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This how I work – this is how I blog

This is how I work

Früher war früher alles besser, heute grassieren Retro-Trends wie Landflucht und die Steinzeit-Diät. Sogar ich musste kürzlich an mir selbst eine gewisse Anfälligkeit für Nostalgie-Tumble-Blogs und Facebook Pages feststellen. Ja, der Zeitenlauf eilte so rasch voran, dass der Abstand zu den 90ern mittlerweile groß genug ist, um mit dem gebührenden Abstand des Historikers auf die derbsten Stile-Entgleisungen zurückzublicken: #vergnügt-lächelnd. Auch in der Blogosphäre dreht sich die gefühlte Uhr zurück, denn lang ist das letzte Stöckchen her. Aber momentan wird wieder heftig zugeworfen.

Ich hab’s bei Johannes und Luca durch die Luft fliegen sehen, geschnitzt hat Isabella anhand der Originalfragen der gleichnamigen This is how I work Reihe auf Lifehacker. Alle Einträge zum This is how I work Stöckchen sammelt Felix auf diesem Board – und nun ohne weitere Umschweife zu meinen Antworten – this is how I blog:

Blogger-Typ?

Ja! Wär sonst Blogfried mein mittlerer Vorname? Zur Sub-Klassifizierung: im Sinne der Quantentheorie bin ich natürlich kein Blogger, sondern die Summe der zwei Wellenfunktionen aus Blogger und Nicht-Blogger, die *nur* durchd die beobachtende Leserschaft zugunsten des ersten kollabiert. Dies illustriert am besten Schrödingers berühmtes Gedankenexperiment: nur der Surfer macht aus dem Blogger einen Blogger. Sperrtet ihr mich in eine Kiste ohne Internetanschluss und Webcam ein, wüsste außerhalb niemand, ob mein Blog oder ich noch atmen – wir wären also lebending und tot zugleich. In klassischer Newton’scher Betrachtungsweise indes zähle ich mich zur kleinen, aber ungezogenen Gruppe der BoPros (Bohemien Prolo).

Gerätschaften digital?

Unbedingt! Wo zwei oder drei Gastdevices in meinem WLAN versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen: mit zwei, drei Handys, Standcomputer, Laptops, Tablets, Hybrid-PCs. Wobei ich in strikter Kopenhagener Deutung aber nur Geräte als „digital“ klassifiziere, welche über mindestens eine LAN-, WLAN- oder USB-Schnittstelle verfügen. Sonst bräuchte ich endless scrolling für diesen Beitrag, von EOS über den Wasserkocher bis zur Wohnungsbeleuchtung.

Blogwerkzeuge

Werkzeugwand, im Vordergrund: kaputter digitaler Wasserkocher.

Gerätschaften analog?

Unverzichtbar! Ein Kugelschreiber im Auto zum Parkscheinausfüllen, wenn der Handy-Akku mal leer ist. Ein Auto. Ein Industry-Grade Vakumiergerät, eine Profi Schneidemaschine, Marke „Osttiroler-Speck-tauglich“. Hammer, Messer, Schere, Licht. Meinem Werkzeugschrank sein und meiner Werkzeugwand ihr Inhalt. Zählen Schreibtisch und Stuhl auch als Geräte?

Arbeitsweise

Meine Arbeitsweise ist vielleicht profund, möglicherweise euphemistisch, eventuell beispielhaft oder gar absonderlich, jedenfalls aber iterativ-nichttrivial. Sie ändert sich quasi mit jedem Blogbeitrag, denn wie schon Heinz von Foerster zu sagen pflegte:

Viele sagen, wenn ich ein Modell habe, kann ich sowohl voraussagen als auch erklären – außer man hat ein Modell, das zeigt, dass man nicht voraussagen kann, wenn man ein System betrachtet, dessen wesentliche Eigenschaft Nicht-Trivialität ist. Das ist ein Modell, welches sich mit Operatoren beschäftigt, deren Operationen sich mit jeder Operation ändern. Dann kann ich nichts mehr erklären, außer ich baue diesen Operator und weiß deshalb, wie ich ihn konstruiert habe. Aber analytisch kann ich ihn nicht erklären.

Welche Tools nutzt du zum Bloggen, Recherchieren und Bookmark-Verwaltung?

Mein Brrrain, Alda! Aushilfsweise auch WordPress, Ultraedit, Photoshop, Chrome mit Feedly, Hootsuite, Xmarks… und Onetab.

Wo sammelst du deine Blogideen?

Vom Bauchgefühl her steigen sie in den Kopf auf, werden dort evaluiert, gegebenenfalls in Ultraedit im File Desktopblog1_blog-stories.txt zwischengespeichert und wachsten dann irgendwann zu glücklichen Blogbeiträgen auf, die in den weiten Longtail hinausmarschieren und dort ihr Glück suchen.

Was ist dein bester Zeitspar-Trick/Shortcut fürs Bloggen/im Internet?

Offline bloggen, also Blogbeiträge vorschreiben ohne Internetverbindung. Zwingt zu strikter Arbeitsweise, und die Links/Zitate kann man dann immer noch im Nachhinein einfügen. Eignet sich nicht bei je dem Thema („Die 10 besten WordPress Templates für Hungerkünstler“), zeigt kognitive Eigendefizite brutal-schonungslos auf (Schreibt man „Sehge“ wirklich mit „h“?), hat sich aber grade bei reflektiven Beiträgen durchaus bewährt. Nachteil: Funktioniert nur, wenn gerade kein Internet verfügbar ist. Und Internet ist dauernd verfügbar.

Für einen Mann mit einem Blog ist jedes Problem ein Posting.

Benutzt du eine To-Do-List-App?

Ultraedit ist auch meine Tasklist, genauer gesagt die Datei Desktop!!!tasks.txt. Ich hab im Lauf der Jahre alle möglichen Taskverwaltungen ausprobiert, von Cloudbasierten wie 37signals über Outlook bis zu Mindmapping Tools. Ein Plaintext-Editor mit gut strukturierten Dateien, die in einem Cloudspeicher liegen, funktioniert für mich persönlich am besten.

Gibt es neben Telefon und Computer ein Gerät, ohne das du nicht leben kannst?

Ich benötige zum Glück bisher (Klopf auf Holz!) weder Herzschrittmacher noch Beatmungsmaschine. Aber ich könnte mir schwer ein Leben ohne die vielen Schwänke, Spekulationen und neuen Erkenntnisse vorstellen, um die der LHC (Large Hadron Collider) unser aller Leben bereichert.

Gibt es etwas, das du besser kannst als andere?

Ich kann vergleichsweise schnell lesen.

Was begleitet dich musikalisch beim Bloggen?

69 minutes of silence von Stockhausens Cousin – während ich schreibe, zieht mich Musik, die ich mag, zu sehr rein – sogar instrumentale, und bei Texten muss ich sowieso immer hinhören. Aber das liegt vorwiegend dran, dass Musik für mich außer beim Autofahren überhaupt und ganz generell gar kein Hintergrund-Medium ist. Da mach ich eher zwischendurch mal Pause, um in Ruhe eine einen neuen Tune von DJ Marky oder einen Wu Tang Track zu hören. Falls Sie’s grad nicht eilig haben: der Clan-Auftritt beim Coachella heuer war die Bombe (1:19:19), und Marky hat im Jänner auhc brav gemixt (1:03:05).

 

 

 

 

Wie ist dein Schlafrhythmus – Eule oder Nachtigall Lerche?

The time between 2 and 4 o’clock in the morning is the time for poets and madmen! Which one are you? In der Nacht sind alle Katzen grau, aber selbst das spiegelndste Display erleuchtet mit bunten Farbexplosionen die stockfinstere Nacht.

Eher introvertiert oder extrovertiert?

Eher extrovertiert. Glaub ich. Hoff ich. Sonst wär ich bei meinem Job als Berater, Workshopleiter, Lektor und Vortragender nämlich auch noch masochistisch veranlagt.

Wer sollte diese Fragen auch beantworten?

Hannes Treichl, Georg Holzer, Andreas Ostheimer [Update: Wie Andreas arbeitet] und alle, die sich Blogger schimpfen!

Der beste Rat, den du je bekommen hast?

  1. Lass mich ausreden.
  2. Trink das nicht so schnell.
  3. Wer ander’n eine Grube gräbt, hat viel Arbeit, auch wenn er eine Schaufel hat. (Zwei Jahre lang genoß ich jede Minute des fantastischen Deutschunterrichts beim grandiosen Christoph Zanon. Rat #3 gab er und mal als Hausübungsthema für einen Schulaufsatz in der 2. Klasse.)

Noch irgendwas wichtiges?

Ja, drei Dinge:

  1. Ein gemütlicher Arbeitsplatz.
  2. Die richtigen Plugins. Erst die richtigen Plugins machen aus einem durchschnittlichen WordPress einen Kaffeevollautomaten.
  3. Bei Schreibhemmung einfach zwischendurch mal einen Blogbeitrag aus Lego bauen (für Tech-Blogger: aus Lego Technik), das bringt auf anderen Gedanken und beugt allfälligen Fingerkrämpfen und Sehnenscheidenentzündungen wirkungsvoll vor.
24 comments
Andreas Ostheimer
Andreas Ostheimer

datadirt Andreas Ostheimer Gut gemeinte Tools die den Menschen nicht verstehen. Digitale Sozialromantik mit Ablaufdatum.

datadirt
datadirt

Andreas Ostheimer Haha - bei dir verrotten die Bookmarks! (in Instapaper und bei mir in Pocket)

datadirt
datadirt

Andreas Ostheimer datadirt Sozialromantik auf jeden Fall! Aber möglicherweise verstehen solche Tools unsere Bedürfnisse besonders gut: es gibt ja die These von den "Medien als delegatives System", Stichwort Slacktivism - wir lagern's aus. Also frei nach dem Motto: wenn ich's in Instapaper oder Pocket oder whereever speichere, dann muss ich's nicht (gleich) lesen. Und auch wenn das Versprechen der späteren Zuwendung nie eingelöst wird, erlösen solche Services zumindest vom schlechten Gewissen (für Religiöse) / nagenden Gefühl des Versäumnisses (für Atheisten / Agnostiker)!

Andreas Ostheimer
Andreas Ostheimer

datadirt Stimmt, Du würdest nicht glauben wie lange sich manche Tabs wehren und offen bleiben, bis ich sie ins instapaper-Exil verbanne. Gut es gibt ein paar Bookmarks die ich dank Nudelsieb immer wieder nachschlagen muss, aber der Rest bleibt bis zu den nächsten Weihnachtsfeiertagen liegen wo ich dann erst wieder zocke anstatt Ordnung in meinem ausgelagerten Gewissen zu schaffen. ;-)

AstridDietrich
AstridDietrich

U are a Bohemien Prolo :-) nice. how couldn´t i recognize before?

AstridDietrich
AstridDietrich

U are a Bohemien Prolo :-) nice. how couldn´t i recognize before?

datadirt
datadirt

AstridDietrich Naja, den Bohemien-Teil entdeckt frau eben nicht so rasch wie mein atavistisches Macho-Gehabe :-)

Chr1s
Chr1s

Mich begleitet beim Arbeiten IMMER Spotify... ohne könnte ich nicht mehr :-)

Chr1s
Chr1s

Mich begleitet beim Arbeiten IMMER Spotify... ohne könnte ich nicht mehr :-)

datadirt
datadirt

Chr1s Beim Schreiben brauch ich x-mal länger, wenn Musik läuft... bei anderen Tätigkeiten mag ich ab und an schon Hintergrundbeschallung.

Luca
Luca

One Tab ist wohl genau das, was ich seit ich wieder öfter zwischen Chrome und Firefox springe in ersterem vermisse.

Luca
Luca

One Tab ist wohl genau das, was ich seit ich wieder öfter zwischen Chrome und Firefox springe in ersterem vermisse.

datadirt
datadirt

Luca OneTab ist Gold wert - ich bin durch ein LinkedIn Update von Tim O'Reilly drauf gestoßen.

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  1. […] wurde ein Stöckchen zugeworfen und zwar von niemand Geringerem als Ritchie “Blogfried” Pettauer, der jetzt mal kurz 2 Jahre verschwunden war und jetzt anscheinend wieder voll da ist. Das soll […]

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