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Die Kleiderbauer-Blogger-Klage: Social Media Krisen-PR zum Mitlernen

05.08.2010, geschrieben von , 38 Kommentare

Ich per­sön­lich kaufe nicht bei ein. Keine Ahnung, ob mir die Klamotten dort gefal­len wür­den, aber eines weiß ich ganz sicher: in den letz­ten 100 Jahren hat die Textilindustrie unglaub­li­che Fortschritte bei der Herstellung von Kunstpelz gemacht. Und ich habe auch rein gar nichts gegen die sinn­volle Nutzung von Tierpelzen. Auf mei­nem Schreibtischsessel liegt ein Lammfell, das ich von einem befreun­de­ten Bio-Züchter gekauft habe, aber: Pelztierzucht muss wirk­lich nicht sein, Händler, die diese wider­wär­tige Art der Pelzproduktion durch Einlistung ins Sortiment unter­stüt­zen, will ich nicht unterstützen.

Aber weil’s in die­sem Beitrag — zumin­dest indi­rekt — schon wie­der mal um Martin Balluch geht, muss ich an die­ser Stelle auch fest­hal­ten, dass ich “Tierschutzaktionen”, die in ille­ga­len Aktionen mün­den, vehe­ment ablehne. Der “radi­kale Tierschützer” bzw. seine Organisation wur­den bekannt­lich nach dem soge­nann­ten “Mafiaparagraphen” ange­klagt, die Staatsanwaltschaft unter­stellte die Gründung einer kri­mi­nel­len Organisation. Dies sorgte für aus­gie­bi­gen Medienrummel, den auch die Grünen für sich aus­zu­schlach­ten such­ten, indem sie Baluch auf ihre Kandidatenliste für die NR-Wahlen set­zen. Soviel zur Vorgeschichte, deren Opfer kürz­lich ein videoblog­gen­der Kollege wurde: Er publi­zierte auf sei­nem Blog ein mit einem der Anwälte der “Tierschützer”, in dem die­ser ver­mut­lich unrich­tige Aussagen über die Firma Kleiderbauer tätigte. Diese kon­tert mit einem Anwaltsbrief, was wei­ter pas­siert, hat Gerald sehr tref­fend zusammengefasst:

Leider gibt der der anwalt­li­chen Einschüchterung durch Kleiderbauer nach, geht einen Vergleich ein und sitzt jetzt auf sei­nen Anwaltskosten und 5.000 Euro Entschädigung, die er an Kleiderbauer bzw. deren Anwälte zah­len muss. Meiner Meinung nach hätte man vor­her schon an die Öffent­lich­keit gehen und das Vorgehen Kleiderbauers ent­hül­len müs­sen, jetzt ist das lei­der zu spät. Jetzt ruft Jörg Wipplinger, so heißt der , zu spen­den auf, was letzt­lich hieße, Geld an Kleiderbauer zu überweisen.

Achtung: im Spendenaufruf kom­men extrem süße kleine Hunde vor. Sagen Sie nach­her bloß nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt, wenn Sie sofort Ihre Paypal-Adresse zücken:

Bleibt also die Frage, was man nun noch tun kann — auch da hat Gerald ein paar gute Vorschläge:

Nachdem die Sache juris­tisch gelau­fen ist, hilft es nur noch, die Praktiken von Kleiderbauer wei­ter zu ver­brei­ten, sei­nen Nachbarn zu erzäh­len, auf Facebook pos­ten, twit­tern, blog­gen und viel­leicht sogar der Krone einen Leserbrief schrei­ben. Vielleicht kommt man dort ja noch zu Besinnung, wenn der öffent­li­che Druck etwas stär­ker wird.

Lernen wir doch was daraus!

Wenn ich Workshops halte, sind Best Practices und Beispiele aus der jewei­li­gen Branche immer sehr gefragt. Die KBBK (“Kleiderbauer-Blogger–”) stellt eine mit Sicherheit nicht will­kom­mene, aber doch sehr lehr­rei­che Blaupause für die ris­kan­teste aller Eskalationsstrategien dar, ein How-not-to aus dem noch zu ver­fas­sen­den Lehrbuch.

Was sagen die Klage und der anschlie­ßende Vergleich über Kleiderbauers Online-Strategie eigent­lich aus? Als Außenstehender ist es natür­lich unmög­lich zu beur­tei­len, ob die Initiative von der Rechtsabteilung aus­ging, oder ob so etwas wie eine “Risikofolgenabschätzung” und eine Abstimmung mit der /PR-Abteilung geschah. Dass Abmahnungen und Klagen gegen Blogger sehr schnell sehr weite Kreise zie­hen kön­nen, haben Beispiele aus Deutschland schon vor Jahren gezeigt — und Google ver­gisst zwar, aber wenig und lang­sam. Wenn im Jahr 2010 ein Unternehmen recht­li­che Schritte gegen einen Blogger ein­lei­tet, dann muss es auf jeden Fall mit einem “Shitstorm” mitt­le­rer Ausprägung rech­nen. Unabhängig von der Berechtigung sol­cher Klagen kommt hier ein nicht zu unter­schät­zen­des Brainscript zum Tragen:

David gegen Goliath

Dass 99% aller Blogger, wenn sie denn Ferraris fah­ren, diese nicht durch ihre Werbeeinkünfte finan­zie­ren, hat sich mitt­ler­weile aus­rei­chend her­um­ge­spro­chen. Und wie Jörg es im Video so tref­fend for­mu­liert: eine Links– ist keine Rechtsabteilung. Da steht auf der einen Seite der “Moloch” Unternehmen mit sei­nem viele Spezialisten, sei­nen end­los schei­nen­den Anwaltsressourcen, und auf der ande­ren Seite der kleine, hilf­lose Blogger: er muss sich sehr genau über­le­gen, ob er es denn über­haupt ris­kie­ren sollte, einen Anwalt ein­zu­schal­ten, um die zu erwar­ten­den Kosten nicht zusätz­lich explo­die­ren zu lassen.

Ich will mit die­ser über­spitz­ten Darstellung sagen: hier herrscht ein Ungleichgewicht, das a priori erst mal jedem Unternehmen sehr schlechte Karten in die Hand gibt, und zwar völ­lig unab­hän­gig von der mög­li­chen Berechtigung einer Klage. Und des­halb behaupte ich: letzt­end­lich steigt, so unan­ge­nehm und schwie­rig die der gefor­der­ten Summe für den ein­zel­nen Blogger auch sein mag, immer das Unternehmen als Verlierer aus dem Ring die­ser kom­mu­ni­ka­ti­ven Krise. Denn inner­halb weni­ger Tagen grei­fen Gerald, ich und viele wei­tere blog­gende Kollegen die Geschichte auf, wir ver­lin­ken uns gegen­sei­tig und im Nu hat Kleiderbauer einen lang­fris­ti­gen, nega­ti­ven Medienwert “ein­ge­kauft”, der am freien Markt weit mehr kos­tet als ein paar Anwaltsstunden.

Was kann man bes­ser machen?

Die indi­vi­du­elle Situation ver­klag­ter Blogger ist in der Regel eine sehr schwie­rige. Diese kon­kre­ten Fälle könn­ten durch ver­schie­dene Maßnahmen abge­fe­dert wer­den: so wäre einer­seits eine Blogger-spezifische Rechtsschutzversicherung ebenso denk­bar wie ein Verein, wel­cher der Finanzierung eines Rechtsbeistands dient. Ich möchte aller­dings im abschlie­ßen­den Teil die­ses Artikels über die andere Seite schrei­ben: wie kön­nen Unternehmen der­ar­tige Situationen ver­mei­den, was hätte Kleiderbauer anders machen können?

Ein Unternehmen könnte auf die Idee kom­men, die unlieb­sa­men Informationen ein­fach zu igno­rie­ren und zu hof­fen, dass sie irgend­wann wie­der ver­schwin­den — zwei­fel­los keine befrie­di­gende Lösung. Verfrüht zum Anwaltsbrief zu grei­fen kann aber noch kon­tra­pro­duk­ti­ver als Untätigkeit sein. Wie über­all im Web 2.0 lau­tet das Zauberwort auch hier Dialog: wer erst mal freund­lich, aber bestimmt anfragt und den Betreiber des jewei­li­gen Blogs dar­auf hin­weist, dass nach Unternehmensmeinung ein recht­li­ches Problem mit einem Beitrag besteht, wird in den meis­ten Fällen auf offene Ohren sto­ßen. Wie aus dem oben Geschriebenen her­vor­geht, ist Bloggern selbst ja durch­aus klar, dass sie auf juris­ti­scher Ebene mit hoher Wahrscheinlichkeit den (aus­ge­spro­chen teu­ren) Kürzeren zie­hen. Sollte der Blogbetreiber kei­ner­lei Gesprächsbereitschaft zei­gen, bleibt als ulti­ma­ti­ver Eskalationsweg ja immer noch der Weg über die Gerichte.

Ob man sich im Falle einer außer­ge­richt­li­chen Einigung auf die Entfernung eines bestimm­ten Beitrags(teils) oder auf eine Gegendarstellung einigt, wird im Einzelfall zu ent­schei­den sein. Eine “fried­fer­tige” Einigung kann, und dar­über müs­sen sich Unternehmen mitt­ler­weile klar sein, bei­den Seiten jede Menge Ärger erspa­ren. Die meis­ten Blogs mögen im Vergleich zu hie­si­gen ÖWA-Plattformen tat­säch­lich Mikromedien sein  — die aber in Summe den­noch beträcht­li­che Reichweiten (und ungleich bes­sere Platzierungen im Google-Index) als alle Tageszeitungs-Artikel erreichen.

Noch ein Phänomen der Informationsgesellschaft zeigt die KBBK ein­mal mehr in aller Deutlichkeit auf: die Zyklen der tech­no­lo­gi­schen Information haben die Zyklen der Gesetzgebung längst über­holt. Mediengesetzgebung geht von Old Media aus, von Verlagshäusern und Rundfunkanstalten. Der medi­en­tech­no­lo­gi­sche Wandel der letz­ten Jahre hat in den juris­ti­schen Rahmenbedingungen kei­ner­lei Niederschlag gefun­den — und ich fürchte, das wird auch noch eine Weile so blei­ben. (Vergessen wir nicht: weite Teile der öster­rei­chi­schen Verfassung stam­men aus dem vor­vo­ri­gen Jahrhundert.)

3 1/2 Tipps an Kleiderbauer

Ein Wort zur Güte: ich bin nicht Ihr Social Media Berater, sonst hät­ten Sie Jörg Wipplinger hof­fent­lich nicht ver­klagt. Aber neh­men wir mal an, ich hätte die hypo­the­ti­sche Aufgabe, Schadensbegrenzung zu betrei­ben, dann würde ich Ihnen fol­gen­des raten:

  • Rufen Sie Jörg Wipplinger an. Bieten Sie ihm an, auf Ihre finan­zi­el­len Forderungen zu verzichten.
  • Schlagen Sie ihm statt­des­sen vor, ein gemein­sa­mes Video auf­zu­neh­men — las­sen Sie jeman­den aus Ihrer PR– oder Marketingabteilung vor der Kamera mit Jörg spre­chen. Erklären Sie bei die­ser Gelegenheit unbe­dingt, was Sie zur Klage bewo­gen hat und wel­che Aussagen des Tierschützer-Anwalts Ihrer Meinung nach falsch waren.
  • Sie haben jetzt jede Menge Aufmerksamkeit — und die wird in den nächs­ten Tagen noch ste­tig anstei­gen. Nutzen Sie die Gelegenheit, eine posi­tive Botschaft zu ver­brei­ten, zei­gen Sie, dass Ihr Unternehmen sein Tun und Lassen argu­men­tie­ren kann, und dass Sie es nicht nötig haben, Ihre Kritiker mit juris­ti­schen Mitteln zu “bezwingen”.
  • Und wenn Sie mir per­sön­lich einen Gefallen tun wol­len: hören Sie bitte end­lich auf, das Zuchtpelz-Zeugs zu ver­kau­fen. Ich ver­spre­che, dass ich dann auch mal zu Ihnen ein­kau­fen komme.

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Bisher haben meine Lieblingsleser 38 Kommentare zu "Die Kleiderbauer-Blogger-Klage: Social Media Krisen-PR zum Mitlernen" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • linzerschnitte Identicon Icon

    Ich hege wenig Sympathien für Martin “die Buttersäure” Balluch (eben­so­we­nig für Echtpelz). Kleiderbauer hat sämt­li­che Sympathien aller­dings mit einer Klage gegen einen Blogger verspielt.

    Doch das schlimmste an dem gan­zen: ein Blogger, der Angst haben muss, dass seine Existenz von Anwaltskosten rui­niert wird, weil er seine Meinung sagt und ein Anwalt, der gleich mal zu einem Vergleich rät — weil man es sich in Öster­reich ja nicht leis­ten kann, als Normalbürger gegen ein gro­ßes Unternehmen zu kla­gen. Spricht sehr für unse­ren Rechtsstaat — und die­sen ver­damm­ten, dreis­ten, über­teu­er­ten Anwälten. Ich sag nur 300 euro stun­den­lohn und 75 euro für ein tele­fon­ge­spräch von 5 minuten.

    Besorgniserregend, wie leicht und bil­lig man hier­zu­lande jeman­den mund­tot machen kann.

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon
    Ritchie Blogfried Pettauer antwortete am 7. August 2010 um 18:22

    Das ist ein gewal­ti­ges Problem am gan­zen Mikro-Medien Sektor — sozu­sa­gen eine “Amerikanisierung” des Rechtssystems in Bezug auf die Rolle der finan­zi­el­len Ressourcen vor Gericht.

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  • Phillip Identicon Icon

    Ich habe auch schon einige Erfahrung mit Anwälten gemacht und finde auch, dass die für ein wenig Schreib-Arbeit viel zuviel Geld kas­sie­ren dür­fen. Einfach den Streitwert auf 30000,-€ set­zen und schon zhalt man in die Tausende… Das ist doch lega­ler Betrug und Schröpfen des klei­nen Mannes, der seine Meinung kundtut.

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon
    Ritchie Blogfried Pettauer antwortete am 7. August 2010 um 18:26

    Legaler Betrug” — das wär ein guter Titel für einen Wirtschaftskrimi :-)
    Aber ich denk, es geht weni­ger ums Schröpfen, als um die Schere im Kopf — das führt ja lang­fris­tig dazu, dass sich jeder Blogger gut über­le­gen wird, über kon­tro­ver­si­elle Themen zu schreiben.

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  • Heinz Identicon Icon

    Dazu kommt, dass auch die Gerichte tief in die Taschen grei­fen: http://www.salzburg.com/online.….&mode=
    Womit das “Recht für alle” lang­sam aber sicher zu einem “Recht für Reiche” wird.

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon
    Ritchie Blogfried Pettauer antwortete am 7. August 2010 um 18:27

    Wow… da kön­nen ja nicht­mal die unver­schäm­tes­ten Copyshops im ers­ten Bezirk mithalten.

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  • publisher Identicon Icon
    publisher sagte am 6. August 2010 um 9:53

    Hidden due to low com­ment rating. Click here to see.

    Poorly-rated. Like or Dislike: Thumb up 0 Thumb down 3

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    Jörg W. Identicon Icon

    @publisher
    audia­tur et altera pars? Sicher gerne, aber doch nicht bei einem Interview. Das war kein Bericht, wenn ich
    jeman­den inter­viewe, muss ich doch nicht von allen über die gespro­chen wird eine Stellungnahme ein­ho­len?!
    Übri­gens: Um sich ein Bild zu machen, war auf die Berichterstattung ver­linkt: auf derstandard.at zu
    tierschutzprozess.at und zu den sehr kri­ti­schen Berichten von Florian Klenk

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon
    Ritchie Blogfried Pettauer antwortete am 7. August 2010 um 18:29

    @Publisher: Das ist sicher­lich ein rele­van­ter Punkt bei vie­len Berichten; wobei das auch nicht alle Probleme löst — was, wenn die Gegenseite gar kein Statement abge­ben will? Und Jörg hat recht, bei Interviews macht das wenig Sinn.

    Ich hab mich ja auch in mei­ner Zeit als Journalist immer über das “Gegenchecken” von Interviews gewun­dert… hab ich nicht gemacht. Gibt ja eh die Audio-Aufnahme. Wundert mich auch sehr, dass nicht der Anwalt, also der Interviewpartner, belangt wurde. Da hat jemand im Hinblick auf die Erfolgsaussichten wohl doch recht stra­te­gisch gedacht…

    Und die all­ge­mei­nere Frage ist, inwie­weit jedes Blogposting der Sorgfaltspflicht unter­liegt, oder aber die per­sön­li­che Meinung des jewei­li­gen Autors darstellt.

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    fatmike182 Identicon Icon
    fatmike182 antwortete am 17. August 2010 um 12:01

    btw: der Anwalt wurde auch belangt, soweit ich weiß auch außer­ge­richt­lich geeinigt

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon
    Ritchie Blogfried Pettauer antwortete am 19. August 2010 um 0:39

    Als Anwalt dürfte er ja ganz gut ein­schät­zen kön­nen, ob eine außer­ge­richt­li­che Einigung Sinn macht…

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  • viprolog Identicon Icon

    Ich finde das Beispiel zeigt erneut klar auf, dass hei­mi­sche Unternehmen mit dem Thema Web 2.0 noch immer nicht viel anfan­gen kön­nen. Vielleicht sollte man die Lehrbücher zum Thema Krisenkommunikation mit einem Vorwort für Krisen-PR im Web 2.0 aus­stat­ten. Denn schon das 1x1 hätte gereicht, um die­sen Fall anders aus­ge­hen zu las­sen. Ritchie’s Abschlussstatements benö­ti­gen ja nicht mehr als ein wenige Know-How und Hausverstand.

    Andererseits ja ein gefun­de­nes Fressen für jeden Social Media Berater, je mehr sol­cher Fälle auf­tau­chen, desto grö­ßer wird das Bedürfnis nach Consulting. Was dem ein oder ande­ren Blogger dann wie­der ein biss­chen finan­zi­el­len Freiraum für Vergleichszahlungen brin­gen sollte :)

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon
    Ritchie Blogfried Pettauer antwortete am 7. August 2010 um 18:32

    Ja, genau — Hausverstand ist ein guter Punkt. Ärgert mich, dass die­ser Begriff seit der Billa-Kampagne so einen ungu­ten Beigeschmack bekom­men hab… (Nein, ich bin kein Fan des Rewe-Konzerns. Nicht im Facebook und auch nicht im rich­ti­gen Leben.)

    Insofern gefällt mir die welt­weite Social Media Policy von Microsoft auch her­vor­ra­gend. Die besteht aus nur 2 Worten: “Be smart.”

    Erwähnenswert finde ich in die­sem Zusammenhang noch, dass sich — ganz unab­hän­gig vom Internet — die meis­ten Probleme mit etwas mehr Dialogbereitschaft lösen lie­ßen. Aber erst der “mediale Druck” bzw. die Öffent­lich­keit, die kleine Publisher mitt­ler­weile errei­chen kön­nen, führt dazu, dass Unternehmer quasi gezwun­gen wer­den, “freund­li­cher” zu agie­ren. Und das find ich per­sön­lich eine sehr posi­tive Entwicklung.

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  • Alex Identicon Icon
    Alex sagte am 7. August 2010 um 19:03

    Am bes­ten man bloggt anonym mit allen Daten auf aus­län­di­schen Servern — aber eigent­lich kanns das ja nicht sein…

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  • digiom (jana Herwig) Identicon Icon

    In der Tat schade, dass Jörg Wipplinger erst nach­dem der Entscheidung an die Öffent­lich­keit — einen gro­ßen Social Media Bohei zu machen, ist ja auch inter­es­san­ter, je mehr zu ret­ten ist und das Gefühl, Geld für Kleiderbauer zu sam­meln, ist zwar eine Perspektivensache, aber eben doch eine mög­li­che Reaktion. Ich bin gespannt, wie sich das wei­ter ent­wi­ckelt — nicht nur die­ser Fall, son­dern über­haupt das Verhältnis Unternehmen/Blogosphäre. Was ist, wenn keine kri­ti­sche Masse via Social Media erreicht wird, weil z.B. wie gerade jetzt Sommerferien sind? Oder weil die ö-Blogosphäre evtl. gar nicht groß genug ist um Fälle wie Jako etc. zu ent­wi­ckeln. Anyhow, Tweet folgt.

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  • wohnblog.at Identicon Icon

    Ihre Darstellung kann ich eini­ger­ma­ßen nach­voll­zie­hen bzw. min­des­tens ver­ste­hen. Unverständlich ist mir, warum Sie auf die demo­kra­tie­po­li­tisch höchst bedenk­li­chen Aspekte von § 278 ff nicht eingehen:

    Diese beste­hen weit über das ange­spro­chene Verfahren hin­aus und wer­den von zahl­rei­chen RechtsexpertInnen als Bedrohung unse­rer Rechtskultur und unse­res Demokratieverständnisses gesehen.

    Stellvertretend für viele ähnli­che Beiträge:
    http://www.werkstatt.or.at/ind.….;Itemid=43

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon
    Ritchie Blogfried Pettauer antwortete am 12. August 2010 um 14:20

    Kurz gesagt: in einem Land, in dem dem Justizministerin Bandion-Ortner dem BP via Presseaussendung aus­rich­ten lässt, sie fühle sich von sei­ner Forderung nach einer raschen, lücken­lo­sen und nach­voll­zieh­ba­ren Aufklärung der jüngs­ten Politskandale “nicht ange­spro­chen”, sind weni­ger die Paragraphen als viel­mehr die han­deln­den Personen das Problem.

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  • Julia Identicon Icon

    Das ist doch ein schö­nes Bespiel dafür, dass wir zwar unsere Meinung noch äußern dür­fen, doch aller­seits auf Konsequenzen gefasst sein müs­sen! Amerikanisierung here we go… ach man — mir feh­len ein­fach nur die Worte…

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  • bärt Identicon Icon
    bärt sagte am 10. August 2010 um 9:19

    Wo bleibt denn da bitte die freie Meinungsäußerung? wenn es wirk­lich so ein­fach ist, jeman­den mund­tot zu machen, dann hat auch der Staat hier ein rie­sen Problem, vor dem er die Augen verschließt.

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  • Sandra Identicon Icon

    Ich sehe eben­falls das Problem, dass die freie Meinungsäußerung, um die es ja in einem Blog eigent­lich pri­mär geht, ein­ge­schränkt wird. Noch bedenk­li­cher finde ich jedoch, dass als Patentlösung sofort zum Anwaltsschreiben gegrif­fen wurde. Den Disout durch Kommunikation zu lösen, stand offen­sicht­lich gar nicht zur Debatte und so gehen dann tat­säch­lich beide Parteien als Verlierer aus­dem Ring.

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  • Daniel Heinze Identicon Icon

    Cooler Artikel! Stimme mit dir voll­kom­men überein — Kleidebauer hätte einen guten PR-Gag draus machen kön­nen, was finan­zi­ell und ima­ge­mä­ßig deut­lich gebück­ter rüber­ge­kom­men wär ;-)) :frog3:

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  • Fred Identicon Icon

    Mit der Meinungsfreiheit ist das so eine Sache. Wenn man seine Meinung sagt muss man dabei sagen dass es sich um die eigene Meinung han­delt. Nicht sagen: “Dies oder Das ist so oder so.” son­dern: “Meiner Meinung nach ist Dies oder Das so oder so.”

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon
    Ritchie Blogfried Pettauer antwortete am 24. August 2010 um 16:28

    Ich meine, diese Vorsilbe sollte man sich sowieso *immer* zumin­dest men­tal mitdenken.

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  • Nico Schweinzer Identicon Icon

    Spitzen Artikel. Hoffe, dass Kleiderbauer sich die Tipps zu Herzen nimmt, denn thats the way to go und der wird es auch in Zukunft sein. Die, die das ver­ste­hen, wer­den gewin­nen, die, die es nicht tun, wer­den ver­lo­ren, its that simple.

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon
    Ritchie Blogfried Pettauer antwortete am 29. August 2010 um 1:06

    thx! Ja, da sind wir defi­ni­tiv einer Meinung.

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon
    Ritchie Blogfried Pettauer antwortete am 31. August 2010 um 20:43

    thx! Muss mich erkun­di­gen, wie die Sache wei­ter ver­lau­fen ist.

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  • indien-schmuckkunst Identicon Icon

    Ich glaube das die gesamte Causa Kleiderbauer — vs. Tierschützer bereits der­mas­sen ver­fah­ren ist das alle hier getrof­fe­nen Maßnahmen bei­der Seiten nicht 1:1 auf andere Themen über­tra­gen wer­den kön­nen.
    In die­ser Causa gibt es eine Zuspitzung die ich eigent­lich nicht mehr nach­voll­zie­hen kann — es scheint nur noch um Macht zu gehen.
    Die eine Seite sieht sich in ihrer Stellung her­aus­ge­for­dert Wirtschaft,Justiz,..) und möchte mit einem Exempel all­fäl­lige Wiederholungen ver­mei­den, die andere Seite möchte um (fast) jeden Preis ihr Anliegen durch­brin­gen.
    Das ist eine klas­si­sche loose-loose Situation in der Rationalität nur noch bedingt vor­han­den ist.
    Der Wirtschafts-Justiz-Politik Bereich zeigt auf unrühm­li­che Art und Weise vozu der fähig ist– näm­lich zu einer de facto Vernichtung jener die sich auf­leh­nen.
    Auf der ande­ren Seite habe ich nie ganz ver­stan­den warum das Pelzproblem an der Kette Kleiderbauer fest­ge­macht wird? Warum wird nicht gegen die fei­nen Pelztempel im 1.Bezirk glei­cher­mas­sen vor­ge­gan­gen? Dort wäre der Gegner auch nicht so stark.
    Bzgl. Bloggermacht noch kurz — im vor allem ame­ri­ka­ni­schen Raum ist dies bereits viel wei­ter ver­brei­tet — in Öster­reich glaube ich aller­dings wird dies über­schätzt. Kaum ein Kunde von Kleiderbauer liest die ent­spre­chen­den Onlineblogs und wird sich davon beein­flus­sen las­sen.
    Das Mundtot machen eines Bloggers ist glaube ich in die­sem Fall im Gesamtkontext — siehe oben — zu sehen und wird hof­fent­lich nicht üblich werden.

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon
    Ritchie Blogfried Pettauer antwortete am 7. September 2010 um 0:26

    Wobei unser Rechtssystem fürs Exemplstatuieren ja weit weni­ger gut geeig­net ist als das angli­ka­ni­sche Case-Law; und du hast natür­lich recht, was die ande­ren Kleiderhändler angeht… aber in die­sem Fall waren ja anschei­nend die Aussagen des Anwalts das Hauptproblem.

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