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Hilfe, die Online-Werbung hat mir ins Ohr gespuckt!

25.08.2010, geschrieben von , 28 Kommentare

Wie intrusiv darf - sein, oder anders gefragt: sollte erfolg­rei­che –Werbung sämt­li­che tech­ni­schen Möglichkeit nut­zen, die kost­bare des User um jeden Preis zu erha­schen? Die Frage klingt ver­däch­tig nach einer sug­ges­ti­ven Nona-Einleitung — aller­dings schei­nen einige ver­mark­tende Kollegen im Eifer des Impression-Gefechts zu ganz ande­ren Ergebnissen zu kom­men als der gesunde Hausverstand. Zumindest legt dies ein aktu­el­les Beispiel des Facebook Game-Providers Rock You! nahe. Doch man muss man gar nicht erst online gehen, um auf Spammer zu stoßen.

RockYou! (ehe­mals “Rock you live”) und Zynga sind die zwei größ­ten Anbieter von Facebook-Spielen. Zu den erfolg­reichs­ten RockYou!-Apps gehört “Zoo”, ein Sammel– und Wirtschaftsspiel, des­sen RPG-artigem Simpel-Charme nicht nur Karnivoren ver­fal­len. (Mhmmm, die Tierchen sehen ja alle sooo lecker aus!) RockYou! bie­tet schon eine ganze Weile lang die direkte Verrechnung von Aufmerksamkeit in Geld an: wer frei­wil­lige Werbevideos guckt, bekommt Facebook-Credits, mit denen man wie­derum beson­ders rare Tierarten kau­fen kann. Facebook-App-Anbietern sind bekannt­lich auf den “Content Canvas” beschränkt, sprich die rechte Seitenspalte mit den alt­be­kann­ten Facebook-Ads bleibt immer sichtbar.

Als Werbeflächte kön­nen die Betreiber nur das Spiel selbst nut­zen. Zoo ist, wie die meis­ten Games, kom­plett in pro­gram­miert — und das ver­lockt anschei­nend zu wil­den Experimenten: seit kur­zem blen­det die Applikation beim ers­ten Laden unter­halb des eigent­li­chen “Spielfelds” ein –Video ohne Bedienelemente ein, das auto­ma­tisch star­tet. Selbst auf grö­ße­ren Bildschirmen liegt der Clip “below the fold”, also unter­halb des sicht­ba­ren Bildschirmbereichs, dafür dudelt bei auf­ge­dreh­ten Boxen der Ton umso pene­tran­ter los. Als heute (ja, ich spiel Zoo. Natürlich *nur* aus Recherchegründen) eine nicht enden wol­lende Werbung für Vanish Oxy Irgendwas erklangt, beschul­digte ich im Geiste zuerst sämt­lich ande­ren Browser und –Tabs, dachte einen kur­zen Moment lag gar an einen Virus-artige Adware, bis ich das gar nicht mal so leicht aus­zu­ma­chende Video beim Runterscrollen entdeckt.

Solche Werbung wirkt unge­mein “gut”: Vanish-Irgendwas-Produkte kauf ich garan­tiert nie mehr, aber ich nehm nicht an, dass die von der Konkurrenz bezahlt wird. Erstaunt hat mich aber alle­mal, dass die Lokalisierung wohl recht gut funk­tio­niert und sich offen­sicht­lich sogar für den deutsch­spra­chi­gen Raum Werbekunden fin­den, die mei­nen, mit akus­ti­scher Invasion des Arbeitsplatzes ihre Verkaufszahlen stei­gern zu kön­nen. Und weil Spiele immer ein guter Online– Trendindikator sind, steht uns da Flash-mäßig im Social Web wohl noch eini­ges ins Haus!

Unterjubeln vs. Interesse wecken?

WWW steht eigent­lich für World Wide Web und nicht für wild­ge­wor­dene Werbewirt­schaft. Trotzdem gehö­ren erek­tile Spams aus den Abteilungen Penisvergrößerung und –ver­län­ge­rung zum täg­li­chen Internet-Brot wie lang­wei­lige Kurzhaarfrisuren zur ORF-Moderatorinnen. (Nein, das ist nicht belei­di­gend. Ich hätte ja ers­tens “furch­bare Frisuren” schrei­ben kön­nen und zwei­tens han­delt sich’s sowieso nur um per­sön­li­che Meinung.)

Die Geschichte der rand­stän­di­gen Online-Werbung ist weni­ger eine Geschichte der Missverständnisse als viel­mehr eine des Wettlaufs zwi­schen Technologie und Intrusion: kaum kam jede daher­ge­lau­fene Safety-Suite mit einem Pop-Up Blocker an Board, popp­ten uns die Werbebotschaften via DHTML-Layer ent­ge­gen — die oder der eine oder andere hat die immer wie­der mal hier auf daten­schmutz auf­pop­pende freund­li­che Erinnerung zum wohl­wol­len­den Bezug des Newsletters gewiss bemerkt.

Und was soll ich sagen? Es funk­tio­niert ein­fach ver­dammt gut. Die Hälfte mei­ner Newsletter-Anmeldungen bekomm ich über die Seitenleiste, die andere Hälfte über das Pop-Up. Man muss als Werbetreibender also abwie­gen, wie inter­es­sant die eigene Botschaft für den Leser sein könnte — wie gut ein Werbemittel “wirkt” (also im Online-Bereich Klicks respek­tive Conversions gene­riert), ist der beste und direk­teste Indikator für das Interesse des Users. , die ihre Besucher mit auf­dring­li­cher Dauerwerbung ner­ven, scha­den mit­tel­fris­tig ohne­hin ihrer eige­nen Seite. (Es sei denn, die Inhalte sind der­art “uni­que” und attrak­tiv, dass sab­be­rende Surfer so ziem­lich jede Browser-Vergewaltigung über sich erge­hen las­sen müs­sen wol­len. Aber da nähern wir uns bereits Triple-X und Torrent-Gefilden, und das wär ein Posting für sich.)

Der Offline-Spammer

Als “Spam” bezeich­nen wir unver­langt zuge­stellte Mails — eine Praxis, die im ana­lo­gen Pendant zur E-Mail-Box schon lange gang und gäbe ist. Doch wäh­rend sich die uner­wünscht Papierflut im Postkasten mit­tels “nur per­sön­lich adres­sierte Sendungen” abstel­len lässt, bleibt spe­zi­ell den Nutzern recht alter E-Mail-Adressen nur ein mög­lichst guter Spamfilter.

In der ana­lo­gen Welt soll­ten, zumin­dest in der Theorie, ein Sticker, der nicht per­sön­lich adres­sierte Sendungen ent­schie­den zurück weist, aus­rei­chen. Die meis­ten Zettelverteiler hal­ten sich auch dran — nicht so ein Gewichts-Verlust-Experte, den ich via außen am Briefkasten ange­hef­te­ten Zettel ken­nen ler­nen durfte:

speckweg Hilfe, die Online Werbung hat mir ins Ohr gespuckt!

Ja, das erweckt Vertrauen — vor allem das wun­der­bare Passfoto aus den spä­ten 50ern! Ich werd gleich mal anru­fen, aber vor­her muss ich mir noch das güns­tige Viagra aus Armenien bestel­len, einem rei­chen nige­ria­ni­schen Erben dabei hel­fen, seine Goldbarren nach Nicaragua zu schaf­fen und für die nette Russin, die mir immer E-Mails schickt, ein Flugticket buchen!

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Bisher haben meine Lieblingsleser 28 Kommentare zu "Hilfe, die Online-Werbung hat mir ins Ohr gespuckt!" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Christopher Identicon Icon

    Ich per­sön­lich mag agres­sive Werbung über­haupt nicht. Besonders abschre­ckend finde ich im Internet Werbebotschaften, die mit Sound hin­ter­legt sind.

    Ich habe aber nichts gegen Werbung. Im Gegenteil. Wenn the­men­re­le­vant und dezent, gut sicht­bar aber nicht stö­rend, gewor­ben wird, dann finde ich Werbung auch mal nütz­lich, da ich dann wei­tere Informationen fin­den kann.

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon
    Ritchie Blogfried Pettauer antwortete am 31. August 2010 um 20:41

    Ich sag ja immer: Nix gegen Targetting!

    …wenn’s denn zur Abwechslung mal funktioniert :-)

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  • Keramikmesser Identicon Icon
    Keramikmesser sagte am 27. August 2010 um 9:18

    Aber war doch eigent­lich schon immer in der Geschichte der Menschheit so. Jeder will jedem was ver­kau­fen und damit Geld machen…nur kann es halt nicht jeder und die, die es nicht kön­nen suchen sich dann “andere” (SPAM) Methoden

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon
    Ritchie Blogfried Pettauer antwortete am 31. August 2010 um 20:42

    Wie wohl so eine schnell hin­ge­mei­ßelte Spam-Nachricht in der Steinzeit aus­ge­se­hen haben mag?

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  • Sebastian Identicon Icon

    Du bist nicht alleine…Werbung muss sein und so, da hän­gen Arbeitsplätze dran. Aber nimm mir nicht meine Russin weg, sonst habe ich das Viaga in Kambotscha umsonst bestellt.

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon
    Ritchie Blogfried Pettauer antwortete am 31. August 2010 um 20:43

    Keine Sorge, da kom­men wir uns nicht übers Kreuz! Ich hab eine Kambodschanerin und rus­si­sches Viagra bestellt.

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  • Tobias Identicon Icon

    wir leben doch von wer­bung! wer­bung als vor­stufe der bedürf­nis­be­frie­di­gung ist ein essen­zi­el­ler part unse­rer geschichte und zukunft! klar, manch­mal geht es einem tie­risch auf die ner­ven, aber gele­gent­lich ist doch immer was dabei, was man zwar nicht wirk­lich braucht, was man aber unbe­dingt haben muss :D

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon
    Ritchie Blogfried Pettauer antwortete am 31. August 2010 um 20:46

    Und das, was man nicht braucht, ver­kau­fen einem dann die armen Callcentermitarbeiter…

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  • Dennis Farin Identicon Icon

    Ich mag Online Werbung, aller­dings auch nur wenn diese nicht zu pri­mi­tiv um meine Aufmerksamkeit buhlt.
    Dezent im Hintergrund fällt mir meis­ten mehr auf und bleibt auch län­ger hän­gen als direkt mit dem Vorschlaghammer ins Gesicht gemei­ßelt zu bekommen. :frog6:

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon
    Ritchie Blogfried Pettauer antwortete am 31. August 2010 um 20:47

    Die Vorschlaghammermethode wird halt schnell mal kontraproduktiv!

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  • Mathias Identicon Icon
    Mathias sagte am 31. August 2010 um 20:50

    Hallo,

    erst­mal vie­len Dank für den inter­es­san­ten Beitrag und die Kommentare. Ich bin der Meinung, dass Werbung auch Online zur freien Marktwirtschaft gehört. Ob Werbung gefällt oder nicht, ist fast egal, sie muss funk­tio­nie­ren. Das pas­siert eigent­lich nur, wenn man ers­tens Aufmerksamkeit erregt und zwei­tens die Angebote pas­sen. Im Netz ist es viel leich­ter die Zielgruppe zu errei­chen, denmn die meis­ter Nutzer (google-Sucher) haben eine kon­krete Kaufabsicht. So wer­den Streuverluste redu­ziert und Kosten gesparrt. Meist ist der Kunde auch nur einen Klick ent­fernt. Schneller kann man theo­re­tisch keine Kunden gewin­nen.
    Wenn hin­ge­gen Werbung nervt oder als stö­rend emp­fun­den wird, ist die­ses Werbegeld pure Geldverschwendung da diese Maßnahmen kon­tar­pro­duk­tiv sind. Somit kann jedem der Onlinewerbung macht nur drin­genst emp­foh­len wer­den, nur damit zu wer­ben, was gesucht wird. Dies läßt sich mit etwas Arbeit gut rea­li­sie­ren (Zielgruppenanalyse, Konkurrenzanalyse, Welche Plattformen für wel­che Produkte).

    Viele Grüsse und viel Erfolg

    Mathias

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon
    Ritchie Blogfried Pettauer antwortete am 1. September 2010 um 22:49

    Ganz so ein­fach ist’s halt nicht immer :frog:
    Und ich würd sogar behaup­ten, Werbung ist ein essen­ti­el­ler Bestandteil der freien Marktwirtschaft.

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  • Felix Naumann Identicon Icon

    Nervig ist sol­che Werbung doch immer, aber dank AdBlock bekomm ich sowas gar nicht mehr mit :frog:

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon
    Ritchie Blogfried Pettauer antwortete am 1. September 2010 um 22:52

    Diese Art von Flash-Ads scheint die meis­ten Blocker aber mühe­los zu pas­sie­ren… Flash ganz zu blo­ckie­ren ist ja nicht wirk­lich eine Option.

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  • GratisIphone Identicon Icon
    GratisIphone sagte am 2. September 2010 um 17:19

    naja ich hasse diese Flash Werbung. Wer meint mir da Sound unter­ju­beln zu müs­sen des­sen Webseite ist bei mir ganz schnell wie­der geschlossen :frog6:

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  • degia Identicon Icon

    Sollten sich mal allen Werbeclowns zusam­men­set­zen und sich was wirk­oucb­krea­ti­ves über­le­gen, um in der www com­u­nity wirk­lich etwas zu bewe­gen. tat­sa­che ist doch, dass sol­che Werbung nur zu Ärger führt und Dinge, über die ich mich ärgere, die kauf ich nicht. Basta. Positives Beispiel ist der­zeit bestimmt “Hunter shoots bear” auf Youtube — sol­che Werbung ver­brei­tet ich zudem auch ganz von alleine.

    mfg

    Degia

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon
    Ritchie Blogfried Pettauer antwortete am 11. September 2010 um 15:09

    Das Problem ist in der Praxis ja, dass beide Methoden (bis zu einem gewis­sen Grad) funk­tio­nie­ren; sonst würd sich ja längst nie­mand mehr die Arbeit machen, Massenspam zu ver­schi­cken, das kos­tet ja auch ordent­lich Geld. Aber meine Hoffnung ist, dass die Strukturen des Social Web es immer schwie­ri­ger für sol­che Spammer machen, und damit mein ich kei­nes­wegs nur E-Mail.

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  • Vinzent Identicon Icon

    Jaja so ist das mit der Werbung. Für Macher ist schlechte Werbung ein­fach unter­träg­lich. Konsumenten hin­ge­gen gehen ein­fach dran vor­bei bzw. kli­cken weg.
    Bei den Beispielen ist es auch gar nicht so schwer es “bes­ser zu machen”.

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    Ritchie Blogfried Pettauer Identicon Icon
    Ritchie Blogfried Pettauer antwortete am 16. September 2010 um 0:31

    Nein — und bei mir ist das sehr kon­tra­pro­duk­tiv; wenn ich diese Produkte irgendwo seh, denk ich an den ner­vi­gen Spot und ver­meide sie.

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  • Felix Identicon Icon
    Felix sagte am 12. Februar 2011 um 21:21

    Beim letz­ten Absatz hab ich mir fast in die Hose gemacht! Herrlich :-D

    In letz­ter Zeit kom­men mir immer wie­der Rich-Media-Anzeigen unter, die Videos abspie­len, die sich weder stop­pen noch die Lautstärke redu­zie­ren las­sen. Einzige Option ist die Seite zu schlie­ßen (oder eben das Ding lau­fen zu lassen…).

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