Der Facebook Edgerank Algorithmus

Facebook-Marketing: Wie Sie Ihren Edgerank optimieren

datenschmutzdigitaliaSocial Media

Obwohl in der US-amerikanischen Pro-Blogging-Szene meist­dis­ku­tier­tes Thema der letz­ten Wochen, taucht der Tag # hier­zu­lande bis­lang eher spo­ra­disch in digi­ta­len Diskussionen auf. Eigentlich ver­wun­der­lich — zumal es sich bei der sim­plen um nicht weni­ger als den der­zeit unbe­strit­ten wich­tigs­ten im Social Marketing han­delt, der bestimmt, wel­che Inhalte ein Nutzer auf des­sen per­sön­li­cher Startseite zu Gesicht bekommt. Die Funktionsweise die­ses Bewertungs-Systems zu ver­ste­hen ist für jedes Unternehmen uner­läss­lich, das seine Produkte und Dienstleistungen auf Mark Zuckerbergs Plattform ver­mark­ten will: nur wer ers­tens die Regeln ver­steht und zwei­tens die eigene Strategie ent­spre­chend anpasst, hat eine rea­lis­ti­sche Chance, jene vir­tu­elle Mouth-to-Mouth Reichweite zu erzie­len, die eine Social Marketing Kampagnen erfolg­reich macht.

Die Parallelen mit Googles hin­läng­lich bekann­tem Pagerank-System hal­ten sich trotz Namensähnlichkeit in engen Grenzen: wäh­rend der Suchmaschinenriese die Stärke einer URL und damit ihre Platzierung in den Suchergebnissen in ers­ter Linie anhand der “inco­m­ing Links” (Verweise von ande­ren Webseiten auf unsere Beispielspage) bestimmt, bewer­tet Mark Zuckerbergs Plattform nicht die Inhalte per se: ein ein­zel­nes Posting, ob Status-Update, Foto oder Page-Aktualisierung, hat kei­nen Edgerank per se, son­dern jeweils in Bezug auf den ein­zel­nen Nutzer.

Der Edgerank bestimmt somit, wel­che Beiträge jeder ein­zelne –Nutzer auf sei­ner per­sön­li­chen Startseite zu Gesicht bekommt. Dieses Auswahlverfahren benö­tigt , um aus den zahl­rei­chen Postings, die von den eige­nen Freunden, abon­nier­ten Seiten und Apps gene­riert wer­den, die für den jewei­li­gen Nutzer span­nends­ten Beiträge auszufiltern.

Wie fil­tert Facebook?

Um die Funktionsweise der Formel, auf die ich im fol­gen­den genauer ein­gehe, ver­ste­hen zu kön­nen, sind zunächst zwei Begriffsklärungen nötig:

  • Als Edge bezeich­net Facebook das Ergebnis jeder Interaktion auf der Plattform, die ein Posting generiert.
  • Derartige Interaktionen gesche­hen zwi­schen dem Nutzer und sei­nen Connections: zu die­sen zäh­len die eige­nen Freunde, abon­nierte Pages, Gruppenmitgliedschaften, instal­lierte Applikationen etc.

Bei der Zusammenstellung der per­sön­li­chen Facebook-Startseite han­delt es sich genau betrach­tet also nicht um die Auflistung aller Postings der eige­nen Freunde, son­dern um einen Selektion der für den jewei­li­gen Nutzer rele­van­tes­ten Edges. Der mys­te­riöse Edgerank bezeich­net nun genau die­sen Relevanzwert.

Affinity, Weight und Time

Den Edgerank berech­net Facebook aus drei Faktoren, im eng­li­schen Original als “time (decay)”, “weight” und “affi­nity” bezeich­net, sinn­ge­mäß über­setz­bar mit “Zeitfaktor”, “Gewichtung” und “Affinität”. Für die Berechnung gilt fol­gende Formel:

Wie Unternehmen ihren Facebook Edgerank optimieren
Die Facebook Edgerank-Formel

u” bezeich­net die zum Zeitpunkt der Berechnung beste­hende Affinität zwi­schen Publisher und Nutzer. Dieser Wert ergibt sich aus der gemein­sa­men Vorgeschichte: je öfter ein Nutzer auf Inhalte sei­ner Connections rea­giert oder, wie es in Facebooks Terminologie heißt, mit ihnen “inter­agiert”, desto höhere ist die­ser Wert. Als Interaktionen gel­ten Likes, Kommentare und das Teilen frem­der Inhalte.

w” steht für die Gewichtung des jewei­li­gen Inhalte-Typs: Facebook bewer­tet Multimedia-Inhalte höher als Textbeiträge und Kommentare höher als Likes. Diese Gewichtung wurde sei­tens der Betreiber in der Vergangenheit immer wie­der ange­passt und verändert.

d” bringt die zeit­li­che Komponente ins Spiel: je län­ger die betref­fende Interaktion zurück­liegt, desto mehr ver­liert sie an Edgerank-Wert.

Die Summe die­ser drei Faktoren defi­niert den jewei­li­gen Edge-Wert für einen ganz bestimm­ten Nutzer. Diese Formel ist ver­ant­wort­lich dafür, dass man­che Freunde und Firmen nur ganz spo­ra­disch oder gar nicht auf der Startseite auf­tau­chen, wäh­rend andere Connections quasi stän­dig prä­sent sind. Um den deter­mi­nie­ren­den Teil der Formel, näm­lich “u”, stei­gern zu kön­nen, muss der Nutzer die eige­nen Inhalte aller­dings erst mal zu Gesicht bekom­men, damit er über­haupt mit ihnen inter­agie­ren kann.

Hier beißt sich die Katze den­noch bloß schein­bar in den Schweif, den Facebook bezieht das soziale Umfeld sozu­sa­gen als “Korrekturfaktor” ein: wenn ein hoher Prozentsatz der eige­nen Freunde mit einem Edge inter­agiert, erhöht sich des­sen Affinity-Score für den betref­fen­den User.

Wie Unternehmen ihren Edge-Rank maxi­mie­ren können

Aus oben­ste­hen­der Erklärung ergibt sich eine Reihe von Best Practices, die jedes auf Facebook aktive Unternehmen bei der Bespieglung der eige­nen Page unbe­dingt berück­sich­ti­gen sollte. Wer die fol­gende Liste von Tipps bei zukünf­ti­gen Page-Updates berück­sich­tigt, wird fest­stel­len, dass sich der “Social Reach” des Seitenbetreibers, also die Reichweite auf Facebook, vervielfacht!

Achten Sie auf den rich­ti­gen Content-Typ

Die höchste Gewichtung erhal­ten der­zeit die Content-Typen “Video”, “Photo” und “Link”. Daraus ergibt sich, dass wich­tige Ankündigungen in die­sen Formaten eine höhere Chance auf Sichtbarkeit haben als reine Text-Updates.

Keinesfalls sollte man aller­dings aus­schließ­lich Links oder aus­schließ­lich Fotos pos­ten: um die Sache ein wenig zu ver­kom­pli­zie­ren, merkt sich Facebook im Lauf der Zeit näm­lich die Präferenzen jedes Nutzers: wer häu­fig Fotoalben anschaut, Fotos liked oder kom­men­tiert, bekommt bevor­zugt bild­las­tige Inhalte prä­sen­tiert, wer häu­fig auf Links klickt, fin­det mehr externe Webseiten in sei­nem Newsfeed und so wei­ter… Leider gibt’s der­zeit keine Möglichkeit, die Vorlieben der eige­nen Fans zu ana­ly­sie­ren. Um mög­lichst alle Zielgruppen zu bedie­nen, emp­fiehlt sich Abwechslung:

[wp-like-locker]Bei weni­ger wich­ti­gen Updates darf’s ruhig mal Nur-Text sein, Top-Inhalte soll­ten abwech­selnd als Link, Foto, Video, Frage oder Event daher­kom­men — im Lauf der Zeit stellt sich dann sowieso her­aus, wel­cher Content-Typ bei den eige­nen Fans am bes­ten ankommt.

In der Vergangenheit pushte Facebook neue Features stets mit einer deut­lich erhöh­ten Gewichtung der zuge­hö­ri­gen Contenttypen: wird eine neue Posting-Option wie bei­spiels­weise “Question” (Umfragen) oder “Lifetime-Events” (rück­da­tier­bare Lebensereignisse), erhal­ten betref­fende Postings in den ers­ten Wochen beson­ders hohe Sichtbarkeit — die man als Seitenbetreiber nut­zen kann.

Abzuraten ist mitt­ler­weile vom Posting via Applikation: ob ein Seitenbetreiber seine Fotos direkt in eine Facebook-Galerie pos­tet oder statt­des­sen eine Drittanbieter-Applikation, die bei­spiels­weise FlickR-Fotos auto­ma­ti­siert auf der Page publi­ziert, macht einen beträcht­li­chen Unterschied — aus Sicht der Betreiber eine kräf­ti­ger Hebel, um die eige­nen Angebote zu pushen.

Das gilt beson­ders für Videos — Unternehmen soll­ten eigene Image-Videos idea­ler­weise nicht via Youtube ein­bin­den, son­dern das jewei­lige Video dop­pelt hochladen.

Sie ahnen es bereits: den kom­for­ta­blen Autoposting-Apps, die RSS-Feeds etwa von Blogs bequem voll­au­to­ma­tisch ver­öf­fent­li­chen, soll­ten Sie eben­falls eine Absage ertei­len: da Facebook “hän­di­sche” Status-Updates auch bei Links höher gewich­tet, zahlt sich der Mehraufwand des manu­el­len Postings auf jeden Fall aus.

Wer (nicht) pos­tet zur rech­ten Zeit…

Posten Sie zum rich­ti­gen Zeitpunkt! Der hängt ganz von Ihrem Business ab: Bars und Clubs soll­ten gegen Ende der Woche pos­ten, Service– und Handelsbetriebe zwi­schen Dienstag und Mittwoch, denn an die­sen Tage wird Facebook von Bildschirm-Arbeitern am inten­sivs­ten genutzt.

Testen Sie eini­gen Woche lang ver­schie­dene Tage und fin­den Sie mit­tels Facebook Insights — das sind die Statistiken, die jeder Page-Admin ein­se­hen kann — her­aus, an wel­chen Tagen Ihren Fans am aktivs­ten sind.

Ebenso wich­tig wie der Wochentag ist die Uhrzeit Ihres Postings. Erfreulicherweise sind sich Marketer recht einig, wel­che Zeit bran­chen­un­ab­hän­gig zu bevor­zu­gen ist: zwi­schen ein und drei Uhr nach­mit­tags erreich­ten Unternehmen auf Facebooks die meis­ten Impressions. Ob’s an Verdauungsträgheit durch schwer­ver­dau­li­che Kantinenkost liegt, sei mal dahin­ge­stellt. Fest steht jeden­falls: Morgenstund’ hat kein Gold im Mund, und das Nachtfahrverbot gilt durch­aus auch am Datenhighway.

Über­las­sen Sie Ihre Metadaten nicht dem Zufall

Achten Sie auf voll­stän­dige Open Graph Metadaten: Facebook hat einen eige­nen Standard für Metadaten, ana­log den bekann­ten HTML-Meta-Tags, ent­wi­ckelt: mit­hilfe die­ser Tags stellt der Seitenbetreiber sicher, dass die gewünschte Kurzbeschreibung sowie das gewünschte Foto bei jedem “Sharen”, also beim Teilen von Inhalten, kor­rekt ange­zeigt werden.

Abhängig vom ver­wen­de­ten Redaktionssystem exis­tie­ren dafür mög­li­cher­weise bereits Plugins. Für WordPress-basierte Seiten hat sich WP Open Graph Meta für diese Aufgabe als aus­ge­spro­chen zuver­läs­sig erwiesen.

Provozieren Sie Reaktionen Ihrer Community!

Ohne Interaktion kein Edgerank! Ob die eige­nen Fans auf ein Status-Update rea­gie­ren oder nicht, hängt in vie­len Fällen von sti­lis­ti­schen Kleinigkeiten ab. Eine Gärtnerei, die das Foto einer neuen Kakteen-Art ver­öf­fent­licht, schreibt statt “Ab sofort bei uns im Sortiment!” bes­ser “Wie gefällt Ihnen unser neuer Lieblingskaktus?” Bemühen Sie sich darum, ihre Fans emo­tio­nal zu invol­vie­ren, ver­su­chen Sie, Diskussion anzu­re­gen… kurz gesagt: Community-Building ist so aktu­ell wie eh und je!
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Wie leicht zu erse­hen ist, hängt die Optimierung des eige­nen Edgerank von meh­re­ren Faktoren ab — und nicht zuletzt vom genauen Monitoring der bis­he­ri­gen Aktivitäten. Wer die oben­ste­hen­den Tipps berück­sich­tigt, wird sich aller­dings nicht schwer tun, der Konkurrenz davon zu preschen.

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14 comments
Lars
Lars

Hey, wow, vielen Dank für diese wirklich interessanten und auch wichtigen Infos. Ich hatte nicht wirklich auf dem Schirm das FB wirklich SO "Intelligent" ist und handelt. Für die Zukunft ist dies ein sicherlich wichtiger Wert! Gruß Lars

sovus
sovus

Von diesem Algorithmus höre ich echt zum ersten mal. Würde mich mal interessieren, welche meiner Freunde mir gegenüber affin sind :)

Granit
Granit

Facebook ist schon sehr hilfreich, wenn es um die Vermarktung von allem möglichen geht. Facebook kennt jeder und er hat auch die meisten Registrierungen. Ich höre zum ersten Mal von "Edgerank"....aber es ist immer toll, etwas Neues dazu zu lernen. Gruß

Alexandra
Alexandra

Wann und Was und Wie Oft gepostet wird ist von der Zielgruppe abhängig. Dannach richtet sich bei uns (Elektronische Signatur & Verschlüsselungstechnologie) eigentlich die gesamte Content Marketing Strategie. Und da wird Facebook eine immer wichtigere Rolle spielen (müssen) Wir sind da zwar noch am Anfang aber auf einem gutem Weg :-)

Lelala
Lelala

Ist es nicht so, dass man im Besitz guten Contents nicht sowieso im EdgeRank/etc. steigt? All die BlackBox-Optimierungs-Strategien mögen ja schön und gut sein, haben aber gegen guten Content keine Chance, würde ich meinen - und wer guten Content hat, wird auch geliked und geshared.

Melanie
Melanie

Ich hab auch gehört, dass morgens - besonders zwischen 8 und 9 Uhr - oder an Wochenenden die beste Uhrzeit wäre, Nachrichten in Facebook zu posten. Danke für die weiteren hilfreichen Tipps. Die werde ich auf jeden Fall versuchen, zu berücksichtigen.

Chris
Chris

Hallo, hier sind besonders die Zeiten wichtig, wann man einen Post bei Facebook schreibt. Also ich habe gute Erfahrungen damit gesammelt Morgens und Abends gegen 18 Uhr einen Post bei Facebook zu veröffentlichen, denn dort kam der meiste Traffic zu mir. lg Chris

sascha
sascha

Ich bin der festen überzeugen das Facebook immer eine größere Rolle spielen wird im thema online marketing. Aber sehr guter Artikel hier lese jetzt öffters mit hier kann man noch was lernen

Marta
Marta

Echt gute Tipps, muss ich mal umsetzen und sehen, was es mir bringt. Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung.

Marcel
Marcel

Ich hab die beste Erfahrung gemacht, wenn ich antizyklisch geschrieben habe. Also statt abends einfach früh morgens...

duli
duli

Again I feel uneasy about being shown what THEY think I should see..because apparently they know me so well, too familiar for me dear big brother Mark :darkfrog:

Hoboken
Hoboken

Zeitpunkt und Wochentag haben gro­ßen Einfluss, das ist mir auch schon auf­ge­fal­len — die rest­li­chen Tipps kannte ich nicht; werd ich gleich mal ausprobieren.

Ritchie Blogfried Pettauer
Ritchie Blogfried Pettauer

Völlig richtig; aber wenn zwei "gleich guten Content" haben, dann entscheiden ein paar Zusatzfaktoren durchaus mit.

Ritchie Blogfried Pettauer
Ritchie Blogfried Pettauer

Je nach Branche hab ich auch schon von einigen gehört, dass für sie mittlerweile früher Nachmittag besser funktioniert - aber das hängt natürlich auch von der Zielgruppe ab.

Trackbacks

  1. […] spie­len weit weni­ger Rolle als die soge­nannte “Engagement-Rate”, die Facebook mit­tels Edgerank-Algorithmus misst. Fake-Accounts und an den eige­nen Themen völ­lig des­in­ter­es­sierte User schaden […]

  2. […] von Beginn an nicht unter­stellt, immer­hin ist die genaue Funktionsweise des soge­nann­ten Edgerank seit gut 2 Jahren bekannt. Obwohl ich per­sön­lich ohne­hin der Meinung bin, dass Facebook mit […]