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Fellnerös: Facebook-Sucht und ihre schlimmen Folgen

Facebookersatz

„Ist es ein Vogel, ist es ein Flugzeug, ist es eine Zombieinvasion?“ fragten sich Milliarden Leser des tageszeitungsartigen periodischen Druckwerks „Österreich“ diesen Samstag. Mehrere aufgeklärte Computerspieler wollten angesichts der blaßbleichen, orientierungslos umher taumelnden Juhsa mit dem leeren, stierenden Blick sogar ihre Notfall-Holzpflöcke aus dem versperrbaren Waffenschrank holen, inoffizielle Vertreter der katholischen Kirche sprachen vom bevorstehenden Weltuntergang und rieten ihren Gläubigern, die letzten Stunden reichlich Buße zu tun. Erstmals seit Jahren berichteten Augenzeugen von menschlichen Aktivitäten auf Myspace, Mobilfunk-Anbieter mussten 90 Minuten lang Datenverkehr-Umsatzeinbrüche von bis zu 81% hinnehmen. Was war geschehen und wie konnten unsere Kultur, unsere Ökonomie und unser Sinn für Realität so effektiv, so nachhaltig gestört werden – ganz ohne terroristische Einwirkung?

Facebookersatz
Facebook-Junkie bei der Selbst-Medikation – Ärzte befürchten zukünftige Engpässe bei der Versorgung mit Facebook-Ersatz-Serum.

Eines gleich vorweg: Nur dem unermüdlichen Einsatz modernster Technologie haben wir zu verdanken, dass das Zweitschlimmste im vorletzten Moment abgewendet werden konnte. Aber lesen Sie selbst:

Für die meisten gehört Facebook zum Tagesablauf wie Zähneputzen, viele sind süchtig. Donnerstagabend blieb ihr Schirm zumindest vorübergehend schwarz – und das hatte für einige User schlimmer Folgen. Bernd Dillinger, Experte des Institut zur Prävention von Onlinesucht: „Es gibt wenig Erfahrungswerte, aber es ist sehr gut vorstellbar, dass der Ausfall bei süchtigen Menschen Stress auslöst. Sie haben eine Art Entzugserscheinung, wenn sie nicht online sein können. Angstzustände und Nervosität sind die Folgen.“

Das alles wirft viele Fragen auf, zum Beispiel warum es „Experte des Institut“ und nicht etwa „Experte des Instituts“ heißt. (Ich vermute, „Institut“ ist hier eine Art Titel wie „Bischof“, so á la „guten Tag, der Bischof ist heute krank, ich bin der stellvertretende Institut“. Oder Österreich redigiert einfach schlampig.) Und ob Bernd wohl mit John Dillinger verwandt ist? Woher kommen die „wenigen Erfahrungswerte“? Macht das Institut zur Prävention von Onlinesucht womöglich gar Tierversuche mit Facebook-Schimpansen?

Weit hergeholt ist das alles nun wahrlich nicht, ich kenne dieses Social Media Craving nur zu gut aus eigener Erfahrung, und dazu muss noch nicht mal Facebook ausfallen. Wenn das WLAN auf Konferenzen mal wieder nicht will, stellen sich instantane Frust- und Durstzustände ein, bekanntlich die engsten Verwandten von „Angst und Nervosität“. Und was mir alles „sehr gut vorstellbar wäre“ – ich schwöre, Sie gingen nie wieder zum Frisör, wenn Sie das wüssten! Aber datenschmutz ist nicht Österreich-das-Druckwerk. Dem gemeinen Blogger reicht es einfach nicht, frei erfundene Probleme zu analysieren, er muss seiner Leserschaft schon durchaus einen Ausweg anbieten, best practices für den nächsten worst case eben. Aber nein, ich muss Sie leider enttäuschen: Entziehung ist nicht in Sicht. Bis zu 92% der 3 User, die bisher ihre FB-Accounts löschten, sind mittlerweile (wenn auch unter falschem Namen) rückfällig geworden, da braucht sich unsere Gesellschaft keinerlei Illusionen hinzugeben.

Das einzige, wodurch die Droge Facebook subsituiert werden kann, sind andere Drogen – die sollten in der Lage sein, das Problem solange zu verlagern, bis FB dann wieder online ist. Mit anderen Worten, machen Sie’s wie ich, wenn Facebook das nächste Mal down ist: trinken Sie ruhig mal eine zweite Flasche Rum zum Frühstück, spielen Sie ein Killerspiel, probieren Sie Sexsucht aus oder frönen Sie einfach online Ihrem Shoppingproblem – sowas verkürzt die Wartezeit bis zum nächsten Einloggen ganz gewaltig. Oder wechseln Sie vom Screen zum Papier, denn Studien des Instituts für alternative Medienheilmethoden haben ergeben, dass Österreich-das-Druckwerk eine ausgesprochen günstige Wirkung auf die Darmflora seiner Leserschaft hat. Ich sag nur: Schlacken ade!


Der Autor dieses Beitrags dankt dem tageszeitungsartigen periodischen Druckwerk „Österreich“ für die fortwährende Inspiration. Das Zitat wurde in keinster Weise verändert und stammt aus der Ausgabe vom 25.9.2010, Seite 6, Spalte zwei. Schreiberlingsname steht wie üblich ja leider keiner dabei, aber ich bin sicher: you know who you are!
22 comments
Alkan Tok
Alkan Tok

ob ihr es glaubt oder nicht ich Spiele das Browser Game CityVille auf der Facebook Platform denn ganzen Tag aber ich Zitter nicht wenn ich mal einen Termin habe hab ich kein Facebook das is völlig ok ich kann auch ganz normale Sachen machen wie Schwimmen gehn oder so )-: Der Beitrag sollte aber dennoch als ernst aufgefaßt werden ich hab schon viel gehört von so Leuten Zittern wenn sie nicht am PC sitzen Lg. Der CyberSaxe

FaceBLOCK!
FaceBLOCK!

Dieser Ritchie blogfried fühlt sich schon so verantwortlich für Facebook, dass er nach jedem Kommentar nahezu eine rechtfertigbg bzw Verteidigung für Facebook aufbringt. Dann soll dieser Artikel auch noch übertrieben artikuliert sein. Das dachte ich als normal denkender Mensch erstmal auch zugegeben, aber wenn ich mir Verhaltensmuster ansehe, wie bei dem oben genannten Herren, verstehe ich diese absichtlich übertriebene Darstellung dieses Artikels. Facebook ist definitiv eine moderne Krankheit nur in anderer Form.

Markus
Markus

Das Thema ist meiner Meinung nach mittlerweile aktueller denn je. Bei mir in Bekanntenkreis gibt es bestimmt ~ 10 Leute die beinahe nonstop auf Facebook unterwegs sind. Die müssen alles posten, ausprobieren und was auch immer machen. Finde ich teilweise schon sehr krass. Bei Twitter ist es auch so, da müssen am Tag mindestens 50 Tweets gezwitschert werden. Bin zwar selbst auch bei Facebook aber ich nutze es "normal" und nicht "exessiv".

Mathias
Mathias

Hallo zusammen, natürlich sind die social-networks in der heutigen Zeit sowohl für Verkäufer als auch für den normalen User praktisch und angenehm. Um Kontakte zu pflegen beobachten wir das gleiche Phänomen wie bei den SMS. Einige müssen überall und immer erreichbar sein und haben Angst etwas wichtiges zu verpassen. Ob das Sucht ist hängt sicherlich von weiteren Faktoren ab. Pflegt man sein Netzwerk und dabei die Netzwerke ist es okay, besteht der Freundeskreis nur aus den networks sollte man mal wieder rausgehen. Ich stelle fest, dass gerade zurückhaltene Personen sich im Netz komplett offenbaren und scheinbar weniger Grenzen kennen als selbstbewußte. Ich verbringe relativ wenig Zeit auf diesen Netzwerken (max 1/4 Std/ Tag) und antworte selten auf Nachrichten. Lieber rufe ich an oder verabrede mich. Dies ist spannender und bringt auch mehr, da man mehr Sinne (Interpretation Mimik/ Gestik) nutzen kann und Wörter so an Bedeutung gewinnen. Schönen Abend und viele Grüsse aus Flensburg Mathias

Jan
Jan

Ich war eine Zeit lang auch ziemlich abhängig von Facebook. habe dort nämlich diese O-Games gespielt. Ich habe dadurch zwar meine Freunde nicht vernachlässigt, aber hab zu dieser Zeit doch öfter am Tag bei Facebook reingeschaut, als vorher. Nun habe ich die Spiele aber alle gelöscht, weil ich keine Zeit mehr dafür habe. Ich kann aber manch einem schon nachempfinden, wenn er mehr Zeit als gewohnt auf Internetplattformen verbringt.

Dennis
Dennis

also ich finde wenn man sich ein neues smartphone mit entsprechendem datentarif besorgt mit der begründung "damit immer bei facebook online sein zu können" dann ist man ziemlich süchtig...so passiert in meinem bekanntenkreis

Claudia
Claudia

Ich guck auch täglich auf Facebook, es ist vor allem gut Kontakt zu unterhalten mit internationale Freunden. Ich sehe aber meine Niederländische Freunden nicht weniger durch Facebook (bin Niederländisch), persönlich treffen ist viel wichtiger, das müss man nicht vergessen.

Pressearbeit
Pressearbeit

unglaublich, was da abgeht. dass ein medium wie facebook alleine derartige konsequenzen nach sich zieht.

Valeska
Valeska

Wer sonst keine anderen Probleme im Leben hat, der macht sich eben welche! Ich liebe Facebook und checke meinen Account auch mindestens einmal am tag, aber übertreiben muss man es wirklich nicht. Außerdem sollte man sich mal wieder auf die guten alten Zeiten besinnen, wo man seine Freunden noch angrufen oder sich mit ihnen getroffen hat. Hach, damals wars so schön und vielleicht kommen wir ja bald wieder dahin zurück. Und so lange bleibt Facebook eben Facebook und wir süchtig. :frog2:

Xela
Xela

Wer Facebook so intensiv nutzt, übetreibt es meiner Meinung nach. Ich halte es für wichtig, das Internet als Mittel der Kommunikation und Information, aber nicht als Ersatz für das Treffen im Real-Life zu nutzen. Insofern sollte einem der kurzzeitigt Facebook-Ausfall keine nenneswerten Probleme bereiten.

datenschmutz
datenschmutz

Facebook-Junkies klauen MySpace Pensionisten die Handtaschen – Österreich-das-Druckwerk weiß warum: http://bit.ly/9mmEet #facebook #sucht This comment was originally posted on Twitter