schätze. Dass ein großer Teil seiner Reportagen zu Enfopol auf Telepolis respektive im c’t veröffentlich wurde, ist mehr als symptomatisch und zeigt ein spezifisches Problem des österreichischen Mediensystems auf: wir leider unter dem Economies of Scales eines Kleinstaats und unter Medienpolitikern mit dem Weitblick von Kellerzwergen.

Das lässt sich mathematisch erklären (die Scales, nicht die Kellerzwerge): Wenn sich 3% der Bevölkerung für ein Thema interessieren, dann ergibt das in Österreich bei 8 Millionen Einwohnern eine potentielle Zielgruppe von 240.000 Personen, im zehnmal so großen Deutschland sprechen wir von 2,4 Millionen. Ergo kann der österreichische Markt viele „Nischenprodukte“ nicht tragen, und genau hier versucht der Staat regulierend einzugreifen und eine gewisse „Grundversorgung“ mit als demokratiepolitisch und kulturell wünschenswerten Medieninhalten sicher zu stellen.

FuZo Schlagzeilen

Das wäre die Idee hinter dem ORF, doch alle Theorie ist grau. Und den Irrsinn, der in Österreich seit Jahrzehnten praktiziert wird, muss man sich in diesem Kontext einmal mehr auf der Zunge zergehen lassen: da leistet sich der Staat einen staatlichen Rundfunksender, welcher Defizite der freien Medienwirtschaft ausgleichen soll, lässt jeden Bürger GIS-Gebühr bezahlen und nutzt die politisch kontrollierte Senderstruktur jahrzehntelang konsequent dafür, sogenannten „Weiße Elefanten“, also Politpensionäre, mit überhöhten Gehältern „dauerzuparken“. Irgendwann stößt die Finanzierbarkeit des Molochs, der ja auch noch Medieninhalte produzieren soll, an ihre Grenzen, und Intendanz um Intendanz jammert und fleht um die Anhebung der Werbezeiten, die in der Regel auch gewährt werden. Denn allein über Gebühren ließe sich der ORF längst nicht mehr finanzieren, da kosten schon allein die eingekauften US-Serien viel zu viel. Und wo kämen wir denn da hin, wenn der Staatssender den „lukrativen Werbemarkt“ und den Sektor „Unterhaltung“ den privaten Anbietern überlassen müsste? Genau diese verquere Logik ist scheinbar vollkommen unreflektiert von weiten Teilen der Social Media Szene übernommen worden, die nun für eine Erhaltung der FuZo trommelt – obwohl das Befürworten öffentlich-rechtlicher Medieninhalte meiner Meinung nach mit einem scharfen Profil und einem Fokus auf öffentlich-rechtlichen Mehrwert einhergehen muss, und genau der sollte auch hinterfragt werden dürfen. Profil-Kolumnist Sven Gächter schlägt diese Woche in eine ähnliche Kerbe:

Das ORF-Biotop neigt – mitunter aus guten Gründen – zur Wehleidigkeit, wenn es um die Diskussion seiner Arbeitsbedingungen geht. Zur Selbstkritik neigt es nicht. Übergeordnete Strukturprobleme bieten keine stichhaltige Entschuldigung für inhaltliche Defizite, die den Legitimationsanspruch des Senders zum Teil dramatisch unterhöhlen.

Um auf die FutureZone respektive die Rolle der IT-Berichterstattung im ORF-Kontext zurück zu kommen: Lasst doch einfach Heise, Computerwelt, Computerwoche und Co. über marktgetriebene IT Trends im Allgemeinen berichten und konzentriert euch auf jene Bereiche, die tatsächlich politische und kulturelle Relevanz haben und von privaten Anbietern nicht oder nicht ausreichend abgedeckt werden. Ich kann einfach nicht mit gutem Gewissen dafür eintreten, dass mit meinem Steuergeld eine Redaktion finanziert wird, die zum Großteil Meldungen wie „Lange Wartezeiten für iPhone 4 – Rekordandrang verzögert Auslieferung“ von den Primärquellen ab- und umschreibt. Wenn ich mir angesichts des realen redaktionellen Angebots Christoph Chorherrs Kommentar durchlesen, dann frage ich mich, ob er eigentlich von der gleichen FutureZone spricht wie ich:

Besonders verlässlich, weil sie Nachrichten zu den ThemenBürgerrechten im digitalen Zeitalter bietet, ist die FutureZone von ORF On. Sie hat sich gerade auf EU-Ebene um Themen gekümmert, die sonst niemand beackern konnte. Warum? Sie haben offensichtlich ausreichend redaktionelle Kraft auf die Behandlung dieser Themen und schauen nicht auf eine simple Bilanzrechnung. […] Diese langwierige analytische Arbeit ist für private Medien nur schwer zu leisten, umgekehrt können diese jederzeit auf die Vorarbeit der FutureZone-Redaktion zurückgreifen.

Ich wünsche mir jenes Medium, von dem Chorherr hier spricht. Ich wünsche mir eine IT-Redaktion im ORF, welche die geballte Kompetenz von FutureZone, Matrix, Digital Leben und Co. zusammenfasst. Ob diese Redaktion dann Fernseh-, Radio- oder Online-Beiträge produziert, ist zweitrangig (wobei ein IT-Magazin im Staatsfernsehen längst überfällig ist). Sinn und Zweck wäre die konsequente, langfristige Beackerung von Themen wie Datenspeicherung, eGovernment, Auswirkungen der neuen Medien aufs Bildungssystem und Ähnliches, nicht darum, mit Steuergeldern Pressemeldungen umzuschreiben. Selbstverständlich wäre eine vertikale *und* horizontale Integration dieser Themen mehr als wünschenswert. Alle, die mit der Keule des digitalkulturellen Niedergangs drohen, sollen sich die folgende Frage stellen: Wenn diese Themen wirklich so wichtig sind, sollten sie dann wirklich auf die einsame Insel verbannt werden? Wenn wir in der Informationsgesellschaft leben, wenn Internet und Co. in der Tat eine so große Rollen spielen, warum braucht man dann ein old-school Blog? Wäre es denn nicht wesentlich adäquater, die betreffenden Themen ins bestehende Angebot zu integrieren? Oder anders gefragt: wenn eGovernment Themen Relevanz besitzen, warum nicht im Politik-Ressort drüber berichten? Wenn wieder mal ein Innenminister mehr über seine Bürger wissen möchte, als das Gesetz erlaubt, warum nicht in der Innenpolitik drüber berichten? Fragen über Fragen, die eine „Genossenschaft“ der Cyber-Konservativisten wohl kaum beantworten können wird.

PS: Natürlich frage ich mich, ob in diesem Bereich ein politisch gesteuerter Staatsfunk wirklich der geeignetste Betreiber sein kann – Intervenieren können Politiker schließlich nicht nur bei Fernsehbeiträgen. Aber das ist ein anderes Posting und soll ein andermal erzählt werden.

57 comments
Link vom Diwan
Link vom Diwan

Erst mal find ich das gut, dass hier einer nicht reflexionsfrei mit dem allgemeinen Gesudere um das Thema synchronisiert. Es lohnt sich schon, mal darüber einen kritischen Dialog zu führen, ob das, was FuZo seit einiger Zeit ist, auch tatsächlich so unverzichtbar wäre. Ich orte ja bei den FuZo-Jesuiten eine ordentliche Portion "Gewohnheitstäterschaft" und digitales "Stammbeisl-Verhalten". Streng genommen ist FuZo seit geraumer Zeit "just another news-feed" ohne eigenem Profil und darauf kann ich durchaus verzichten, auch wenn sie recht gut zusammenfasst. Und "future" war sowieso immer Mangelware darin - für mich schon eine Art Themenverfehlung, auch wenn man Etiketten zur Entstehungszeit des Services wohl nicht so genau nahm wie man es in Zeiten boomender Social Networks tut. Die entscheidende Frage sollte wohl sein: "Was kann daraus werden?" Das Bestehende zu verlängern hieße die Chance ungenützt zu lassen. Für mich hätte es dann weiter Berechtigung, wenn es a) sehr klaren und intensiven Österreich-Bezug aufweist b) sich mit Veränderungsszenarien unserer Gesellschaft dialoghaft beschäftigt c) unabhängig von parteipolitischen Einflüssen wird (bleibt?) d) nicht als Promotion-Channel der IT-Industrie daher kommt e) sich für jedermann anschlussfähig zeigt. Und morgen ist Weihnachten ;-)

Maxi TB
Maxi TB

Ich habe die futurezone als politisches backdoor gesehen, nicht als ein blog, wo mich mehr als 10% der Beiträge interessieren. Ganz ehrlich, es gab (zumindest online) keine einzige Sparte, welche über ACTA berichtet hat. Und ja, Leute wie ich lesen Heise, Österreicher zu eben 99% nicht. So Dinge wie grenzwertig demokratiepolitische Spielchen in einer Welt der Digitalisierung sind wichtig einer breiten Masse zugänglich zu machen, den ich bin mir sicher, 99.9% der Österreicher haben keine Ahnung was ACTA ist und 99.9% der Medien haben ein berechtigtes Interesse nicht darüber zu berichten. Dies war jetzt nur ein Beispiel - es gab mehrere kleine Schmankerl, welche Informationsgehalt hatten, der sonst schwer oder nicht errichbar war. Und wenn nur 1 Österreicher plötzlich beginnt sich über solche Themen zu interessieren, weil er zufällig darüber gestolpert ist, dann ist das ein Gewinn für die Demokratie - 10x größer als in Deutschland, BTW. So long, GL2usall, Maxi TB

Herby
Herby

Es ist doch völlig gleich wie ihr als Gebührenzahler darüber denkt, der ORF macht, und wird immer machen was ER will und sonst garnix :/

pippifax
pippifax

die "weißen elefanten" mit der arbeit der redakteure zu verbrämen, finde ich nicht wirklich sinnvoll. zudem heißt es direktion und nicht mehr intendanz. da bist der zeit etwas hinterher oder hast schlecht recherchiert. und zwecks agenturmeldungen: ich kenne menschen, die für eine agentur UND orf online arbeiten. warum sollten die eine meldung zwei mal unterschiedlich formulieren? fragen über fragen...

ck
ck

Also wenn man sich die vielen Kommentare anschaut hat sich der Faceboook-Eintrag ja gelohnt ;-) Zur FuZo: Wie hier schon geschrieben wurde hat die Futurezone ein gewaltiges Archiv an Artikel. Mit der Schließung gehen viele, wirklich gute Berichte verloren. Das kann's doch nicht sein, oder? Die Futurezone-Kommentare sind größtenteils zwar sinnlos, aber hin und wieder entwickeln sich wirklich spannende Diskussionen. Vor allem wenn's um die Anfänge des Internets geht. Es wäre wirklich schade wenn das alles ins Nirvana verschwindet. Und auch wenn ich den Vorschlag der Futurezone-Rettung unterstütze (eben wegen dem umfangreichen Archiv), ist klar dass die "neue" FuZu niemals an die Qualität der alten heranreichen kann. Mit Ö1 Matrix bleibt uns wenigstens etwas.

Steve
Steve

Da oben steht umge­schrie­ben, nicht abge­schrie­ben. Und da ist wohl was dran — dazu muss man kein Medienwissenschaftler sein, um das zu erkennen.! lg

Hans Wu
Hans Wu

Wieso seid ihr alle hier? Gibt verlost der Ritchie wieder CDs? Ich auch, ich auch!

digiom (Jana Herwig)
digiom (Jana Herwig)

Thinking: Was ist der springende oder springendere Punkt - dass die Qualität der futurezone von Datenschmutz nicht gewürdigt wird, oder dass sie vom ORF so wenig gewürdigt wird, dass er keinen Weg findet, sie weiterzuführen?

linzerschnitte
linzerschnitte

Fuzo hin oder her - der ORF müsste einfach seine Ausrichtung von Grund auf ändern. Weg vom quoten- und pageimpressions-Gedanke, hin zu einem kleineren, feineren Programm. Keiner braucht die zwei sender, x spartenkanäle, alle die fußballübertragungen, Ö3, die neun fürstlich entlohnen landesdirektoren, Ö3,usw.:) Wenn der ORF nicht versuchen würde, überall mitzumischen, sondern sich auf ein kleineres, feiners Programm konzentrieren würde, könnte er von Gebühren + Werbeeinnahmen gut leben - und alle anderen am Markt auch.

linzerschnitte
linzerschnitte

und du, ck, wünscht dir erfolgsunabhängige, steuergeldgeförderte Journalismusarbeitsplätze für alle, oder? Solange der ORF sich per Gesetz regelmäßig seine Gebühren erhöht und Menschen nötig, ihn zu bezahlen, die auf seine Dienste gerne verzichten würden, muss der ORF sich auch einschränken lassen. Die Sache mit dem freien Markt hast du definitiv nicht verstanden, das ist klar. bzgl. fuzo und Instyle - ich hab mal in einer orf onlineredaktion gearbeitet, daher kenn ich bedauerlicherweise auch diese besonders schönen beweise der Nichtbeachtung des Programmauftrages des ORFs.

ck
ck

Ich hab mir jetzt schon Stunden verkniffen was zu schreiben, weil ich nach meinen ersten Versuchen vorgestern nicht das Gefühl habe, dass das eine fruchtbare Debatte wird. Anyway. Nochmal. Natürlich kann man gegen den gesamten ORF von den alten Klischees bis zu den üblichen Vorwürfen alles vorbringen. Großteils vollkommen zurecht. Eh. Es ist ja auch wirklich grauslich und genauso ekelhaft wie die Medienpolitik in Österreich... Nur wenn an sich vernünftige Menschen da nicht differenzieren und die ollen Plattitüden überall reinmischen, dann wird es ärgerlich. Und nochmal: Im Onlinebereich gilt das (exorbitante Gehälter, erfolgreiche politische Interventionen, weiße Elefanten, etc. etc.) nicht. Und ja, wer mit Begriffen wie "Staatsfunk" und "Steuergeld-Blog" hantiert, muss wissen, mit wem er sich ins rhetorische Bett legt. Deine Einschätzung der Futurezone als Copy/Paste-Abteilung seh ich im freundlichsten Fall vielleicht als ein Versuch, dich als provokanter Lone-Rider zu gerieren & ein paar Alleinstellungsmerkmalpunkte im großen Web2.0-Egokampf abzustauben, im schlechteren Fall als Unwissenheit - und im schlechtesten isses nur grausliches Anpatzen. Für letzteres spricht die Auswahl an Fuzo-Mini-Stories, die Du präsentierst. Natürlich ist die Fuzo-Berichterstattung ohnehin schon, wie du das forderst, in einem größeren Kontext auf ORF.at, integriert. Ist ja nicht so, dass sich die Meldungen nur über den Kanal selbst anklicken lassen. Und gerade als öffentlich-rechtliches Medium muss die Futurezone (die freilich kein Blog ist, wir reden hier nicht von Journalisten vs. Blogger, sondern von Medium vs. Blog) den beackerten Bereich breit abdecken – auch mit Android-Updates und dem Apple-Schas, genauso wie mit Datenschutz, Bürgerrechten, Urheberrecht und EU-Politik. Und mit dieser Breite ist die Futurezone auch mehr ein reines Special-Interest-Medium, wie die, die du als eh vollkommen genügende Ersatzangebote siehst. Wie gerade Apologeten des freien Marktes es fordern und/oder gutheißen können, einen Konkurrenten per Gesetz verbieten zu lassen, ist mir schleierhaft. Wie die, die das Intervenieren im ORF zurecht geißeln, es total super finden, wenn der VÖZ mit seinen ÖVP- und SPÖ-Kumpanen ein Angebot abdrehen lassen, detto. Von den anderen bizarren Dingen im Gesetz (mengenmäßige Limitierung von Berichten, iPad-Paragraph, Social-Network-Verbot etc) red ich ja gar nicht. Kleinzeugs noch: Dass sich etwa der Markt/die Zielgruppen im Netz – noch dazu im selben Sprachraum - im Not-So-General-Interest-Bereich an geographische Grenzen halten, ist, nebenbei bemerkt, krasser Unfug. Und aus den ÖWA-Zahlen des (Dachangebots!) ORF.at eine PI-Orientierung herauszulesen, ist ein ziemlich interessantistisches Kunststück. Sorry, aber insgesamt haben, selbst wenns nicht so intendiert ist, weite Teile Deiner Argumentationslinie den Beigeschmack des Futterneids bzw. des Jubels darüber, dass ein paar Krümel vom Kuchen neu verteilt werden. Und das wäre wirklich armselig. Ah nochwas: @linzerschnitte und Pushen der ÖWA-Zahlen: Irgendwer hat heute im Parlament das Abdrehen der Fuzo damit gerechtfertig, dass sie gerade ein Prozent des ORF.at-Traffics generiert. Und oh, du warst das, die sich diese Woche ö3-instyle angesehen hat.

linzerschnitte
linzerschnitte

Ich finde den Begriff durchaus legitim - denn wer die meisten Führungsposten nach Farbenlehre besetzt, hat keine andere Bezeichnung verdient. Und wer so oft Gebührenerhöhungen und -refundierungen braucht, wird auch immer ein Staatsfunk bleiben, weil der Sender die nur bekommt, wenn er entsprechend gefällig ist.

Sonja Bettel
Sonja Bettel

Antwort auf Ritchie "Blogfried" Pettauer "Das FutureZone Drama: ein öffentlich-rechtliches Missverständnis "staatlichen österreichischen Rundfunks" - du verstehst nicht oder willst nicht verstehen oder tust so als ob du nicht verstehen würdest, dass der ORF ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist und kein "Staatssender" oder "Staatsfernsehen". Ich wünsche dir nicht, dass du mal in Nordkorea oder einer anderen Diktatur leben musst, um zu erleben, was "Staatsfernsehen" ist, aber vielleicht würdest du dann aufhören, ständig so einen Quatsch zu schreiben nur um der Quote willen - oder halt der Klicks in deinem Fall. sorgt nicht nur für Unmut in de "social media Szene", sondern auch bei Menschen mit einem demokratiepolitischen Bewusstsein "multi-author-Blog": eigentlich solltest gerade du, Blogfried, wissen, was ein Blog ist. Die Fuzo ist jedenfalls keines. Sie ist ein Medium, das von JournalistInnen gemacht wird Es geht auch nicht um die Gründung eines neuen Blogs über IT-Themen - und das weißt du ganz genau. Die Fuzo besteht seit 11 Jahren, sie ist eine Marke, sie hat ein unglaubliches Archiv und eine Expertise und ist im deutschsprachigen Raum und sogar darüber hinaus bekannt. Die Fuzo hat auch nicht "über jeden Rülpser von Steve Jobs und jede 0,0xte Android-Versionsänderung" berichtet, aber wahrscheinlich hast du sie gar nie gelesen. Und schon gar nicht hat sie "redaktionell remixt", sondern recherchiert, berichtet und kommentiert und auch Agenturmeldungen verarbeitet - wie jede Zeitung und jede Fernsehstation und jede Radionachrichtenredaktion. Bitte wo im ORF gibt es "verschiedene IT-Redaktionen"? Es gibt die Fuzo, Leute von FM4 und Matrix und Digital.Leben. Letztere beide ist eine Redaktion. "ein neues Kompetenz-Zentrum inner­halb des ORF zu schaf­fen, das jene Teil der IT-Berichterstattung abdeckt, die pri­vate Medien nicht leis­ten können." - was bitte soll das heißen? Soll der ORF schauen, was die anderen nicht behandeln, und dann die Krümel aufbereiten, die bei den Privaten vom Tisch fallen? Und was zum Beispiel würde dir da so einfallen? Du schreibst selber, dass du die Fuzo eigentlich nicht liest und schließt von einem Ereignis mit einem blöden Scherz (oder was immer das damals war oder immer noch ist), auf 11 Jahre redaktionelle Arbeit? Hm, vielleicht hast du wirklich nicht verstanden, was der Unterschied zwischen Bloggen und Journalismus ist (wobei ich damit nicht sagen will, dass Blogger nicht journalistische Arbeit leisten können, aber Bloggen an sich ist noch kein Journalismus). Die Fuzo hat nicht von Heise und anderen zwei (wem noch?) abgeschrieben, schon gar nicht zum Löwenanteil. Außerdem: wie willst du das wissen, wenn du die Fuzo nur "monitorst" und nicht liest? "Weiße Elefanten": alte Geschichte, was kommst du uns jetzt damit daher? Aber entschuldige, wer glaubst du, produziert jeden Tag 24 Stunden Programm auf 3 TV-Kanälen, 12 Radiosendern, mehreren Websites und früher auch noch Kurzwelle? Glaubst du, das produziert sich alles von selbst? Na ja, vielleicht glaubst du es ja wirklich... Die US-Serien sind übrigens das billigste glaube ich, zumindest die schlechteren. Und wie auhc Sven Gächter neigst du dazu, das ORF Management, die ORF-MitarbeiterInnen und das Unternehmen ORF in einen Topf zu werfen, kräftig umzurühren und dann noch ordentlich hineinzupissen. Im übrigen haben wir bereits "die geballte Kompetenz von FutureZone, Matrix, Digital Leben und Co." (was ist das Co.?) zusammengefasst. So viele Ressourcen gibt es nun auch wieder nicht. Wenn du schreibst, dass bei der Fuzo nur "Pressemeldungen umgeschrieben" würden, dann betrachte ich das als persönliche Ehrenbeleidigung und beantrage als Strafe, dass du alle Fuzo-Meldungen der vergangenen 11 Jahre - zurückgehend von heute an - lesen und auf ihre Quellen überprüfen musst. Ritchie, worum geht es dir eigentlich? Das ist mir noch nicht ganz klar. Besonders konstruktiv ist das nicht, höchstens du bist das Sprachrohr von ÖVP oder FPÖ. Das ist einfach nur billige Quoten-Hascherei mit Draufhaun.

Unangenehm
Unangenehm

Hey, Hinterhertreten kostet nichts und bringt ordentlich Traffic. Da brummt die Aufmerksamkeitsökonomie.

pyrker
pyrker

Ritchie, ich finde es wirklich beispiellos, mit welcher Vehemenz du hier gegen die Futurezone wetterst - ganz gleich, ob du mit der Einrichtung einer gscheiten IT-Redaktion im ORF recht hast oder nicht - die bestehende Redaktion samt ihrer externen Redakteure derart zu reduzieren auf Überschriften wie "Lange Wartezeiten für iPhone 4" ist nicht korrekt. Selbstverständlich wurden neben Möchels Enfopol-Berichten viele andere exklusive Artikel veröffentlicht, das wissen auch die Kollegen von Heise.de. Ich werde nie verstehen, wie man einen ehemaligen Medienparnter/kollegen (du hast ja ebenso Gastbeiträge für Matrix + einmal FuZo geschrieben) derart runtermachen kann.

Roman Huber
Roman Huber

Kann dem nur voll inhaltlich zustimmen. Gute, fundierte IT-Berichte kann und soll der ORF machen. Dazu braucht es aber keine fuzo.

socialhack
socialhack

Das Ziel ist klar, nur der Weg nicht instantan. Das was Matrix & digital leben tut sollte definitiv gepushed werden und auch in TV seinen Platz finden. Aber wir sind nunmal (noch) eine special-interest-group und Redakteure die Themen für ein IT Publikum produzieren, sind nicht immer diejenigen für eine breitere Öffentlichkeit. Wir brauchen solche "Inseln" um Kohärenz in der Szene zu schaffen. Und was ist so schlimm dran wenn der Apple-Fanboy weiter klickt und auch den nächsten einen Artikel über SWIFT liest?