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WBF2010 | World Blogging Forum Vienna | Statt eines Konferenzberichts

World Blogging Forum 2010

Anstatt einen Konferenzbericht zu schreiben, werde ich in den nächsten Tagen und Wochen Kommentare, Blogberichte und Zitate zum World Blogging Forum 2010 sammeln. Das digitale Feedback war schlichtweg überwältigend, sowohl quali- als auch quantitativ: weit über 1.5k Tweets (mehr gibt die Twitter-API nicht her), 150k unique Tweeps, eine Verdreifachung der SERPs über Nacht… das freut des Herz des Statistikers und Mediaplaners, ungleich mehr bedeuten mir die persönlichen Rückmeldungen, die ich während und nach des Events bekommen habe! Danke an das gesamte Team und alle Partner, ganz besonders an Werner Reiter, Karin Brandner, Carl-Peter Echtermeijer, Bernhard Schmidt, Christoph Henrichs, Anita Posch, Dan Taylor, Chris Lendl, Stefan Gabritsch, Martin-Hannes Giesswein, Hubert Nagele, Richard Hemmer und Gerhard Laga: stattgefunden hat das WBF 2010, weil diese Menschen an das Konzept, an die Idee, eben an die Vision geglaubt und das Projekt unterstützt haben. Danke dafür!

World Blogging Forum 2010
World Blogging Forum 2010 Vienna in the House! [Foto: Pilo Pichler]

Dass man es ersten nicht allen recht machen kann und dass eine perfekte Veranstaltung ohne jegliches Verbesserungspotential wohl nur in der Phantasie existiert, ist mir völlig klar. Und dass die spannenden Diskussionsergebnisse nicht durch Zugabe von Weichspüler erzielt werden ebenfalls. Aber es gab im Lauf des Tages sowohl auf der Twitterwall als auch ganz analog vereinzelt ein paar Wortmeldungen, die mir zu denken gaben und dazu führten, dass ich gestern meinen bisher längsten Facebook-Kommentar geschrieben habe. Damit wollte ich diese wenigen, aber für mich äußerst unerquicklichen Seiten eines insgesamt sehr motivierenden Wochenendes für mich persönlich abschließen – allerdings bin ich von mehreren Seiten gebeten worden, diesen Text nicht im Social Graph zu verstecken. Ich habe der besseren Verständlichkeit wegen ein paar Kleinigkeiten geändert (der ursprüngliche Text war auch eine Antwort auf die vorherigen Kommentare), wollte aber keinen sorgfältig redigierten Blogartikel draus machen. Die folgende Passage entstand sehr spontan. Wie ich schon am WBF angemerkt habe: Facebook ist Fastfood, Bloggen ist selber kochen – aber manchmal muss es eben schnell gehen! :frog3:

An: Wen es betrifft

99% der Tweets auf der WBF-Wall fand ich überhaupt nicht schlimm. Aber die restlichen 1% haben gereicht, um mich sehr nachdenklich zu machen und zeitweise sogar zu genieren. Ich hab nicht nur rein gar nichts gegen sachliche Kritik, ich fordere sie ja sogar ein, wenn ich über die Hälfte der Session-Zeit für Diskussion reserviere… bloß: das World Blogging Forum war keine Konferenz mit Keynote Speakern. Ich bin mir bei all den skurrilen Unterstellungen (Stichwort: ihr zensiert die Twitterwall!) nicht sicher, ob eigentlich allen klar war, dass keiner unserer internationalen Gäste auch nur einen einzigen Cent an Honorar bekommen hat, ich übrigens auch nicht.

Natürlich hat mich A1 Telekom nach einem Angebot gefragt, aber ich hab von Anfang gesagt: I’ll gladly take the money – für die Veranstaltung, nicht für mich. Damit wir das hier in Wien tun können. Sonst hätt ich zwar was verdient (garantiert nicht „gut“, denn beim Angebot hätte ich den Zeitaufwand sowieso *viel* zu niedrig eingeschätzt), aber es hätte halt 3 Gäste weniger oder keine Gratisparty oder keine Getränkebons oder was weiß ich was nicht gegeben. Ich hab das auch nicht großartig erwähnt, mir vollkommen bewusst ist, dass eine Menge Leute sich denken würden: „entweder er lügt oder er ist ein naiver Depp, wenn er sowas ohne Bezahlung ‚für‘ A1 Telekom organisiert.“ Nein, bin ich nicht: dass das WBF in diesem Jahr in meinem Hood stattfinden konnte, sah und sehe ich als unglaublichen Glücksfall.

Wir haben unseren Gästen die Flüge bezahlt, und dass die Leute im The Ring wohnen konnten, war ein extremer Glücksfall (weil Carl-Peter Echtermeijer, der Geschäftsführer, selbst ein Blog betreibt und sich sehr für die Thematik interessiert. Er hat meinen ersten Blogbeitrag zum WBF gelesen und mich kontaktiert. Ich konnte es gar nicht glauben und war natürlich superglücklich, unsere Gäste in einem absoluten Spitzenhotel unterbringen zu können – aber auch diese Kooperation ergab sich erst, nachdem die internationalen Blogger bereits zugesagt hatten.

Ich sehe das ganz und gar nicht als selbstverständlich an: Andrea, Matthias, Domen und die meisten anderen sind *die Social Media Aushängeschilder* in ihren Heimatländern – die halten andauernd Vorträge. Und zwar sehr gut bezahlte. Ich hatte einige Blogger, die ich nicht persönlich kannte, eingeladen – aber mit dem Großteil der Leute bin ich persönlich befreundet. *Niemand* von denen hatte irgendein Problem damit, dass das WBF vom größten österreichischen Kommunikations-Infrastruktur-Provider ermöglicht wird, kein einziger von den Leuten, die ich eingeladen habe, hat auch nur nachgefragt, ob’s denn ein Honorar gibt – nicht mal die „kalt akquirierten“. Diese Blogger kommen nach Wien um ein Wochenende mit Gleichgesinnten zu verbringen, um zu diskutieren – und ich bin wirklich nur froh drüber, dass jede und jeder von denen cool und gelassen genug ist, um nicht mal im mindesten unfreundlich zu reagieren auf die eine oder andere äußerst beleidigende Meldung.

Das gilt nicht nur für die Twitterwall: ganz besonders daneben hab ich übrigens die Wortmeldungen nach Anitas Vortrag über Social Commerce gefunden. Unter anderem wurde kritisiert, dass Anita über Social Commerce allgemein und nicht über ihre eigenen Projekte (über die’s wahrlich genug Interessantes zu berichten gäbe) sprach. Aber ich bin mir sehr sicher, die gleichen oder vielleicht auch andere Besucher sich dann höllisch drüber mokiert, was es denn für eine Unverschämtheit sei, einen „Verkaufsvortrag“ zu machen.

Natürlich kann man alles falsch verstehen, wenn man unbedingt möchte – aber ich gebe mir Mühe, mich klar und deutlich auszudrücken. Also auf die Gefahr, mich zu wiederholen: es wäre lächerlich zu erwarten, dass jeder Vortragende mit Samthandschuhen angefasst wird oder dass jeder Diskussionsteilnehmer die gleiche Meinung hat. Es geht mir erstens um die Intention mit der und zweitens um die Art und Weise wie etwas gesagt wird. Aus genau diesem Grund halte ich Diskussionen über die Gut- oder Bösartigkeit von Twitterwalls für völlig verfehlt. It’s not the technology, stupid! Ob die Twitterwall vorne, hinten oder an der Decke hängt: was wir zu anderen sagen und wie wir es sagen ist ganz einfach nur eine Frage des zwischenmenschlichen Respekts. Oder, wie der Geek sagt: PEBKAC – Problem exists between keyboard and chair. Dass es sich dabei nicht um eine Vermutung handelt, wird jeder, der mal außerhalb des deutschen Sprachraums eine derartige Veranstaltung besucht hat, aus eigener Erfahrung bestätigen können. Wer immer auf der eigenen Weide grast, kann sich dagegen mit der Vorstellung schwer tun, dass das Gras anderswo sehr wohl grüner ist.

Ich schreibe hier über punktuelle Ausnahmen, denen ich kein übergroßes Gewicht geben will. Insgesamt war’s für mich und auch für „meine“ Gäste ein fantastisches Wochenende, und ich freue mich wahnsinnig darüber, dass wir so viel Unterstützung bekommen haben, dass so viele Blogger gekommen sind, dass ich Gis – wir kennen uns online seit Jahren – endlich mal persönlich kennen lernte, dass wir das Format WBF überhaupt fortsetzen konnten, dass sich während der Veranstaltung für mich zwei spitzenmäßige Social Media Projekte ergeben haben, dass ich so viele interessante Gespräche führen konnten, dass wir endlich mal eine anständige Party gefeiert haben mit „Networking-freier-Zone“ aka Dancefloor, und und und – die Liste könnte ich noch sehr sehr lange fortsetzen.

Damit habe ich alles gesagt, was ich noch loswerden wollte – mit diesem kathartischen Posting ist das Thema für mich nun endgültig abgeschlossen, ich werde nicht länger drauf herumreiten. Aber es war nun mal „mein“ Event, deshalb kann und will ich das, was mich gestört hat, nicht unkommentiert lassen oder unter den Teppich kehren: sonst wird der Boden, auf dem man sich bewegt, nämlich früher oder später zur Stolperfalle. Auch wenn das alles nur eine winzig kleine Essiggurke in der Susitorte war, metaphorisch gesprochen.

Herzlichst, Ihr Blogfried

 

 

 

 

3 comments
Mario
Mario

>> Facebook ist Fastfood, Bloggen ist sel­ber kochen — aber manch­mal muss es eben schnell gehen! Lol, den merk ich mir! :)

CEEA
CEEA

Danke für deine ehrliche Meinung. Ich freu mich schon jetzt auf 2011. Egal wo es sein wird, ich werde, wenn alles gut geht, dorthin fahren/fliegen. Immerhin sind die Kontakte, die man auf so einem Event knüpfen kann, unersetzlich. ;) Danke Ritchie für deine unentgeltliche Arbeit für die Bloggerszene in .at!

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